Besser leben - Sabine Otremba

Veränderung: Die Aufbruchsstimmung am Jahresanfang

Eben waren es noch die Neujahrsvorsätze, die Veränderungen anmahnten. Doch während die ersten davon langsam in Vergessenheit geraten, herrscht in den sozialen Netzwerken weiterhin Aufbruchsstimmung. Neues Jahr, neues Glück. Wir sollen unsere Wünsche und Herzensziele entdecken und unliebsame Verhaltensweisen aus unserem Leben fegen. Unzählige Organzier, Kurse oder Coachings weisen uns den Weg. Und damit wir nicht vergessen, dass Stillstand der Anfang vom Ende und Veränderung alles ist, werden wir täglich mit Motivationssprüchen auf Kurs gebracht. Auf dass wir uns bald so fühlen wie der Esel, dem man eine Karotte vor die Nase hält. Nun ist das so eine Sache mit den Veränderungen. Oft wollen wir zu schnell zu viel. Oder rechnen mit weniger Widerstand. Und manchmal sind wir auch noch gar nicht bereit dazu, unsere Ideen Wirklichkeit werden zu lassen…

Märchen, Wunschvorstellungen und Enttäuschungen

Bei Cinderella war es ein Schuh, der alles veränderte. Andere sagen „Goodbye Deutschland!“ und krempeln radikal ihr Leben um. Und manche finden vor laufenden Fernsehkameras den Partner, mit dem alles anders wird. Nun taugen Märchen oder Doku-Soaps nur bedingt als Orientierungshilfe. Sie suggerieren uns, dass wir nur einmal den Hebel umlegen müssen und schon läuft es. Doch tatsächlich gerät die Veränderungsmaschinerie nach dem ersten Motivationsschub gerne mal ins Stocken. Statistisch gesehen scheitern 25 Prozent aller guten Vorsätze nach wenigen Wochen und viele von uns benötigen um die 5-6 Anläufe, um die angepeilte Veränderung zu erreichen. Auch geistert immer wieder die unrealistische Vorstellung durch unseren Kopf, dass sich durch diese eine Veränderung das Leben gravierend verändern wird:

  • Nur ein paar Kilogramm weniger und schon klappt es auch mit dem Traumpartner.
  • Wenn wir in eine andere Stadt ziehen, sind wir ein völlig anderer Mensch.
  • Wenn wir die Wohnung einem „Magic Cleaning“ unterzogen haben, wirkt sich das auf alle anderen Lebensbereiche aus.
  • Dieser Urlaub wird uns als Paar wieder zusammenschweißen.
  • Beim nächsten Partner wird alles anders.

Mit derartigen Hoffnungen überfrachtet können selbst die Veränderungen, die wir erfolgreich hinter uns gebracht haben, ein schales Gefühl hinterlassen. Weil wir eben tatsächlich „nur“ 15 Kilogramm abgenommen haben. Aber weiterhin Single sind. Unterschwellig ahnen wir, dass es illusorisch ist, eine kleine Veränderung derart mit Erwartungen zu überfrachten. Also gehen wir sie von Anfang an nur halbherzig an, so dass unsere Bemühungen von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.

Warum wir unterwegs immer wieder ins Straucheln geraten

Auch sonst geraten wir immer mal wieder ins Straucheln, obwohl wir uns nach der angestrebten Veränderung sehnen.

  • Manchmal scheinen wir einen kleinen Saboteur ins uns zu haben. Und sein einziges Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass wir unsere Ziele nicht erreichen.
  • Auch innere Glaubenssätze versalzen uns die Suppe. Ihretwegen sorgen wir unbewusst dafür, dass wir das, von dem wir glauben, dass wir es nicht verdienen, gar nicht erst erreichen. Oder es sofort wieder verlieren.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass wir auf schnelle Befriedigung gepolt sind. Wir wissen zwar, dass wir uns besser fühlen würden, wenn wir jetzt einfach mal in den sauren Apfel beißen würden. Und entscheiden uns dennoch zu oft für das Stück Apfelkuchen mit Schlagsahne – auch im übertragenen Sinne.

Ist die Zeit überhaupt reif für eine Veränderung?

Es ist normal, dass wir unterwegs ins Straucheln geraten und auch Rückschläge gehören dazu. Ehe wir uns auf den Weg machen, können wir uns allerdings eine entscheidende Frage stellen:

Bin ich überhaupt reif für diese Veränderung?

 

Denn unabhängig davon, ob es nun die Zeit der guten Vorsätze oder der allgemeinen Aufbruchsstimmung ist, müssen wir selbst bereit für die angestrebte Veränderung sein. Das verleiht uns das nötige Durchhaltevermögen, um nicht beim ersten Hindernis das Handtuch zu werfen. Wenn wir uns ernsthaft verändern wollen:

  • Haben wir genug davon, uns mit Tagträumen und Wunschfantasien zu begnügen.
  • Beenden wir die Grübelphase und überlegen nicht länger, dass es doch ganz nett wäre, dieses oder jenes endlich anzugehen – wäre es doch nur nicht so mühsam.
  • Hören wir auf, unzählige Ratgeber und Kurse zu konsumieren, die uns endlich auf die Sprünge helfen sollen.

Kurz: Wir sind bereit, wirklich aktiv zu werden.

Weil es uns gelungen ist, aus einem Wust von Wünschen und Träumen klare Ziele herauszudestillieren, die uns wirklich entsprechen. Endlich sind wir bereit, das anzupacken, was uns auf der Seele brennt. Weil wir nicht anders können. Und das ist der Moment, in dem wir uns auch nicht mehr vom erstbesten Hindernis ins Bockshorn jagen lassen und dranbleiben. Weil wir nicht anders können.

Fotocredits: iStock.com/anyaberkut


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Laura Stoiber

Mag. Laura Stoiber

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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