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Tipps einer Psychologin fürs Homeoffice mit Kleinkind

Viele Menschen kommen momentan in die außergewöhnliche Situation, von zu Hause aus zu arbeiten. Was auf den ersten Blick nach gemütlichem Couch-Working in Jogginghosen mit Lieblingsmusik im Hintergrund klingt, wird schnell zur nervlichen Zerreißprobe, wenn dieses neue „Office“ mit Partner*in und Kindern geteilt werden muss.

Dann gilt es, ganz besonders gut auf sich und auch den Rest der Familie zu achten und ein Stück zusammen zu wachsen. Doch wie kann das gelingen?

Klare Strukturen und Regeln

Wer von zu Hause aus arbeitet, sollte noch genauer darauf achten, deutliche Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Im Idealfall kann man die beruflichen Tätigkeiten in einem eigenen Zimmer oder Arbeitsbereich erledigen und den Rest der Wohnung als „Pausenraum“ nutzen. Sehr häufig ist diese räumliche Trennung jedoch nicht so klar möglich. Dann kann es hilfreich sein, sich im Wohnzimmer oder am Küchentisch einen gemütlichen Arbeitsplatz einzurichten und den Rest der Familie bitten, diesen zu respektieren. Aber nicht nur der Raum, auch die Zeit spielt eine große Rolle. Im Büroalltag gibt es meist festgelegte Pausen und die ein oder andere Kaffeerunde, die sich für ein paar Minuten zusammen setzt und abschaltet. Genau diese Zeiten sollte man sich auch zu Hause schaffen – idealerweise vom Arbeitsplatz aufstehen, ein wenig Bewegung genießen, den Kopf frei bekommen und nach einer vorher festgelegten Zeit wieder zurückkehren. Und auch mit dem Feierabend kann es ähnlich gehandhabt werden – ab einer vorher bestimmten Uhrzeit ist Schluss für den Tag. Mit individuellen Ritualen (zum Beispiel einer speziellen Musik) kann man diese Zeit bewusst einläuten und sollte nach Möglichkeit auch nicht mehr zum Arbeitsplatz zurückkehren.

Schluss mit Perfektion

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen – dies ist nicht die richtige Zeit für pädagogische Erziehungsprinzipien, Perfektionismus und eiserne Strenge. Momentan läuft einfach nicht jeder Tag gleich und da darf es auch mal ein wenig chaotisch rund gehen. Legosteine auf dem Boden, Essensreste auf der Couch, Pyjama-Dresscode bis Mittag? Warum nicht einfach mal tief durchatmen und sich sagen „Okay, das ist jetzt vorübergehend – was soll passieren, wenn einfach mal nicht alles perfekt ist?“. Je ehrlicher man diesen perfekten „Imperfektionismus“ lebt und verteidigt, umso entspannter ist man selbst – ein Zustand, der allen Beteiligten zugutekommt.

Fokus auf das Positive

Auch wenn das Kind zum 10. Mal in das Zoom-Meeting platzt und nebenbei wieder mal die Pfannkuchen anbrennen – jetzt den Kopf in den Sand stecken hilft leider gar nicht. Was dagegen motivieren kann ist, wenn man sich die positiven Aspekte vor Augen hält. Von zu Hause aus zu arbeiten ist ein Privileg, das momentan nicht jeder genießen kann. Viele Menschen haben ihren Job auf ungewisse Zeit verloren oder arbeiten in systemerhaltenden Berufen, wo sie permanent einem Risiko ausgesetzt sind. Überlegen wir mal: Hat es nicht vielleicht auch was Gutes, dass man in der glücklichen Lage ist, zu Hause arbeiten zu können? Und das noch dazu neben der Familie? Und da hat sich jedes „Teammitglied“ auch ab und zu ein wenig Lob verdient! Lob dafür, dass der Partner einem den Rücken freihält, oder dafür, dass das Kind es hinbekommt, sich ein paar Minuten selbst zu beschäftigen. Und ganz bestimmt auch dafür, dass man selbst es immer wieder schafft, optimistisch zu bleiben und alles so gut unter einen Hut zu bringen.

Auch der Verzweiflung mal ihren Raum geben

Und selbst bei der optimiertesten Struktur, dem bestens abgestimmten Familiensystem und der optimistischsten Grundhaltung kann es immer wieder vorkommen, dass auch Verzweiflung sich breit macht. Und das darf sie auch! Es darf manchmal anstrengend sein, man darf manchmal nachdenklich in die Zukunft blicken und auch Angst oder Ärger können dann und wann an die Oberfläche kommen. Dann heißt es – zum Telefon greifen und jemanden kontaktieren, der ein offenes Ohr hat! Wir alle sitzen im selben Boot und es kann sehr heilsam sein, seine Gefühle mit anderen zu teilen und zu spüren, dass es beinahe jedem gleich geht. Das entlastet, entspannt und ermöglicht uns, die Gefühle zu kontrollieren und wieder nach vorne zu blicken

Fotocredit Titelbild: pexels.com/@Anastasia Shuraeva

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