Besser leben - Sandra Linde

Umgang mit Depressionen: Tipps für Angehörige

Bei Menschen mit Depressionen spielt das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. Sei es die Familie, Freunde oder Arbeitskollegen – soziale Kontakte sind immens wichtig. Immer. Aber vor allem, wenn man in einer Depression steckt.

Raus aus dem Schneckenhaus bei Depressionen

Obwohl Menschen mit Depressionen wissen, dass sich ein aktives soziales Leben positiv auf sie und ihre Krankheit auswirkt, neigen sie dazu, sich vor allem während einer depressiven Phase zurückzuziehen.

Der Wunsch nach Ruhe und dem Alleinsein ist ein charakteristisches Symptom der Krankheit. Wohl wissend, wie falsch es ist, diesem Wunsch nachzugehen, igeln sich Betroffene oft völlig ein.

 
Sie sind in so einer Situation darauf angewiesen, dass das persönliche Umfeld aufmerksam und sensibel reagiert. Angehörige können mit viel Verständnis und Geduld dem Rückzug entgegenwirken.

Angehörige sind keine Psychotherapeuten

Es erfordert viel Einfühlungsvermögen und einen hohen Grad an Sensibilität, um richtig mit depressiven Menschen umgehen zu können. Dabei sollten sich Familienmitglieder, Partner und Freund immer im Klaren darüber sein, dass sie nicht die Rolle und Aufgabe einen Psychotherapeuten erfüllen sollen. Die rein therapeutische Hilfe gehört ausschließlich in die Hand eines Profis. Es ist natürlich eine Gratwanderung, sich zum einen um einen kranken Menschen zu kümmern und gleichzeitig so viel Distanz zu wahren, dass einem der Zustand eines geliebten Menschen nicht zu nah geht. Aber es ist wichtig für das Umfeld eines depressiven Menschen, sich nicht für die Krankheit verantwortlich zu fühlen.

Nähe erzeugen

Während einer Depression ist das Selbstwertgefühl der Betroffenen kaum oder gar nicht vorhanden.

Durch den eigenen Rückzug wird das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt und so fühlen sich Depressive häufig von der Welt abgeschnitten.

 
Hinzu kommt, dass sie oft ihrem Umfeld nicht zur Last fallen wollen mit ihrer negativen Stimmung, ihrer Antriebslosigkeit, ihrem Pessimismus. Das Umfeld kann dem sehr gut positiv entgegenwirken: Nähe herstellen, Verständnis zeigen, zuhören.

Verständnis und Geduld als Schlüssel im Umgang mit depressiven Menschen

Oft reicht es, sich nach dem Befinden zu erkundigen, dem Betroffenen zu vermitteln, dass man an ihn denkt. Eine Einladung zu einem Ausflug, einem Spaziergang, einem Essen bewirken oft schon wahre Wunder.

Sobald sich depressive Menschen verstanden und angenommen fühlen, so wie sie gerade sind, hat man als Angehöriger schon viel erreicht. Es geht in erster Linie nicht darum, die Symptome zu bekämpfen. Das ist nicht die Aufgabe von Angehörigen. Es geht darum, Geborgenheit zu geben, Verständnis aufzubringen, Aufmerksamkeit zu schenken und nicht die Geduld zu verlieren.

 
Denn natürlich kann es passieren, dass Vorschläge abgelehnt werden, der kranke Mensch sich weiterhin verschließt. Doch mit Geduld und dem Bemühen, sich in den depressiven Menschen hineinzuversetzen, können Familie und Freund zu einer wertvollen Stütze bei Depressionen sein.

Fotocredit: (c) iStock.com/jacoblund


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Annette Wallisch-Tomasch

Mag. Dr. Annette Wallisch-Tomasch

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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