Besser leben - Susanne Prosser

Helfersydrom: Warum manche Frauen immer helfen wollen

Es gibt Frauen, die einfach immer und überall helfen wollen. Wie sie sich damit oft selbst schaden und warum sie jetzt damit aufhören sollten. Tschüss, Helfersyndrom!

Ich erzähle die Geschichte einer Frau, nennen wir sie Lisa. Sie ist der Typ Frau, der immer für andere da ist. Wenn man Samstag nachts ein Anliegen hat, braucht man nur ihre Nummer wählen, und sie hat ein offenes Ohr. Wenn man mit Lisa Pizza essen geht, kann man die Brieftasche eigentlich fast immer in der Tasche lassen. „Ach lass doch mal! Ich lade dich ein!“ – sie meint es einfach immer gut. Meistens allerdings zu gut. Zwar nicht mit sich selbst, dafür umso mehr mit anderen. Wenn Lisa in der Pizzeria ihre Geldscheine aus der Börse ziehen will, macht es den Anschein, als würde sie ihre Existenz damit berechtigen wollen, dass sie anderen Leute, die eigentlich ihre Freunde sind, die Pizza bezahlt.

Auch Ihre Beziehungen zu Männern sind nicht erfüllend. Seltsam, eigentlich, denn Lisa ist sehr einfühlend. So sehr sogar, dass sie manchmal sprichwörtlich selbst fühlen kann, was andere fühlen. Und sie hat auch etwas wie einen sechsten Sinn dafür, was andere gerade brauchen. Der Blick auf ihre eigenen Bedürfnisse wird dabei schnell getrübt, denn die findet Lisa eigentlich auch gar nicht so wichtig. Manchmal weiß sie selbst gar nicht mehr so recht, was gut für sie ist. Menschen wie Lisa haben oft selbst traumatische Erfahrungen gemacht und mussten früh Verantwortung für andere übernehmen. Sie haben gelernt, die Bedürfnisse der anderen zu “erspüren”. Oft, um sich dadurch selbst zu schützen.

Im Alltag sind solche Verhaltensmuster aber nicht notwendig –  und schon gar nicht nützlich. So kommt es in der Praxis oft dazu, dass Lisa sich immer wieder in der Rolle einer vermeintlichen Therapeutin wiederfindet. Sei es, wenn ein Kerl sich bei ihr über seine Verflossene ausweint oder,  wenn ein anderer es nicht schafft, sein Kifferproblem in den Griff zu bekommen. Lisa versteht die Welt nicht mehr. Was soll sie denn noch alles tun, um zurückzubekommen, was sie alles gibt?

Darauf gibt es nur eine Antwort: Gar nichts.
Weil dadurch nichts besser wird. Nicht für die Männer, und schon gar nicht für Lisa.

Das ständige Helfen und gut zu anderen sein wird zum Problem

Wenn sie ihren neuen Freund gleich zum Drogenberater schleift oder ihm trotz seines Kifferproblems Bewerbungen schreibt oder einem alten Schwarm Tipps gibt, wie er über seine ach so traumhafte Ex hinwegkommen kann, könnte man meinen, dass sie die Mutter dieser Männer ist, deren Pflicht es ist, einem kleinen Buben zu helfen. Für die hilfsbedürftigen Herren der Schöpfung ist die Bemutterung einerseits bequem. Allerdings ist die Krux, dass sie sich als ganze Männer ja auch nicht respektiert fühlen können, wenn sie dauernd betätschelt und bevormundet werden. Bei Lisa wiederum ruft dies Enttäuschung hervor, da sie sich ja so über die Maßen für die anderen engagiert, diese das für selbstverständlich betrachten und Lisa nicht die Liebe und den Dank zurückgeben, den sie sich erwartet.

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass helfen schlecht ist – gar nicht! Im Gegenteil, es gehört zu einer Beziehung dazu. Aber es geht darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Geben und Nehmen zu finden. Denn wenn Helfen zur Sucht wird, geht es oft auch darum, eigene Probleme nicht ansehen zu müssen. Und da ist es doch viel besser, ehrlich mit sich selbst und anderen zu sein, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu achten – und diese anderen auch mitzuteilen. Gesunde Grenzen setzen ist die Basis dafür, dass gesunde Beziehungen gelingen können.

Also, Mädels: Wenn ihr euch angesprochen fühlt, fangt gleich damit an. Seid gut zu euch selbst und dann erst zu den anderen – dann sind es auch die anderen.

Fotocredit: (c) iStock/loveischiangrai


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Simone Ehrlinger

Mag.a Simone Ehrlinger

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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