Hassrede (Hate-Speech)

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Hassrede (Hate Speech) ist kein sprachwissenschaftlicher, sondern ein politischer Ausdruck von Hass gegen Gruppen oder Einzelpersonen, der durch die Verwendung von diskriminierenden und Abwertungsäußerungen die Herabsetzung ihrer Eigenschaften dienen.

Was ist überhaupt Hassrede?

Zum Beispiel werden Deutsche als frz. boche oder engl. kraut bezeichnet, Deutsche bezeichnen Italiener als Spaghetti; schwarze Amerikaner als Nigger, einige weiße Amerikaner als WASP. ‚Ethnic slur terms‘ verdeutlichen am besten das kommunikative Verfahren, welche eine abwertende Haltung gegenüber einer Bevölkerungsgruppe zum Ausdruck zu bringen (Markefka 1999). Insgesamt gibt es im europäischen Sprachraum einen deutlichen Zusammenhang zwischen den politischen Definitionen von Hassrede, da die Grundlage dieses Begriffes eine Diskriminierung darstellt und auf die Meinungsfreiheit hinweist, die eingeschränkt wird.

Viele Autoren gehen davon aus, dass die Intention jener menschenverachtenden und diskriminierenden Äußerungen diese sei, dass der Sprechende entweder Hass empfindet und/oder bezwecken will, dass Dritte Hass verspüren (Marker, 2013). Hassrede kann mit ernstzunehmenden Folgen und Konsequenzen verbunden, wobei besonders schädlich jene Äußerungen sind, welche durch eine zumindest implizierte Drohung begleitet werden oder wiederholt auftreten (Delgado & Stefancic, 2004). Auch ist es wahrscheinlich, dass solche Äußerungen dazu beitragen, dass Rassismus, Homophobie oder Sexismus innerhalb einer Gesellschaft aufrechterhalten oder verstärkt werden. Zusammenfassend ist somit die Hassrede nicht nur ein politisches, sondern ein gesellschaftliches Problem, das inzwischen weit verbreitet ist und diverse Bereiche betrifft.

Hassrede im Internet

Belik (2009) schlägt vor, die weitreichenden Tathandlungen im Internet zu gruppieren, in die des (1) E-Mail-Stalking, etwa das Verschicken von unerwünschten (Droh-)E-Mails, dem (2) Computer-Stalking, etwa indem der Täter die Kontrolle über den Computer des Opfers erlangt, und schließlich dem (3) Internet-Stalking, etwa dem Veröffentlichen von intimen Daten oder anzüglichen Texten bis zum Versand von Computerviren. Ein Beispiel hierfür könnte das Stalking von Personen über digitale soziale Netzwerke, wie etwa Facebook sein, in denen beispielsweise private Nachrichten oder Fotos veröffentlicht sowie rufschädigende Kommentare versendet werden (Kolek & Saunders, 2008). Wesentlich ist, dass Cyberstalking immer absichtlich, methodisch, bewusst und über einen längeren Zeitraum hinweg geschieht.

Hassrede ist ein weit verbreitendes Phänomen und nimmt im Internet stetig zu. Die sozialpsychologische Online-Forschung hat unter anderem bestätigt, dass sich beim Emotionsausdruck im Netz eine deutliche Dramatisierung, beziehungsweise Theatralik zeigt (Döring, 2003). Auch scheinen Online- und Offlineidentität nicht unabhängig voneinander zu sein, da die Online-Identität immer häufiger, laut aktuellen Ergebnissen, zum ausschließlichen Zweck der Täuschung konstruiert und aufrechterhalten wird (vgl. Döring 2003). Diese Tatsache bestätigt einen deutlichen Zusammenhang von Offline-Kommunikation im Alltag und Meinungsäußerungen eines Sprechers. Außerdem können Hassausdrücke in einem Forum oder Blog einen Aufmerksamkeitsversuch darstellen, was Robert Mayer-Uellner in seiner Analyse von Online-Diskussionsforen untersucht hat. Er ist zum Schluss gekommen ist, dass dort „die Lust zur Provokation als Nutzungsmotiv hemmungslos ausgelebt wird“ (Mayer-Uellner 2003, 214).

Laut Umfragen gehört Cybermobbing zu einem der relevantesten Probleme in Österreich. Der am 1.1.21016 in Kraft getretene Tatbestand der fortgesetzten Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems (§ 107c StGB) richtet sich gegen Verhaltensweisen, die umgangssprachlich unter dem Begriff „Cybermobbing“ bekannt sind. Danach macht sich strafbar, wer eine Person für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar an der Ehre verletzt (Abs. 1 Z 1) oder Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereichs einer Person ohne deren Zustimmung für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar macht (Abs. 1 Z 2), sofern dies im Weg einer Telekommunikation oder eines Computersystems, längere Zeit hindurch fortgesetzt geschieht, und zwar auf eine die Lebensführung des Opfers unzumutbar zu beeinträchtigen geeignete Weise. Außerdem sieht §107c StGB eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen, im Fall des Selbstmords oder eines Selbstmordversuchs der betroffenen Person jedoch eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, vor.

Bis heute scheint es keine klare und einheitliche Definition von Cybermobbing (engl. für anpöbeln, bedrängen, über jemanden herfallen) zu geben, wobei sich die meisten Darstellungen vom klassischen Mobbing in der Schule ableiten und um die Nutzung von Internet und Handy erweitert werden. Der Begriff Bullying (engl. „to bully“: schikanieren, drangsalieren) wird als Synonym vielfachlich gebraucht, der eine bewusste, aggressive Handlung eines Einzelnen oder eine Gruppe bezeichnet, um einem Opfer wiederholt und über einen längeren Zeitraum mittels elektronischer Formen von Kontakt Schaden hinzuzufügen (Schmith et al, 2008). Die drei konstituierenden Kriterien für Bullying, (1) das Vorliegen einer bewussten aggressiven Handlung, (2) das wiederholte Vorkommen und (3) das Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten, werden für Cyberbullying ergänzt durch (4) die Vermittlung der Handlung durch elektronische Hilfsmittel (z. B. Raskauskas & Stoltz, 2007).

Wesentlich dabei ist, dass Cybermobbing und Cyberstalking immer absichtlich, bewusst und über einen längeren Zeitraum hinweg geschieht sowie, dass Personen aufgrund dieser Belastungen Suizidgedanken, Depressionen, posttraumatischen Stress und weitere Symptome entwickeln können (Stetina, Maihofer & Kryspin-Exner, 2009). Ähnlich wie beim Cybermobbing lässt sich kein einheitliches Opferprofil erkennen, dennoch haben diverse Untersuchungen bestätigt, dass diese Erfahrungen mit diversen Auswirkungen und Belastungen verbunden sind. „Es ruft einen Zustand von totalem Ausgeliefertsein, von Hilflosigkeit, von Kontrollverlust, von Angst und Panik hervor. Es rückt die Betroffenen in eine Isolation, in eine Welt- und Menschenferne und vermittelt ihnen das Gefühl, ihr Heimatrecht verloren zu haben.“ (Gmür, 2004).

Die direkte Bedrohung durch Hassrede im Internet darf dementsprechend nicht unterschätzt werden. Hassrede, Belästigungen und Cybermobbing haben inzwischen bei diversen Plattformen und Online-Netzwerken eine andere Qualität bekommen. Facebook hat beispielsweise sein Vorgehen verstärkt, insbesondere im Zusammenhang mit Asylwerbern, da sich Hasskommentare oftmals gegen einen gesamten Bevölkerungsbereich richten. Twitters Neuerung ist, dass Nachrichten und auch Unterhaltungen mit bestimmten Begriffen oder Sätzen von Nutzern komplett aus ihrer Timeline ausgeblendet werden können. Auch die Staaten ergreifen nicht nur strafrechtliche Maßnahmen, sondern auch positive Maßnahmen im Bereich der Prävention und Sensibilisieren und führen einige Informationskampagnen zur Problematik durch. Dennoch ist ein respektvolles Miteinander auch im Internet unverzichtbar, da die Möglichkeit anonym zu bleiben und nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden, zunehmend zur Enthemmung beitragen. Trotzdem kann jeder individuell dazu beitragen, dass Hassreden reduziert werden.

Tipps zum Umgang

1. Selbstmanagement

Die Konfrontation mit Cybermobbing kann diverse Gefühle hervorrufen, die meistens nicht zuordenbar sind. Folgende Tipps zum Selbstmanagement können Ihnen helfen, Ihre Entwicklung unabhängig von diesen Einflüssen zu gestalten:

Selbstbeobachtung: Beobachten Sie sich selbst, registrieren Sie Ihre eigene Gefühle, Verhalten und die Situation, um Erkenntnisse über sich selbst zu gewinnen. Dies soll die Funktion Ihrer Selbstmotivation erfüllen.

Setzen Sie selbständig Ziele, Achten Sie dabei mehr auf die eigenen Bedürfnisse und vermeiden Sie Überlastungen. Achten Sie darauf, dass Ziele:
  • Gedanken anregen und ordnen.
  • möglichst konkret formuliert werden sollten.
  • immer ein Verhalten, keine Konsequenz beschreiben.
  • kurzfristig oder langfristig verwirklichbar sind.
  • dass es sinnvoll ist, sich über die Hierarchie Ihrer Ziele Gedanken zu machen.
  • bei positiven Zielen soll etwas passieren, bei negativen Zielen nicht

Legen Sie den Unterschied zwischen Soll- und Istzustand fest und versuchen Sie geeignete Aktionen zu planen, auszuwählen und auszuüben.

Problemlösen anhand folgender Fragen:
  • Was gefällt mir nicht?
  • Wo will ich hin?
  • Welche Möglichkeiten gibt es?
  • Welchen Weg gehe ich?
  • Entscheiden, überprüfen, durchführen

Selbstbewertung: Gleichen Sie das Beobachtete, das Erreichte mit Ihren Zielen ab und vergleichen Sie Ihre inneren Eigenschaften mit den allgemeinen Standards.
Selbstverstärkung: Belohnen Sie sich!

2. Achtsamkeit

Achtsamkeit ist eine besondere Art der Aufmerksamkeit, die es ermöglicht, einen eigenen stressfreien Raum zu schaffen. Achtsamkeitsübungen können helfen, alltäglichen Stress zu reduzieren und zu einem klaren Bewusstseinszustand zu gelangen. Bei diesen Übungen ist es wichtig, auftauchende Gedanken, Empfindungen und Gefühle nicht zu verdrängen sondern bewusst und urteilsfrei wahrzunehmen:
  1. Achtsames Gehen: Das ist eine meditative Übung die zwei einfache Aktivitäten, nämlich Gehen und Atmen, kombiniert.
  2. Sitzmeditation: Im Sitzen den Körper spüren und den Atem beobachten. Wenn es angenehm ist, mit geschlossenen Augen.
  3. Morgenübung im Bett: Nach dem Aufwachen einige Minuten mit offenen Augen liegenbleiben und sich des Wachseins bewusst werden. Den eigenen Atem spüren und in den Körper hineinfühlen. Daran denken, den Erlebnissen des Tages mit Achtsamkeit zu begegnen.
  4. „Glocken der Achtsamkeit“ nutzen: Bestimmte Geräusche wie Glocken, Telefonklingeln, Vibrieren des Handys und Autohupen als „Achtsamkeitscue“ verstehen.
  5. Bodyscan: Nacheinander in alle Körperteile hineinspüren und atmen. Zum Beispiel bei den Zehen beginnen, danach die Konzentration auf die Fußsohlen und dann die Fersen lenken. Immer weiter

3. Selbstliebe & Selbstfürsorge

Selbstsicherheit bedeutet, eigene Bedürfnisse unter Beachtung sozialer Regeln zu befriedigen.
  • Verstehen Sie Ihr slbstunsicheres Verhalten: Es kommt zustande, wenn eine Situation negative innere Gespräche hervorruft. Es liegen meist unrealistische Bewertungen von Situationen zugrunde.
  • Finden Sie und entwickeln Sie Ressourcen, die Ihnen zeigen, dass Sie stark sind.
  • Werden Sie sich Ihrer Stärken bewusster! Überlegen Sie, was Ihre Stärken in den verschiedenen Bereichen sind.
  • Lesen Sie die Liste mit Ihren Stärken jeden Tag durch und hängen Sie diese an einem für Sie gut sichtbaren Platz auf.
  • Sorgen Sie für kleine Erfolgserlebnisse, um den Glauben in Ihren eigenen Fähigkeiten zu stärken.
  • Formulieren Sie Ihre neuen Überzeugungen so, dass Sie innerlich stimmig erscheinen und emotional kraftvoll sind. Sagen Sie sich diese Sätze laut und achtsam mehrfach am Tag, mindestens morgens nach dem Wachwerden und abends vor dem Einschlafen. Visualisieren Sie dabei sich selbst, wie Sie diese Sätze in Ihrem Leben lebendig werden lassen.
  • Setzen Sie sich vor diesem Hintergrund erreichbare Ziele, an denen Sie arbeiten wollen. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Führen Sie ein Veränderungstagebuch.
  • Setzen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse an erster Stelle in Ihrem Leben. Fragen Sie sich mehrfach am Tag, ob das, was Sie gerade tun, im Sinne Ihrer Ziele ist. Wenn Sie jemand um etwas bittet, überprüfen Sie zunächst Ihre eigenen Ziele dabei und antworten Sie erst danach.
  • Sorgen Sie für einen angenehmen Zustand: Gönnen Sie sich regelmäßig etwas, was Sie mögen, beispielsweise ein Bad, einen Saunabesuch, Kino, gehen Sie gut essen und tun Sie andere selbstfürsorgliche Dinge. Erleben Sie diese achtsam und kosten Sie diese positiv aus.
  • Nehmen Sie sich eine Auszeit, zum Beispiel ein Wochenende mit sich selbst. Denken Sie über Ihr Leben nach und klären Sie Ihre Lebensziele und wichtige Werte. Erstellen Sie einen Lebensplan.
  • Nehmen Sie sich Zeit und schreiben Sie Ihre vermeintlichen Fehler in der Vergangenheit auf.
  • Bewerten Sie Ihr eigenes Verhalten. Machen Sie sich hier nichts mehr vor, seien Sie ehrlich zu sich selbst.
  • Schätzen Sie alle anderen Menschen ebenfalls wert.
  • Unternehmen Sie etwas mit sich allein. Verbringen Sie bewusst Zeit mit sich selbst. Suchen Sie sich Interessen, die sie nur allein verfolgen können und tun Sie das auch.

4. Heraustreten aus einer passiven Haltung

Im Umgang mit Hatespeech und Diskriminierung gibt es verschiedene Umgangsweisen. Das Ignorieren solcher Kommentare hat den Vorteil, dass den Verfassern keine Aufmerksamkeit zugeteilt wird. Jedoch öffnet dieser Zugang keinen Raum zum Austausch. Aufwendigere Strategien die das ermöglichen sind die Moderation und Diskussion/Kommunikation, wobei problematische Inhalte gelöscht oder zum Beispiel mit zusätzlichen Quellenangaben thematisiert werden. Des Weiteren kann eine Diskussion durch humorvolles ironisieren gut gelenkt werden.

5. Radikale Akzeptanz & Stresstoleranz

Indem gelernt wird, unangenehme Ereignisse und Gefühle so zu nehmen wie sie sind, sprich sie zu akzeptieren, bietet die radikale Akzeptanz einen Weg die eigene Energie besser einzuteilen. Dabei ist es wichtig die Situation und ihre Reaktion so anzunehmen, wie sie ist, ohne dass Sie diese verändern:

Schreiben Sie Dinge auf, die Sie radikal akzeptieren möchten und stufen Sie diese von 0 bis 5 ein! Schauen Sie, dass es Tatsachen sind, da Meinungen und Interpretationen nicht radikal akzeptiert werden können. Lesen Sie diese Sätze vor und besprechen Sie diese mit einer Bezugsperson.

Die Ziele der Stresstoleranz beziehen sich auf die Bewältigung und Vorbeugung von Hochstressphasen, indem die Hochspannung rechtzeitig erkannt wird, Strategien der Spannungsregulation aufgebaut werden, der Hochstress anerkannt und radikal akzeptiert wird und indem Sie sich schließlich für einen „neuen Weg“ entscheiden.

6. Dialektik

Grund der Disputation: Stress und emotionale Probleme entstehen, wenn Menschen ihren Selbstwert immer wieder in Frage stellen oder sich selbst als wertlos ansehen.

Ziel: Das Selbstwertproblem von Grund auf lösen, indem erkannt wird, dass der Wert eines Menschen objektiv nicht zu bestimmen ist. Der Mensch soll sich dann entscheiden, ob oder wie er seinen Wert subjektiv bestimmen will.

Voraussetzung: Sie wissen, was eine Tatsache und eine Meinung ist und wie er beide unterscheiden kann. Sie prüfen nun, ob es sich bei einer Aussage um eine Tatsache oder eine Meinung handelt.

Tatsache: Behauptete Phänomene sind beobachtbar, haben somit eine Auftretenswahrscheinlichkeit von größer Null. Damit kann ihre Existenz überprüft und bewiesen werden. Auch das Nicht-Zutreffen einer Behauptung kann bewiesen werden, dann ist sie eindeutig falsch.

Meinung: Es ist aktuell unklar, ob es sich bei dem behaupteten Phänomen um eine Tatsache handelt oder nicht. Die Behauptung kann weder bewiesen noch widerlegt werden.

Wert des Menschen: Da es keinen Beweis gibt, der einen objektiven Wert des Menschen nachweisen kann, ist der Wert des Menschen eine Meinung. Damit kann dieser frei gewählt werden. Bei der Wahl ist wichtig, dass diese gewählte Meinung zielförderlich ist.

Wahlmöglichkeiten: Aufgrund der Meinungsqualität der Wertzuschreibung können mehrere Wahlen getroffen werden.
  1. Man verzichtet auf die Zuschreibung eines pauschalen Wertes. Dieser bietet keine hilfreiche Information, da sich von diesem Wert keine sinnvolle Aussage über die Person ableiten lässt.
  2. Man schreibt sich und anderen Menschen einen pauschalen Wert zu, der nicht mehr an Kriterien gebunden ist.
  3. Man verwendet weiter einen Kriterienkatalog, um einen Summenwert zu generieren.

Leistungsbeurteilung: Die eigenen Leistungen und die Leistungen anderer sollten klar und eindeutig beurteilt werden. Leistungen können nur in Hinblick auf ein Ziel oder auf einen Leistungskatalog sinnvoll gemessen und bewertet werden. Hierbei ist es hilfreich, das nicht mehr in „gut“ oder „schlecht“ eingeteilt wird, sondern in „günstig“ und „ungünstig“.

Persönlich-Nehmen von Zu- und Abneigung: Zu- und Abneigung sind Gefühle, die etwas über die Vorlieben eines Menschen aussagen, aber nicht über dies Sache oder den Menschen, die oder den er so beurteilt. Dies ist immer eine persönliche „Geschmackssache“ des Beurteilers. Zu- und Abneigung sind also für die beurteilte Person unpersönlich.

7. Kommunikation & Konfliktmanagement

Da Cybermobbing eine konfliktbelastete bzw. feindliche Kommunikation ist, ist ein damit verbundener Umgang auch für die Opfer sehr bedeutsam, da die Folgen sehr belastbar sein können. Konflikte treten dennoch recht häufig auf, sind Teil jeder Beziehungsdynamik und können anhand einer produktiven Arbeit zu einer erfolgreichen Bewältigung und Entlastung führen. Es kommen diverse Kommunikations- und Konfliktbewältigungsstrategien in Frage, die Sie anwenden können. Unter anderem soll folgendes 6-Phasen Modell die wesentlichsten Annahmen einer kooperativen Konfliktbewältigung aufzeigen:
  1. Kontrollieren Sie Ihre Erregung: Achten Sie auf Ihre körperliche Warnsignale, übergehen Sie die Vorwürfe bewusst und unterscheiden Sie zwischen der eigenen und fremden Rolle.
  2. Teilen Sie Ihre eigene Vorstellungen und Gefühle mit: Formulieren Sie realistische Vorstellungen, sprechen Sie Ihre eigene Motive und Absichten offen an.
  3. Kommunizieren Sie offen: Hören Sie zu und fragen Sie nach, fassen Sie die Ergebnisse immer wieder zusammen, entwickeln Sie einen lockeren Gesprächsstil mit Humor.
  4. Lösen Sie das Problem: Streichen Sie den Nutzen und die Vorteile für beide Seiten heraus, sprechen Sie die Risiken bei Nichteinigung an, treten Sie in Tausch und Gegentausch ein.
  5. Treffen Sie eine Vereinbarung: Betonen Sie den Erfolg auch bei kleinen Ergebnissen, akzeptieren Sie keine vorschnellen Entscheidungen, formulieren Sie Ihre erzielte Vereinbarung klar und verständlich.
  6. Persönlich verarbeiten: Verbannen Sie Ihre Rachegefühle, verarbeiten Sie innerlich Ihre Enttäuschungen und bejahen Sie erzielte Vereinbarungen.

8. Unterstützung in Anspruch nehmen

Die erste Verknüpfung zwischen Informationsquellen für Laien, Studierende, Forscher und Gesundheitsberufen ist zwar auf den meisten Webseiten für die meisten zugänglich, wobei deren Qualitätssicherung derweilen problematisch ist. Da Cyber-Mobbing sehr wohl weitreichende psychische Folgen für Opfer als auch rechtliche Konsequenzen für die Täter hat, ist das Aufsuchen professioneller Hilfe, z.B. von Psychologen empfehlenswert. Innerhalb der letzten Jahre haben sich die Angebote und Zielgruppen weiterentwickelt. Eine hilfreiche Kommunikation zwischen Betroffenen und Professionisten stellt Online- und Internet-Therapie Beratung und Behandlung als eine alternative Interventionsform dar. Dabei zählen zu den üblichsten Kommunikationsmitteln E-Mail und/oder Formulare auf Webseiten, Chat, Telefon, Videokonferenz, Diskussionsforen, virtuelles Sprechzimmer und Internet-Telefonie (Stetina & Kryspin-Exner, 2009).

9. Freie Meinungsäußerung

Die freie Meinungsfreiheit ist nicht nur ein Grundrecht sondern auch eine Notwendigkeit der Persönlichkeitsentwicklung. Ebenso kann der Gedankenaustausch in der Kommunikation erst dann funktionieren, wenn Sie ungehindert Aussagen treffen können. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihre Meinung formulieren und begründen, mit Argumenten überzeugen, einen Perspektivenwechsel vornehmen und Kompromisse finden.

10. Emotionale Abgrenzung

Ein distanziertes Gefühlserleben ermöglicht eine rationale und neutrale Perspektive der Geschehnisse, eine ideale Reflexionsvoraussetzung und Steigerung des emotionalen Wohlbefindens. Die Emotionsregulation beinhaltet den Umgang mit Emotionen in Bezug auf den Intensitätsgrad, der schrittweise an die jeweilige Situation angepasst wird. Bei diesem Kontrollprozess werden Gefühle auf ihre Realitätsbezogenheit und Angemessenheit überprüft, was ihr emotionales Handeln unterstützt. Auslösende Ereignisse führen zu einer gedanklichen Bewertung der Situation, welche wiederum körperliche Veränderungen und Gefühle hervorrufen. Die Reflexion dieser Prozesse beeinflusst den darauffolgenden Handlungsimpuls, angepasst auf die eigenen Bedürfnisse kommt es zu einer kontrollierten Handlung. Die subjektiven Bewertungen der vorangegangenen Schritte, die bewusst gesteuert werden können, haben einen starken Einfluss sowohl auf die Handlung als auch auf die resultierende Konsequenz.

Literatur
  • Delgado, Richard/Stefancic, Jean (2004): Understanding Words that Wound. Boulder, Col./ Oxford.
  • Döring, Nicola (2003): Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen, 2. Aufl., Göttingen.
  • Gmür, Mario (2004): Der öffentliche Mensch. Medienstars und Medienopfer. München: dtv
  • Markefka, Manfred (1999): Ethnische Schimpfnamen – kollektive Symbole alltäglicher Diskriminierung.
  • Mayer-Uellner, Robert (2003): Das Schweigen der Lurker. Politische Partizipation und soziale Kontrolle in Online-Diskussionsforen, München.
  • Stetina, B.U., Maihofer, E.I.J. & Kryspin-Exner, I. (2009). Die Dunkle Seite des Cyberspace: Nebenwirkungen und Schattenseiten. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin, 3, 280–301.
  • Stetina, B.U. & Kryspin-Exner, I. (2009) Gesundheit und neue Medien: Psychologische Aspekte der Interaktion mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Wien: Springer Verlag.

Redakteurin: Julia Pritz-Mirtakis, MSc. (Psychologin, Psychoanalytikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Sigmund Freud Privatuniversität und Koordinatorin der psychologischen Universitätsambulanz der SFU)
Aktualisierung: 12.04.2016
Review: Dr. Birgit U. Stetina (Leiterin der Abteilung “Klinische Psychologie” an der psychologischen Fakultät der SFU)

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