Besser leben - Sabine Otremba

Müssen wir unsere Träume leben?

Sie scheinen überall zu sein – besonders präsent sind sie allerdings in einschlägigen Zeitschriften sowie in den sozialen Netzwerken. Die Rede ist von Menschen, die ihre Träume leben. Und von denen, die ihren Traum leben, indem sie anderen erklären, wie man seine Träume lebt. Ich liebe meine Träume und ich möchte nicht ohne sie leben. Die Frage ist allerdings: Muss ich sie deshalb auch unbedingt leben wollen?

Träume: Tagtraum, Fluchtfantasie oder Kompass?

Wir haben wohl alle unsere kleinen und großen Träume, die verschiedenen Umfragen zufolge oft ganz klassisch sind. Gesundheit und finanzielle Sicherheit. Den Herzensmenschen finden. Eine Familie gründen. Die Welt bereisen oder gleich auswandern. Im Lotto gewinnen und das Traumhaus kaufen. Vielleicht träumen wir aber auch von einem Leben als Künstler, der auf den großen Bühnen dieser Welt zu Hause ist oder davon, endlich einen Roman zu schreiben. Träume können verschiedene Gesichter haben, sagen u.a. auch die Psychologinnen Brigitte Boothe und Clarissa Pinkola Estés. Mal sind sie unsere kleine Oase, mal der Kompass, der uns dabei hilft, unsere Ziele zu erreichen. Hin und wieder gleichen sie allerdings einer klebrigen Masse, die uns im Reich der Träume gefangen hält. Darum tun wir gut daran, wenn wir uns genau anschauen, mit welcher Art von Traum wir es zu tun haben.

  • Tagträume und Wunschfantasien:

    Manchmal ist unser liebster Traum gar nicht dafür gedacht, je in Erfüllung zu gehen. Weil wir uns lieber im Alltag für einige Minuten dorthin zurückziehen, um Kraft zu schöpfen und aufzutanken. Anstelle der Trostschokolade gönnen wir uns dann eben ein wenig mentale Zuckerwatte. Wir träumen genüsslich vor uns hin und packen anschließend gestärkt die nächste Aufgabe an. Tagträume gleichen einem kleinen Urlaub fürs Gehirn und für die Seele, den wir getrost genießen können, so wir uns nicht dauerhaft darin verlieren.

  • Fluchtfantasien:

    Andere Träume lullen uns ein. Sobald es schwierig oder unangenehm wird, flüchten wir uns in unsere Traumwelt und fantasieren vor uns hin. Und das nicht nur in jeder freien Minute, sondern auch dann, wenn geistige Anwesenheit gefordert ist, um die Situation aktiv zu verbessern. Im Traum haben wir all das erreicht, was uns erstrebenswert zu sein scheint – in der Realität sitzen wir die Probleme träumend auf der Couch aus. Und je zäher und farbloser das Leben wird, desto schillernder und intensiver werden unsere Träume. Diese Fluchtfantasien, wie Clarissa Pinkola Estés sie nennt, fühlen sich für den Moment vielleicht angenehm an, hindern uns jedoch daran, unser Leben aktiv anzugehen. Allerdings können Fluchtfantasien wichtige Hinweise auf das enthalten, was wir uns im Leben fehlt – also schauen wir ruhig mal genauer hin, anstatt uns nur wegzuträumen.

  • Kompass:

    Richtungsweisende Träume setzen Energie frei und bringen Bewegung ins Leben. Wir werden wacher, aufmerksamer und bekommen große Lust, das Geträumte endlich auch in der Realität auszuprobieren. Vielleicht kaufen wir entsprechende Bücher oder belegen Kurse, wälzen Reiseführer oder durchforsten das Internet und saugen alle Informationen auf, die uns bei der Verwirklichung unserer Träume helfen können. Wir werden aktiv und spüren, dass es da noch so einiges in unserem Leben gibt, das auf Verwirklichung drängt. Und dabei handelt es sich durchaus nicht nur um große, das bisherige Leben auf den Kopf stellende Träume, die uns zwingen, den Job, die Familie oder den Wohnort hinter uns zu lassen. Manchmal sind es gerade die kleinen Ideen, die unser Herz hüpfen lassen, sobald wir nur daran denken.

If you can dream it…

Manchmal ist der Grat zwischen Wunschfantasien und Fluchtfantasien schmal. Doch wenn wir uns nicht völlig in unseren Traumwelten verlieren und darüber die Realität vernachlässigen, spricht nichts dagegen, wenn wir uns regelmäßig einen Ausflug ins Reich der Träume gönnen. Und uns vielleicht auch mal den Spaß machen, einen unverschämt langen Wunschzettel zu schreiben, den niemand außer uns zu Gesicht bekommt und den wir mit in unsere Träume nehmen. Ja, wir sind erwachsen, durch und durch realistisch. Und schieben alles, was unrealistisch, egoistisch oder gierig zu sein scheint, schnell beiseite. Aber wer sagt denn, dass das Leben nicht auch mal ein traumhaftes Wunschkonzert sein darf? Denn wie stellte schon Walt Disney fest:

“If you can dream it, you can do it.”

 

Ob wir unsere Träume wirklich leben wollen – und welche – oder ob sie uns einfach nur den Tag versüßen dürfen, können nur wir selbst entscheiden. Es lohnt sich allerdings, unseren liebsten Wunschfantasien auf den Grund zu gehen. Sie könnten der Anfang von etwas Wunderbarem sein. Und sei es nur, dass sie uns einen wunderschönen Tagtraum bescheren, der uns für den Rest des Tages ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Fotocredits: iStock.com/fotojog


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