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Büro Teilen: Was tun, wenn der Kollege nervt?

Wer sich schon mal ein Büro geteilt hat, kennt dies sicher: Kolleginnen und Kollegen, die immer Radio hören möchten, zu viel Aftershave benutzen, die Heizung maximal hochdrehen, das Büro mit dem gesamten Familienfotoalbum dekorieren oder ständig lauthals telefonieren. Sich ein Büro zu teilen, ist nicht immer einfach, und manchmal können einem die Kollegen richtig auf die Nerven gehen.

Mit welcher Person verbringen Sie die meiste Zeit Ihres Tages? Vermutlich nicht mit Ihrer Partnerin, Ihrem besten Freund oder Ihrem Kind, sondern mit der Person mit der Sie sich ein Büro teilen – und diese Person kann man sich in der Regel nicht aussuchen. Selbst wenn man sich eigentlich gut versteht, können verschiedene Bedürfnisse und Gewohnheiten das Teilen des Büros auf Dauer erschweren. Die Raumtemperatur, störende Geräusche oder Geruchsbelästigungen sind die Hauptursachen für Konflikte im Büro. Findet man keinen guten Modus diese Unstimmigkeiten zu klären, kann sich eine starke unterschwellige Genervtheit einstellen…und irgendwann macht einen sogar das Schmatzen oder Husten des Kollegen aggressiv! Wie kommt man da wieder raus?

1. Wertschätzender Umgang miteinander

Wir alle sind soziale Wesen und nicht nur in professioneller Funktion im Büro, sondern auch als Mensch. Menschen wollen gesehen werden, angesprochen, verstanden und gemocht. Gehen Sie offen auf Ihre Kollegen zu, zeigen Sie Interesse an der Person, fragen Sie mal nach, wer auf dem Foto auf dem Schreibtisch zu sehen ist und hören Sie zu, was Ihr Gegenüber Ihnen erzählt. Vielleicht entdecken Sie gemeinsame Interessen oder es entsteht von ganz allein mehr Sympathie und Verständnis Ihrer Kollegin gegenüber – und dadurch auch mehr Geduld und Großzügigkeit im Umgang miteinander.
Machen Sie Ihrem Gegenüber eine Freude: denken Sie an den Geburtstag des Kollegen oder bringen Sie der Kollegin ihren Lieblingskuchen mit, wenn sie einen schweren Tag zu haben scheint. Lernen Sie sich etwas kennen und erkennen so an, dass am anderen Ende des Schreibtisches ein Mensch wie Sie sitzt, mit Sorgen, Freuden, Interessen und Wünschen. So werden Sie in den meisten Fällen von ganz alleine zu einem wertschätzenden Umgang miteinander finden. Sich besser zu kennen erleichtert außerdem auch anzusprechen was einen stört.

2. Besser kommunizieren

Wenn Sie etwas nervt und Sie es nicht ansprechen, wird es Sie immer mehr stören. Genervte Stimmung oder gar lästern bei den Kollegen sind kein guter Umgang mit Problemen. Schaffen Sie einen guten Rahmen, um Ihr Problem anzusprechen, anstatt es in der Wut im Stressmoment zu äußern. Sie können beispielsweise zusammen eine Kaffeepause in einem ungestörten Raum machen. Wenn man seine eigene Situation und sein Bedürfnis erklärt, statt Vorwürfe zu äußern, sind die meisten Menschen bereit darauf einzugehen.
Sie könnten beispielsweise sagen, dass Sie sehr empfindlich oder gar allergisch gegen Parfums sind und Ihre Kollegin bitten, deshalb weniger Parfüm zu verwenden. Das wird diese sicher leichter annehmen können als eine Ansprache à la „Bist Du in Dein Parfüm gefallen?“. Wenn Sie einen Kollegen haben, der Ihre Arbeit immer wieder mit Anekdoten unterbricht, könnten Sie ihm erklären, dass Sie sich schlecht konzentrieren können, wenn Sie immer angesprochen werden. Stattdessen könnten Sie vorschlagen einmal am Tag zusammen eine Kaffeepause zu machen, in der Sie in Ruhe reden können.
Nutzen Sie dieses Gespräch auch, um Ihr Gegenüber zu fragen, ob etwas nervt. Wenn man verschiedene Vorstellungen offen benennt ohne diese zu bewerten, schafft man eine gute Grundlage dafür, gemeinsam Lösungen oder Kompromisse zu finden, die allen gerecht werden.

3. Für sich selber sorgen

Natürlich gibt es auch Kollegen, bei denen all diese Versuche nichts bringen, weil diese einfach nicht gewohnt sind, auf andere Menschen einzugehen. Dann heißt es für sich selber zu sorgen. Wenn Ihr Kollege Ihnen also nach wie vor ständig etwas erzählen möchte, werden Sie kreativ: vielleicht können Sie die Schreibtische umstellen oder Pflanzen zwischen sich stellen. Auch ihn zu ignorieren oder Kopfhörer aufzusetzen kann eine Möglichkeit sein – es muss ja nicht wirklich Musik laufen. Wenn es alles nichts nützt: vielleicht ist es möglich das Büro zu tauschen? Manchmal kann man dies sogar organisatorisch begründen.

Auch ein gutes Miteinander am Arbeitsplatz hat Einfluss auf unsere mentale Gesundheit.

Fotoquelle: (c) iStock.com/DragonImages


Online-Beratung durch Psychologen


Melanie Gramer

Melanie Gramer

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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