Trauer

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Trauer, meist verursacht durch den Verlust eines geliebten Menschen, ist ein Zustand, der das ganze Leben des Hinterbliebenen wie mit einem schwarzen Schleier überzieht. Die psychischen und zuweilen körperlichen Begleitumstände können Wochen, Monate, sogar Jahre andauern und schwanken in ihrer Heftigkeit – eine normale Reaktion auf etwas Unabänderliches. Als krankheitswertig bezeichnen Experten die Trauer, wenn sie in eine Depression übergeht. Psychotherapeutische Unterstützung ist bei anhaltenden Trauerreaktionen sinnvoll.
Sind Sie gefährdet, an einer Depression zu erkranken?

Der große Schmerz

Trauer äußert sich nicht nur in Gefühlen, sondern auch in körperlichen Beschwerden.

Der Tod eines nahestehenden Menschen oder eines Tieres, mit dem man lange im selben Haushalt gelebt hat, verändert das Leben der Hinterbliebenen schlagartig. Ein ebenso dramatischer Einschnitt ist die Geburt eines behinderten Kindes, die trauerähnliche Gefühle hervorrufen kann. Die Trauer äußert sich nicht nur in Traurigkeit, einem Verlassenheitsgefühl und einer Ohnmacht den Geschehnissen gegenüber, sie kann auch körperliche Beschwerden verursachen. Trauernde berichten über Magenschmerzen, Beklemmungen im Brustbereich oder einen wie zugeschnürten Hals, über bleierne Müdigkeit und gleichzeitige Schlaflosigkeit, über mangelnde Energie und fehlenden Appetit und über Zerstreutheit.

Im Schwall der Gefühle

Tränen sind eine Art Hygiene für die Seele.

Dass der Schmerz Tränen auslöst, scheint eine selbstverständliche Reaktion zu sein. Doch den Tränen freien Lauf zu lassen vermag nicht jeder, und vor allem Männer scheuen sich – besonders in der Öffentlichkeit – immer noch davor zu weinen. Tränen sind jedoch eine Art Hygiene für die Seele. Sie haben eine spannungslösende Wirkung und können wenigstens für eine Weile Erleichterung verschaffen. Zudem kann die Traurigkeit, wenn in Gesellschaft versucht wird, sie zu überspielen, sich umso heftiger äußern, wenn man allein ist.

In der Trauerphase kann eine Vielzahl von Gefühlen aufwallen, die für die Betroffenen oft auch gar nicht erklärlich sind. So verspüren viele Trauernde neben der Sehnsucht Wut auf den Verstorbenen. Eine Reaktion, die einerseits daher rühren kann, dass man den Tod nicht verhindern konnte, und andererseits darin, verlassen worden zu sein. Diese Wut, die nichts anderes ist als Hilflosigkeit, erschreckt viele Betroffene.

Auch Schuldgefühle und Selbstvorwürfe können sich breitmachen. Besonders wenn sie ihren Angehörigen durch einen Unfall verloren haben, grübeln viele Trauernde immer wieder darüber nach, ob sie das Unglück nicht hätten verhindern können. Auch wenn der geliebte Mensch an einer Krankheit verstorben ist, machen sich Angehörige oft darüber Gedanken, ob ein anderer Arzt, eine andere Therapie nicht doch noch geholfen hätte. Dazu kommt die mit dem Tod einhergehende Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit, für viele ein zuweilen bedrückendes Gefühl der Einsamkeit und vielleicht die Angst, das Leben allein nicht zu bewältigen.

Genug getrauert?

Es gibt keine Norm dafür, wie lange Trauer dauert. Auch in welchem Ausmaß sich Trauer zeigen wird, lässt sich nicht vorhersagen.

Wie viel Trauer um einen geliebten Menschen ist angemessen? Wie lange kann, darf man trauern? Dafür gibt es keine Norm, und wie lange und in welcher Form der Kummer auch nach außen gezeigt wird, dafür gibt es in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Rituale. Bei den Zulu in Südafrika haben Witwen ein ganzes Jahr abseits der Gemeinschaft zu trauern. Die Navajo-Indianer in Arizona finden, vier Tage Wehklagen sind genug. Menschen in Indien trauern 13 Tage – in weiße Kleider gehüllt. Chinesen sprechen nicht über ihren Schmerz, es wird jedoch erwartet, dass sie laut weinen. Hierzulande trugen vor gar nicht langer Zeit Witwen für den Rest ihrer Tage schwarze Kleider und Strümpfe und mieden ein ganzes Jahr lang jedes öffentliche Vergnügen, Anverwandte eines Verstorbenen nähten sich ein schwarzes Band um ihren Ärmel.

Langsamer Prozess

Jeder Mensch ist anders, und so erlebt auch jeder und jede den Verlust anders und unterschiedlich lange. „Die Zeit heilt alle Wunden“, heißt es dazu im Volksmund, wenngleich diese oft zum Trost ausgesprochenen Worte vermitteln, dass der oder die Betroffene selbst nichts zur Heilung beitragen kann. Bereits vor hundert Jahren sah Sigmund Freud das anders. Er sprach von Trauerarbeit, die dann zu Ende ist, wenn nach und nach der Kummer vergeht und der geliebte verlorene Mensch in den Hintergrund tritt. Doch das ist, laut Freud, kein Zustand, der von selbst eintritt, sondern eben „Arbeit“. In den 1970er Jahren setzte sich vor allem durch die Gespräche von Elisabeth Kübler-Ross mit Sterbenden die Überzeugung durch, dass Trauer in Phasen abläuft – von der Realitätsverweigerung, über das Stadium des schmerzhaften Bewusstwerdens bis zum Akzeptieren des Verlustes. Die Bildungsforscherin Erika Suchardt sprach ungefähr zur gleichen Zeit von einem Spiralmodell der Trauerbewältigung.

Allerdings stellen diese Abläufe kein allgemein gültiges Muster dar. Denn auch jeder Verlust, jedes Verhältnis zum Verstorbenen und die mit ihm zusammenhängende Geschichte ist anders. Menschen, die einen Partner oder Elternteil lange Zeit gepflegt haben, mögen dessen Tod als Erleichterung erleben – und sich dafür schämen. Bei anderen bricht die Verzweiflung erst Wochen nach dem Begräbnis aus, wenn sie bereits glauben, ein wenig darüber hinweg zu sein. Wieder andere wollen sich nicht einmal selbst eingestehen, dass sie mitten im Schmerz auch unbeschwerte Momente erleben. Und so hat sich herausgestellt, dass das Trauern eher ein Prozess in Wellenbewegungen ist, ein Auf und Ab der Gefühle, der Sehnsucht, vielleicht auch des Ärgers oder Zorns, allein zurückzubleiben, der Aussichtslosigkeit und der Ablösung.

Wie und in welchem Ausmaß sich die Trauer zeigen wird, lässt sich nicht vorhersagen. So kann es durchaus sein, dass der hinterbliebene Teil einer sehr glücklichen und engen Beziehung schon bald wieder eine neue Partnerschaft eingeht, dass die Tochter, die die Mutter lange Zeit gepflegt hat, nicht an ihr Grab gehen will oder dass der Witwer die Kleider seiner verstorbenen Frau noch lange Jahre im Schrank aufbewahrt und sich nicht davon trennen mag.

Die Arbeit der Bewältigung

Es gibt keinen Leitfaden für den Umgang mit Verlust

Fest steht: Es gibt keine Pille, die die Trauer besänftigen, den Schmerz auslöschen könnte. Auch keinen Leitfaden für den Umgang mit dem Verlust. Jeder kann nur für sich selbst herausfinden, ob es ihm guttut, eine Gedenkseite für den Verstorbenen auf facebook zu eröffnen, ob er lieber über seinen Kummer spricht, sich einer Trauergruppe anschließt oder lange Spaziergänge allein macht, ob ein Theaterbesuch Trost spendet oder das Ansehen alter Fotos und das Lesen von E-Mails und Briefen aus längst vergangenen Tagen. Manche Menschen beginnen Tagebuch zu schreiben und legen weiterhin bei jeder Mahlzeit ein Gedeck für den Verstorbenen auf.

Freilich müssen Menschen, deren langjähriger Partner verstorben ist, sich sozusagen neu erfinden. Wer gewohnt ist, einen gemeinsamen Haushalt zu führen, muss plötzlich zusätzliche Aufgaben übernehmen, allein das Leben mit allen Problemen bewältigen. Das geht nicht von heute auf morgen und braucht Geduld und vielleicht Hilfe von Freunden oder Kindern.

Ein besonders großes Loch reißt der Tod eines Kindes, das noch im gemeinsamen Haushalt gelebt hat. Gerade dann sind Schuldgefühle häufig, weil man dem Kind nicht helfen konnte, weil man selbst, als viel Älterer, noch lebt, während das Leben des Kindes, kaum begonnen, schon zu Ende sein musste.

Dazu kommen Lebensumstände, auf die die Trauernden selbst keinen oder nur wenig Einfluss haben. Oft können Freunde, Bekannte oder Verwandte nicht mit dem Schmerz eines Menschen umgehen. Sie ziehen sich zurück, und da steckt meist kein böser Wille dahinter, sie wissen einfach nicht, wie sie reagieren, was sie sagen oder tun sollen. Die Trauernden geraten dann zuweilen noch mehr aus der Balance, weil wichtige Sozialkontakte abbrechen und sie sich noch verlassener fühlen.

Was helfen kann

Es ist besser, die Trauerphase nicht mithilfe von Beruhigungsmitteln abzukürzen.

Jedenfalls braucht der Prozess der Trauer Zeit, und Experten raten davon ab, diese Phase durch Beruhigungsmittel abkürzen oder weniger intensiv erleben zu wollen. Die meisten Menschen sind nach sechs Monaten bis zwei Jahren über den schmerzlichen Verlust hinweg – was nicht bedeutet, dass sie den Verstorbenen vergessen hätten.

Aufhorchen ließ im Jahr 2013 die Neuausgabe des amerikanischen Diagnose-Handbuchs psychiatrischer Erkrankungen. Darin gilt neuerdings Trauer schon nach wenigen Wochen als behandlungsbedürftige Erkrankung. In Europa ist man von solchen Empfehlungen noch weit entfernt. Allerdings scheint auch hier der Umgang mit dem Tod aus dem modernen Leben verbannt zu sein. Manche Psychologen halten Trauer deshalb sogar für ein unzeitgemäßes Gefühl. Sie sehen darin einerseits den Grund, warum sich viele Menschen so schwertun, ihre Empfindungen zuzulassen und zu zeigen; und andererseits, warum mitunter schon früh eine Depression diagnostiziert wird, wo ein normaler Trauerprozess in Gang ist.

Vor allem in der ersten Zeit sind die Trauergefühle tatsächlich einer Depression ähnlich, doch für gewöhnlich lässt die Verzweiflung nach einer Weile von selbst nach, auch wenn der Kummer über den Verlust mitunter später wieder aufflackert. Nur bei einer Minderheit bleibt der Schmerz auch nach Monaten, sogar Jahren, so heftig wie am Anfang. Das ist oft dann der Fall, wenn der geliebte Mensch gewaltsam zu Tode kommen ist oder wenn ein Kind stirbt. Dann ist therapeutische Hilfe sinnvoll, zumal sich hinter dem Trauerschmerz auch ein Trauma verbergen kann.

Ob eine Depression vorliegt, die einer Behandlung bedarf, kann nur durch einen Arztbesuch geklärt werden. Nach gestellter Diagnose gibt es verschiedene Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, über die Ärztin bzw. Therapeut oder Psychologin gemeinsam mit dem Betroffenen entscheiden.

Wie sich Trauernde selbst helfen können

Wie in allen belastenden Situationen tun sich Menschen auch in Phasen der Trauer leichter, wenn sie über ein gewisses Maß an Resilienz verfügen, über eine Widerstandsfähigkeit in den Krisenzeiten des Lebens. Das bedeutet nicht, dass solche Menschen gefühllos wären. Vielmehr gelingt es ihnen, die Wirklichkeit anzunehmen und trotz Schicksalsschlägen optimistisch in die Zukunft zu blicken.
Jedenfalls sinnvoll ist:
  • Die Gefühle akzeptieren, auch solche, mit denen man nicht gerechnet hat, wie Wut.
  • Alkohol und Beruhigungsmittel meiden: Zwar mögen Alkohol oder Medikamente kurzfristig Erleichterung verschaffen, doch Gewöhnung tritt schnell ein und langfristig ist damit die Trauner nicht zu bekämpfen.
  • Entscheidungen von großer Tragweite vertagen: Einen Umzug oder den Wechsel des Arbeitsplatzes, überhaupt sämtliche große Veränderungen, die sehr viel Energie benötigen, besser um einige Monate verschieben.
  • Rituale finden: Jeden Abend eine Kerze für den Verstorbenen anzuzünden oder regelmäßig zum Friedhof zu gehen unterstützt dabei, den Verlust zu akzeptieren.
  • Hilfe annehmen: Wenn Freunde oder Verwandte sich anbieten, zu kochen, für den Haushalt zu sorgen oder gemeinsam ein paar Tage wegzufahren, ist das vor allem in der ersten Zeit hilfreich, in der der Alltag unbewältigbar scheint.
  • Zeit lassen: Den Verlust zu verwinden braucht eine geraume Weile.
  • Leidensgenossen finden: Vor allem Eltern, die ein Kind verloren haben, kann der Austausch in einer Trauergruppe helfen, die es in vielen Orten gibt. Die Begegnung mit Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben, kann tröstlich sein.




Redakteurin: Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Aktualisierung: 26.11.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Medizinisches Review: Univ. Prof. Dr. med. Ernst Berger (Psychiatrie), Dr. med. Bettina Reiter (Psychiatrie, Psychotherapie)

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