Besser leben - Sabine Otremba

Immer geradewegs zum Ziel?

Wer erfolgreich sein will, hat ein Ziel – oder besser mehrere – und das ist selbstverständlich SMART formuliert. Manchmal allerdings gerät die Maschinerie ins Stocken und trotz bester Planung geht es nicht vorwärts. Gut beraten sind die, die lernen, diese Phasen auszuhalten, ohne sich gleich in blinden Aktionismus zu stürzen. Manchmal ist es sogar sinnvoll, kurzfristig bewusst einen Gang zurückzuschalten.

Raus aus dem Hamsterrad, Ziel unter die Lupe nehmen

Zugegeben: das Aushalten von Leerlaufphasen macht keinen Spaß. Keine Aufregung, keine Ablenkung, keine Erfolge. Die Zeit rennt uns davon, denn wer nicht schnell genug ist, wird von anderen überholt. Geben wir dann noch zu, dass wir aktuell gerade kein großes Ziel ansteuern, sondern ein wenig aus dem Tritt geraten sind, müssen wir schon ein dickes Fell haben, um dem Druck von außen standzuhalten. Dabei sind diese Verschnaufpausen wichtig. Denn wer im Hamsterrad steckt und betriebsam dem vorgegebenen Weg folgt, kommt kaum dazu, irgendetwas zu hinterfragen und gegebenenfalls die nötigen Kurskorrekturen einzuleiten. Wenn es hakt, kann die Beantwortung der folgenden Fragen erhellend wirken:

  • Ist das angestrebte Ziel überhaupt noch stimmig? Ziele sind selten in Stein gemeißelt und da wir uns verändern, ist es notwendig, das Ziel eventuellen Veränderungen anzupassen.
  • Hakt es vielleicht, weil das Ziel noch eine Nummer zu groß ist? Dann kann die Unterteilung in Teilschritte sinnvoll sein.
  • Wie ist es eigentlich um die Motivation bestellt? Ist das Ziel selbst erstrebenswert oder eher der Weg dorthin? Die Grenzen können dabei fließend sein – wer beispielsweise einen Roman schreibt oder liebevoll ein Möbelstück restauriert, kann an der Handlung selbst ebenso interessiert sein wie am Resultat. Im Idealfall harmoniert beides miteinander und mit diesem Wissen lassen sich auch Durststrecken leichter überbrücken.

Langfristiges Ziel oder doch nur ein Wunschtraum?

Besonderes Augenmerk – und zwar nicht nur dann, wenn es hakt – gebührt dem sogenannten großen Ziel oder einem Lebenstraum, bei dem es vor allem um das Resultat geht. Es kostet uns viel Energie, Zeit und womöglich auch Geld, diesen Traum zu erreichen – und genau deswegen ist hier regelmäßiges Hinterfragen angezeigt, um nicht mit voller Kraft in die falsche Richtung zu laufen. Wir verändern uns im Lauf der Jahre – was ist mit dem angestrebten Ziel? Passt es noch zu uns? Wünschen wir uns wirklich noch das Häuschen im Grünen oder passt die Stadtwohnung mittlerweile viel besser zu uns? Ist es wirklich unser Wunsch, mit Sack und Pack auszuwandern, um anderswo neu anzufangen oder steckt vielleicht eher der Wunsch dahinter, endlich aus dem Hamsterrad aussteigen zu können?

Daniel Gilbert, Harvard-Professor und Autor des 2006 veröffentlichten New-York-Times-Bestseller “Ins Glück stolpern” (englisch “Stumbling on Happiness”) mahnt in seinem Buch zur Achtsamkeit, wenn es darum geht, auf ein großes Ziel oder einen vermeintlichen Lebenstraum hinzuarbeiten. Kaum jemand von uns kann erahnen, wie er sich fühlt, wenn das lang ersehnte Ziel endlich erreicht ist, so Gilbert. Und genau darum ist es wichtig, immer wieder zu hinterfragen, welche Wünsche und Sehnsüchte dem angestrebten Ziel zugrunde liegen, um nicht mit Volldampf den falschen Hafen anzusteuern und währenddessen das zu übersehen, was uns vielleicht viel glücklicher machen würde.

Manchmal ist der Weg zum Ziel etwas länger

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ – dieses afrikanische Sprichwort bringt schön auf den Punkt, dass wir trotz bester Planung und Zielsetzung gelegentlich ums Warten und das Aushalten der Leerlaufphasen nicht herumkommen. Warum auch? Beim Gärtnern erwarten wir schließlich auch nicht, dass die frisch in die Erde gebrachte Saat sofort eine Ernte abwirft. Geht es aber darum, ein Ziel zu erreichen, sind wir weitaus ungeduldiger und machen uns das Leben damit unnötig schwer. Vielleicht sollten wir uns ein wenig in Gelassenheit üben – sobald wir alles uns mögliche getan und die Sache in die Wege geleitet haben. Und es mit dem unbekannten Verfasser der folgenden Lebensweisheit halten: „Wenn es das Richtige ist, wird es geschehen, wenn nicht, war es nicht das Richtige.“

Fotocredit: (c)iStock.com/william87


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Mag. Elisabeth Feiks

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