Familie - Annette Wallisch-Tomasch (Instahelp)

Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel in der Schultüte: Wie die “neue Normalität” angstfrei erlebt werden kann

Die Sommerferien waren lange. Viele Familien mussten den gesamten Urlaub schon im Frühjahr aufbrauchen – was zur Folge hatte, dass kaum mehr freie Zeit vorhanden war.
Erholungsbedürftig und reif für den Schulstart, so fühlen sich manche Eltern in diesen Tagen. Endlich mit gutem Gewissen die pädagogische Betreuung für den Nachwuchs nutzen dürfen. Keine Angst mehr, dass man das eigene Kind einem Risiko aussetzt. Und endlich den Kindern erlauben dürfen, sich auf die Gemeinschaft zu freuen, ohne Schuldgefühle und Panik. Ja, schön wär’s!

Derzeit ist alles im Griff, die neuen Hygienestandards sind sogar bei den Kindergartenkindern gut angekommen. Doch, wie wird der Schulstart tatsächlich? Was tun gegen Ängste und Unsicherheiten?

Lockdown und Home-Schooling: Spuren der Erlebnisse

Die Mehrfachbelastung der Eltern hat bei vielen Kindern Spuren hinterlassen. Die außergewöhnliche Situation, auf seine sozialen Kontakte verzichten zu müssen, hat in diesen Wochen vielfach verunsichert.
Je nachdem, wie Eltern und Erziehende auf die Bedrohung reagiert haben, hat sich diese Haltung bei dem Kind verinnerlicht.

Bin ich bedroht? Was kann ich tun? Gefährde ich andere geliebte Menschen? Wie darf ich in Kontakt treten mit Kontaktpersonen/Freunden/Familie?

Der neue Schulplan hat in den letzten Schulwochen vor Ferienbeginn ebenso vieles auf den Kopf gestellt und nur wenig Ruhe gebracht: Es gab ein Hin- und Her zwischen Zuhause und Schule. Und weiterhin Unsicherheit, mit wem wann und wie und vor allem wo gespielt werden darf.

Wie kann ich mein Kind beruhigen?

Je älter Ihr Kind wird, umso mehr wird es sich mit dem Thema beschäftigen und sich vielleicht auch selbst Sorgen machen. Vor allem im Kindergarten- und Volksschulalter kämpfen Kinder mit irrationalen Ängsten. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn Ihr Kind also Angst vor Kindergarten/Schule hat, aufgeregt ist und körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen bekommt.

Wie behalte ich selbst Ruhe?

Eines ist klar: Wenn ich als Erwachsener besorgt bin, spüren das auch – zu Recht – meine Kinder. Deshalb ist es auch wichtig, dass Sie für sich gut sorgen, um Ruhe und Sicherheit vermitteln zu können.

Wie kann das gelingen?

7 Konkrete Tipps für Ihren Familienalltag:

  1. Sprechen Sie über das Erlebte!

    Name it to tame it – Benenne es, um es zu zähmen!

    Bedenken Sie: Wegschieben und Beschwichtigen verstärken irrationale Ängste noch mehr. Achtsamkeit in der Familie kann allen Mitgliedern helfen, sich verstanden zu fühlen und Ängste zu lindern.

    • Lassen Sie Ihr Kind nacherzählen, wie es die bisherige „Corona-Zeit“ erlebt hat, und was es noch am meisten beschäftigt.
    • Gehen Sie dabei auf die aufkommenden Gefühle verständnisvoll ein.
    • Lenken Sie das Gespräch liebevoll auf die Dinge, wie das Kind die Situation gemeistert hat.
  2. Stärken stärken im Familienverband

    Nicht nur auf der Ebene des Kindes ansprechen, wie Heimunterricht und Co bewältigt wurde, sondern die ganze Familie mit einschließen! Welche Stärken sind sichtbar geworden? Was haben Papa, Mama und Kinder auf einmal anders machen müssen, und was hat dabei gut geklappt? Und wie wappnen sich alle mit diesen Stärken für den Schulstart? Jeder hat etwas dazu beigetragen, dass der Alltag lebbar war. Das gibt Sicherheit und stärkt Selbstvertrauen.

  3. Bekräftigen der Selbstwirksamkeit: Positive Bewertung der erlernten Hygienemaßnahmen

    Besprechen Sie mit Ihrem Kind den Sinn der allgemeinen Hygienemaßnahmen. Welche Vorteile ergeben sich noch daraus, wenn wir uns regelmäßig die Hände waschen, respektvoll voneinander Abstand halten und nicht krank in Schule oder zur Arbeit gehen? Weniger Schnupfen, grippale Infekte und mehr gesunde, fröhliche Zeit!
    Abseits der Angst vor einer Ansteckung mit dem gefürchteten Virus darf auch der Sinn der Dinge sichtbar werden, damit das Kind – und Sie selbst – sich sicher sein können: ich kann etwas bewirken, ich trage etwas bei.

  4. Informieren Sie sich: Aktuelle Regeln in Schule und Kindergarten

    Das Sicherheitsbedürfnis dieser Tage ist enorm, und Informationsbeschaffung ist zentral. Was gilt – und vor allem WARUM? Wenn ich beispielsweise verstehe, warum ich mein Kind nicht in die Garderobe begleiten darf, kann ich es leichter akzeptieren und mit dem Kind alternative Übergangsrituale vereinbaren. Suchen Sie das Gespräch mit zuständigen PädagogInnen, nutzen Sie Informationsveranstaltungen (Elternabende), fragen Sie nach und bleiben Sie so informiert!

  5. Neuanfang: Alles neu macht der Herbst

    Kommen Sie vom Reden ins Tun. Nehmen was kommt. Neustart heißt nun auch, nach vorne zu sehen. Die Kinder leben die neue Routine, auch die Maske in Öffis/Schulbus gehört fast selbstverständlich dazu. Wozu noch aufregen? Geht doch alles.
    Gerade Schulanfänger brauchen nun Zuversicht und wollen sich freuen. Egal, welche Bedingungen sie vorfinden, sie haben nur einen Schulbeginn, und der wird so oder so einzigartig. Kultivieren Sie Vorfreude, planen Sie für die Wochenenden Highlights in den ersten Schulwochen, die unberührt etwaiger Geschehnisse sein werden. Ein gemeinsamer Spielabend? Eine kleine Wanderung?

  6. Entspannung und Gelassenheit üben – auch mit Nachhilfe!

    Gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs können Sie kleine Rituale in den Alltag einbauen, und so einen Gang zurückschalten. Aktiv gelingt das gut mit kreativen Tätigkeiten, Musizieren/Singen, Bewegung und Sport. Passiv bewirken Entspannungsübungen kleine Wunder: Die Bauchatmung bei der gemeinsamen Mittagsrast oder abends, CDs mit Fantasiereisen und auch einer Massage (Kennen Sie „Pizza-backen“ am Rücken des Kindes?). Dazu ein guter Duft, schöne Musik und absolute Fokussierung auf die Beteiligten (Handy weg!)

    Fällt es Ihnen selbst schwer, zur Ruhe zu kommen, lassen Sie sich durch eine (online-) Beratung unterstützen. Eine niedergelassene familienpsychologische Beratung mit gemeinsamen Übungen für Sie und ihr Kind kann zusätzlich hilfreiche Erfahrungen bringen.

  7. Gemeinsam in turbulenten Zeiten

    Vernetzen Sie sich und stecken Sie Ihr soziales Terrain gut ab. Schließlich sitzen Sie nicht allein im Boot. Das Kind hat SchulkameradInnen oder KindergartenfreundInnen, die anderen Eltern kochen auch nur mit Wasser. Holen Sie sich Rückhalt durch Vereinbarungen mit Dienstgeber, Familie, FreundInnen und NachbarInnen, „was auch immer kommt“. Nein, es sind keine leeren Worte: Gemeinsam schaffen wir alles!

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