Besser leben - Sabine Otremba

Vorbild: Nachahmen erwünscht

Ob Marilyn Monroe oder Audrey Hepburn, Emma Watson oder Hermine Granger, die beste Freundin oder eine Kollegin – ein Vorbild kann uns inspirieren oder uns Orientierung liefern. Und es kann uns helfen, eingefahrenen Bahnen zu verlassen und neue Wege zu gehen. Doch wie funktioniert das und wie können wir am besten von unserem Vorbild profitieren? 

Und täglich grüßt das Murmeltier

Veränderungen gehen weniger leicht vonstatten, als es uns lieb ist. Das liegt nicht daran, dass wir es nicht genug wollen. Wir sind auch nicht zu schwach oder geben uns nicht genug Mühe. Wir können nur einfach nicht so leicht aus unserer Haut. Grund sind u.a. die inneren Muster, die wir uns im Lauf der Jahre angeeignet haben – oft unbewusst und oft schon als Kinder. Und so schmieden wir in der Theorie die schönsten Pläne, rutschen in der Praxis – besonders in stressigen Situationen – allerdings schnell wieder in alte Handlungs- u. Verhaltensautomatismen. Die eingefahrenen Verhaltensautobahnen sind nun mal bestens ausgebaut und in einer Stresssituation wird niemand den Trampelpfad mit unbekanntem Zielort wählen.

What you see is what you get

Unsere inneren Muster führen zudem dazu, dass wir die Welt durch unsere ganz eigene Brille wahrnehmen. Dazu gehört auch, dass wir mit bestimmten Erwartungen an die Dinge herangehen. Oder neue Erlebnisse mit dem verknüpfen, was wir in der Vergangenheit bereits erlebt haben – das nennen wir dann gerne „Lebenserfahrung“. Trübt etwa jedes Jahr ein heftiger Streit den Familienurlaub, dann gehen wir davon aus, dass es auch in diesem Jahr so sein wird. Weil es bisher immer so war. Und zur Not verhalten wir uns unbewusst so, dass der lange erwartete Streit dann auch tatsächlich eintritt. So gerne wir uns also verändern wollen, so schwer ist es in der Praxis. Und genau hier greift unser Vorbild.

Alleine können wir schwerlich aus unserer Haut. Wenn wir aber gedanklich in die Schuhe unseres Vorbildes schlüpfen, können wir buchstäblich einen Blick über den Tellerrand werfen, der uns sonst eher verwehrt bleibt. Gemeinsam mit unserem Vorbild gelingt es uns vielleicht sogar, über diesen Tellerrand zu hüpfen. Um zaghafte erste Schritte in fremde Gedankenwelten zu wagen und neue Erfahrungen zu machen.

Vorbild voraus…

Unser Vorbild kann uns dazu anleiten, eine andere Perspektive einzunehmen. Oder uns dazu ermutigen, ruhig mal bestimmte Verhaltensweisen auszuprobieren. Zumindest dann, wenn wir wirklich den Wunsch verspüren, unserem Vorbild ein wenig nachzueifern. Und uns nicht nur auf das Lesen aller Promi-News beschränken. Oder darauf, tagein und tagaus alle Filme von Marilyn, Audrey oder welchem Vorbild auch immer zu schauen und uns daraufhin in Tagträume verlieren. Mit einem Vorbild, das uns – tatsächlich oder in unserer Vorstellung – an die Hand nimmt, kann es uns Stück für Stück gelingen, neue Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Je positiver und zugkräftiger das  Vorbild für uns ist, desto besser.

  • Was würde unser Vorbild jetzt tun? Bei kleineren Entscheidungen (z.B. „Chillen auf der Couch oder Sport treiben“) hilft die Überlegung: Was würde mein Vorbild jetzt tun? Oder: Wie würde sich mein Vorbild entscheiden? Mit ein wenig Übung können wir uns in den Situationen, auf die es ankommt, auch spielerisch in unser Vorbild hineinversetzen und so quasi in seinem Windschatten agieren.
  • Neue Filme fürs Kopfkino: Um größere Hürden zu meistern, bietet es sich an, von Spitzensportlern zu lernen. Sie imaginieren vor ihrem Wettkampf, wie sie die Ziellinie zuerst überqueren oder über den Gegner triumphieren. Von dieser Art des mentalen Trainings schneiden wir uns eine Scheibe ab. Und drehen, statt des negativen Films, den unser Kopfkino gerne zeigt, eine positive Version. Und zwar so facettenreich und detailliert wie möglich. Erst mit unserem Vorbild in der Hauptrolle und später mit uns selbst.
  • Studieren und imitieren: Auch wenn es sich ein bisschen gewöhnungsbedürftig anfühlt, sollten wir unser Vorbild intensiv mit nahezu kindlicher Neugier studieren. Und daraus Handlungsmöglichkeiten für uns selbst ableiten. Was am Anfang nichts anderes bedeutet, als dass wir unser Vorbild imitieren.

Das Vorbild in den Alltag integrieren

Je spielerischer und entspannter wir uns an die Experimente mit unserem Vorbild wagen, desto besser. Idealerweise starten wir die ersten Versuche auch nicht an einem mit unangenehmen Terminen vollgepackten Wochentag. Sondern lieber am Wochenende. Oder noch besser während des Urlaubs, vielleicht während einer kleinen Reise. Dort gibt es nämlich weitaus weniger Menschen, die uns bereits in eine bestimmte Schublade gesteckt haben und dementsprechend irritiert auf unsere Experimente reagieren. Allerdings kann es ebenso viel Spaß machen, unsere Mitmenschen ins Staunen zu versetzen, weil wir in einer unserer typischen Krisensituationen plötzlich gelassener, humorvoller oder mutiger agieren als üblich.

Handelt es sich bei unserem Vorbild nicht um jemanden, mit dem wir nicht täglich zusammen sind, ist auch eine Gedankenstütze hilfreich. Etwa ein Bild in Sichtweite des Arbeitsplatzes oder ein entsprechender Bildschirmschoner. Ich selbst habe mir als Gedankenstütze übrigens einen Ring besorgt, den das Konterfei von Audrey Hepburn ziert. In ihrer Paraderolle als Holly Golightly nimmt sie viele Dinge sehr viel leichter als ich und ihr Charme ist beeindruckend. Fällt mein Blick in einer kritischen Situation auf meinen Holly-Ring, überlege ich eher mal: „Was würde Holly jetzt tun?“ Das heißt leider nicht, dass es mir seither gelingt, ständig auf Hollys Spuren zu wandeln (was auch nicht unbedingt sinnvoll wäre). Aber ich bleibe mit Spaß bei der Sache und das ist es, was zählt.

Fotocredits: iStock.com/Choreograph


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