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Wenn Valentin keine Blumen bringt…

Be my Valentine! Wie kann man diesen romantischen Tag als sensibler Single glücklich überstehen? Instahelp Psychologin Wallisch-Tomasch im Interview zum Valentinstag.

1. Schon Wochen vor dem Valentinstag macht einen die Werbung darauf aufmerksam, dass bald wieder der 14. Februar ist. Singles – besonders frisch Getrennte – sind in dieser Zeit daher beinahe überall damit konfrontiert, dass sie alleine sind und niemand mit Blumen, Parfum, Schokolade oder anderen Geschenken auf sie wartet. Wie geht man mit dieser Situation am besten um?

Tja, was löst die Valentins-Stimmung bei Singles aus? Bestenfalls ein Gefühl des Lästig-Seins, schlimmstenfalls Schmerz.

Doch nicht jeder Single-Mensch fühlt gleich. Mancher ist dankbar, dass er/sie derzeit keinen Stress mit all dem Kram hat und man sich nur um sich selbst kümmern kann. Manch einer schwärmt von Zweisamkeit und versinkt im sehnsüchtig-lustvollen Träumen. Und dann gibt es die, denen dieses Fehlen sehr schmerzt. Wut, Ärger und Ablehnung gegen das, was einem nicht vergönnt scheint, ist dann auch ganz normal – neben der Traurigkeit und der Verzweiflung.

Der Hype um Konsum und Verkauf erscheint zudem lächerlich und wirtschaftliche Interessen sind hinter der „romantischen Stimmung“ deutlich spürbar. Auch Floristen müssen schließlich überleben. Und die anderen armen Betriebe auch.
Oder was kann es für einen Grund haben, warum der Valentinstag in europäischen und asiatischen Breiten „immer wichtiger wird“? Die Menschen auf der Straße entscheiden das jedenfalls nicht….

Das kann Valentinstag-Hasser also trösten: Dieser Tag hat nichts mit wahrer Beziehung/Partnerschaft zu tun. Er ist – wie jeder Anlasstag – eine Möglichkeit, eine Geste zu setzen. So wie es auch z.B. der Muttertag ist.
Tröstend ist auch: Viele glückliche Paare ignorieren den 14. Februar.
Nur weil es in der Zeitung steht, schenken sich nur die wenigsten rosa Handtaschen in Herzform, Holzuhren mit Patchouli-Aroma oder rosa Fellteppiche. Ist doch absurd, oder nicht?
Also: Der 14. Februar tut im Herzen wohl weniger weh, als jedes knutschende Pärchen, das ich als Single an der Haltestelle sehe.

Die (konsumorientierte) Lösung: Kaufen Sie sich doch selbst eine Tulpe. Wenn`s sein muss, auch eine rosa Herztasche. Oder gehen Sie auf ein gutes Bier.
Die richtige Lösung: Horchen Sie dorthin, wo es schmerzt. Und: Haben Sie sich lieb.

2. Was kann man als Single am Tag selbst tun, um sich abzulenken?

Es geht nicht ums Ablenken, es geht um das Annehmen! Nur dann bin ich wirklich frei.

Hier ein paar konkrete, ernst gemeinte und weniger ernst gemeinte Ideen zur Beschäftigung am Valentinstag:

  • Widmen Sie sich Ihrer eigenen Liebes-Historie:
    Stellen Sie eine Übersicht über all Ihre Verflossenen auf. Mit Name, Alter, Vorlieben, Vor- und Nachteile. Und stellen Sie sich die Fragen: Was war das Beste an dieser Zeit? Was nehme Sie dankbar mit? Und was war das Schlimmste? Was möchten Sie nie mehr erleben? Erstellen Sie also eine Art Statistik. Mit dieser abstrakten Art distanzieren Sie sich von dem innerlichen Chaos, das meist, in Gedanken an Mr. Right oder Mrs. Perfect, herrscht.

    Es wird Ihnen bewusst, wo Sie schon durch sind, was Sie abhaken können und was Sie sich in Zukunft wünschen.

  • Bauen Sie Aggressionen ab:
    Nehmen Sie eine Schere zur Hand und zerschnippeln Sie genüsslich jede doofe Valentins-Werbung. Konsumrausch hat nichts mit Liebe zu tun. Sie wissen es doch besser. Seien Sie Jeanne d’Arc oder King Arthur mit der silbernen Schere und kämpfen Sie für die Reinheit der Liebe!
  • Blumen-Spiel:
    Widmen Sie jede angebotene Blume in einem Geschäft, auf der Straße einem/einer Ihrer Ex-ParntnerInnen. Irgendwas müssen die ja schon wert gewesen sein, dass SIE sich mit denen abgegeben haben. Wenn Sie wirklich keine Blume geschenkt bekommen, haben die es wohl auch nicht besser verdient. 😀 Nein, im Ernst – das Aussöhnen mit dem Vergangenen, das Loslassen, macht frei und bereit für Neues.
  • Lassen Sie es raus:
    Trauer, Schmerz, Wut und Verzweiflung sind keine gern gefühlten Emotionen. Trotzdem müssen sie mal raus. Wenn das Herz schwer ist, machen Sie ruhig auf Tränendrüse und legen sich die schnulzigste Musik auf. Oder toben Sie sich an einem Kissen aus. Lassen Sie sich fallen, keine Hemmungen mehr! Wenn der Damm gebrochen ist, die Welle vorbei: Handy schnappen und telefonieren, Wasser trinken, gut lüften oder das Haus verlassen.
  • Beschenken Sie sich selbst:
    Ob kitschiges Goodie oder hübscher Blumenstrauss – alles ist erlaubt. Sie haben noch immer keine rosa Herztasche? Jetzt aber schnell! Selbstliebe steht an erster Stelle, so sagt man ja.

 
Oder man beschäftigt sich mit dem ursprünglichen Sinn des 14. Februar.
Wer war dieser „Valentin“ eigentlich? Lust auf eine Zeitreise?

Eigentlich ist die alte Legende nicht so romantisch. Da soll ein Märtyrer namens Valentinus (von dem man glaubt, dass er am 14.2. hingerichtet worden sein könnte) die Tochter seines Gefängniswärters geheilt haben! Die Hübsche sei angeblich blind gewesen. Und Valentinus habe ihr einen Brief vor seinem Tod verfasst. Böse Zungen meinen jetzt: „Ja, so bitter ist die Liebe. Man verliebt sich in die Falsche, krank ist sie auch noch, man gibt sein Bestes – und dann wird man vom Schwiegervater gekillt!“. (Irgendwelche persönlichen Erinnerungen, werte LeserInnen?) Auch schwarzer Humor kann helfen!

Aber nun weiter. Erst Jahrhunderte später wurde dieser Tag direkt mit dem Thema der Liebe verbunden und mit dem altrömischen Liebesfest „Lupercalia“ (wo zwischen 13. Und 15. Februar die „Fortpflanzung“ gefeiert wurde) verquickt. Also alles in allem recht delikat. Und vermutlich alles andere als schicklich. Tröstet das auch? (Die Story ist übrigens nachzulesen unter http://www.valentinstag-2019.de/)

Was macht man/frau mit diesem Wissen? Mythen und Geschichten im Wandel der Zeit beschäftigen sich mit Urthemen des Lebens. Und die berühren einfach.
Anlasstage machen auf etwas aufmerksam. Auf die Wichtigkeit von etwas. Hier sind es Liebe, Freundschaft, Zuwendung und Bindung. Von der Fruchtbarkeit und Fortpflanzung einmal abgesehen (wir nennen das Kind beim Namen: Sex).

Was also tun als Single?

  • Dort Liebe leben, wo es möglich ist.
    Platonisch. Ja, das will keine/r hören. Sie können aber auch “do it yourself” pflegen.
  • Dort Beziehungen pflegen, wo Freundschaft und Lebensfreude zuhause sind.
    In den USA wird es z.B. immer üblicher, dass sich an diesem Tag Alleinstehende für gemeinsame Aktivitäten treffen. Gemeinsam einsam. Immer wieder eine elegante Lösung!

 
3. Im Büro, auf der Uni, im Freundeskreis etc. wird gerade unter Frauen gerne erzählt, was am 14. Februar so geplant ist – gerne auch mal, um ein bisschen zu zeigen, wie toll der Partner (oder man selbst) ist. Als Single hat man hier nicht viel zu erzählen und erntet manchmal sogar mitleidige Blicke. Wie kann man stark aus so einem Gespräch rausgehen, auch wenn man selbst es vielleicht nicht lustig findet, dass einem Valentin eben keine Blumen bringt?

Singlemenschen brauchen da wirklich eine dicke Haut. Stark rausgehen aus so einem Gespräch kann frau, wenn sie weiß, dass sie von so einem Tag unabhängig ist. Das persönliche Glück ist doch von keinem Datum abhängig. Oder?

Es stellt sich die Frage, auf was man da neidisch wird. Ist es tatsächlich der Partner oder die Geschenke, die Unternehmungen, die Aufmerksamkeiten? Geht es um ein materielles Aufrüsten oder um tatsächliche Liebesqualitäten der Beziehung?

Wenn es um die Geschenke geht – sagen Sie Ihren Freundinnen, dass Sie sich selbst beschenken. Erzählen Sie, dass Sie in einem dicken rosa Sparschwein seit Ihrer letzten Trennung darauf sparen! Mit dem Vorteil dass Sie in jedem Fall wissen, was Sie bekommen. Und was Liebesgedichte angeht, können Sie Ihre eigene Handschrift ohnehin besser lesen. 😉

4. Aber auch Paare in einer Beziehung haben es oft um den Valentinstag nicht leicht. Denn wenn sonst das ganze Jahr Beziehungsalltag herrscht, soll am 14. Februar auf einmal alles perfekt sein – um dann am nächsten Tag wieder in den Beziehungsalltag einzusteigen. Wäre es da nicht sinnvoller, sich all die Liebe und Wertschätzung unterm Jahr aufzuteilen, und nicht geballt an einem Tag damit anzukommen?

Was für eine Frage. Natürlich wäre Zweiteres sinnvoller.

Neben dem Schmerz, den Singles um diesen Liebes-und Schenkungs-Hype erleben, spüren „verpartnerte“ Leute ebenso ungestillte Bedürfnisse und Sehnsüchte.
Zeichen der Liebe, Aufmerksamkeiten – das ist der Kleber, den wir brauchen, um zufrieden zusammen (k)leben zu können:

„Klar freue ich mich, wenn mir mein Mann an diesem Tag Blumen bringt. Aber es freut mich nicht weniger, wenn er das an einem anderen Tag tun würde.“

 
Manche wünschen sich sehnlichst eine süsse SMS, eine Umarmung, einen Zettel mit lieben Worten am Frühstückstisch, eine Rose am Geburtstag, ein geputztes Auto nach dem Wochenendtrip mit Freunden (okay, das ist eine größere Geste), ein Schokoriegel am Schreibtisch, eine Einladung zu einem Date als Revival der Beziehung, und und und.

Doch die Sprache der Liebe ist vielfältig, und jede/r vergebene Leser/in hier weiß das. Der eine liebt, indem er deine Lampe montiert. Der andere, indem er Kuchen backt, noch ein anderer, in dem er dich vom Bahnhof abholt.
Nicht jede/r kann gleich lieben.

Doch jede/r von uns hat die Chance, es noch schöner zu machen: Wenn die Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin ernst genommen werden!

5. Stichwort Schein und Sein: nicht nur die Werbung ist voll von perfekten Beziehungen am Valentinstag, sondern auch soziale Medien werden gerne dazu genutzt, sich und die eigene Beziehung als perfekt darzustellen – nicht nur am Valentinstag natürlich. Da bekommt man schon einmal selbst das Gefühl, dass in der eigenen Partnerschaft etwas schiefläuft, weil da nicht immer alles „perfectcouple“ und „everlastinglove“ ist.

Wie sehen Sie dieses Thema?

Das ist ein alter Hut. Medien und Werbeformate stellen Lebenssituationen generell idealisiert (oder persifliert) dar. Ob es jetzt die Beziehung ist, die eigene Wohnung, das Auto oder das Haustier. Und immer ist diese Botschaft gekoppelt an ein Produkt, das mir diesen vollendeten Zustand scheinbar garantiert.
Wir wissen das alles eigentlich, emotional prägt es aber dennoch. So ticken wir Menschen eben. Das ist Werbepsychologie.
Wenn Sie sich allerdings im Reality-TV umsehen, ist von Idealzustand nichts mehr zu spüren. Da denken Sie sich eher, die Welt sei nicht mehr zu retten.
Das echte Leben spielt sich irgendwo zwischen diesen Polen ab.

Wird da nicht ein sozialer Druck erzeugt, der dazu führt, dass man das „echte Leben“ lieber verschweigt, weil die eigene Beziehung eben nicht so perfekt ist?

Sozialer Druck in Bezug auf die „perfekte Beziehung“ hängt davon ab, in welchen Welten ich mich bewege. Wenn ich noch jung bin, wenig Lebens- und Beziehungserfahrung oder kaum Erlebnisse der „Selbstwirksamkeit“ habe, ist das schon ein Problem.

Im reiferen Erwachsenenalter wird man bestenfalls immer immuner gegen Modeerscheinungen, Konventionen und Gruppenzwang. So sollte es auch sein. Denn wir gestalten unser Leben selbst und entscheiden selbst, was uns gut tut. Was, mit wem und wie oft. Mit oder ohne Streit. Wochenend-Beziehung oder Hochzeit. Mann oder Frau. Haus oder Wohnwagen. Kinder oder Hunderudel. Es gibt keine einzige, ultimative Lösung für alle. Gottseidank.

Setzen wir uns dadurch Erwartungen an Beziehungen, die realistisch gar nicht erfüllbar sind, weil man eben nicht immer frisch verliebt bleibt und eine Partnerschaft eben auch Arbeit ist, Kompromissfähigkeit erfordert etc.?

Unrealistische Erwartungen sind Teil des Erwachsenwerdens. Spätestens nach der zweiten Trennung weiß ich, dass es „sich so nicht spielt“.
Diese Desillusionierung gehört leider ebenso dazu wie die schöne Erfahrung, dass Liebe sich wandelt und mitwächst. Und Verliebtheit immer wieder aktivierbar ist, wenn sich beide aktiv einbringen und wachsam bleiben.
Viel schwerwiegender und langwieriger sind da die Erwartungen, die wir aufgrund unserer Bindungserfahrung aus der Elternbeziehung mitgenommen haben. Unsichere, ambivalente oder vermeidende Bindungsmuster können viel Leiden verursachen. Hier hilft nur ein mutiger Blick auf die eigenen Kinderschuhe und fachkundige Begleitung, um Defizite in der emotionalen Entwicklung zu erkennen und durch neue Erfahrungen stückweise zu heilen.

Vor diesem Hintergrund: Hat diese perfekte Selbstinszenierung mittel- bis langfristig auch Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung (Stichworte wie hohe Scheidungsraten, immer mehr Singlehaushalte etc.)?

Gute Frage. Die perfekte Selbstdarstellung geht ja weit über die Beziehungsthematik hinaus. Man betrachte nur einmal, was auf Social Media abläuft. Eine neue Ich-Verliebtheit macht sich breit, jeder scheint sich und sein Leben teilen und präsentieren zu wollen. Und das so perfekt, originell oder ausgefallen wie möglich.
Die wirtschaftlich geförderte Ich-Bezogenheit und der Mangel an sicheren Bindungserfahrungen in unserer Kindheit verursachen in weiterer Folge Defizite in der Beziehungsfähigkeit. Kompromissfähigkeit, Geduld, Hingabe, Treue, Kommunikationsfähigkeit, Zärtlichkeit…das sind eben Qualitäten, die man nicht schnell kaufen kann.

Hohe Scheidungsraten sind aber nicht nur auf unsere Unverbindlichkeit, dem schnellen Zeitgeist und dem hohen Leistungsdruck in der Gesellschaft (Stress als Liebes-Killer) zurückzuführen. Zu einem gewichtigen Teil ist diese Tendenz auch auf die Gleichstellung der Frau zurückzuführen. Ehe als erhaltende Institution gibt es kaum mehr, die individuelle Freiheit gilt nun als das oberste Ziel.
Ob die Menschen heute unglücklicher sind als früher, ist zu bezweifeln. Anders unglücklich. Es ist also nicht immer alles schwarz-weiss. Es leben die Grautöne!

Eines bleibt allerdings zeitlos gleich schön: Die Liebe.

 

Fotocredit: (c) iStock.com/Fascinadora


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