Besser leben - Susanne Prosser

Social Media und Psyche: Vom Schein, vom Sein, vom öden Einheitsbrei

Social Media und Psyche beeinflussen einander – und das meist nicht zum Guten. Warum wir die Realität im Web mit Vorsicht genießen sollten, und das echte Leben so viel besser ist.

Es gibt viele eindrucksvolle Blogs mit köstlichen Rezepten und aufwendig inszenierten Fotos. Darüber hinaus haben es sich einige Menschen zur Aufgabe gemacht, im Internet auf ihren Blogs hilfreiche Anleitungen zum Beispiel zu Selbstgemachtem oder Reise-Erfahrungen mit vielen Tipps weiterzugeben. Viele dieser Publikationen sind sehr kreativ und bewundernswert.

Fragwürdig sind im Gegensatz dazu viele der Botschaften anderer Blogger und Instagrammer, die am laufenden Band einen Einheitsbrei von Avocados, Kaffeebechern und Müslibowls auf ihren Bildern produzieren, sich selbst in den ewig gleichen Outfits und Posen ablichten und dann auch noch als „Influencer“ bezeichnet werden.

 

Mehr Personality wäre doch was!

Bei einigen Fashion Bloggern muss man sich zuweilen ehrlicherweise die Frage stellen, was diese mit inspirierender Mode zu tun haben – tragen viele von ihnen doch nichts, was in irgendeiner Weise originell oder besonders gewagt und spritzig aussehen würde: Jeans, schwarze Lederjacke, Sneakers, glatter Pulli oder Shirt und fett aufgetragenes Make Up – jedes Bild sieht dem anderen zum Verwechseln ähnlich.

Ein wenig mehr Originalität würde dort und da nicht schaden. Denn wenn sie schon so “beinflussend” (“influencing”) auf die Allgemeinheit wirken sollten, dann wäre es eben wünschenswert, wenn man hier öfter wirklich einmal etwas Neues zu sehen bekommen würde von dem es sich lohnt, beeinflusst (“influenced”) zu werden. Schön wären auch mehr Posts, bei denen die Sympathie und die Taten dieser Personen im Vordergrund stehen und nicht der ständige Anspruch, wie eine Barbiepuppe zu erscheinen. Das wäre doch einmal Beeinflussung der sinnvollen Art fernab der altbekannten Klischees. Motivierende Vorbilder eben, die mutig für sich selbst und eine neue Generation von selbstbewussten Frauen (und auch Männern!) einstehen. Meinen Sie nicht auch?

Social Media und Psyche: Alles wird zur Show

Wahrscheinlich stoßen sich mehrere Internetnutzer offen oder insgeheim an diesem Trend. Doch die Grenzen zwischen dem, was real und erstrebenswert ist und was nicht, verschwimmen gerade  bei jungen Menschen oft sehr schnell.

Immer wieder liest man von Social Media-Stars, die trotz viel Erfolg und Ruhm das Handtuch warfen. So zum Beispiel die Australierin Essena O’Neill. Sie machte den Grund für ihr Ausscheiden öffentlich und kritisierte, wie bei Instagram sexualisiert wird und sich gerade Jugendliche selbst sexualisieren. Fast nichts auf den Bildern entspreche der Realität, alles sei inszeniert, ein Fake und gestellt, beichtete sie ihren abertausenden Followern im Video unter Tränen. Ihren Account hatte O’Neill nur kurz darauf tatsächlich gelöscht.

Kürzlich hat eine britische Studie der Royal Society for Public Health neulich ergeben, dass gerade das bildorientierte Instragram psychisch krank machen kann. Weil sie Minderwertigkeitsgefühle schüren und ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit abbilden, das Ängste und psychische Störungen auf den Plan ruft. All das ist jedoch völlig umsonst. Weil das echte Leben ohnehin um so viel besser und entspannter ist.

 

Fotocredit: iStock/StockRocket


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