{"id":714,"date":"2015-11-05T08:00:08","date_gmt":"2015-11-05T07:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/instahelp.me\/?post_type=lexikon&#038;p=714"},"modified":"2021-09-09T00:29:45","modified_gmt":"2021-09-08T22:29:45","slug":"anorexie","status":"publish","type":"lexikon","link":"https:\/\/instahelp.me\/de\/lexikon\/anorexie\/","title":{"rendered":"Anorexie &#8211; Magersucht"},"content":{"rendered":"Magers\u00fcchtig werden vor allem junge Frauen, verschiedene Faktoren wirken an der Entstehung mit. Es kann zu zahlreichen Begleit- und Folgeerkrankungen kommen. Eine Psychotherapie ist die Behandlung erster Wahl.<!--more-->\r\n<br><br>\r\nDie Anorexia nervosa, wie der aus dem Griechischen stammende Fachbegriff f\u00fcr Magersucht lautet, wurde erstmals in der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts beschrieben, und ist somit die am l\u00e4ngsten bekannte und auch am ausf\u00fchrlichsten untersuchte Essst\u00f6rung. \r\n<br><br><!--more-->\r\nBetroffen davon sind vor allem junge Frauen in der Pubert\u00e4t, zunehmend aber auch junge M\u00e4nner. Die Anorexia nervosa hat zwar unter weiblichen Teenagern eine geringere Pr\u00e4valenz als die Bulimie (Ess-Brechsucht), jedoch ist der Verlauf dieser Erkrankung ung\u00fcnstiger und die k\u00f6rperlichen Folgen sind meist gravierender. Es finden sich auch bei Frauen Berufsgruppen mit einem h\u00f6heren Erkrankungsrisiko: Models, T\u00e4nzerinnen sowie auch bestimmte Sportlerinnen, beispielsweise Eiskunstl\u00e4uferinnen oder Bodenturneninnen.\r\n<br><br>\r\nAusgel\u00f6st wird die Magersucht oft durch Unzufriedenheit mit dem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild und dem Beginn einer Di\u00e4t, die nicht mehr beendet werden kann. Da die Krankheit lange Zeit keinen Leidensdruck verursacht, sondern ein Gef\u00fchl von Macht und St\u00e4rke verleiht, versuchen die Betroffenen die negativen Folgen des Hungerns m\u00f6glichst lange zu verstecken, sodass die zunehmende Unterern\u00e4hrung lange Zeit unentdeckt bleiben kann. Dies f\u00fchrt h\u00e4ufig zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen und\/oder zu einer Verst\u00e4rkung eventueller Begleiterkrankungen der Anorexie. Auch im Zusammenhang mit Heilungsverlauf und Heilungschancen ist die Fr\u00fcherkennung der St\u00f6rung von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Eine psychotherapeutische Behandlung ist bei Magersucht unumg\u00e4nglich. Als Vorbeugung kann alles angesehen werden, was Kindern und Jugendlichen dabei hilft, ein gesundes Selbstwertgef\u00fchl und eine stabil Identit\u00e4t zu entwickeln.\r\n<br><br>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"ursachen-und-haeufigkeit\">Ursachen und H\u00e4ufigkeit<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Bis zu zwei Prozent der jungen Frauen sind betroffen. F\u00fcr die Entstehung gibt es keine einfachen psychologischen oder biologischen Erkl\u00e4rungen, meist spielen mehrere Ursachen zusammen. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  Unter jungen Frauen in der Pubert\u00e4t wird eine Erkrankungsh\u00e4ufigkeit von 0,5 bis 2 Prozent angenommen. Der Anteil der Frauen an der Erkrankung insgesamt betr\u00e4gt ungef\u00e4hr 95 Prozent. Verl\u00e4ssliche Angaben \u00fcber die Erkrankungsh\u00e4ufigkeit von M\u00e4nnern an Magersucht gibt es kaum. Allerdings konnte in den letzten Jahren ein Ansteigen der Erkrankungszahlen von m\u00e4nnlichen Magers\u00fcchtigen beobachtet werden. M\u00f6glicherweise ist das darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass es in den letzten Jahren gelungen ist, das Tabuthema Essst\u00f6rung mit all ihren verschiedenen Formen \u00f6ffentlich zu machen, und somit auch jene ca. f\u00fcnf Prozent M\u00e4nner, die an dieser Erkrankung leiden, den Mut aufbringen professionelle Hilfe zu suchen. Vor allem Sportler sind gef\u00e4hrdet diese St\u00f6rung zu entwickeln. Die meisten Krankheitsf\u00e4lle kann man bei Skispringern, Eis-, Langstrecken- und Marathonl\u00e4ufern sowie Jockeys und Turnern beobachten.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Rollenverst\u00e4ndnis von Frauen und M\u00e4nnern<\/h3>\r\nDass die Erkrankung doch viel h\u00e4ufiger bei Frauen zu finden ist als bei M\u00e4nnern, liegt zu einem gro\u00dfen Teil daran, dass M\u00e4nner sich \u00fcber ihren beruflichen Erfolg, ihre Macht, Potenz, ihren Geldbeutel definieren, wohingegen Frauen noch immer sehr nach ihrem Aussehen beurteilt werden. Dieses Rollenverst\u00e4ndnis tr\u00e4gt sicherlich zur hohen Pr\u00e4valenz von Frauen, die an Magersucht leiden, bei. Gem\u00e4\u00df dem Umstand, dass sich alte Rollenklischees langsam, aber doch ver\u00e4ndern, gelten mittlerweile auch f\u00fcr M\u00e4nner bestimmte K\u00f6rperideale, und dies mag einer der Gr\u00fcnde sein, wieso diese mehr und mehr an einer bislang Frauen vorbehaltenen St\u00f6rung erkranken. \r\n<br><br>\r\nDie Sterblichkeitsrate bei Magersucht ist betr\u00e4chtlich, sie liegt in den ersten Erkrankungsjahren bei f\u00fcnf bis sechs Prozent, nach einer Krankheitsdauer von f\u00fcnfzehn bis zwanzig Jahren steigt sie sogar auf zehn bis 18 Prozent.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Verschiedene Faktoren sind ausschlaggebend<\/h3>\r\nEs gibt keine einfache biologische oder psychologische Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Entstehung einer Magersucht. Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen geht man davon aus, dass es sich um eine multifaktorielle Erkrankung handelt, die von verschiedenen Risikofaktoren bestimmt wird. So tragen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren zur Entstehung der Krankheit bei. Im Rahmen der Zwillingsforschung konnte eine famili\u00e4re H\u00e4ufung der Erkrankung nachgewiesen werden, wobei die genauen Genorte, wo der Defekt lokalisiert ist, noch nicht bekannt sind. Derzeit konzentriert sich die Forschung vor allem auf Informationsstellen, die in engem Zusammenhang mit dem System des Botenstoffes Serotonin stehen.\r\n<br><br>\r\nAu\u00dferdem sind auch Einfl\u00fcsse aus dem sozialen Umfeld \u2013 wie negative Kommentare von Familie und Freunden bez\u00fcglich der eigenen Figur, wie auch das allgemeine Sch\u00f6nheitsideal, das von der jeweiligen Kultur bestimmt wird \u2013 Faktoren, die eine Entstehung der Magersucht beg\u00fcnstigen k\u00f6nnen. Ung\u00fcnstige famili\u00e4re Umst\u00e4nde im Elternhaus, die eine St\u00f6rung der eigenen Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung hervorrufen, wie beispielsweise geringes Selbstbewusstsein oder fehlerhafte Probleml\u00f6sungsstrategien sowie zu hohe Erwarten von Seiten der Eltern, die zu einem zwanghaften Perfektionismus f\u00fchren k\u00f6nnen, aber auch schwere psychische, sexuelle oder physische Traumatisierungen in der Vorgeschichte k\u00f6nnen Ausl\u00f6ser der Magersucht darstellen. \r\n<br><br>\r\nH\u00e4ufig kann auch eine Abmagerungskur der Beginn der Anorexia nervosa sein. So steht am Beginn der Erkrankung der durchaus nachvollziehbare Wunsch ein paar Kilogramm Gewicht zu reduzieren. Allerdings r\u00fcckt mit der Zeit das Abmagern an sich in den Mittelpunkt und das Gef\u00fchl der Askese, der Selbstbeherrschung und das Besiegen des Hungers wird zu einem unverzichtbaren Faktor. Das reale Gewicht wird irrelevant und der oder die Betroffene ist nicht mehr in der Lage normal zu essen.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Soziokulturelle Faktoren<\/h3>\r\nMagersucht gibt es ausschlie\u00dflich in reichen L\u00e4ndern \u2013 vor allem in westlichen orientierten Gesellschaften, die sich durch starke Konsumorientierung und ein Sch\u00f6nheitsideal auszeichnen, das junge, schlanke Menschen als erfolgreich, begehrens- und liebenswert darstellen. Frauen sind diesbez\u00fcglich einem gr\u00f6\u00dferen Druck ausgesetzt, den g\u00e4ngigen Sch\u00f6nheitsnormen zu entsprechen und erkranken daher deutlich \u00f6fter an Magersucht als M\u00e4nner. Wie erw\u00e4hnt, ist in den letzten Jahren ein deutlicher Trend zu erkennen, dass auch zunehmend junge M\u00e4nner an dieser St\u00f6rung erkranken und somit von gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen bez\u00fcglich ihres Aussehens mehr und mehr betroffen sind.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Famili\u00e4re Faktoren<\/h3>\r\nMagersucht kommt zumeist in so genannten Bilderbuchfamilien vor. Diese Familien legen gro\u00dfen Wert auf ein perfektes Erscheinungsbild, hinter dem sich aber h\u00e4ufig starke interne Spannungen verbergen. Konflikte und Gef\u00fchle werden nicht offen ausgesprochen. Beziehungen zwischen Familienmitgliedern sind von hoher gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeit gekennzeichnet, es mangelt an Privatsph\u00e4re. Werte, die in solchen Familien hochgehalten werden, sind Leistung, Erfolg, korrektes Auftreten, gepflegtes \u00c4u\u00dferes, gute Manieren, Harmonie. \r\n<br><br>\r\nZumeist gibt es eine traditionelle Rollenaufteilung zwischen den Eltern \u2013 so ist  der Vater f\u00fcr das Familieneinkommen zust\u00e4ndig und die Mutter k\u00fcmmert sich um Haushalt und Kindererziehung. F\u00fcr T\u00f6chter kann diese Konstellation insofern problematisch werden, als die oft \u00fcberf\u00fcrsorgliche Mutter die Eigenst\u00e4ndigkeit und Abl\u00f6sung der Tochter unterbindet. Durch die so entstehende Unselbstst\u00e4ndigkeit geraten die Betroffenen in Konflikt mit den hohen Erwartungen an sich und die Zukunft \u2013 bezeichnend f\u00fcr die Magersucht ist, dass viele Magers\u00fcchtige beispielsweise Vorzugssch\u00fclerinnen sind. Die Hausfrauen-Rolle der Mutter dient ihnen nicht zur Identifikation und die Abgrenzung von der Mutter erfolgt \u00fcber die Ablehnung der Frauenrolle und des Frau-Werdens sowie der damit verbundenen Sexualit\u00e4t. \r\n<br><br>\r\nDer Vater ist in der Familie berufsbedingt wenig pr\u00e4sent. H\u00e4ufig empfinden Magers\u00fcchtige, dass sie von ihren V\u00e4tern nur \u00fcber ihre erbrachten Leistungen wahrgenommen werden bzw. dass daran v\u00e4terliche Zuwendung gebunden ist. \r\n<br><br>\r\nIn manchen Familien findet sich auch bereits eine Geschichte von Essst\u00f6rungsverhalten. Magers\u00fcchtige k\u00f6nnen z.B. in ihrer Kindheit erlebt haben, wie \u00fcber Essen Belohnung und Bestrafung ausge\u00fcbt bzw. Macht und Kontrolle erlangt wurde. Dieses Verhalten ist in der Folge zu ihrer zentralen Konfliktbew\u00e4ltigungsstrategie geworden. \r\n<br><br>\r\nViele Magers\u00fcchtige f\u00fchlen sich fremdbestimmt und sind nicht im Stande aus diesem oft goldenen K\u00e4fig auszubrechen. Aufgrund der Tatsache, dass keine ad\u00e4quaten L\u00f6sungsstrategien zur Verf\u00fcgung stehen, wie man sich dem famili\u00e4ren Druck \u2013 sei es bez\u00fcglich schulischer Leistungen, sei es bez\u00fcglich sportlicher Erfolge &#8211; entziehen k\u00f6nnen, ist die einzige M\u00f6glichkeit zur Selbstbestimmung der Verzicht auf Nahrung. \r\n<br><br>\r\nAuch ist oftmals ein verzerrtes Selbstbild die Ursache, dass Anorektikerinnen und Anorektiker \u2013 obwohl sie objektiv gesehen bereits krankhaft mager aussehen \u2013 sich selbst im Spiegel betrachten und einen Menschen sehen, der zu dick ist. Dieses Ph\u00e4nomen wird auch als K\u00f6rperschemast\u00f6rung bezeichnet. Alle Versuche der Umwelt eine \u00c4nderung im Essverhalten der Betroffenen hervorzurufen, werden als unzul\u00e4ssige und vor allem unerw\u00fcnschte Einflussnahme abgewehrt. Charakteristisch ist auch, dass Magers\u00fcchtige oft dazu neigen, \u00fcberm\u00e4\u00dfig Sport zu betreiben, um nur nicht zuzunehmen.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Individuelle Faktoren<\/h3>\r\nBei Magers\u00fcchtigen l\u00e4sst sich h\u00e4ufig ein hohes Ma\u00df an Selbstunsicherheit feststellen, das sie durch Perfektionismus, Loyalit\u00e4t und Zuverl\u00e4ssigkeit bis hin zu \u00dcberangepasstheit und Fremdbestimmtsein auszugleichen versuchen.\r\n<br><br>\r\nIhr best\u00e4ndiges Streben nach Anerkennung und Liebe schl\u00e4gt sich auch in ihrem Ehrgeiz, die Besten, die Sch\u00f6nsten, die D\u00fcnnsten zu sein nieder. Gemeinsames Merkmal von magers\u00fcchtigen Patientinnen und Patienten ist die Angst vor dem Essen, gekoppelt an eine panikartige Furcht vor einer Gewichtszunahme. Viele Betroffene nehmen die W\u00fcnsche und Erwartungen ihrer Umgebung sehr differenziert wahr, versuchen, diese zu erf\u00fcllen und es m\u00f6glichst allen Recht zu machen. Gleichzeitig wissen sie aber nicht, wer sie eigentlich sind und was sie wollen. Die K\u00f6rperschemast\u00f6rung f\u00fchrt dazu, dass die Betroffenen ihren K\u00f6rper nur sp\u00fcren k\u00f6nnen, wenn sie hungrig sind. \r\n<br><br>\r\nAll diese Eigenschaften f\u00f6rdern die zunehmende Entwicklung von eher starren, unflexiblen Denk- und Handlungsmustern. In manchen F\u00e4llen tritt Magersucht daher auch in Verbindung mit Zwangs- oder Angstst\u00f6rungen und Depressionen auf, aber auch Borderline-Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale sind h\u00e4ufig.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Biologische Faktoren<\/h3>\r\nEs gibt Hinweise auf eine genetische Veranlagung. Allerdings ist bei der Entstehung des Krankheitsbildes das Zusammenspielen der oben genannten Faktoren notwendig. Es wird angenommen, dass bei anorektischen Menschen eine St\u00f6rung der Hirnregion vorliegt, die f\u00fcr die Steuerung des Essverhaltens und der sexuellen Aktivit\u00e4t verantwortlich ist. In Zwillingsstudien wurde gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit eines eineiigen Zwillings etwa 50 Prozent betr\u00e4gt, diese Essst\u00f6rung zu entwickeln, wenn das andere Geschwisterkind ebenfalls an Magersucht erkrankt ist. Bei zweieiigen Zwillingen sinkt diese Wahrscheinlichkeit auf unter 10 Prozent.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Krankheitsausl\u00f6sende Bedingungen<\/h3>\r\nDer Krankheitsbeginn f\u00e4llt bei vielen Magers\u00fcchtigen mit einem belastenden Lebensereignis zusammen, das jedoch nur Ausl\u00f6ser, nicht Ursache der Erkrankung ist. Typische Beispiele daf\u00fcr sind Trennungs- oder Verlusterlebnisse, z.B. ein Schulwechsel, eine beendete Beziehung oder Situationen, die mit Verantwortungs\u00fcbernahme verbunden sind, wie Berufseintritt oder Beginn eines Studiums, sowie Situationen, die emotionale Reife fordern, wie der Beginn einer sexuellen Beziehung. So erkranken viele Betroffene w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t, wenn vor allem bei jungen M\u00e4dchen der K\u00f6rper beginnt weibliche Formen zu entwickeln. Oftmals tritt in dieser Lebensphase ein Gef\u00fchl der \u00dcberforderung ein und es wird versucht diesen inneren Konflikt mit Hilfe der Krankheit zu l\u00f6sen. Innere Unsicherheit, wie man mit der neuen Lebensphase zurechtkommen soll, Zweifel und \u00c4ngste bez\u00fcglich der Zukunft, die massiven Ver\u00e4nderungen sowie viele neue Eindr\u00fccke sind dann Ausl\u00f6ser der St\u00f6rung.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Krankheitserhaltende Faktoren<\/h3>\r\nWird die Nahrungszufuhr f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit verringert, so stellt sich der K\u00f6rper darauf ein, indem er den Grundbedarf an Energie senkt. In der Regel nehmen Magers\u00fcchtige \u00fcber einen langen Zeitraum nur geringste Nahrungsmengen zu sich. Dieser niedrige Level wird auch nach Beendigung einer etwaigen Di\u00e4t beibehalten. \r\n<br><br>\r\nBetroffene nehmen beim normalen Essen an Gewicht zu: Der ber\u00fcchtigte Jo-Jo-Effekt tritt ein. Die Gewichtszunahme l\u00f6st bei Personen, die an Essst\u00f6rungen leiden, h\u00e4ufig massivste \u00c4ngste aus, und dies f\u00fchrt \u00fcber kurz oder lang zur n\u00e4chsten Di\u00e4t bzw. zu einem fast kompletten Verzicht auf Nahrung. \r\n<br><br>\r\nDie so genannte Set-Point-Theorie geht davon aus, dass es f\u00fcr jedes Individuum ein genetisch festgelegtes K\u00f6rpergewicht gibt, das sich bei normalem Ess- und Bewegungsverhalten problemlos halten l\u00e4sst. Allerdings entspricht es bei den wenigsten Menschen dem k\u00f6rperlichen Erscheinungsbild von Models. Wird versucht, das Gewicht unter dieses individuelle K\u00f6rpergewicht zu reduzieren, gelingt dies nur durch permanentes Hungern, was wiederum zu hormonellen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren kann. \r\n<br><br>\r\nDas extreme Hungern ist f\u00fcr magers\u00fcchtige Menschen von gro\u00dfer Bedeutung, den es erf\u00fcllt viele mit asketischem Stolz, und sie f\u00fchlen sich anderen gegen\u00fcber \u00fcberlegen. Sie sind der Meinung, dass sie es einfach nicht notwendig haben, sich mit ungesunden Kalorien vollzustopfen, und das Kalorienz\u00e4hlen wird zu einer automatischen Handlung. Nicht nur Hunger, sondern auch M\u00fcdigkeit oder Ersch\u00f6pfung werden oft ignoriert, und so geschieht es nicht selten, dass Magers\u00fcchtige trotz massiv reduzierter k\u00f6rperlicher Ressourcen erstaunlich leistungsf\u00e4hig sind. \r\n<br><br>\r\n  <\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"begleiterkrankungen\">Begleiterkrankungen<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Depressionen und Angstst\u00f6rungen sind h\u00e4ufige Begleiterkrankungen ebenso wie hormonelle St\u00f6rungen und Mangelerscheinungen. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  Je l\u00e4nger die Magersucht unbehandelt bleibt, desto h\u00f6her ist die Gefahr einer Chronifizierung. Bei in Behandlung befindlichen Patientinnen und Patienten wurden au\u00dfer der Magersucht in 29 &#8211; 55 Prozent der F\u00e4lle depressive Symptome, bei bis zu 60 Prozent Angstst\u00f6rungen, bei jeweils 20 Prozent Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen und neurotische Symptome und bei jeweils f\u00fcnf Prozent Alkohol- und Tablettenmissbrauch sowie schizophrene Erkrankungen diagnostiziert. \r\n<br><br>\r\nPhysische Erkrankungen k\u00f6nnen durch die chronische Unterern\u00e4hrung, Abf\u00fchrmittel- und Entw\u00e4sserungsmittelmissbrauch oder selbst herbeigef\u00fchrtes Erbrechen hervorgerufen werden, dazu geh\u00f6ren unter anderen:\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>Durchblutungsst\u00f6rungen, deren Auswirkung von bl\u00e4ulicher Verf\u00e4rbung von H\u00e4nden, Nase, Kinn und Frieren bis zu Ohnmachtszust\u00e4nden, Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen reichen k\u00f6nnen,<\/li>\r\n  <li>hormonelle St\u00f6rungen, die sich bei Frauen im Ausbleiben der Monatsblutung (sekund\u00e4rer Amenorrhoe) und bei M\u00e4nnern durch Potenz- und Libidoverlust \u00e4u\u00dfern, bzw. bei sehr jungen Betroffenen in einem Wachstumsstopp,<\/li>\r\n  <li>trockene Haut,<\/li>\r\n  <li>chronische Verstopfung,<\/li>\r\n  <li>Ver\u00e4tzungen der Mundschleimh\u00e4ute und Speiser\u00f6hre,<\/li>\r\n  <li>Sch\u00e4digung der Z\u00e4hne durch die Magens\u00e4ure,<\/li>\r\n  <li>die Ausbildung einer feinen Behaarung im Gesicht und am ganzen K\u00f6rper (Lanugo-Behaarung),<\/li>\r\n  <li>Schwellungen oder Entz\u00fcndungen der Ohrspeicheldr\u00fcsen,<\/li>\r\n  <li>Fl\u00fcssigkeitsansammlungen im K\u00f6rper (\u00d6deme &#8211; diese k\u00f6nnen eine Gefahr darstellen, wenn sie im Bauchraum oder Herzbeutel lokalisiert sind),<\/li>\r\n  <li>St\u00f6rung des Elektrolythaushalts &#8211; Kaliummangel und Natriummangel k\u00f6nnen Herzrhythmusst\u00f6rungen und Nierensch\u00e4digungen verursachen und im Zusammenhang mit exzessiver sportlicher Bet\u00e4tigung zum pl\u00f6tzlichen Tod f\u00fchren.<\/li>\r\n  <\/ul>\r\n<br>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"folgeerkrankungen\">Folgeerkrankungen<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n  <strong>Bei magers\u00fcchtigen Frauen kommt es oft zu Ver\u00e4nderungen des Monatszyklus, durch die Unterern\u00e4hrung auch zu Osteoporose und Wahrnehmungsst\u00f6rungen. <\/strong>\r\n<br><br>\r\nBei ungef\u00e4hr zehn Prozent der Erkrankten nimmt die Essst\u00f6rung einen chronischen Verlauf, bei einem weiteren Drittel kommt es zu einer Symptomverschiebung. Dabei wird die Magersucht durch eine andere Symptomatik ersetzt, z.B. durch Ess-Brech-Sucht, Drogen-, Alkohol- bzw. Tablettenmissbrauch, Depression, Zwangserkrankungen, in seltenen F\u00e4llen treten schizophrene oder affektive Psychosen auf. zehn Prozent versterben an den Folgen der Unterern\u00e4hrung. \r\n<br><br>\r\nBei einer lang andauernden Unterern\u00e4hrung kann es zu einer Unterversorgung des Gehirns und damit verbunden zu Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsst\u00f6rungen kommen. Au\u00dferdem wird bei ehemals Magers\u00fcchtigen ein geh\u00e4uftes Auftreten von Knochenbr\u00fcchen und Erkrankungen an Osteoporose beobachtet, was auf die lange andauernde Unterern\u00e4hrung und Mangelversorgung mit lebenswichtigen Vitaminen und Spurgenelementen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. \r\n<br><br>\r\nAuch die mit der Mangelern\u00e4hrung verbundenen hormonellen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren zu Folgeerkrankungen. So kommt es bei magers\u00fcchtigen Frauen h\u00e4ufig zu Ver\u00e4nderungen des weiblichen Zyklus, bei manchen bleibt die Monatsblutung \u00fcberhaupt aus. Weitere k\u00f6rperliche Folgeerscheinungen sind chronische Verstopfung, niedriger Blutdruck, eine geringere K\u00f6rpertemperatur als die Normalbev\u00f6lkerung, Elektrolytentgleisungen sowie weitere Stoffwechselst\u00f6rungen.\r\n<br><br>\r\n  <\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"vorbeugung\">Vorbeugung<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Kinder in ihrer emotionalen Entwicklung zu unterst\u00fctzen kann die Entwicklung von Essst\u00f6rungen verhindern. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  Vorbeugend im Zusammenhang mit Essst\u00f6rungen ist ein Familienklima, das Kinder bzw. Jugendliche in ihrer Identit\u00e4tsfindung und emotionalen Entwicklung f\u00f6rdert und unterst\u00fctzt. Die angef\u00fchrten Verhaltensweisen und Werthaltungen haben keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit, sie dienen nur als Beispiele, welche Ressourcen der Entstehung von Essst\u00f6rungen entgegengesetzt werden k\u00f6nnen bzw. welche Erziehungsma\u00dfnahmen vermieden werden sollten.\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>Die Einteilung der Lebensmittel in gut und b\u00f6se sowie deren Einsatz zur Belohnung oder Bestrafung versieht diese mit emotionalen Qualit\u00e4ten, die irref\u00fchrend sind, darum sollte das m\u00f6glichst vermieden werden.<\/li>\r\n  <li>Essen ist kein Ersatz f\u00fcr Liebe, Zuwendung oder Trost. Bekommen Kinder S\u00fc\u00dfigkeiten zugesteckt, um Langeweile, Frustration oder Einsamkeit zu \u00fcberbr\u00fccken, so kann es sein, dass sie auch als Erwachsene problematische Situationen auf diese Art bew\u00e4ltigen.<\/li>\r\n  <li>Spr\u00fcche wie: \u201eGegessen wird, was auf den Tisch kommt\u201c oder \u201eBevor du nicht aufgegessen hast, darfst du nicht aufstehen\u201c sind nicht hilfreich. Kinder sollten nicht zum Essen gezwungen werden. Es ist wichtig, dass sie wahrnehmen, wie sich Hunger anf\u00fchlt und wie es ist, satt zu sein. Erf\u00e4hrt ein Kind am eigenen Leib, wie \u00fcber Essen Macht ausge\u00fcbt wird, so lernt es daraus auch m\u00f6glicherweise, Essen selbst als Machtmittel einzusetzen.<\/li>\r\n  <li>Sind Di\u00e4ten, K\u00f6rpergewicht, Angst vor dem Dickwerden ein h\u00e4ufiges Gespr\u00e4chsthema der Eltern, so besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche dies \u00fcbernehmen und auftretende Gewichtsschwankungen problematischer erleben, als sie eigentlich sind.<\/li>\r\n  <li>Das offene Ansprechen von Konflikten und Gef\u00fchle hilft Kindern, diese auch wahrzunehmen.<\/li>\r\n  <li>\u201eNobody is perfect\u201c \u2013 Fehler geh\u00f6ren zum Leben. Perfektionistische Anspr\u00fcche tragen Entt\u00e4uschung und Scheitern schon in sich und sind der Entwicklung eines stabilen Selbstwertgef\u00fchls nicht f\u00f6rderlich.<\/li>\r\n  <li>Die Achtung der Privatsph\u00e4re der Familienmitglieder ist wichtig, ebenso sollte deren Individualit\u00e4t respektiert und gef\u00f6rdert werden.<\/li>\r\n  <li>Das Thematisieren und Hinterfragen von m\u00e4nnlichen und weiblichen Rollenzuweisungen, von Sch\u00f6nheits- und Schlankheitsidealen, sowie deren Repr\u00e4sentanten, die den Jugendlichen m\u00f6glicherweise als Vorbilder dienen, unterst\u00fctzt diese in der Meinungsbildung und k\u00f6nnen zu einer distanzierteren Betrachtungsweise verhelfen.<\/li>\r\n    <\/ul>\r\n<br>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"frueherkennung\">Fr\u00fcherkennung<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Wichtig ist die Aufmerksamkeit von Eltern, Lehrern und Freunden, um die Erkrankung fr\u00fch zu erkennen. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  Die F\u00e4higkeit von Magers\u00fcchtigen, mit wenig Nahrung auszukommen, verhilft ihnen zu einem Gef\u00fchl der St\u00e4rke und \u00dcberlegenheit. Sie erleben sich lange Zeit nicht als krank, wehren alle Hilfestellungen von Familie und Freunden ab. Sie sind \u00fcberzeugt davon, dass die anderen \u00fcberreagieren und sie selbst gesund sind. \r\n<br><br>\r\nDie Betroffenen versuchen oft, den Gewichtsverlust zu verheimlichen z.B. durch weite Kleidung oder das Vermeiden von bestimmten Situationen \u2013 sie gehen nicht mehr ins Schwimmbad, ziehen sich vor anderen nicht mehr aus. Je l\u00e4nger die Erkrankung unentdeckt und unbehandelt bleibt, desto lebensbedrohlicher k\u00f6nnen physische Begleiterscheinungen werden und desto schwieriger gestaltet sich die Behandlung des psychischen St\u00f6rungsbildes. Zudem steigt die Gefahr eines chronischen Verlaufes. \r\n<br><br>\r\nAufgrund des nicht oder kaum vorhandenen Leidensdrucks bei den Betroffenen bedarf es der Aufmerksamkeit von Eltern, Lehrpersonen und Freundkreis, um eine m\u00f6gliche Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. Sind mehrere der hier angef\u00fchrten typischen Kennzeichen einer Magersucht bereits \u00fcber einen Zeitraum von zwei Monaten zu beobachten, sollte der oder die Betroffene direkt darauf angesprochen und Kontakt zu einer Beratungsstelle aufgenommen werden.\r\n<br><br>\r\nAuff\u00e4llige Symptome:\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>Nahrungsumstellung auf kalorienarme Lebensmittel \u2013 Obst, Gem\u00fcse, fettarme Lebensmittel \u2013 und zwanghaft anmutendes Kalorienz\u00e4hlen;<\/li>\r\n  <li>die Nahrung wird akribisch zerkleinert, es wird darin herumgestochert; der Einkauf der Nahrungsmittel, die Essenzubereitung und das Essen selbst werden sehr zeitaufwendig gestaltet und die oder der Betroffene nimmt nur geringste Mengen zu sich;<\/li>\r\n  <li>es wird nur einmal am Tag und dann h\u00e4ufig erst am Nachmittag oder Abend etwas gegessen;<\/li>\r\n  <li>h\u00e4ufig werden Familienmitglieder, Freunde etc. bekocht, die oder der Magers\u00fcchtige selbst isst aber nicht mit;<\/li>\r\n  <li>Verleugnung von Hungergef\u00fchl oder Fehlinterpretation z.B. als Bauchschmerzen;<\/li>\r\n  <li>die Durchf\u00fchrung exzessiver Bewegungsprogramme, Gymnastikprogramme mehrmals t\u00e4glich, mehrst\u00fcndiges Joggen etc.;<\/li>\r\n  <li>kontinuierlicher Gewichtsverlust;<\/li>\r\n  <li>h\u00e4ufiges Frieren, blau-rote Finger oder H\u00e4nde, eventuell auch Nase und Kinn sowie entsprechende Bevorzugung warmer Kleidung;<\/li>\r\n  <li>sozialer R\u00fcckzug.<\/li>\r\n    <\/ul>\r\n<br>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"beschwerden\">Beschwerden<\/h2> \r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Abgesehen vom Gewichtsverlust sind Menstruationsst\u00f6rungen, Verstopfung und dauernde M\u00fcdigkeit typische Anzeichen. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  Zum Krankheitsbild der Magersucht geh\u00f6rt, dass Betroffene nicht oder kaum krankheitseinsichtig sind. Zu den objektiven Beschwerden z\u00e4hlen nat\u00fcrlich auch alle unter Fr\u00fcherkennung genannten Symptome, doch diese werden von den Betroffenen selbst kaum genannt. Beschwerden, mit denen Magers\u00fcchtige zum Arzt gehen, ohne jedoch die Essst\u00f6rung zu erw\u00e4hnen, sind:\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>Menstruationsst\u00f6rungen (sekund\u00e4re Amenorrhoe)<\/li>\r\n  <li>Verdauungsst\u00f6rungen bzw. Obstipation \u2013 h\u00e4ufig verbunden mit dem Wunsch nach der Verschreibung von Abf\u00fchrmitteln (Laxanzien)<\/li>\r\n  <li>unklarer Gewichtsverlust<\/li>\r\n  <li>Abgeschlagenheit, M\u00fcdigkeit und Kreislaufschw\u00e4che<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<br>\r\nBei manchen Erkrankten werden schlie\u00dflich die psychischen und physischen Auswirkungen derart stark, dass sie sich zu einer Arztkonsultation durchringen. Ausl\u00f6send kann hier die Erfahrung sein, dass sie ihr gest\u00f6rtes Essverhalten nicht aufgeben k\u00f6nnen, ohne massivste \u00c4ngste, Unruhe und vegetative Symptome \u2013 vergleichbar mit einer Entzugssymptomatik bei S\u00fcchtigen \u2013 zu erleiden. Sie m\u00fcssen ihr Idealgewicht immer weiter nach unten korrigieren, um sich wohl f\u00fchlen zu k\u00f6nnen. Die anfangs durch das Essverhalten gewonnene Kontrolle hat sich verselbst\u00e4ndigt und sie erleben sie als Kontrollverlust. Die Spannungen f\u00fchren zu Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, zwanghaften Verhaltensweisen, Depressionen, die auch mit Suizidgedanken und zunehmender sozialer Isolation einhergehen k\u00f6nnen.\r\n<br><br>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"diagnose\">Diagnose<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Ein Body Mass Index (BMI) von 17,5 und weniger, eine verz\u00f6gerte k\u00f6rperliche Entwicklung und das Ausbleiben der Monatsblutung geh\u00f6ren zu den Diagnosekriterien. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  Die Kriterien f\u00fcr die Diagnose Magersucht umfassen nach dem Klassifikationssystem der WHO f\u00fcr Krankheiten (ICD 10):\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>Ein niedriges K\u00f6rpergewicht \u2013 ein Body Mass Index (BMI) von 17,5 und weniger (als Normalgewicht gilt ein BMI-Wert, der zwischen 18,9 und 24 liegt);<\/li>\r\n  <li>selbst herbeigef\u00fchrter Gewichtsverlust bzw. Angst vor Gewichtszunahme;<\/li>\r\n  <li>K\u00f6rperschemast\u00f6rung: Magers\u00fcchtige leiden unter einer verzerrten Wahrnehmung ihres K\u00f6rpers bzw. K\u00f6rperbildes \u2013 obwohl sie nur noch Haut und Knochen sind, empfinden sie sich als zu dick;<\/li>\r\n  <li>bei Frauen das Ausbleiben der Monatsblutung (sekund\u00e4re Amenorrhoe);<\/li>\r\n  <li>bei M\u00e4nnern Libido- und Potenzverlust;<\/li>\r\n  <li>eine Hemmung der k\u00f6rperlichen Entwicklung bei Krankheitsbeginn vor der Pubert\u00e4t.<\/li>\r\n    <\/ul>\r\n<br>Es werden zwei Typen von Magersucht unterschieden: der \u201erestriktive Typ\u201c (hier wird der Gewichtsverlust nur durch Hungern herbeigef\u00fchrt), und der \u201ePurging Typ\u201c, der den Gewichtsverlust aktiv durch Sport, Erbrechen oder mit medikament\u00f6ser Hilfe herbeif\u00fchrt. \r\n<br><br>\r\nDie Diagnosestellung erfolgt aufgrund der Angaben, die die Betroffenen im Gespr\u00e4ch mit dem Arzt machen sowie den Ergebnissen einer k\u00f6rperlichen Untersuchung und einer Laboruntersuchung. Im Gespr\u00e4ch wird der Arzt vor allem den Umgang mit Essen sowie pers\u00f6nliche und famili\u00e4re Einstellungsmuster ansprechen. \r\n<br><br>\r\nBei der k\u00f6rperlichen Untersuchung werden Gewicht, Gr\u00f6\u00dfe, Pulsfrequenz, Blutdruck und K\u00f6rpertemperatur gemessen. Die Haut wird auf \u00d6dembildung (Wassereinlagerung im Gewebe), Akrozyanose (bl\u00e4uliche Verf\u00e4rbung aufgrund mangelnder Durchblutung) und Verletzungen untersucht. Weiters wird untersucht, ob Zahnsch\u00e4den sowie Schwellungen bzw. Entz\u00fcndungen der Speicheldr\u00fcsen, hervorgerufen durch Erbrechen, vorliegen. \r\n<br><br>\r\nDie Untersuchung des Blutes beinhaltet die Bestimmung der Elektrolyte, Kreatinin und Harnstoffe, Differentialblutbild, Gesamteiwei\u00df und Albumin, Hormonstatus, Leber- und Nierenfunktionsparameter und Blutsenkung. Diese Untersuchungen werden auch w\u00e4hrend der Behandlung in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wiederholt. Besteht die Erkrankung bereits seit l\u00e4ngerer Zeit, kann mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie einer R\u00f6ntgenuntersuchung und Computertomografie (CT) festgestellt werden, ob eine Erkrankung an Osteoporose eingetreten ist. \r\n<br><br>\r\nDie Untersuchungsergebnisse bilden die Entscheidungsgrundlage f\u00fcr Art und Intensit\u00e4t der anschlie\u00dfenden Behandlung. Die Diagnoseerstellung f\u00e4llt in die Kompetenz verschiedener medizinischer F\u00e4cher: Eine multiprofessionelle Betreuung ist f\u00fcr die Betroffenen unumg\u00e4nglich.\r\n<br><br>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"behandlung\">Behandlung<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n  <strong>Eine psychotherapeutische Behandlung ist die Therapie erster Wahl. Zuweilen ist eine station\u00e4re Aufnahme erforderlich. <\/strong>\r\n<br><br>\r\nDa es sich um eine vorwiegend psychische Erkrankung handelt, ist eine psychotherapeutische Behandlung immer notwendig und die Therapie erster Wahl. Medikamente gegen Magersucht gibt es nicht. Wenn Medikamente verschrieben werden, dann dienen sie der Behebung von Mangelerscheinungen oder es werden damit zus\u00e4tzlich auftretende psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen oder Zwangsneurosen behandelt. Als Richtwert f\u00fcr eine psychotherapeutische Behandlung wird von Experten ein Zeitraum von zwei bis vier Jahren genannt.\r\n<br><br>\r\nJe nach physischem und psychischem Zustandsbild wird der Arzt eine sofortige Einweisung in ein Krankenhaus veranlassen oder andere individuell angepasste Behandlungsformen vorschlagen. Au\u00dferdem wird er die notwendigen ersten Schritte, wie die Kontaktaufnahme mit einem Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle f\u00fcr Essst\u00f6rungen in die Wege leiten. \r\n<br><br>\r\nDie Behandlung von Magers\u00fcchtigen h\u00e4ngt eng mit den Familienverh\u00e4ltnissen zusammen: Die Betroffenen \u2013 h\u00e4ufiger T\u00f6chter als S\u00f6hne \u2013 entwickeln stellvertretend f\u00fcr die Familie, sozusagen als \u201eFamiliensymptom\u201c, eine Magersucht. Die Betroffenen stammen vornehmlich aus Familien, in denen vordergr\u00fcndig vollkommene Harmonie und gegenseitige Aufopferung herrschen. Eine eigenst\u00e4ndige Entwicklung der einzelnen Familienmitglieder erscheint in diesen Familien problematisch, da die Erhaltung und das Wohl der Gemeinschaft als oberstes Prinzip angesehen werden. Durch die Anorexie gelingt eine Distanzierung von der Familie, ohne sie in einem direkten Konflikt verlassen zu m\u00fcssen. Neben der psychotherapeutischen Behandlung ist eine umfassende medizinische Betreuung der Magers\u00fcchtigen essentiell. \r\n<br><br>\r\nK\u00f6rperliche St\u00f6rungen bed\u00fcrfen einer multiprofessionellen Betreuung: Internistischer sowie in manchen F\u00e4llen sogar intensivmedizinischer Behandlung sowie eventuell einer Sanierung der Z\u00e4hne, die durch die Mangelern\u00e4hrung oftmals massiv zerst\u00f6rt sind.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Psychotherapeutische Behandlung<\/h3>\r\nMehrere psychotherapeutische Schulen haben Konzepte zur Behandlung der Magersucht entwickelt. F\u00fcr Betroffene und deren Angeh\u00f6rige ist das vielf\u00e4ltige Angebot oft verwirrend. Meist fehlen auch die Zeit und das Geld, um verschiedene Therapieans\u00e4tze auszuprobieren. Letztendlich ist f\u00fcr eine erfolgreiche Behandlung weniger die gew\u00e4hlte Therapierichtung als eine gute Beziehung zwischen Betroffenen und Therapeutin oder Therapeut ausschlaggebend. \r\n<br><br>\r\nF\u00fcr die Behandlung der Magersucht hat sich der Einsatz mehrerer Psychotherapien (multimethodale Therapie) als erfolgreich erwiesen. Mit Hilfe der Verhaltenstherapie erlernen Magers\u00fcchtige einen ad\u00e4quaten Umgang mit Essen. Nachdem alles rund ums Essen das Leben von Magers\u00fcchtigen f\u00fcr lange Zeit beherrscht hat, haben diese, sobald die Symptomatik abklingt, pl\u00f6tzlich viel Zeit zur Verf\u00fcgung, was im ersten Moment eine \u00dcberforderung darstellen kann. Diese birgt die Gefahr eines R\u00fcckfalls in die alte Symptomatik.\r\n<br><br>\r\nDie k\u00f6rperorientierte Psychotherapie ist wichtig f\u00fcr die Behebung der K\u00f6rperwahrnehmungsst\u00f6rung. Sie unterst\u00fctzt die Betroffenen dabei, wieder ein Gef\u00fchl f\u00fcr ihren K\u00f6rper zu bekommen. Entspannungstechniken zu erlernen ist sinnvoll. Familientherapie hilft bei der L\u00f6sung der innerfamili\u00e4ren Konflikte. Gestalttherapie, Gespr\u00e4chspsychotherapie sowie tiefenpsychologische Verfahren wie die Psychoanalyse helfen beim Erkennen, Bearbeiten und Ver\u00e4ndern von hinderlichen oder krankheitsverursachenden Verhaltensmustern, deren Ursprung zumeist in der fr\u00fchen Kindheit liegen. \r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Behandlungsziel<\/h3>\r\nBehandlungsziel ist eine Ver\u00e4nderung des Essverhaltens. In der Psychotherapie wird zun\u00e4chst einmal zu kl\u00e4ren versucht, welche Konflikte die Betroffenen mit dem pathologischen Essverhalten l\u00f6sen. Sobald den Betroffenen verst\u00e4ndlich wird, wie die St\u00f6rung bei der Lebensbew\u00e4ltigung \u201egeholfen\u201c hat, welche \u201epositiven\u201c Effekte die Krankheit f\u00fcr die Magers\u00fcchtigen dem Anschein nach hatte, k\u00f6nnen ad\u00e4quatere L\u00f6sungsstrategien erarbeitet werden. Dies f\u00fchrt zu einer Entzauberung der St\u00f6rung und erm\u00f6glicht es den Betroffenen, sich Schritt f\u00fcr Schritt davon zu l\u00f6sen. W\u00e4hrend dieses Umlernprozesses h\u00e4lt die Symptomatik einige Zeit weiter an, es kann am Beginn sogar zu einer Verst\u00e4rkung kommen.\r\n<br><br>\r\nDabei ist Geduld von allen Seiten n\u00f6tig, es handelt sich immer um einen mehrj\u00e4hrigen Prozess.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Entscheidungshilfen f\u00fcr die Wahl des Therapeuten<\/h3>\r\nEs ist ratsam jemanden zu w\u00e4hlen, der \u00fcber langj\u00e4hrige Erfahrung in der Behandlung von Essst\u00f6rungen verf\u00fcgt. Das Erstgespr\u00e4ch bei einem Therapeuten oder einer Therapeutin dient dem gegenseitigen Kennenlernen. F\u00fcr den Therapeuten oder die Therapeutin ist es wichtig, die Situation und die Anliegen der Betroffenen kennenzulernen und der Klient muss f\u00fcr sich kl\u00e4ren, ob er sich diesem Menschen anvertrauen kann. Fragen, die bei der Entscheidung helfen k\u00f6nnen, betreffen vor allem Gef\u00fchle, die w\u00e4hrend der Gespr\u00e4chssituation f\u00fcr die Betroffenen sp\u00fcrbar waren:\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>F\u00fchle ich mich ernst genommen und respektiert?<\/li>\r\n  <li>Habe ich den Eindruck, dass meiner Person und meinem Anliegen ein echtes Interesse entgegengebracht wurde und nicht die Routine im Vordergrund stand?<\/li>\r\n  <li>Hat der Therapeut oder die Therapeutin gut zugeh\u00f6rt?<\/li>\r\n  <li>F\u00fchle ich mich nach dem Gespr\u00e4ch optimistischer als vorher?<\/li>\r\n  <\/ul>\r\n<br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Ambulante oder station\u00e4re Behandlung?<\/h3>\r\nBetroffene k\u00f6nnen zwischen ambulanten und station\u00e4ren Behandlungsformen w\u00e4hlen. Die ambulante Durchf\u00fchrung einer Therapie hat den Vorteil, dass der ver\u00e4nderte Umgang mit Essen im Alltag und nicht in der k\u00fcnstlichen Atmosph\u00e4re einer Klinik stattfindet. Die Entscheidung, ob die Behandlung ambulant oder station\u00e4r erfolgt, h\u00e4ngt jedoch von den aktuellen Lebensbedingungen und vor allem vom gesundheitlichen Allgemeinzustand ab. Eine station\u00e4re Behandlung empfiehlt sich bei Magers\u00fcchtigen,\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>deren k\u00f6rperliche und psychische Verfassung sehr schlecht ist,<\/li>\r\n  <li>die bereits mehrere Jahre an der Erkrankung leiden,<\/li>\r\n  <li>die ambulante Behandlungen bereits abgebrochen haben bzw. denen diese nicht geholfen hat,<\/li>\r\n  <li>in deren Familie unertr\u00e4gliche Spannungen bestehen,<\/li>\r\n  <li>die den Wunsch nach Unabh\u00e4ngigkeit von der Familie \u00e4u\u00dfern,<\/li>\r\n  <li>die aus welchem Grund auch immer \u00fcberzeugt sind, in der station\u00e4re Behandlung besser aufgehoben zu sein als in der ambulanten.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<br>\r\nDer Vorteil einer station\u00e4ren Betreuung in einer psychosomatischen Abteilung oder einer Spezialabteilung f\u00fcr Essst\u00f6rungen ist, dass ein multiprofessionelles Team zur Verf\u00fcgung steht und somit der Einsatz mehrerer Therapierichtungen m\u00f6glich ist. Ein station\u00e4res Behandlungsprogramm beansprucht in der Regel einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Im Anschluss daran ist eine weitergehende ambulante Betreuung wichtig, damit der \u00dcbergang von der Klinik in den Alltag, gelingt.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Zwangsma\u00dfnahmen<\/h3>\r\nSowohl am Beginn einer Behandlung als auch w\u00e4hrend des psychotherapeutischen Behandlungsprozesses kommt es bei manchen Betroffenen vor, dass sie trotz eines lebensbedrohlichen physischen Zustandes die Nahrungsaufnahme verweigern. In diesen F\u00e4llen muss von den behandelnden \u00c4rztinnen und \u00c4rzten zu Zwangsma\u00dfnahmen  gegriffen werden (Zwangsern\u00e4hrung). Der Einsatz von Zwang hat auf den therapeutischen Prozess fast immer einen sehr negativen Einfluss, doch steht in einer derartigen Situation keine andere M\u00f6glichkeit mehr zur Auswahl, um das Leben der Betroffenen zu retten.\r\n<br><br>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"heilungsverlauf-und-heilungschancen\">Heilungsverlauf und Heilungschancen<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Die Heilungschancen sind umso besser, je k\u00fcrzer die Krankheit angedauert hat und je weniger Begleiterkrankungen sich bereits zeigen. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  Die Krankheitsverl\u00e4ufe sind bei Magersucht sehr unterschiedlich. Je k\u00fcrzer die Krankheitsdauer und je weniger Begleiterkrankungen auftreten, desto besser sind die Heilungschancen. Zahlen zu Behandlungserfolgen gibt es nur von Betroffenen, die in Behandlungszentren erfasst wurden und sich f\u00fcr weitere Nachuntersuchungen zur Verf\u00fcgung gestellt haben. Bei Magersuchterkrankungen ergaben die Untersuchungen, dass f\u00fcnf bis zehn Jahre nach Behandlungsende etwa die H\u00e4lfte der Patienten keine Symptome einer Essst\u00f6rung hatten, bei etwa einem Viertel eine Verbesserung und bei einem weiteren Viertel eine Verschlechterung eingetreten ist oder sie verstorben sind. \r\n<br><br>\r\nLeider zeigen Nachuntersuchungen auch, dass es bei einem Teil der ehemals Erkrankten zu Symptomverschiebungen kommt. Die Essst\u00f6rung ist zwar nicht mehr vorhanden, daf\u00fcr treten andere psychische Probleme, wie Depressionen, Angstst\u00f6rungen, Drogen- bzw. Alkoholmissbrauch oder in Einzelf\u00e4llen auch Schizophrenie oder affektive Psychosen auf.\r\n<br><br>\r\n  <\/div>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"leben-mit-der-krankheit\">Leben mit der Krankheit<\/h2>\r\n<div class=\"lexikon-box\">\r\n<strong>Das Essverhalten zu \u00e4ndern und seinen K\u00f6rper lieben zu lernen ist ein langwieriger Prozess, der Geduld erfordert. Die ganze Familie ben\u00f6tigt dabei Unterst\u00fctzung. <\/strong>\r\n<br><br>\r\n  <h3 class=\"f20 dark-green\">Hinweise f\u00fcr Betroffene<\/h3>\r\nDer Weg zur Normalisierung des Essverhaltens ist langwierig und schwierig. Es gibt keine Zaubertricks, mit denen man die Angst vor der Gewichtszunahme zum Verschwinden bringen kann. Die Bereitschaft, die Magersucht ganz aufzugeben, ist die Voraussetzung f\u00fcr einen erfolgreichen Therapieverlauf. Niemand kann versprechen, dass mit einer Gewichtszunahme das Leben einfacher wird. Anfangs wird es sogar unsicherer, da die Essst\u00f6rung bestimmte Probleme \u201egel\u00f6st\u201c hat und nun ein neuer Umgang sowohl mit den Konflikten als auch mit dem Essen gesucht und erlernt werden muss.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Hinweise zu Essen und Gewichtszunahme<\/h3>\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>Ausgewogene und schmackhafte Ern\u00e4hrung ist wichtig und verursacht keine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Gewichtszunahme.<\/li>\r\n  <li>emeinsames Essen macht mehr Spa\u00df. Daher wird empfohlen, eine Mahlzeit am Tag mit der Familie oder Freunden einzunehmen bzw. Einladungen zum Essen nicht auszuschlagen.<\/li>\r\n  <li>Zu essen, was andere zubereitet haben, wirkt dem Kontrollbed\u00fcrfnis entgegen.<\/li>\r\n  <li>Kochen aus Spa\u00df, nicht zur Kontrolle.<\/li>\r\n  <li>Keine Kalorien z\u00e4hlen.<\/li>\r\n  <li>Eher die fr\u00fcher verbotenen als die fr\u00fcher erlaubten Lebensmittel einkaufen.<\/li>\r\n  <li>Regelm\u00e4\u00dfig essen.<\/li>\r\n  <li>Bewusst sp\u00fcren, wie sich Hunger anf\u00fchlt, wie es ist, satt zu sein, und wie sich V\u00f6llegef\u00fchl anf\u00fchlt.<\/li>\r\n  <li>Die Anzeige der Waage sollte die Stimmung nicht diktieren: Ein paar 100 Gramm sollen nicht \u00fcber Gl\u00fcck oder Ungl\u00fcck entscheiden<\/li>\r\n  <li>Bei der Gewichtszunahme ist es \u00fcblich, dass anfangs an einzelnen K\u00f6rperpartien mehr zugenommen wird als an anderen. Nach einiger Zeit gleicht sich dies aber meistens etwas aus.<\/li>\r\n    <\/ul>\r\n<br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Leben ohne Abf\u00fchrmittel<\/h3>\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n<li>Abf\u00fchrmittel machen den Darm tr\u00e4ge. Es wird voraussichtlich einige Zeit dauern, bis der Darm seine T\u00e4tigkeit wieder aufnimmt. Sich unter Druck zu setzen hilft hier nicht, der K\u00f6rper braucht einfach einige Zeit f\u00fcr die Umstellung.<\/li>\r\n<li>Wenn sich in den ersten Tagen kein Stuhlgang einstellt, ist das kein Grund zur Besorgnis. Manchmal ist es schon hilfreich, wenn man in Ruhe zehn Minuten ohne starkes Dr\u00fccken und Pressen auf dem Klo sitzt.<\/li>\r\n<li>Eine spezielle Ern\u00e4hrung bei Darmtr\u00e4gheit hat positive Auswirkungen auf die Verdauung. Ballaststoffreiche Lebensmittel und reichlich Fl\u00fcssigkeit sind in diesem Zusammenhang wichtig.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Neue Quellen des Wohlbefindens entdecken<\/h3>\r\nSolange sich die Gedanken haupts\u00e4chlich mit dem Essen besch\u00e4ftigen, beschr\u00e4nken sich auch k\u00f6rperliche Empfindungen weitestgehend auf Hunger- und\/oder V\u00f6llegef\u00fchl. Die Au\u00dfenwelt und ihre sp\u00fcrbaren Effekte auf den K\u00f6rper werden zunehmend ausgeblendet. Die Vielfalt der sinnlichen Wahrnehmungsm\u00f6glichkeiten, seien es nun Geschmack, Geruch, Ber\u00fchrung, W\u00e4rme- oder K\u00e4lteempfindungen, tragen aber wesentlich zum allgemeinen Wohlbefinden bei, daher ist es wichtig sie wieder zu entdecken. \r\n<br><br>\r\nEs gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten, hier auf Entdeckungsreise nach Quellen des Genusses und des Sp\u00fcrens zu gehen. So kann man z. B. beim Essen  versuchen, m\u00f6glichst feine Geschmacksunterschiede wahrzunehmen. Wie ist der Geschmack und wie der Geruch des Essens? Welche Gew\u00fcrze lassen sich herausschmecken? Die Haut ist unser gr\u00f6\u00dftes Sinnesorgan, wir sp\u00fcren auf ihr Umwelteinfl\u00fcsse wie Sonne, Wind und Wasser. Wir kommunizieren \u00fcber sie, streicheln jemanden, der traurig ist, erblassen vor Schreck oder err\u00f6ten vor Zorn. Sich und seiner Haut etwas Gutes tun kann man z.B. in dem man sich ein Schaumbad g\u00f6nnt. Wie f\u00fchlt sich die Haut nach einer B\u00fcrstenmassage oder nach Wechselb\u00e4dern an? Das Eincremen der Haut mit einer wohlriechenden Lotion ist eine weitere M\u00f6glichkeit.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Magersucht und Schwangerschaft<\/h3>\r\nBei bestehender Magersucht besteht aufgrund der Mangelern\u00e4hrung ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr die Schwangerschaft und das Kind. Die Kinder haben ein geringeres Geburtsgewicht und nehmen langsamer an Gewicht zu. H\u00e4ufig gibt es gro\u00dfe Probleme mit dem Stillen. Das Risiko sinkt deutlich, wenn die zuk\u00fcnftige Mutter bereits einige Zeit in Behandlung ist und sich auf dem Wege der Besserung befindet. Auf jeden Fall sollten Erkrankte Frauen ihren Gyn\u00e4kologen \u00fcber eine bestehende Magersucht informieren.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Unterst\u00fctzung durch eine Selbsthilfegruppe<\/h3>\r\nViele Betroffene erleben die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe als gro\u00dfe Erleichterung, da sie mit ihren Problemen nicht mehr alleine sind. Sie k\u00f6nnen in der Gruppe \u00fcber ihre Erfahrungen offen sprechen und m\u00fcssen sich nicht mehr verstellen. Anfangs f\u00e4llt es vielen schwer, \u00fcber sich selbst zu sprechen, aber die Verbundenheit, die sich zwischen den Gruppenmitgliedern entwickeln kann, gibt Sicherheit und hilft dabei, die eigenen Probleme leichter zu bew\u00e4ltigen. Die Gruppenmitglieder versorgen einander mit Informationen und unterst\u00fctzen einander. Jedes Mitglied kann anderen mit seinem Wissens- und Erfahrungsschatz weiterhelfen. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ersetzt aber nicht eine psychotherapeutische Behandlung.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Hilfe f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Freunde<\/h3>\r\nViele Familienangeh\u00f6rige, Partner und Freunde von Magers\u00fcchtigen erleben die Zeit von der ersten bewussten Wahrnehmung der Essst\u00f6rung bis zum Behandlungsbeginn, zum Teil auch noch w\u00e4hrend der Behandlung selbst, als emotionale Berg- und Talfahrt. Sie schwanken zwischen Sorge, Angst, Schuldgef\u00fchlen, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut und Zorn. Ein wichtiger Schritt im Umgang mit dieser Situation ist die Erkenntnis, dass Essst\u00f6rungen schwerwiegende psychosomatische Erkrankungen sind. Es ist weder zu erwarten, dass sie ohne Behandlung pl\u00f6tzlich verschwinden, noch dass die Familie, der Partner oder andere nahestehende Personen alleine dieses Problem in den Griff bekommen k\u00f6nnen. Professionelle Unterst\u00fctzung ist unerl\u00e4sslich. Angeh\u00f6rige, Partner oder Freunde k\u00f6nnen aber viel tun, um eine Behandlung zu initiieren und den Genesungsprozess zu unterst\u00fctzen.\r\n<br><br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Wie das Thema ansprechen?<\/h3>\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n<li>Das problematische Essverhalten sollte in einer ruhigen und ungest\u00f6rten Situation angesprochen werden.<\/li>\r\n  <li>M\u00f6glicherweise st\u00f6\u00dft das erste Gespr\u00e4chsangebot auf Ablehnung. Dann ist es gut, das Gespr\u00e4ch zu einem anderen Zeitpunkt fortzusetzen. Man darf nicht vergessen, dass der Widerstand, der besorgten Helfern entgegenschl\u00e4gt, weniger von der betroffenen Person selbst als von der Krankheit herr\u00fchrt.<\/li>\r\n  <li>M\u00f6glichst offen sollte man das gro\u00dfe Interesse am Menschen und seiner Sicht der Dinge zum Ausdruck bringen. Das wirkt sich positiv auf die Gespr\u00e4chsbereitschaft aus.<\/li>\r\n  <li>Nachdem Magers\u00fcchtige selbst oft kein Krankheitsbewusstsein haben, ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, dass es sich um eine schwere Erkrankung handelt, die auch zum Tod f\u00fchren kann und dass man sich um sie sorgt.<\/li>  \r\n<li>Die Schilderung der Beobachtungen, die zur Annahme gef\u00fchrt haben, dass es sich hier doch um ein schwerwiegendes Problem handelt, kann den Zugang zu den Betroffenen erleichtern.<\/li>\r\n  <li>Magers\u00fcchtige geben h\u00e4ufig falsche Ausk\u00fcnfte, wenn sie gefragt werden, wie viel sie essen. In solchen F\u00e4llen empfiehlt es sich, ihnen klarzumachen, dass sie nicht die Wahrheit sagen und dass dieses Verhalten mit der Erkrankung in direktem Zusammenhang steht. Viele Erkrankte empfinden es als Entlastung, wenn sie erkennen, dass sie nicht mehr weiterl\u00fcgen m\u00fcssen.<\/li>  \r\n<li>Ein belehrendes und autorit\u00e4res Auftreten ist nicht hilfreich.<\/li>\r\n  <\/ul>\r\n<br>\r\n<h3 class=\"f20 dark-green\">Verhaltenstipps f\u00fcr den Alltag<\/h3>\r\n<ul class=\"unordered-list\">\r\n  <li>Es ist wichtig, Betroffene normal zu behandeln. Wenn versucht wird, alle Alltagslasten von Magers\u00fcchtigen fernzuhalten, wird dies oft als Entm\u00fcndigung empfunden.<\/li>\r\n  <li>Betroffene zum Essen zu zwingen bringt nichts, im Gegenteil: Aufgrund ihres Autonomiestrebens f\u00fchrt jegliche Zwangsaus\u00fcbung fast immer zu einer Symptomverst\u00e4rkung.<\/li>\r\n  <li>Sich gemeinsam mit den Erkrankten gegen die Krankheit zu verb\u00fcnden, f\u00f6rdert den Genesungsprozess.<\/li>\r\n  <li>Die Achtung der Privatsph\u00e4re der Betroffenen ist unbedingt notwendig.<\/li>\r\n  <li>Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass Anorektikerinnen und Anorektiker nicht absichtlich nahestehende Personen \u00e4rgern, sondern sie haben im Moment keine anderen Konfliktl\u00f6sungsstrategien zur Verf\u00fcgung.<\/li>\r\n  <li>Es ist in der Regel sehr hilfreich, auch wenn es nicht immer leicht ist, verst\u00e4ndnisvoll auf die Betroffenen einzugehen. F\u00fcr die Angeh\u00f6rigen und Freunde ist es allerdings auch wichtig, sich klarzumachen, dass sie keine \u00dcbermenschen sind. Sie sollten immer auch auf die eigenen Psychohygiene zu achten, und erkenne, dass nur der oder die Erkrankte selbst die Krankheit \u00fcberwinden kann.<\/li>\r\n  <li>Viel Geduld ist notwendig, denn die Behandlung der Erkrankung wird einen l\u00e4ngeren Zeitraum beanspruchen. Angeh\u00f6rige und Freunde sollten sich nicht scheuen, in dieser schwierigen Situation jede zur Verf\u00fcgung stehende Unterst\u00fctzung in Anspruch nehmen. Bei Beratungsstellen f\u00fcr Essst\u00f6rungen sind Informationen \u00fcber die Krankheit, psychotherapeutische Angebote, Selbsthilfegruppen f\u00fcr Betroffene sowie Selbsthilfegruppen f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Freunde erh\u00e4ltlich.<\/li>\r\n  <\/ul>\r\n<br><br>\r\n<\/div>\r\n  <br><br>\r\n<strong>Redakteurin:<\/strong> Verena Ahne (Journalistin)<br>\r\n<strong>Aktualisierung:<\/strong> 05.11.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)<br>\r\n<strong>Medizinisches Review:<\/strong> Univ. Prof. Dr. Ernst Berger (Psychiatrie), Dr. med. Bettina Reiter (Psychiatrie, Psychotherapie), Univ. Prof. Dr. Leopold Schmetterer (Pharmakologie)\r\n<br>\r\n<br>\r\n<i>Diese Informationen k\u00f6nnen den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern k\u00f6nnen Ihnen helfen, sich auf das Gespr\u00e4ch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.<\/i>\r\n<br><br>\r\n<h2 class=\"f24 green bottom-10\" id=\"online-beratung\">Online-Beratung bei Anorexie &#8211; Magersucht<\/h2>\r\nFinden Sie den Weg aus der Magersucht durch individuelle Beratung unserer Online-Psychologen. Die Unterst\u00fctzung durch unser Team erfolg direkt von zu Hause aus.<br>\r\n<a href=\"https:\/\/instahelp.me\/de\/\" class=\"green underline\">Mehr Information zur Online-Beratung<\/a>","protected":false},"author":2,"featured_media":1020,"template":"","class_list":["post-714","lexikon","type-lexikon","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.0 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Magersucht<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"F\u00fcr Anorexia nervosa (Magersucht) gibt es keine einfachen psychologischen oder biologischen Erkl\u00e4rungen - Tabuthema Essst\u00f6rung. 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