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Mobbing am Arbeitsplatz: Ein Erfahrungsbericht

Heimliches Gelächter hinter dem Rücken, Spott, Bedrohungen. Es passiert jeden Tag und kann sowohl die angesehene Ärztin als auch den Kollegen vom Büro nebenan treffen. Psychische Gewalt am Arbeitsplatz kann nicht nur die Freude am Job vermiesen, sondern auch weitreichende gesundheitliche Folgen für Betroffene haben. In vielen Unternehmen ist Mobbing am Arbeitsplatz leider ein alltägliches Problem – einer Umfrage zufolge haben 67% der österreichischen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bereits Erfahrung damit gemacht. In einem berührenden Erfahrungsbericht möchten wir der psychischen Belastung hinter dieser Form von Gewalt ein Gesicht geben und mit Tipps und Aufklärung dazu beitragen, das Thema zu enttabuisieren.

Eine ganz persönliche Heldenreise

Wie hast du die Zeit damals wahrgenommen/erlebt, als du von deinen Kollegen und Kolleginnen gemobbt wurdest? Wie hast du dich gefühlt? Wie bist du damit umgegangen?

Mobbing ist kein Kinkerlitzchen und auch keine Eintagsfliege. Mobbing ist die grässlichste und schrecklichste Art und Weise, eine Person fertig zu machen und diese zum Aufgeben zu veranlassen.

  • Wie kommt sowas auf einen zu,
  • was passiert mit einem/mir,
  • was bewirkt das eigentlich?

Ich bin ein ganz normaler Mensch/Mann, den prinzipiell nichts umhaut. Außerdem hab’ ich gedacht: “Mir kann das sowieso nie passieren, weil ich bin ja der Beste, der Klügste und einfach ein Genie”.
Leider scheint es, als müsse jeder Mensch irgendwann einmal draufkommen, dass nicht immer alles so läuft, wie man es gerne hätte.

Und so bin ich (der überaus starke und vielleicht auch sympathische Typ von Nebenan) so richtig auf die Schnauze gefallen. Ich bin in die schlimmste Falle/Höhle/Loch (Gefühls-, Existenz-, Psycho-, Gesundheits- und Überlebensfalle) getappt, die ich mir je vorstellen konnte.

Anfänglich habe ich mir selbst gedacht, ich bin “deppert” und verrückt, was ich mir alles einbilde??

 

Jedes Mal, wenn ich wieder so einigermaßen oder halbwegs Luft bekommen habe, kam der nächste Angriff mit so einer Wucht, dass selbst ich nicht mehr geglaubt habe, Luft zu kriegen. Es waren immer Kleinigkeiten, die mich zur Verzweiflung getrieben haben. Aber ich wusste einfach nicht, wo ich diese einordnen soll.
Leider ist es nicht so, dass diese Sticheleien aufhören bzw. leichter werden, nein, sie gehen immer tiefer und tiefer und tiefer…

“Wie geht man damit um?”, ist eigentlich eine echt blöde Frage, weil du zuerst einmal dahinterkommen musst, dass du gemobbt wirst. Das dauert! Dann solltest du es akzeptieren, damit du dich nicht selbst aufgibst und dann erst kommen die Gefühle: Schmerzen, Unwohlsein, Magenbeschwerden, Herzleiden, Pulsrasen, Durchfall, Erbrechen, Migräne,… es äußert sich bei jedem Menschen anders.

Mich hat´s umgehaut, aber ich bin wieder aufgestanden und hab weitergemacht. Immer wieder und wieder, bis ich mir bewusst war, dass diese schrecklichen Dinge nicht von mir ausgehen, sondern von der anderen Seite!

Was hat dich daran gehindert, dich mit diesem Thema an eine Vertrauensperson zu wenden?

Vertrauenspersonen müssen sehr genau und sehr gut ausgesucht werden. In dieser Situation ist es besonders schwierig jemanden zu finden, der einem gut gesinnt ist und zu dem man ein besonderes Verhältnis hat. Egal ob eine Freundin, ein Freund oder ein Bekannter: Das absolut Wichtigste ist, dass Vertrauen da ist und man über alles sprechen kann… schimpfen oder auch weinen.

Das Thema Mobbing ist derart gefährlich und menschenunwürdig, dass viele Personen gut daran täten, mehr darüber zu erfahren, wie sehr einen diese Untergriffe belasten und krank machen können.

Wer oder was hat dir dann letztendlich doch geholfen, über dein Problem zu sprechen?

Nach vielen Anläufen und Abklärungen habe ich dann in einem alten Schulfreund und zum damaligen Zeitpunkt Allgemeinmediziner die Person gefunden, welche mir geholfen hat. Er hat mir in unzähligen Stunden zugehört und mich aufgemuntert bzw. den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern verabreicht.
Bitte nur keine Verallgemeinerungen – jede Person ist anders und benötigt wen anderen. Mir hat diese Art und Weise geholfen und mich weitergebracht. Nicht nur der Tritt in den Hintern, sondern auch viele andere Aspekte.

Aber Achtung: das geht nicht von einem Tag auf den anderen! Es dauert genausolang, wenn nicht sogar länger, wie die Zeit, bis man dorthin geraten ist. Oft sind viele Versuche notwendig, um den richtigen Weg herauszufinden.

Du sollst und musst dir immer treu bleiben und nicht an dir zweifeln, du bist wer du bist und niemand anders. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen und genau das ist gut so! Mir hat geholfen, dass ich durch die vielen Gespräche meine Selbstzweifel verringert und umgekehrt habe. Ich habe mich akzeptiert so wie ich bin und mir wurde viel mehr positives Feedback entgegengebracht als ich je gedacht hätte. Jeder Mensch ist anders und auf seine Art liebenswert, vertrauenswürdig, wohlwollend, kreativ, geistreich, gefühlsbetont und vieles mehr.

Wie waren diese Gespräche für dich? War es herausfordernd, offen über deine Gefühle zu reden? Was waren Hindernisse oder Schwierigkeiten?

Die Gespräche waren sehr einseitig, weil mein Freund mir fast immer zugehört hat. Seine “Holzhammermethode” und seine Tritte in meinen Hintern haben mir so viel geholfen, dass ich immer und jederzeit dankbar bin.

Auch meiner Frau kann ich nur “Danke” sagen, weil auch sie mir schlussendlich extrem geholfen und meine Unstimmigkeiten ausgehalten hat. In den Gesprächen geht es prinzipiell nicht nur um deine Gefühle, sondern allgemein darum, wie du mit dieser Situation umgehen sollst.

Hindernisse und Schwierigkeiten sind anfangs fast unüberwindbar, da du vor einer schier unlösbaren Aufgabe stehst. Es geht darum, dich selbst wieder ins Lot zu bringen und dein eigenes Selbstwertgefühl in die richtige Bahn zu lenken.

Was hat dir in dieser Zeit besondere Kraft gegeben? Rückblickend: Was hat dir geholfen, um die Schwierigkeiten gut zu überstehen?

Sport – in meiner “Mobbingzeit” habe ich sehr viel Sport betrieben, habe Musik gehört, mit mir selbst geredet und geschimpft und mir alles was mich bewegt oder belastet niedergeschrieben.

Ebenso Lehrveranstaltungen, welche ich selbst abgehalten habe. Aber auch viele Gespräche und Diskussionen. Ich habe mich auf Konfliktmanagement im Mobbing spezialisiert und da wurde es immer leichter, darüber zu reden und meine Erfahrungen weiterzugeben.

Außerdem habe ich die ein oder andere Weiterbildung absolviert. Ein stetiges Weiterbilden, sich Informieren und Durchhalten haben mich zu dem gemacht was ich jetzt bin.

Aber natürlich läuft es nicht immer so klanglos ab, wie diese Zeilen vielleicht vermitteln. Es kommen zwischendurch auch wieder Tiefschläge, welche unerwartet auftreten. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, damit umzugehen.

Mein innigster Wunsch war, darüber zu reden und meine Erfahrungen mitzuteilen. Dort lagen die größten Schwierigkeiten, weil niemand meine Geschichte glaubte. Ich habe mir unzählige Vorträge und Seminare angehört, alles aus der eigenen Tasche gezahlt.

Wie geht es dir heute? Was hast du daraus gelernt?

Heute geht es mir gut, denn ich kann ohne Probleme darüber reden bzw. vieles erzählen, was damals passiert ist und was mir angetan wurde.

“Lass dir niemals etwas einreden. Glaube immer an dich und wenn du daran zweifelst, dann frag jemanden, dem du vertraust

 
Danke fürs Lesen,
WK

Tatort Arbeitsplatz: Was ist Mobbing?

Konflikte am Arbeitsplatz sind vollkommen normal. Es dürfen auch durchaus mal Emotionen beteiligt sein und die ein oder andere Stunde mit Ärger oder Traurigkeit verbracht werden. Wo aber ist die Grenze zwischen einem “normalen” Konflikt und der psychischen Qual, von dem unser Betroffener spricht? Die Wirtschaftskammer Österreich beschreibt Mobbing wie folgt:

„Mobbing ist ein Verhalten unter Arbeitnehmern bzw. Arbeitnehmerinnen, das darauf abzielt, eine Person zu verletzen, einzuschüchtern, zu entmutigen, auszugrenzen oder aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen. Mobbing kann auch von Vorgesetzten ausgehen oder sich gegen solche richten“.

 

Folgen von anhaltendem Mobbing

Die Folgen sind oft weitrechend und können von psychischen Schäden bis hin zu körperlichen Erkrankungen führen. Soziale Isolierung am Arbeitsplatz, Depressionen und Angststörungen sind nur wenige Beispiele möglicher Folgeerscheinungen.
Die Schwierigkeit liegt häufig darin, dass es sich beim Mobbing um einen Prozess handelt, der eine ganze Gruppe betrifft. Letztendlich ist der “Täter” oder die “Täterin” meist nicht alleine verantwortlich – hinzu kommen zahlreiche Personen, die diese Dynamik beobachten und tatenlos zusehen.

Warum gibt es so viele stille Beobachter*innen?

Eine Studie zeigte, dass die Ursachen dafür, warum Betroffene kaum Unterstützung unter Kollegen und Kolleginnen finden, sehr unterschiedlich sind:

  • Angst vor negativen Auswirkungen auf die Karriere
  • Angst, das nächste Opfer zu werden
  • Der Gedanke, die Situation nicht richtig zu verstehen
  • Das unangenehme Gefühl, sich einzumischen

Gibt es das “typische Mobbingopfer”?

Theoretisch kann jeder Mensch Opfer von Mobbing werden. Entscheidend dafür ist häufig die individuelle Schmerzgrenze, die ganz unterschiedlich sein kann. Man ist im Leben unterschiedlich anfällig für Verletzungen – je nachdem, auf welche Ressourcen man gerade zurückgreifen kann. Erschreckend ist: Die meisten Betroffenen suchen sich erst dann Hilfe, wenn die Situation bereits unerträglich für sie ist.

4 Tipps: So können Sie sich verhalten, wenn Sie ein Opfer von Mobbing sind

  1. Lassen Sie sich nicht in die soziale Isolation treiben und halten Sie den Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen aufrecht. Sie müssen nicht zwangsläufig mit jeder Person über Ihre Sorgen sprechen – aber bleiben Sie aktiv und ziehen Sie sich nicht zurück!
  2. Suchen Sie sich in der Freizeit Menschen, denen Sie vertrauen und sprechen Sie über Ihre Probleme.
  3. Wenn Schlafstörungen, zu­nehm­ende Hilflosigkeit, Unsicherheit und Sprachlosigkeit auftreten und Ihr Selbst­wert­ge­fühl schwindet, suchen Sie sich professionellen Rat. Ein erster Schritt kann beispielsweise sein, sich an Ihren Betriebsrat oder Ihre Be­triebs­rät­in zu wenden oder anonyme Angebote zu nutzen. Viele Unternehmen bieten die Beratung bei Instahelp kostenlos und anonym für Ihre Mitarbeiter*innen an. In Österreich stellt aber auch die Arbeiterkammer eines jeden Bundeslandes über die Rechtsberatung Hilfe zur Verfügung.
  4. Psychologische Beratung kann dabei helfen, mit belastenden Emotionen umgehen zu lernen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Auch wenn die belastende Situation gut überstanden ist, kann es sinnvoll sein, über traumatisierende Erlebnisse zu sprechen und diese zu verarbeiten.

 
Quelle:
https://www.futureofwork.co.at
https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitsklima/Mobbing.html

Fotoquelle: (c) pixabay.com/users/alexas_fotos

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