Gesund im Job - Barbara Reichert

Raus aus der Mobbing-Falle

„Mobbing? Anfangs dachte ich, dass ich mir die argwöhnischen Blicke und die kleinen Anfeindungen einbilden würde. Heute weiß ich, dass dies nur der Beginn einer langen Leidensspirale bedeutete, die es schnellstmöglich zu durchbrechen galt!”

So oder so ähnlich äußern sich Menschen, welche sich zunächst einmal für ihre bitteren Erfahrungen schämen. Mobbing-Opfer suchen nicht selten die Schuld bei sich und dem nicht genug: Sie geben ihren Peinigern in deren unrechten Tun in soweit noch Recht, als dass Sie sich schier grenzenlos anpassen, anstatt sich berechtigt zu wehren! Wird ein Mitarbeiter permanent grundlos und voller Absicht von einem oder mehreren Kollegen gepeinigt, gequält oder sogar verletzt — durch Worte oder Taten, sprechen Psychologen von akutem, gefährlichem Mobbing. Die Dunkelziffer der real existierenden Mobbing-Betroffenen ist hoch. Umso erstaunlicher und zudem traurig ist die Tatsache, dass nur jeder dritte oder vierte Mobbing-Kandidat sich psychologische Hilfe sucht oder gar den Chef über den gegebenen, unerträglichen Zustand informiert.

Mobbing – Gnadenlos, maßlos und zerstörerisch

Die Rückzugsmöglichkeit im Job ist begrenzt. Als Mobbing-Opfer ist man mehr oder weniger eine öffentliche Zielscheibe. Wer sich nicht schnell genug aus dem Schussfeld entfernt, erleidet Schaden an Psyche und Körper – denn der markante Psychoterror überschreitet durch übertriebene Nachhaltigkeit alle Grenzen humaner Manier. So sind zum Beispiel der verbale Schlag unter die Gürtellinie und das beherzte Anrühren einer völlig geschmacklosen Gerüchtesuppe nur kleine Randnoten im Run auf das auserwählte Opfer.

Das vernichtende Ergebnis einer länger anhaltenden Mobbing-Odysee

Die Opfer klagen vermehrt über Schlafstörungen, Panikattacken, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Das Selbstbewusstsein rutscht in den Keller. Nicht selten legen Opfer eine Art Vermeidungsstrategie an den Tag, ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, suchen die soziale Isolation.

Auch Magen-, Darmbeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie depressive Verstimmungen nehmen dramatisch zu und werden oft missgedeutet. Meist braucht es einen regelrechten Zusammenbruch, bis Opfer über ihr Leid beim Arzt oder Psychologen berichten. Doch dann ist bereits Schaden entstanden, welcher mit der richtigen Rangehensweise durchaus vermeidbar gewesen wäre.

Doch, wie werden wir zum Opfer von Mobbing-Attacken, und was bewegt Menschen, welche ständig feuern müssen?

Mit Verständnis auf Aggression reagieren. Und das soll helfen?

Ja, so unglaublich das klingt, es wirkt! Betrachtet man die Mobber mal etwas genauer, stellt man den Grund oder auch mehrere Gründe für ihr Fehlverhalten fest. Warum reagieren Menschen bewusst abweisend und versuchen, anderen Menschen das Leben so schwer wie nur möglich zu machen? Oftmals alleine deswegen, weil sie selbst unzufrieden sind, vielleicht unter schrecklichen Minderwertigkeitsgefühlen leiden, selbst zum Beispiel familiär gemobbt werden oder sich krank fühlen. Meist versuchen diese Menschen ihrem Frust Luft zu machen, indem Sie sich ein williges Opfer im Betrieb aussuchen und sich an diesem „gesund-stoßen“. Dass diese Mobber sich letztlich nicht wirklich gut fühlen können, gerade wenn sie anderen schaden, liegt auf der Hand. Wohl bräuchten diese Störenfriede eher psychologische Betreuung, aber dieser Gedanke liegt ihnen leider recht fern.

Steuern Sie gegen Mobbing-Attacken menschlich korrekt an, indem Sie …

  1. nicht das Weite suchen und nicht auf Konfrontation gehen.
  2. bewusst das ruhige Gespräch suchen, bewusst scharfe Gesprächsansätze mit möglichst empathischen Gesten (offener Blick, Lächeln, sanfter Händedruck…) quittieren und so alle Aggression ins Leere lenken.
  3. zwar Ihre Hilfe in Stresssituationen anbieten, aber sich nicht unterwerfen.
  4. selbstbewusst kontern, „Nein, aber ich weiß da eine bessere Lösung…“ oder „Das sehe ich zwar etwas anders, aber gemeinsam finden wir bestimmt eine gute Lösung“ und damit dem Mobber den Wind aus den Segeln nehmen, ohne ihn bloßzustellen.
  5. den Mobber im direkten Gespräch fragen, was ihn bewegt und wie man eine harmonischere Zusammenarbeit kreieren könnte.

Und ganz wichtig: Bleiben Sie sich selbst treu und vertrauen Sie auf Unterstützung von außen. Es ist keine Schande, sich Hilfe zu suchen, gegebenenfalls mit dem Chef, weiteren Mitarbeitern, mit Professionisten, wie Psychologen oder Psychotherapeuten über die Mobbing-Problematik zu sprechen. Sollte der Mobber grundsätzlich uneinsichtig sein und sein Handeln nicht deeskalieren, darf der Chef ein Machtwort sprechen. Da Mobber grundsätzlich das Betriebsklima, sowie wichtige Arbeitsabläufe empfindlich stören, wird sich der Vorgesetzte in der Regel richtig verhalten und der Mobber muss gehen.

Fotoquelle: (c) iStock.com/DNY59


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Raphael Duque

Mag. Raphael Duque

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