Depression - Instahelp

Einsamkeit und extreme Nähe – So unterschiedlich erleben wir die Ausnahmesituation

Viele Menschen leiden momentan darunter, Tag und Nacht mit ihren Liebsten auf engstem Raum zu Hause eingesperrt zu sein. Was für die einen zu viel ist, ist für andere zu wenig: Gerade ältere Personen ziehen sich aus Angst oder auch vernünftiger Vorsicht momentan sehr zurück, spüren tiefe Einsamkeit und fühlen sich im Stich gelassen. In der psychologischen Online-Beratung bei Instahelp werden wir mit einer Vielzahl von Emotionen rund um die Corona-Krise konfrontiert. Wir haben für Sie einige der Fragen gesammelt, die in diesem Zusammenhang sehr häufig auftauchen:

Menschen ohne Partner oder Kinder verbringen momentan viel Zeit alleine. Was kann das aus Sicht von Psychologen bedeuten bzw. wie lange hält man das gut aus?

Wie lange man so eine Ausnahmesituation gut aushält, hängt von zwei Faktoren ab: zum Ersten spielt natürlich die psychische Grundstabilität und die Ausgangssituation, in der sich jemand befindet, eine sehr große Rolle. Und zum Zweiten die Art und Weise, wie man diese Zeit gestaltet bzw. gestalten kann. Jemand, der an sich gerade ein erfülltes Leben führt, wenig finanzielle Sorgen und auch sonst keine psychischen Probleme hat, der kann mit der Situation sehr wahrscheinlich gut umgehen. Eine Person, die gerade in einer depressiven Episode steckt und dann für einige Wochen isoliert wird, kann sich durch so eine fremdbestimmte Maßnahme massiv eingeschränkt fühlen, was wiederum eine Verstärkung der Symptomatik bis hin zu traumatischen Belastungsreaktionen (Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, Verzweiflung) begünstigen kann.

Gibt es Typen, die das besser vertragen und solche, die das schlechter vertragen?

Neben der individuellen Lebenssituation und der psychischen Verfassung spielen natürlich auch der Grundcharakter eines Menschen und die bisherigen Lebenserfahrungen eine große Rolle. Während manche Menschen es genießen, viele Tage in Folge einfach auf der Couch zu verbringen, ist genau diese Form der Freiheitsberaubung für andere eine richtige Qual. Ebenso hat die innere Einstellung, mit der man die Ausgangsbeschränkungen und Empfehlungen annimmt, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf, wie gut man diese aushalten kann. Man weiß, dass intrinsische Motivation (wenn ich etwas von selbst will und den Sinn hinter einer Maßnahme verstehe) zu wesentlich höherer Kompromissbereitschaft und Frustrationstoleranz führt als Vorschriften, die nicht nachvollziehbar und subjektiv „sinnlos“ sind. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist umfassende Information und Aufklärung gut und wichtig.

Hat das Alleinesein aus psychologischer Sicht auch Vorteile?

Ja, zu einem gewissen Ausmaß kann das „Alleinsein“ sogar sehr große Vorteile haben – insbesondere in einer derart schnelllebigen Zeit. Man wird gezwungen, sich mit seinen individuellen Problemen und Themen zu beschäftigen und man muss lernen, auch mit sich selbst zurecht zu kommen. Viele Menschen sind im normalen Alltag permanent auf der Flucht vor sich – genau diese sind es, die zwar jetzt eine große Herausforderung spüren aber gleichzeitig auch eine Chance erleben dürfen. Man könnte sogar soweit gehen zu sagen, dass die „Zwangsisolation“ für uns alle ein Benefit darstellen kann, denn wir lernen wieder, zurück zu treten, das Leben zu entschleunigen und uns auf wenige wichtige Dinge zu konzentrieren. Dies gibt die Möglichkeit zu erkennen, was man wirklich im Leben braucht und was nicht.

Was kann man tun, damit man nicht sich nicht zu einsam fühlt?

Die heutige Zeit bietet dafür glücklicherweise sehr viele Möglichkeiten. Wir würden aber nicht primär dazu raten, sich die ganze Zeit durch soziale Kontakte abzulenken, sondern auch ganz bewusst die „Me-Time“ zu genießen, die sonst im Alltag oft viel zu kurz kommt. Man kann sich zum Beispiel eine Art „Self-Care-Liste“ erstellen und alles notieren, was einem gut tut – Gymnastik, Yoga, Muskelübungen, Entspannung, Meditation, ein heißes Bad, lesen, fernsehen… Oft braucht es ein wenig Zeit, um Antworten auf Fragen zu finden wie „Was sind eigentlich meine Interessen? Was brauche ich zum glücklich sein? Was tut mir gut?“
Und als Ausgleich dazu bieten soziale Medien zahlreiche Möglichkeiten, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und sich gegenseitig auszutauschen und Mut zuzusprechen.

Was kann man tun, wenn man sich in einem Tief befindet?

Natürlich kann es auch vorkommen, dass negative Gefühle überhandnehmen und man aus dem Grübeln nicht mehr rauskommt – jedoch ist man auch in dieser Situation nicht auf sich alleine gestellt und findet im Internet zahlreiche Möglichkeiten zur Hilfestellung. Mittlerweile weiß man, dass psychologische Online-Beratung signifikante Effekte hinsichtlich psychologisch relevanter Symptome erzielen und dabei helfen kann, mit negativen Emotionen umgehen zu lernen. Scheuen Sie sich nicht, sich professionelle Hilfe zu holen – dies kann dabei helfen, die Krise gestärkt zu überstehen.

Umgekehrt kann ja auch zu viel Nähe ein Problem sein: Warum kann es im Home Office mit Kindern und Partnern zu Reibereien kommen und wie kann man das verhindern?

Dies ist eine Situation, in der viele von uns wahrscheinlich noch nie zuvor waren. Bisher hatten wir eingefahrene und gut erprobte Alltagsrituale und jeder in der Familie hatte seine individuellen Aufgaben, aber auch seine Momente der Freizeit. Anders als im Urlaub kann man jetzt nicht einfach in den Tag hineinleben und zwischendurch mal schnell zur Spielgruppe gehen, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt – man muss trotzdem weiter „funktionieren“, sich aufeinander abstimmen und neue Rituale entwickeln. Genau hier kann es häufig zu Unstimmigkeiten und Genervtheit kommen – insbesondere, weil uns permanent Gefühle von Unsicherheit und Angst begleiten, die einer produktiven Kompromissbereitschaft im Weg stehen.

Dem kann man aber gut entgegenwirken, indem man beispielsweise Tagespläne entwickelt und den Alltag für alle Beteiligten gut strukturiert. Zudem hilfreich und sinnvoll ist es, wenn jeder neben der Arbeitszeit auch genug Zeit und Raum für Rückzugsmöglichkeiten hat. Bei einem gemütlichen Gespräch oder einer „Familiensitzung“ können gemeinsam Regeln für diese Zeit entwickelt werden – hierbei sollten alle Mitspracherecht haben und an der Gestaltung des Tages teilnehmen dürfen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die regelmäßige Kommunikation (Wie geht es euch heute? Was können wir gemeinsam dazu beitragen, dass die Situation für alle gut erträglich ist?) und der Austausch über Ängste und Sorgen.

Dies ist keine Zeit, in der Erziehungsmaßnahmen durchgezwungen werden müssen – jetzt geht es darum, zusammen zu halten und gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen, damit wir gestärkt daraus hervorgehen können.

Fotocredits: unsplash.com/@thmsvrbrggn

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