Besser leben - Doro Raht

Make more people happy! – Das eigene Glück und die Anderen

Vorbei sind die Zeiten, in denen Sprichworte einen dazu motivieren wollten, anderen Menschen ein Lächeln zu schenken. Heute geht es überall und ständig nur noch um das eigene individuelle Glück. Hier kommt ein Plädoyer dafür, wieder mehr an andere zu denken und sich nicht nur um sich selber zu kümmern. Helfen Sie, unterstützen Sie Menschen in Not und schauen Sie nicht weg, wenn anderen Unrecht getan wird – dadurch werden alle und auch Sie selber glücklicher!

Wir und die Anderen

Wir sind nicht alleine auf diesem Planeten. Das merken wir spätestens, wenn wir spät zur Arbeit dran sind und jemand vor uns auf der Straße oder dem Fahrradweg keinen Platz macht. Nun können wir diese Person beschimpfen. Oder ihr ein gelassenes „Macht nichts!“ zurufen, ein Lächeln schenken und im Tempo, welches uns das tägliche Verkehrschaos vorgibt weiterfahren.

Unser Ziel ist es, möglichst schnell bei der Arbeit anzukommen. Daran hindern uns (mal abgesehen von der Bahn) üblicherweise andere Menschen. Sie halten sich nicht an Regeln, sind langsam oder stehen im Weg herum. Warum sehen wir dies nicht mal anders? Wir könnten es als Ziel sehen, dass sich alle Menschen unserer Stadt insgesamt möglichst schnell, sicher und angenehm an ihren Zielort kommen. Wir wären dann ein Teil der Gesamtheit und das gemeinsame Vorwärtskommen unser Ziel, anstatt nur unser eigenes. Alle Menschen wären rücksichtsvoller, großzügiger und viel weniger aggressiv auf dem morgendlichen Arbeitsweg, wenn alle dies so sehen würden. Und schneller ankommen würden wir auch. Doch nicht nur im Straßenverkehr sehen viele Menschen sich selber als Zentrum: es ist gesellschaftlicher Trend auf das Individuum zu schauen – ganz anders als die Probleme unserer Zeit, wie beispielsweise Umweltprobleme, nahelegen würden.

Ein bisschen Ubuntu für alle

Ubuntu ist ein philosophisches Konzept aus Südafrika, das beschreibt, dass Menschen durch andere Menschen zu Menschen werden – hierzulande vielleicht am ehesten bekannt als der Homo Sociologicus. Ohne andere Menschen sind wir nichts, wir sind soziale Wesen. Deshalb sollten wir uns auch um das Wohl unserer Mitmenschen bemühen.

Nicht nur der Einzelmensch selbst, sondern auch sein individuelles Glück stehen heute im Fokus. Es gibt eine regelrechte mediale Glücksobsession. In Blogs und Zeitschriften wird man damit bombardiert, dass man glücklich sein soll. Individuelles Glück jederzeit als alleiniges Lebensziel! Unglück = persönliches Versagen. „Make more of what makes you happy“ – solche und ähnliche Sprüche scheinen das Motto unserer Generation zu sein. Wie wäre es denn mal mit: „Make more people happy“?

Make more people happy!

Wann haben Sie das letzte Mal einen freundlichen Small Talk mit einer unbekannten Person geführt – dem Bäcker, der Postbotin oder an der Bushaltestelle? Wenn Obdachlose um Geld bitten, werden diese von den meisten Menschen einfach ignoriert. Sehr selten werden sie angeschaut, begrüßt, angesprochen oder bekommen tatsächlich etwas Geld. Wenn alle Menschen ihren Mitmenschen – Bekannte oder Unbekannte – freundlicher begegnen würden, wären alle glücklicher.

Wohlfühlmagazine blenden aus, dass Menschen nicht die gleichen Möglichkeiten haben glücklich zu sein. Sie behaupten: „Happiness is a choice“. Menschen, die nicht wissen, ob sie heute einen sicheren, trockenen Schlafplatz haben werden oder Menschen, die nicht wissen, ob sie morgen schon in einem Flugzeug sitzen und in ihr Herkunftsland abgeschoben werden, brauchen bedeutend mehr für ihr Glück als die richtige Einstellung zum Leben. Und Menschen, die unter psychischen Krankheiten leiden, setzt der Zwang zum Glück nur zusätzlich unter Druck. Machen Sie sich die ungleichen Situationen, in denen Menschen leben bewusst, und teilen Sie, was Ihnen Ihr Glücklichsein erleichtert, mit anderen.

Sich mit anderen Menschen zu verbinden macht glücklich

Obwohl permanente individuelle Glückseligkeit ein unrealistisches und exklusives Lebensziel ist, ist Glück natürlich durchaus ein schönes Gefühl und erstrebenswert. Wenn wir freundlicher und solidarischer mit unseren Mitmenschen wären, wäre die Gesellschaft insgesamt glücklicher. Aber auch wir selber werden zufriedener und häufiger glücklich, wenn wir einen guten Kontakt mit anderen Menschen pflegen, mit Freunden, Kolleginnen, der Familie… oder dem morgens früh um sieben auf dem Fahrradweg stehenden Fußgänger. Dies fängt schon bei einem ausgetauschten Lächeln oder ein paar freundlichen Worten an – probieren Sie es mal wieder aus!

Fotocredits: iStock.com/Ocskaymark


Online-Beratung durch Psychologen


Melanie Gramer

Melanie Gramer

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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