Besser leben - Sabine Otremba

Mehr Selbstliebe: Den inneren Kritiker zähmen

Wenn wir uns selbst lieben, sind wir uns ein guter Freund und achten auf uns. Wir lassen es nicht zu, dass jemand schlecht über uns redet. Oder uns Dinge an den Kopf wirft, die beleidigend und erniedrigend sind. Kurz: Wir zeigen denen die Rote Karte, die uns die Selbstliebe rauben und dafür sorgen, dass wir mutlos, verzagt und deprimiert zurückbleiben. Nun können wir Außenstehende vielleicht noch in die Schranken weisen. Einer jedoch lässt sich nicht den Mund verbieten: der innere Kritiker.

Den inneren Kritiker in Schach halten – ehe er die Selbstliebe auffrisst.

Der innere Kritiker kann uns das Leben zur Hölle machen. Wenn er mit uns fertig ist, hinterlässt er eine Schneise der Verwüstung. Er knallt uns einiges an den Kopf. Etwa:

• Ich bin ja so blöd, ich werde das nie schaffen.
• Kein Wunder, dass ich das auch wieder versiebt habe. Ich bin eben ein Versager.
• Ich bin nicht gut genug.
• Bilde dir bloß nichts ein, du hast doch nur Glück gehabt.
• Was bin ich fett/hässlich/alt.
• Ich bin einfach zu faul/träge/undiszipliniert.
• ….

Nach Gemeinheiten wie diesen ist es nahezu unmöglich, auch nur einen Hauch von Selbstliebe zu empfinden. Und darum ist es wichtig, dem inneren Kritiker die Rote Karte zu zeigen, sobald er sich ans Werk macht.

Der innere Kritiker ist relativ leicht zu erkennen

Dieser Nörgler gibt nämlich niemals aufbauende oder liebevolle Worte von sich. Oft stecken Stimmen aus unserer Kindheit oder Jugend dahinter, so dass es sich eigentlich um einen Chor der verschiedensten Stimmen handelt. Uns wurde gesagt, dass wir zu laut oder zu leise, zu faul oder zu hibbelig, zu hässlich oder zu dumm sind. Diese Prägungen sitzen tief – obwohl wir heute nicht mehr auf das Wohlwollen der Eltern, der Großeltern oder ehemaliger Lehrer und Ex-Freunde angewiesen sind. Höchste Zeit, die alten Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Den inneren Kritiker unserer Selbstliebe zuliebe entkräften

Was für verheerend wirkende Sätze durch unseren Kopf schwirren, ist uns oftmals kaum bewusst. Noch überraschender dürfte es sein, wie viele dieser Sätze im Lauf des Tages zusammenkommen. Und darum ist es wichtig, sich diese negative Gehirnwäsche bewusst zu machen. Denn die Macht des inneren Kritikers liegt auch darin, dass er im Geheimen arbeitet.

  • Es lohnt sich, gezielt auf diese demotivierenden Botschaften zu achten. Und sie im Verlauf einiger Tage vielleicht sogar aufzuschreiben. So vor Augen geführt wird uns noch bewusster, mit welcher Art von Gedanken wir uns selbst sabotieren.
  • Gelingt es uns, den inneren Kritiker auf frischer Tat zu ertappen, können wir dem nächsten demotivierenden Spruch („Du bist so ein Versager!“) vielleicht ein Gesicht (Eltern?) und ein Erlebnis (ein verhauenes Zeugnis der 10.Klasse) zuordnen. Und uns entscheiden, ob diese Botschaft weiterhin gültig sein soll oder ob sie nicht längst verjährt ist.
  • Außerdem können wir dem negativen Erlebnis ein paar kleine und große Erfolge gegenüberstellen, die beweisen, dass wir eben kein „Versager“ sind.

Die Arbeit mit dem inneren Kritiker bedeutet nicht, dass wir ab sofort jegliche Art der Kritik von uns weisen. Konstruktive Kritik ist zwar nicht immer angenehm, im Sinne der Weiterentwicklung allerdings von unschätzbarem Wert. Zielt die Kritik jedoch lediglich darauf ab, Selbstwert und Selbstliebe zu untergraben, hat sie in unserem Leben nichts zu suchen.

Die Arbeit mit dem inneren Kritiker erfordert einen langen Atem

Die Zähmung des inneren Kritikers wird inneren Widerstand auf den Plan rufen. Kein Wunder. Die negativen Botschaften sind uns mittlerweile so vertraut, dass wir sie längst für bare Münze nehmen. Oft kommen wir überhaupt nicht auf die Idee, dass es auch anders sein könnte. Und so erscheint uns alles, was diesen Botschaften zuwiderläuft, zuerst einmal fremd und unglaubwürdig zu sein. Vielleicht fühlen wir uns anfangs sogar wie ein Scharlatan, wenn wir zaghaft damit beginnen, ein besseres Bild von uns zeichnen. Am Anfang ist es daher schon ein Erfolg, wenn wir den inneren Kritiker als solchen identifizieren. Und den Wahrheitsgehalt seiner Botschaften anzweifeln. Auf dass wir ihm ein wenig seiner Macht nehmen. Der Rest wird folgen. Schritt für Schritt.

Fotocredits: iStock.com/m-gucci


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Janina Pollak

MMag. Janina Pollak

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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