Besser leben - Susanne Prosser

8 Wege, wie sich starke Frauen oft selbst im Weg stehen

Starke Frauen machen es sich oft selbst das Leben schwer. Warum nicht mal den Modus ändern und entdecken, wie leicht auf einmal vieles geht? Ein Loblied an die facettenreiche Weiblichkeit, in der wir stark und schwach sein dürfen.

Wer sich mit der Rolle der Frauen im Beruf und in der Gesellschaft beschäftigt, wird schnell zu der Erkenntnis kommen, dass die Diskriminierung auch in unseren Breitengraden immer wieder an der Tagesordnung steht. Frauen verdienen im Schnitt um bis zu 40 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, und immer noch haben viele Männer nicht den Respekt, den sie uns eigentlich ganz selbstverständlich entgegenbringen sollten. Es ist gut und wichtig, dass wir uns für uns selbst und für andere Frauen stark machen. Und wir dürfen uns Benachteiligung keinesfalls gefallen lassen.

Und jetzt kommt das große “Aber”: Es gibt es immer wieder Situationen, in denen wir über unser Ziel hinausschießen, und uns in unserem Unabhängigkeits- und Gleichberechtigungskampf regelrecht verrennen. Dem gegenüber steht ein großes Bedürfnis nach Harmonie und der Wunsch nach Anerkennung. Diesen hat nämlich jeder Mensch, ob Frau oder Mann, in einer bestimmten Ausprägung – Frauen wahrscheinlich tendenziell noch mehr.

Immer finden sich echte Power-Frauen in einer oder mehrerer der folgenden Verhaltensmuster wieder, die – nicht immer, aber doch  – oft mehr hindern als nützen. Lesen Sie selbst:

1. Keine Hilfe annehmen

“Ach lass mal, kann ich schon selber!” ist ein gedanklicher Begleiter, der am Beginn vieler Probleme steht. Denn am Ende blockieren wir uns damit nur selbst. Warum in aller Welt, sollen wir bitte alles selbst und ganz alleine machen? Viel besser: Aktiv um Hilfe fragen. Und die Hilfe auch annehmen!

2. Gefühle nicht zeigen

Traurig oder wütend zu sein ist Schwäche, denken viele starke Frauen. Obwohl sie im Job und im Privaten kraftvoll ihre Frau stehen, denken gerade viele erfolgreiche Frauen, dass sie ihre Gefühle vor anderen überspielen müssen. Doch wer sich hinter einem Poker Face versteckt, darf sich nicht zu wundern, wenn Bedürfnisse und Wünsche nicht wahr- und damit auch nicht “ernstgenommen” werden. Dabei ist das Strahlelächeln eine weibliche Erscheinung: Schon als kleine Mädchen wurden wir dazu erzogen, uns den Erwartungen der anderen anzupassen und immer “lieb” und “nett” zu sein. Will auch heißen: Wir sind darauf getrimmt, immer die Fassung zu bewahren und bloß nicht das Gesicht zu verlieren. Das zieht sich oft bis ins Erwachsenenalter fort, bis frau das Muster erkennt, dass es immer nur um die anderen geht und nie um sie selbst.

Schluss damit: Lieber öfter mal sagen und zeigen, was Sache ist. Ist doch egal, wenn wir uns damit auch mal richtig unbeliebt machen. Wer Everybody’s Darling ist, macht zwar immer die anderen glücklich, aber genau eine Person nicht: die wichtigste in unserem Leben – sich selbst. Und das wollen wir doch wirklich nicht, oder?

3. Zu viel von sich selbst verlangen

Mit dem Perfektionismus im Blut glauben sie, alles nach dem Vorbild der medialen Scheinwelten meistern zu müssen: Karriere, Kind, Beziehung, Business, …. was auch immer auf dem Radarschirm des Lebens erscheint, will mit Bravour gemanaget und gemeistert werden. Dass das nicht geht, sollte uns endlich klar sein, liebe Damen. Wir brauchen keine perfekte Wohnung, keinen perfekten Körper, keine perfekten Kinder und überhaupt. Feiern wir unser Nicht-perfekt-sein und zeigen wir, wie froh wir darüber sind.

4. Schnippisch zu den Männern sein

Okay okay, schon klar: Starke Frauen brauchen natürlich keinen Mann, das ist doch hinlänglich bekannt. Niemand würde es wagen, dies zu bezweifeln. Doch warum eigentlich nicht? Nun gut, sie “brauchen” vielleicht keinen Mann, aber wollen und lieben würden sie ihn schon … und dann wird irgendwie auch ein “Brauchen” daraus. Dennoch rutscht Superwoman immer wieder ein zynisches Wort über die Lippen, wenn es um die Herren der Schöpfung geht. Leider gehen diese Meldungen in vielen Situationen genau in die falsche Richtung los. Denn so wie eben wir Damen nicht perfekt sind, so sind es Männer auch nicht. Und das ist gut. Die Phrase “typisch Mann” sollten wir uns auch ganz schnell mal abgewöhnen. Die ist nämlich richtig blöd, weil sie uns so oft belügt.

5. Allen immer ihre Meinung geigen wollen

Zum Trotzen und Aufmüpfig sein förmlich geboren, lassen sich viele starke Frauen nichts gefallen. Während es wie gesagt sehr wichtig ist, sich nichts gefallen zu lassen, wird aus der Rebellion aber auch das eine oder andere Mal ein Aufstand ohne Grund und aus Prinzip. In der Praxis ist es nur dummerweise so, dass das ständige Anecken nicht gerade nur zu Freundschaften führt. Aber jetzt ganz ehrlich: Brauchen wir die? Nicht um jeden Preis, wie ich schon in Punkt 2 schon deutlich gemacht habe. Aber manchmal lohnt es sich, zweimal hinzuschauen, um die Situation richtig einzuschätzen – und nicht sofort die Kanonenkugeln aus dem Lager zu holen. Um allen mit Pauken und Granaten zu zeigen, “dass wir auch anders können”. Oft ist es dann nämlich so, dass wir erst recht den Kürzeren ziehen …

6. Männern keine Komplimente machen

Wenn er etwas falsch gemacht hat, ist bei uns oft schnell die Hölle los. Aber einmal sagen, was richtig toll an ihm ist … hmmm … damit haben starke Frauen schon hin und wieder ihre Problemchen. Stimmt’s? Hallo, Mädels! Nehmen wir’s doch nicht so streng, wenn etwas mal nicht so gelaufen ist, wie wir es uns gewünscht haben. Denn in anderen Momenten können wir doch richtig happy mit unseren Liebsten sein. Männer lieben Komplimente und Bewunderung – mindestens genau so sehr wie wir.

7. Gutes über sich nicht annehmen können

Hinter der perfekten Fassade der Super-Frau verbirgt sich oft ein Mädchen, dass oft selbst nicht glauben kann (oder will?), wenn andere sagen: “Du bist wirklich toll!” Warum eigentlich? Lassen wir es doch zu, dass andere sehen, wie wundervoll wir sind, und freuen wir uns einfach daran …

8. Zum Helfersyndrom neigen

Weil Power-Frauen alles meistern, checken und im Griff haben, ist es für sie ein Leichtes, auch die Probleme anderer zu lösen. Das machen sie nämlich ganz mit links und nebenher. Zumindest am Anfang. Doch es dauert nicht lange, bis die eigenen Kraftreserven auf den Prüfstand kommen und sich mehr und mehr verdünnisieren. Zu Gunsten der anderen. Meist steckt hinter dem Helfersyndrom ein Selbstwertthema. Anderen zu helfen hilft auch dabei, die eigenen Probleme nicht ansehen zu müssen. Um diese Lücken bei sich selbst zu schließen, sind manche Powerfrauen oft besonders gut darin, anderen bei irgendwelchen Dingen mit totaler Hingabe zu helfen. Achtung Ladies: Passt auf eure Kräfte auf!

Sie sehen: Wir müssen uns nicht dafür entscheiden, ob wir stark, unabhängig und unbesiegbar sind oder schwach, bedürftig und sensibel. Wir dürfen alles sein.

Fotoquelle: (c) iStock.com/dolgachov


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Janina Kurzmann

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