Psychologische Online-Beratung - Christiane Maier-Plos (Instahelp Psychologin)

Angst vor dem Terror: Das können wir gegen die ständige Furcht tun

Durch die Terroranschläge in Ägypten, Schweden, Deutschland, Frankreich und Belgien in den letzten Tagen und Monaten hat das Gefühl der Bedrohung zugenommen. Die Anschläge erzeugen eine permanente, unterschwellige Gefahr im Alltag und beeinflussen Freiheit, Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Es wird von kollektiven Ängsten gesprochen, da Millionen Menschen denselben Gefühlszustand erleben.

Tatsache ist, dass die Terroranschläge ihre Spuren in Gedanken, im Verhalten, in der Befindlichkeit und den Entscheidungen hinterlassen und sich auf Lebensgefühl und Bewegungsfreiheit auswirken. Ein mulmiges Gefühl beim Zugfahren oder beim Fliegen (Urlaubsreisen, Geschäftsreisen), bei einer Shoppingtour, einem Konzertbesuch oder Großveranstaltungen kann sich hier auftun. Können wir uns im Alltag noch frei bewegen ohne an einen Anschlag zu denken?

Welche Auswirkungen hat die Terrorgefahr auf die psychische Befindlichkeit?

Das grundlegende menschliche Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle wird durch die Terrorangriffe verletzt, wodurch Hilflosigkeit, Ohnmacht und Angst entstehen. In akuten Bedrohungssituationen ist die Angstreaktion normal und adäquat, in Situationen ohne akute Bedrohung zu intensiv und führt schließlich zu einer Einschränkung im Alltag. Diese Angstreaktion wird nicht nur in akuten Situationen ausgelöst, sondern bereits beim Ansehen oder Lesen der Nachrichten. Je öfter Liveticker und Pushnachrichten gelesen oder grausame Bilder betrachtet werden, umso mehr Stresshormone werden produziert. Zusätzlich zu den Herausforderungen im Alltag wird Angst durch diese Nachrichten bewusst oder unbewusst ausgelöst. In der Folge entstehen Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafstörungen.

Bei bestehenden Angsterkrankungen oder Personen mit ängstlicher Persönlichkeit können Terrorangriffe und die damit verbundene permanente Bedrohung die vorhandene Erkrankung verstärken oder wieder auslösen.

“Das grundlegende menschliche Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle wird durch die Terrorangriffe verletzt, wodurch Hilflosigkeit, Ohnmacht und Angst entstehen.”

 

Angst durch Selbstwirksamkeit verringern

Eine Strategie ist, sich über die konkreten Ängste klar zu werden und sich diese einzugestehen anstatt zu verleugnen und zu verdrängen. Gespräche mit Bezugspersonen über die eigene Gefühlslage können entlastend sein.

Unser Denken unterliegt Fehleinschätzungen und Verzerrungen und diese können anhand eines Realitätschecks überprüft werden. Betrachtet man die Statistik, so ist die Anzahl der Verkehrstoten ([1] 2016: 25500 Verkehrstote in der EU1) um ein Vielfaches höher als die Anzahl der Terroropfer ([2] zwischen 2006 und 2016: 199 Terroropfer in der EU).

Eine Fehleinschätzung entsteht durch den Verlust der Kontrolle in Gefahrensituationen. Im Alltag haben wir beim Autofahren, im Job oder im Haushalt das Gefühl von Kontrolle. Die Anschläge entziehen sich jeglicher Kontrolle, wodurch das Risiko überschätzt wird Opfer eines Anschlages zu werden. Dennoch passieren die meisten Unfälle beim Autofahren auf bekannten Strecken und im Haushalt. Auch die Berichterstattung kann in unserem Denken Verzerrungen erzeugen, da durch spannende und spektakuläre Darbietungen schnell falsche Schlussfolgerungen entstehen können.

Risiko realistisch einschätzen

Zur realistischen Einschätzung eines Risikos ist es hilfreich sich zu fragen: Wie hoch ist die Gefahr eines Anschlages im Zug, am Flughafen, bei Veranstaltungen oder beim Einkaufen? Die Risikoeinschätzung fällt bei jedem individuell aus. Ein Restrisiko einer Bedrohung bleibt bestehen, die absolute Sicherheit existiert nicht, aber die Wahrscheinlichkeit zu überleben ist weitaus höher. Vermeidung von Situationen führt zu einer Einschränkung im Alltag.

Der Umgang mit dem eigenen Medienkonsum kann hinterfragt werden: Nachrichtensendungen und –quellen bewusst auswählen und überlegen ob Pushnachrichten, Live-Ticker und Facebook-Benachrichtigungen jederzeit sinnvoll sind.

 
Aus psychologischer Sicht führen diese Strategien zur Reduktion der Bedrohung bei jedem einzelnen. Dabei ist Angstfreiheit nicht das Ziel, sondern mit einem gewissen Maß an Terrorangst zu leben und sich den schönen Seiten des Lebens zu widmen.

Quelle:
[1],[2] Road fatalities in the EU since 2001

Literatur:
Pieper, Georg: Die neuen Ängste, 2017

Fotoquelle: iStock.com/seb_ra


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Simone Ehrlinger

Mag.a Simone Ehrlinger

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