Familie - Annette Wallisch-Tomasch (Instahelp)

Die besinnliche Zeit – Tipps für den Weg in den Wahnsinn

Ein provokativer Gruß vom „Weihnachts-Grinch“

Haben Sie auch schon Lebkuchen gebacken? Mit dem besinnlichen Rezept von Dr. Flaumkuchen? Oder ganz entspannt Weihnachtsgeschenke geschmökert – ganz bequem von zuhause aus, mit Gratisversand bis vor die Haustüre? Und wie haben Ihnen die vielen neuen Punschsorten geschmeckt, die Sie vergnüglich, mit Ihren Freunden versteht sich, am duftenden Weihnachtsmarkt durchprobiert haben?

Ein glitzernder Traum!

Erkältung? Wie? Noch nie gehört.

Was für ein Glück. Sie gehören also zur seltenen Spezies, bei denen der Advent, die Weihnachtszeit Ihren wahren besinnlichen Einzug gefunden hat. Perfekt organisiert, frühzeitig eingekauft (am besten schon ab dem Sommerschlussverkauf). Nun geht es frisch erholt und munter in die Zeit sozialer Events. Natürlich im perfekten Glitzer-Outfit für die Damen und smarten slim fit-Hemd für die Herren.

Für alle, die hier extremen Nachholbedarf haben, gelten folgende Tipps:

  • Krank, verschnupft und hustend zuhause? Kein Problem, bleiben Sie wo Sie sind. Sonst stecken Sie noch all die lustigen Partygäste an. Gibt es keine Google-3D-Übertragung vom Weihnachtsmarkt? Und ziehen Sie Ihre neuen besinnlichen Flauschi-Socken über.
  • Kein Geld für Geschenke? Stottern Sie einfach das ganze Jahr ihr miserables Versäumnis ab. Einladungen auf Kaffee, Kino oder Blümchen zwischendurch haben auch ihren Reiz. An Selbstgemachtes oder persönliche Gutscheine (einmal gemeinsam Probleme wälzen bis in die Morgenstunden) denken Sie bitte gleich gar nicht, ist ja peinlich.
  • Und wenn es ohne Geschenke nicht geht? Jetzt einen straffen Zeitplan bitte: Starten Sie um 5 Uhr morgens mit der Geschenkeliste. Oma, Opa, Tante, Nichte, Partnerin, Kinder…Phu, alle durch. Ackern Sie nun alle Angebote durch – online und in Prospekten (gibt’s da nicht wo Prozente?) und stellen Sie sich per Routenplaner die ökonomischste und effektivste Einkaufsroute zusammen. Wetten, dass Sie es bis 19 Uhr schaffen?
  • Noch nicht geputzt für die Festtage? Na los, los, aber ein bisschen hurtig. Wenigstens einmal im Jahr soll die Bude glänzen. Nehmen Sie sich ein Vorbild an Ihren Vorfahren, den Höhlenmenschen. Da war der Kochstein blitzeblank, als der Jäger mit dem Braten angetrottet kam. Und das perfekte Rezept für einen perfekten Heiligen Abend liegt ja auch schon bereit!
  • Streit in der Familie, keine Lust auf Heilige Zeit? Ach was, bleiben Sie ehrlich: Nie streitet man ergiebiger und emotionaler als zu den Feiertagen. Alle sind da, jeder kann die Fehltritte und Fettnäpfchen des anderen bezeugen: Das macht einfach mehr Spass. Immerhin gibt es noch ein nächstes Jahr, um alles glattzubügeln.

Sollten diese fünf essentiellen Tipps bei Ihnen keine Wirkung zeigen, machen Sie gewiss etwas falsch. Vielleicht suchen Sie ja nach dem SINN dahinter. Keine Ahnung, wer auf diesen Schwachsinn gekommen ist… Geht es nicht darum, einfach eine gute Zeit zu haben, sobald man eben alles erledigt hat, was eben erledigt werden MUSS?

Sie schütteln den Kopf? Sie müssen gar nichts? Von welchem Planeten kommen denn Sie?

 

Vermutlich vom Planeten „Ich fühl mal, was mir gut tut“. Haha. Sie machen Witze.
Dieses Gerede von Besinnung und Sinn kapier ich sowieso nicht. Da wird von gemeinsamer Zeit mit Freunden und Familie gelabert. Von Stille. Und von Versöhnung. So ein Quatsch. Ich kauf mir lieber meinen besinnlichen singenden Weihnachtsmann, das reicht.

Besinnung = Das erkennen, was wichtig ist

Da gibt’s so kluge Leute, die behaupten, dass Sinn darin liegt, was uns wichtig ist. Aber woher soll ich das wissen, hab ja keine Zeit zum Nachdenken. Ich brauch ja mein gesamtes Hirn zum Sortieren aller eintrudelnden Informationen. Und das ist erst eine Leistung!

Und während Sie sich jetzt schön Gedanken machen, was Ihnen wirklich wichtig ist in diesen Tagen, bin ich schon weg… ich muss ja noch… äh, was war das noch mal?

Fotocredit: iStock.com/Ideas_Studio