Besser Leben - 21. November 2016, Sabine Otremba

Shopping – zwischen Lust, Frust und Sucht

Mit ihrer „Shopaholic – die Schnäppchenjägerin“– Reihe um die shoppingsüchtige Becky Bloomwood hat die britische Autorin Sophie Kinsella einen Bestseller gelandet, der sogar verfilmt wurde. Es war amüsant mitzuerleben, wie sich Becky Bloomwood von einer Shopping-Eskapade in die nächste stürzt, sich dabei in die absurdesten Situationen bringt und am Ende natürlich immer die Kurve bekommt. Im echten Leben ist das leider nur selten so glamourös und vor allem weitaus weniger witzig.  Besonders, wenn die Grenze überschritten wird und auf der Lust aufs Shopping eine Sucht wird.

Tricks, mit denen wir zum Shopping verführt werden

Natürlich kann uns niemand dazu zwingen, etwas zu kaufen, wenn wir es nicht wollen. Allerdings gibt es durchaus einige Tricks, mit denen in den Geschäften gearbeitet wird.

  • Die günstigsten Produkte stehen selten im Blickfeld – sondern gerne mal ganz unten oder links oben im Regal.
  • Die Einkaufswagen werden immer größer, damit wir das Gefühl haben, ruhig noch ein paar Waren mehr in den Wagen legen zu können – der ist ja noch halb leer.
  • Sogar die Nase kauft mit. Deswegen duftet es gerade in Supermärkten immer öfter verführerisch nach frischen Backwaren- das macht nämlich nicht nur Appetit auf Brot und Kuchen, sondern auch aufs Einkaufen.
  • Auch Probehäppchen machen Appetit auf mehr – wer sich kostenlos durchs Sortiment probieren durfte, fühlt sich hinterher verpflichtet, tatsächlich etwas zu kaufen.

Eine ganz andere Herausforderung ist es allerdings, den Online-Kaufanreizen zu widerstehen.

Online-Shopping: Wenn alles nur einen Klick entfernt ist

Die bunte Konsumwelt im Internet macht es Shopaholics nicht leicht, ihr Kaufverhalten im Zaum zu halten. Online-Shops haben nicht nur rund um die Uhr geöffnet, auch natürliche Hürden wie der Gang ins Geschäft und der Kontakt mit dem Verkaufspersonal fallen weg. Sogar der Akt des Bezahlens gestaltet sich online anders und schnell kann das Gefühl entstehen, sich lediglich auf einem virtuellen Spielplatz zu tummeln und mit „Spielgeld“ zu bezahlen. Selbst die letzte Kontrollinstanz, nämlich „die Blicke der anderen“, entfällt beim Online-Shopping. Das böse Erwachen kommt mit unzähligen Paketen und Päckchen, die ins Haus geliefert werden. Und mit dem Blick auf den Kontoauszug.

Wann wird das Shopping zur Sucht?

Nun ist nicht jeder, der gerne mal einkaufen geht, gleich shoppingsüchtig. Gelegentliche Frustkäufe, die der Kompensation dienen, sind ganz normal. Allerdings gibt es Warnsignale, die auf ein Suchtverhalten hinweisen können:

  • Es wird um des Kaufens willen gekauft und nicht, weil Anschaffungen nötig sind.
    Immer wieder werden Dinge gekauft, die nicht nötig sind. Und oft landen diese Dinge dann unbenutzt im Schrank oder werden einfach verschenkt.
  • Shoppingsüchtigen ist durchaus bewusst, dass sie ihr Einkaufsverhalten nicht unter Kontrolle haben – deswegen verschleiern sie es. Die Jacke etwa ist nicht neu, sondern schon „ein ganz altes Teil“. Und die Shoppingausbeute war auch nicht teuer, sondern „ein Schnäppchen“.
  • Wird das Shopping zur Sucht, ist der Kaufzwang mental nicht mehr zu beeinflussen – es wird gekauft, obwohl man es besser weiß und obwohl man sich im Geiste schon mehrmals geschworen hat, dieses Verhalten einzuschränken.
  • Kurz und gut: Die Gedanken kreisen permanent ums Shopping. Etwa um demnächst anstehende oder bereits getätigte Käufe und die damit einhergehenden Schuldgefühle.

Shopping – Wege aus der Kaufsucht

Ohne Selbstreflexion geht es nicht. Wird der Wunsch, „mal wieder“ zum Shopping zu gehen übermächtig, ist es wichtig, sich zu fragen, was damit kompensiert werden soll.  Hilfreich ist es auch, vor dem Shopping eine Einkaufsliste zu erstellen und nicht mehr Geld mitzunehmen, als nötig. Gekauft wird nur, was auf der Liste steht und damit das leichter fällt, bleibt die Kreditkarte zu Hause.  Hilft alles nichts und überlagert der Wunsch, regelmäßig zum Shopping zu gehen alles andere, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich zu vergegenwärtigen, dass in Deutschland 600.000 bis 800.000 Menschen als kaufsüchtig gelten – die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Fotoquelle: (c) iStock.com/bymuratdeniz

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