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Genug von der Pandemie – Sind Sie auch schon Corona-müde?

Corona-Parties, Demonstrationen, heimliche Treffen mit den engsten Freunden und Freundinnen, weil “Sooo schlimm wird das alles schon nicht sein”. Während die Verunsicherung in der ersten Zeit der Pandemie noch groß war, macht sich in der Gesellschaft langsam der Unmut breit. Die Menschen werden der Maßnahmen zunehmend müde und sehnen sich nach einem Leben ohne Corona.
Warum ist das so? Und vor allem: Wie kann man die Motivation in der Gesellschaft wieder wecken, um die Pandemie gemeinsam unter Kontrolle zu bekommen?

Die Angst sitzt im Nacken

Am 11. März 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Coronavirus offiziell zur Pandemie erklärt. Erinnern wir uns zurück: Hamsterkäufe waren die Folge, massive Angst oder gar Panik und teilweise haben sich die Menschen freiwillig für Wochen von sämtlichen sozialen Kontakten isoliert. Ursache war ein neuartiges Virus, das sich wie eine Lawine über den Erdball gerollt hat. Zum damaligen Zeitpunkt wussten wir kaum etwas über den Verlauf und die Entwicklung der Erkrankung. Verheerende Bilder aller Welt kursierten durch die sozialen Medien: da waren Menschen in China, die auf offener Straße zusammen brachen, Horrormeldungen von Sterbenden in italienischen Krankenhäusern und Bilder von gestapelten Särgen in New York. Wir wollten alles dafür tun, um Szenarien dieser Art in unserem Umfeld zu verhindern – die Bereitschaft zum Verzicht war dementsprechend groß.

Die Macht der Gefühle

Es gibt mittlerweile weder einen zugelassenen Impfstoff, noch ein breitenwirksames Medikament oder gar eine Entschärfung der Situation – und dennoch scheint es so, als wären all diese schrecklichen Bilder aus unseren Köpfen verschwunden. Medien berichten über Zahlen, Fakten, Überlastungen des Gesundheitssystems und behördliche Maßnahmen… der emotionale Bezug fehlt im Vergleich zum Frühjahr aber sehr oft.
Nun weiß man aus der Psychologie, dass Inhalte viel länger im Gedächtnis bleiben, wenn diese mit emotionaler Erregung verbunden sind. Fehlt die Aktivierung der Emotionen, stuft unser Gehirn die Information als weniger wichtig ein, als wenn diese mit Angst oder Ärger verbunden ist. Die Bereitschaft zur Informationssuche schwindet und damit auch die Motivation, etwas zur Veränderung der Situation beitragen zu wollen.

Wenn der Erfolg ausbleibt

Der erste Lockdown im Frühjahr diesen Jahres war für viele von uns eine große Herausforderung. Die Mehrfachbelastung zu Hause, existenzielle Sorgen und gesundheitliche Ängste waren in allen Köpfen. Wir haben unseren Alltag vollkommen neu strukturiert, Verluste und Enttäuschungen ertragen, Stress ausgehalten – alles für den guten Zweck. Für einen kurzen Augenblick schien es so, als hätten sich all diese Mühen gelohnt und wir hätten die Krankheit unter Kontrolle gebracht. Bis plötzlich die Infektionszahlen wieder angestiegen sind… wieder vor den Fernseher zur Pressekonferenz, ein neuerliches Zittern ob der eigenen Existenz und langsam verwandelte sich die Angst zu Genervtheit. Warum?

“Fehlender Erfolg nach großer Aufopferung führt zu Enttäuschung, Frustration und Erschöpfung. Wir bekommen das Gefühl, keine Kontrolle zu haben und geraten in ein passives Verhaltensmuster: Egal, was ich tue, es ändert ohnehin nichts!”

 

Nichts geht über eine gute Verschwörungstheorie

Dies ist auch der Grund, weshalb gerade jetzt der Nährboden für Verschwörungstheorien so fruchtbar ist. Denn die spielen genau mit dieser Funktion unseres Gehirns und stoßen mit ergreifenden Theorien unsere emotionale Instabilität an. Hinzu kommt der normale “Erklärungszwang” unseres Gehirns – nämlich ein Wunsch, für alles eine Begründung und Ursache zu finden. Bevor wir es akzeptieren, Dinge als unklar hinnehmen zu müssen, unterwerfen wir uns surrealen Theorien, die wenigstens scheinbar eine Vorhersage und Kontrolle erlauben.

Die Kraft eines guten Vorbildes – oder warum Systemsprenger so ansteckend sind

Wenn wir das Gefühl haben, alle am selben Strang zu ziehen, verspüren wir eine Art sozialen Druck. Es fühlt sich gut an, zur Gruppe “der Guten” zu gehören und andersherum fühlen wir uns nicht zugehörig, wenn wir aus der Reihe tanzen. Leider verhält sich dieses kognitive Muster auch andersherum ganz ähnlich. Sehen wir nämlich in unserem Umfeld plötzlich Menschen, die rebellieren und sich auflehnen, entsteht schnell ein Gefühl von Ungerechtigkeit.

“Wieso sollte ich mich einschränken, wo es andere doch nicht so ernst nehmen?”

 

Beobachten wir dieses Verhalten, wird uns plötzlich bewusst, dass auch wir uns nicht bevormunden lassen möchten. Soll ich mich wirklich einsperren lassen? Darf jemand anderer bestimmen, was ich zu tun habe? Also, ganz sicher nicht mit mir! Und schnell entwickeln auch wir Erwachsenen ein Trotzverhalten, das wir sonst nur allzu gut von unseren Kleinsten kennen.

Warum das Richtige tun, wenn das Falsche gar nicht so schlimm ist?

Und nicht nur beim Trotzverhalten, sondern auch beim lebenslangen Lernen funktionieren unsere reifen Gehirne nicht viel anders als die von Kindern. Wir lernen das besonders gut und schnell, wofür wir direkt eine positive Verstärkung erleben. Fehlt diese Form der “Belohnung”, neigen wir dazu, das eigentlich vernünftige Verhalten nicht mehr zu wiederholen. Andersherum: Werden wir für ein Fehlverhalten direkt bestraft, reduziert das die Wahrscheinlichkeit, uns weiterhin so zu verhalten. Bleibt die Bestrafung oder Konsequenz hingegen aus, können wir aus Fehlern auch nicht lernen. So geschehen ist es bei der ein oder anderen Corona-Party, die zwar gesellschaftlich und moralisch völlig falsch war, den Betroffenen ganz persönlich allerdings meist keine Schmerzen bereitet hat.

“Wirklich weh tut es nur dann, wenn es selbst weh tut”

 

Die Verlockung des Verbotenen

Es hat mit einem roten Apfel im Paradies von Adam und Eva begonnen und zieht sich bis heute in unseren Köpfen durch. Wir Menschen wollen häufig das, was wir gerade nicht haben können. Das Verbotene ist besonders reizvoll und die Verlockung, die Regeln zu brechen, stets groß. Überlegen Sie selbst? Welche Aktivitäten sind gerade jetzt besonders reizvoll für Sie, wo wir sie nicht ausführen dürfen?

Lösungen finden: Das Ziel vor Augen haben

Nicht nur uns ist aufgefallen, dass die vielen Maßnahmen und die zunehmende Unklarheit über die Regelungen eine Art “Corona-Müdigkeit” auslösen. Auch die New York Times schreibt:

“In den Teilen der Welt, in denen sich das Coronavirus wieder ausbreitet, stoßen die Ausbrüche mit einem wachsenden Gefühl der Teilnahmslosigkeit zusammen. Eine gefährliche Kombination, die […] die verheerende neue Welle noch verschlimmern könnte.”

 

Umso wichtiger ist es, die Gesellschaft wieder zu motivieren und gemeinsam die Zeit durchzustehen. Was hierbei wichtig ist? Wir fassen zusammen:

  1. Es braucht klare Kommunikation, Ehrlichkeit und Transparenz von Seiten der Regierung. Die Maßnahmen müssen nachvollziehbar und absolut klar formuliert sein. Ständige Neuerungen, Unklarheiten und regionale Unterschiede erzeugen Frustration und reduzieren die Motivation!
  2. Die Menschen müssen die Sinnhaftigkeit hinter den Maßnahmen erkennen. Diese sollte nicht nur durch Zahlen und Fakten, sondern auch über einen emotionalen Bezug hergestellt werden. Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit Ihrer Mithilfe und Ihrem Verhalten auch nur ein einziges Menschenleben retten – wie fühlt sich das für Sie an?
  3. Soziale Kontakte sind nun wichtiger denn je! Nach Möglichkeit in Anlehnung an die aktuell geltenden Maßnahmen persönlich oder virtuell – bleiben Sie in Kontakt mit Familie und Freunden oder Freundinnen. Sprechen Sie so oft wie möglich über Ihre Befindlichkeit und scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen!
  4. Auf Ihre Bedürfnisse achten! Wir können das geforderte Durchhaltevermögen nur dann aufbringen, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht außer Acht lassen. Spüren Sie also in sich hinein: Was brauche ich gerade? Wie kann ich vielleicht jemand anderem etwas Gutes tun?
  5. Verlieren Sie die Perspektive nicht aus den Augen: Auch wenn es momentan mühsam ist, freuen Sie sich auf eine Zeit, in der wir das Virus unter Kontrolle haben. Es wird gewiss noch viel Kraft von uns einfordern, aber es wird sich lohnen und wir werden die Dinge, die wir jetzt vermissen, dann umso mehr genießen!
  6. Fotoquelle: (c) pixabay.com/users/alexas_fotos-686414

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