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So können Sie Ihre Widerstandskraft stärken: 4 Tipps für Krisenzeiten

Wir sitzen alle im selben Boot! Jetzt müssen wir lernen, zusammenzurücken und uns gegenseitig stützen! Wenn wir jetzt an einem Strang ziehen, können wir gestärkt aus dieser Krise hervor gehen…
Diese und viele andere gut gemeinte Sätze sollten uns die vergangenen wirtschaftlich sowie persönlich herausfordernden Monate erleichtern und uns Mut machen. Was so logisch und positiv klingt und im ersten Moment auch beruhigend wirken mag – spätestens am Ende des Tages, wenn der Alltag zur Ruhe kommt und man einen vorsichtigen Blick in eine mitunter unsichere Zukunft wagt, tauchen viele Fragen auf, die mit den oben genannten “Mutsätzen” nur schwer zu beantworten sind.

Wenn der Kopf nicht zur Ruhe kommt

Wahrscheinlich kennt jeder Mensch diese ruhigen Momente, in denen die Gedanken zu kreisen beginnen und die Sorgen von Minute zu Minute bedrohlicher wirken. Nicht selten springt dieses Gedankenkarussell in den späten Abendstunden an, die eigentlich zur Regeneration und Erholung geplant waren – und dann werden aus einer erholsamen Nacht schnell ein paar nervenzehrende Stunden voller Grübeleien. Wie kann man sich in so einer Situation verhalten, um den Kopf nicht in den Sand zu stecken? Was kann man tun, um sich vielleicht schon im Vorfeld auf solch unsichere Zeiten vorzubereiten? Was unterscheidet Menschen, denen es gelingt, eine Krise tatsächlich als “Chance zum Wachstum” zu nutzen von jenen, die vor Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nicht mehr weiterwissen?

Wie wir mit unseren Gedanken die Welt verändern

Entgegen der Erwartung, dass der Unterschied zwischen diesen Menschen rein darin liegt, wie viel Glück oder Pech ihnen im Lauf des Lebens begegnet, unterscheiden sich Personen eher dahingehend, wie sie mit Krisen gedanklich umgehen. Noch bevor wir bewusst darüber nachdenken können, wie wir diese oder jene Herausforderung meistern könnten, unterzieht unser Gehirn die Situation ganz automatisch einer Prüfung und stellt sich dabei folgende Fragen:

  • Habe ich Ähnliches schon einmal erlebt?
  • Weiß ich, ob und wie ich mit Herausforderungen dieser Art umgehen kann?
  • Hat es überhaupt Sinn, mich dieser Schwierigkeit zu stellen? Lohnt es sich, zu kämpfen?

Das Resultat dieser Fragen äußert sich dann für uns in Gedanken und Mustern – “ich schaffe das einfach nicht” vs. “mit all meiner Kraft werde ich es durchstehen” – die wiederum Emotionen auslösen. Sehr häufig interpretieren wir diese als Angst oder Ärger, vielleicht auch Traurigkeit und Verzweiflung und spüren das an körperlichen Reaktionen, wie einem erhöhten Herzschlag, schweißnassen Händen oder Schlaflosigkeit.

Wie positives Denken funktionieren kann

Wer einmal in diese negative Spirale gerutscht ist, hat es besonders schwer, da man während dem Erleben von intensiven Emotionen kaum eine objektive Sichtweise einnehmen kann und das Finden von Lösungen damit massiv erschwert ist. Aus den jahrelangen Forschungen und Langzeitstudien der Positiven Psychologie weiß man mittlerweile, dass Menschen mit einer positiven Grundhaltungen lösungsorientiert und gefasster in Krisen reagieren, wohingegen Menschen mit einer negativen Grundhaltung problemorientiert agieren und die Aufmerksamkeit nur schwer auf Lösungen richten können. Der Philosoph Epiktet (50 – 135) hat dazu passend ein Zitat hinterlassen, das diese Tatsache noch einmal deutlich umschreibt:

Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Meinung und Vorstellung, die wir von den Dingen haben!

 

Über die Superkraft der Resilienz

In der Psychologie spricht man im Zusammenhang mit der individuellen Widerstandkraft in Krisen auch häufig von Resilienz – einer Fähigkeit, die beschreibt, wie Menschen es schaffen, trotz Niederlagen optimistisch zu bleiben und nach vorne zu schauen. In den letzten Jahren hat sich darum eine Vielzahl von Fragestellungen gebildet, die alle das Ziel haben zu untersuchen, wie man Menschen stärkt – wie man Resilienz fördern und die Widerstandskraft erhöhen kann. So vielseitig wie wir Menschen sind, so vielseitig sind auch die Tipps und Tricks, die sich um diese Frage drehen. Vier Aspekte haben sich in diesem Zusammenhang aber als besonders wirksam erwiesen:

1. Einen Sinn finden, warum es sich lohnt, nicht aufzugeben

Wer im Alltag viele positive Erfahrungen macht und auf ein breites Geflecht positiver Gefühle zurückgreifen kann, der erlebt negative Situationen als weniger bedrohlich und fühlt sich ausgeglichener. Manchmal zwingt uns das Leben dazu, diese positiven Gefühlszustände ganz schön intensiv suchen zu müssen – aber fast immer ist diese Suche ein Erfolg und man findet persönliche Schätze, die einem dann und wann ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Wie das geht? Sich regelmäßig Dinge vor Augen halten, die gut funktionieren und die glücklich machen: ein Dankbarkeits- oder Glückstagebuch zum Beispiel kann einen jeden Abend daran erinnern, wofür man im Leben dankbar ist und welcher Augenblick der absolute „Glücksmoment des Tages“ war… dabei spielt es keine Rolle, ob es das wunderbare Kaffeearoma am Frühstückstisch oder ein herzhaftes Lachen mit der Arbeitskollegin war – jeder Moment der Freude zählt!

2. Sich seiner Stärken bewusst werden und diese einsetzen

Man weiß mittlerweile, dass Menschen, die aktiv ihre Stärken einsetzen können, erfolgreicher und glücklicher sind als jene, die permanent Schwächen suchen und diese ausmerzen wollen. Genauso wie kein Mensch der Welt alles gleichzeitig kann, gibt es auch niemanden, der einfach gar keine Talente hat. Je bewusster man sich seiner Stärken ist, umso kontrollierter fühlt sich das Leben an und man gelangt seltener in Momente der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Daher lohnt es sich, immer wieder mal zu fragen: Welche positiven Eigenschaften habe ich? Wann bin ich stolz auf mich? Was gelingt mir regelmäßig richtig gut? Wer selbst keine Antwort findet, kann auch einmal in seinem Umfeld auf die Suche gehen und Freunde oder Familie danach fragen – sehr häufig tritt dabei eine wunderschöne Überraschung ein, weil andere viel mehr Stärken an uns wahrnehmen als uns selbst bewusst ist.

3. Resilienz trainieren wie einen Muskel – regelmäßig und gezielt an sich arbeiten

Widerstandskraft lässt sich auch trainieren, indem man lernt, seinen Körper zu kontrollieren und Stressreaktionen zu lindern. Hier gilt es, kreativ und experimentierfreudig zu sein und herauszufinden, wo die persönlichen Präferenzen liegen. Sehr häufig ist es ein Aufenthalt in der Natur, aber auch Meditationen und Entspannungsübungen zählen zu erfolgsversprechenden Methoden, wie beispielsweise die Progressive Muskelentspannung oder das Autogene Training. Zu beachten ist, dass es sich mit der Resilienz ähnlich verhält wie mit einem Muskeltraining – es braucht Regelmäßigkeit und kontinuierliche Übung, damit der Körper lernt, auf diese Methoden zu reagieren. Wenn dies gelingt, dann kann eine gezielt eingesetzte Entspannungsübung dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und die Negativspirale zu durchbrechen.

4. Auf Hilfe zurückgreifen, wenn es allein nicht mehr geht

Manchmal gibt es im Leben Phasen oder Ereignisse, die derart herausfordernd sind, dass sie die eigenen Ressourcen übersteigen. Dann ist es wichtig, diese nicht allein durchzustehen, sondern aktiv Hilfe zu suchen – eine gute Freundin oder ein lieber Bekannter, der ein offenes Ohr hat und einfach zuhören kann oder aber auch jemand, der distanziert genug ist, um hilfreichen Rat zu geben und gemeinsam Lösungen zu suchen. Hier gilt es, in sich zu gehen und sich zu fragen, wer oder was einem jetzt besonders guttut oder wer einen dabei unterstützen kann, an der richtigen Stelle professionelle Hilfe zu finden.

Sehr häufig lernen wir uns durch das Überstehen von Krisen selbst besser kennen und erleben diese im Nachhinein als positive Herausforderung, da wir daraus lernen und wachsen können und neue Ressourcen entwickelt haben.

Dieser Artikel ist ursprünglich im Magazin EMOTION – dem Magazin für selbstbestimmte Frauen – erschienen.

Fotocredits: unsplash.com/@dangcey

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