Besser leben - Susanne Prosser

Müssen wir immer und überall glücklich sein?

Das Leben dreht sich scheinbar darum, immer und überall glücklich sein zu müssen. Und genau das ist der Schlüssel zum Unglück. Befreien Sie sich davon – und entdecken Sie eine neue Qualität der Freude und der inneren Zufriedenheit.

Wozu sind wir auf der Welt? Was ist der Sinn des Lebens? Eine Frage, mit der wir uns alle auf unsere Art beschäftigen. Ein wesentlicher Teil des Lebenssinns ist bestimmt, glücklich zu sein. Unsere Aufgabe dabei ist, Entscheidungen zu treffen, die zu unserem Besten sind und die uns ermöglichen, “glücklich” zu sein. So gibt es zum Beispiel Menschen, die aufgrund unbewusster Muster immer wieder in destruktive Lebenssituationen hineinrutschen. Deren Aufgabe ist es, unter dem Aspekt “glücklich Sein” andere Entscheidungen zu treffen, die es ermöglichen, das ständige Leiden in Freude einzutauschen.

Das Streben nach Glück begleitet uns ständig – auch, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind.

 
Das Streben nach Glück begleitet uns ständig – auch, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind. Wenn wir uns die Motive überlegen, nach denen wir handeln, dreht sich genau genommen fast alles darum, das Glück zu erhalten oder, noch mehr, es zu maximieren. Sind unsere Grundbedürfnisse einmal erfüllt – wenn wir ein Dach über dem Kopf und genügend zu Essen haben und wir darüber hinaus gesund sind und uns sicher fühlen – dann geht es, wie man es dreht und wendet, unterm Strich immer um das Streben nach dem Glück.

Was für ein Stress! Denn das mit dem „glücklich Sein“ und „glücklich Werden“ so eine Sache. Was heißt glücklich Sein überhaupt? Ständig bekommen wir immer neue Anregungen dazu, wie wir unser Glück angeblich steigern können, die in einer derartigen Intensität auf uns hereinprasseln, dass wir gar nicht mehr erkennen, was diese eigentlich mit uns selbst zu tun haben: „Kauf dir dieses Outfit, dann bist du trendy (ergo: angepasst und damit auch ein “guter” Konsument) und damit glücklicher, liebe dich endlich selbst, dann wirst du glücklicher, finde den richtigen Job, dann wirst du erfolgreicher und damit glücklicher, finde den perfekten Partner, dann wirst du glücklicher, verdiene mehr Geld, dann wirst du …“

Der Druck fängt immer wieder von vorne an

Kaum hat man endlich erfüllt, was man zum vermeintlich ultimativen oder gar finalen Glückszustand braucht, ist er auch schon wieder vorbei. Und der Druck fängt von vorne an. Hat man sich das eine Täschchen endlich gekauft, ist es schon wieder out und ein neues muss her. Man will sich ja nicht mit Mode von gestern auf der Straße blicken lassen!
Es kann aber auch vorkommen, dass das Projekt Luxusbag so kostspielig war, dass am Konto plötzlich ein großes Loch aufklafft. Jetzt stellt man fest, dass man sein Einkommen steigern sollte, um sich all diese Accessoires kurz- und langfristig auch leisten zu können. Das würde aber bedeuten, die nächste Sprosse der Erfolgsleiter zu erklimmen, und dafür heißt es: anstrengen und mehr Lebenszeit investieren, um karrieretechnisch weiter zu kommen … wie das der Partner aufnehmen wird? Wie viel Zeit da wohl noch für Hobbies, Freunde und Familie bleibt?

Das Gedankenkarussell beginnt. Was wäre, wenn? Vielleicht sollte ich den Partner verlassen und mir einen neuen suchen, der mich endlich glücklich macht? Und am besten gleich die Stadt verlassen, weil es andernorts so viele neue Chancen gibt? Es gibt so vieles, was wir an uns selbst und an unserem Leben verändern sollten, damit wir endlich glücklicher werden.

 
Doch all diese Suggestionen beziehen sich auf die Zukunft. Die Zukunft aber ist nichts anderes als eine Illusion. Sie ist nicht da. Irgendwie scheint es, als wäre das Endziel nie dauerhaft erreicht: Der Zustand des Glücks.

Angefeuert wird das Ganze noch von anderen Menschen, die zu Vergleichen verleiten: “Die beste Freundin hat eine so tolle Figur, die will ich auch”, oder “Welch schönen Garten der Nachbar hat, warum habe ich den nicht auch?” Vergleiche sind am Weg zur Zufriedenheit das, was am wenigsten förderlich ist. Denn die anderen sind die anderen. Und wir sind wir. Wenn wir unser Glück danach richten, was wir bei anderen sehen, wird es nie zu einem “Ende” kommen.

Glücklich sein: Das Ende einer Täuschung

Wenn wir bildlich gesehen mit hängender Zunge den immer neuen Vorstellungen hinterher hecheln, vergessen wir ganz, was wir schon alles haben. Und werden dabei … richtig unglücklich. – Und enttäuscht. Doch das Ende dieser Täuschung ist die ultimative Erkenntnis, die uns dem echten Glück das größte Stück näher bringt: Es ist die Erkenntnis, dass das Glück erst dann beginnt, wenn wir den Anspruch aufgeben, immer und überall glücklich sein zu müssen.

Das müssen wir nämlich nicht. Wir sind keine schlechteren Menschen, wenn wir in kürzeren oder auch längeren Phasen unseres Lebens nicht glücklich sind. Es ist sogar eine unglaubliche Erleichterung, sich zu erlauben, nicht immer und überall glücklich zu sein. Auch, einmal richtig unglücklich zu sein. Dann passiert nämlich etwas: Ein Prozess der wahren Selbsterkenntnis kommt in Gang.

 
Denn in dem Moment, in dem man sich eingesteht und ehrlich zu selbst sagt: „Ich bin derzeit überhaupt nicht glücklich“, geht es plötzlich nur um das, was man wirklich will. Plötzlich sagen Sie sich: “Eigentlich will ich gar nicht Karriere machen und zulassen, dass meine ganze Freizeit Ruhm und immer mehr Geld zum Opfer fällt.” Oder: “Eigentlich will ich auch ohne Designertäschchen toll aussehen, denn das Täschchen haben so viele Menschen, sodass es meine ganze Individualität untergräbt.”

Unglücklich sein und sich selbst erkennen: Es ist der erste Schritt zur Veränderung, die uns ermöglicht, das Leben achtsam und in Freude zu er-leben. Mit all seinen vielen bunten Facetten, die es bietet.

Fotocredit: iStock/hobo_018


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Annette Wallisch-Tomasch

Mag. Dr. Annette Wallisch-Tomasch

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