Positive Psychologie

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Ist das ganze Leben Risiko und Problem? Oder Herausforderung und Belohnung? Alles eine Frage der Betrachtungsweise.
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Das Leben besteht aus vielen Gefahren. Dennoch widersetzen wir Menschen uns immer wieder – und werden wieder gesund oder bleiben fit. Früher aßen die Menschen zu wenig, heute oft zu viel und zu viel vom Falschen. Früher rackerten sich die Menschen körperlich kaputt, heute kleben sie an ihren Schreibtischsesseln und lassen ihren Muskel- und Bewegungsapparat verkümmern.

Die einen finden in ihrer Arbeit keinen Sinn und werken unterfordert und frustriert vor sich hin. Die anderen können gar nicht aufhören, rotieren stressbelastet rund um die Uhr und sind am Ende ausgebrannt und krank. Wer als Single lebt, trägt ein höheres gesundheitliches Risiko, aber ebenso gut kann eine konfliktbelastete Ehe krank machen. Die Liste ließe sich fast beliebig lange fortsetzen. Wie man es auch dreht und wendet: Das Leben bleibt ein Risiko – ein lebensgefährliches sogar.

Von der positiven Seite betrachtet

Ein Risiko von 30 Prozent ist eine Chance von 70 Prozent. Doch das Verschweigen die meisten Studien über gesundheitliche Gefahren.

Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben Wissenschaftler aller Fachrichtungen nach gesundheitsgefährdenden Risikofaktoren gefahndet. Jeder Lebensbereich, jeder Körperwert wurde analysiert, und in vielen Fällen ließen sich eindeutig statistisch relevante Zusammenhänge nachweisen.

Jede Studie hat aber zwei Seiten. Wenn 27 von 1000 Menschen mit erhöhtem Blutdruck innerhalb von 18 Jahren an einer Herzkrankheit sterben, heißt das auch, dass 973 trotz der statistisch erwiesenen Gefahr länger leben. Und umgekehrt auch, dass 9 von 1000 Menschen an einer Herzkrankheit sterben, obwohl sie einen normalen Blutdruck hatten.

Jeder kennt, zumindest vom Hörensagen, Menschen, deren Lebensgewohnheiten allen Erkenntnissen der modernen Medizin Hohn sprechen, die essen, was ihnen schmeckt, ein Fitnessstudio nur unter Androhung von Gewalt betreten würden, die rauchen und trinken – und dennoch gesund und zufrieden alt werden. Andere wiederum leben nach allen Regeln und Geboten und bekommen dann doch Krebs und sterben lange vor der Zeit, die ihnen die Medizinstatistiker eingeräumt hätten.

Was hält uns gesund?

Zu fragen, was uns gesund hält, ist vielleicht wichtiger als zu fragen, was uns krank macht.

Es war der in Amerika geborene und nach Israel emigrierte Medizinsoziologe Aaron Antonovsky, der die Frage „Was macht Menschen krank?“ umdrehte und stattdessen wissen wollte: „Was hält Menschen gesund?“

Bei einer 1970 durchgeführten Untersuchung über Klimakteriumsbeschwerden israelischer Frauen hatte er – eher zufällig – eine Frage nach einem allfälligen Aufenthalt in einem Konzentrationslager eingebaut. Die Auswertung der Daten über körperliche und psychische Gesundheit brachte ein erwartbares Ergebnis: 51 Prozent der nicht Belasteten waren relativ gesund, bei den Frauen, die im Konzentrationslager waren, lag dieser Wert bei nur 29 Prozent. Nach klassischer Medizinlogik hätte das Fazit der Studie also gelautet: Belastung macht krank.

Antonovsky las die Ergebnisse aber andersherum: Ihn beeindruckte nicht der Umstand, dass 51 eine höhere Zahl ist als 29, sondern vielmehr die Einsicht, dass auch Menschen, die über Jahre unvorstellbare Qualen erlitten hatten, anschließend oft jahrelang ohne Heimat durch die Welt irrten, dann in einem neuen Land eine neue Existenz aufbauen mussten und dort zumindest drei weitere Kriege erlebten, nicht zu 100 Prozent psychisch oder körperlich krank waren.

Das Salutogenetische Modell

Die innere Einstellung und wie wir anderen begegnen ist entscheidend dafür, wie wir das Leben meistern.

In der Folge entwickelte er daraus sein „Salutogenetisches Modell“. Salus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Unverletztheit, Heil oder Glück. Die Suche nach der Genese, also der Entstehung dieses unverletzbaren Heils, hat Antonovsky in einer zentralen Frage zusammengefasst: „Warum bleiben Menschen – trotz vieler potenziell gesundheitsgefährdender Einflüsse – gesund? Wie schaffen sie es, sich von Erkrankungen wieder zu erholen? Was ist das Besondere an Menschen, die trotz extremster Belastungen nicht krank werden?“

Und im Gegensatz zu den Genforschern, die bisher erst wenige und oft widersprüchliche Resultate für diese Fragen vorlegen konnten, haben Antonovsky und seine Schüler durchaus überzeugende Antworten gefunden.

Entscheidend dafür, wie jemand das Leben bewältigt, sind die inneren Einstellungen eines Menschen, seine Charaktereigenschaften und wie er anderen begegnet. Wer Vertrauen zu sich und in die Zukunft hat, sich selbst und andere schätzt, Probleme als Herausforderung begreift, lebt eindeutig gesünder und nachweisbar länger.

Ich kann das

Optimistische oder pessimistische Grundhaltungen wirken wie sich selbsterfüllende Prophezeiungen.

Warum erwarten manche Menschen, dass alles gut wird, während andere schon morgen mit der Apokalypse rechnen? Warum reagieren die einen ärgerlich und feindselig, wo andere verständnisvoll und gelassen bleiben? Warum schnüren neue Aufgaben dem einen die Kehle und das Herz zu und sorgen bei anderen für das prickelnde Gefühl einer neuen Herausforderung? Kurz: Was bestimmt unseren Charakter?

Dahinter steht ein Gefühl, mit dem sich jeder Mensch in eine Beziehung zur Umwelt setzt, das ihn sich selbst als wirkungsvollen Teil des Ganzen oder als hilflosen Spielball des Schicksal begreifen lässt. Psychologen nennen das ein „Gefühl der Selbstwirksamkeit“ oder das „Kohärenzgefühl“.

Diese grundlegende Lebenseinstellung lässt sich mit wenigen einfachen Fragen erstaunlich präzise erheben, und daraus lassen sich ebenso präzise Vorhersagen für den weiteren Lebensweg ableiten. Wer meint, dass neue Situationen eine reizvolle Herausforderung sind und Probleme dazu da, gelöst zu werden, hat keinen Grund, ärgerlich und aggressiv zu sein, wird kaum ängstliche und depressive Gedanken hegen und mit stressigen Lebensumständen pfleglich umgehen. Kurz: Solche Menschen werden länger gesund bleiben und, wenn sie doch krank werden, damit besser und schneller zurechtkommen

Umgekehrt gilt: Wer sich als Pechvogel sieht, der den heimtückischen Anschlägen des Lebens ohnehin nichts entgegensetzen kann, hat große Chancen, auch als solcher zu enden.

Dass diese Grundhaltungen wie selbsterfüllende Prophezeiungen wirken, glauben inzwischen längst nicht mehr nur esoterisch orientierte Menschen. Diese Zusammenhänge wurden längst auch in zahlreichen wissenschaftlichen Studien eindeutig nachgewiesen.

So zeigen mehrere schwedische Arbeiten, dass Menschen mit einem hohen Gefühl der Selbstwirksamkeit unabhängig von ihrem Alter oder Geschlecht ein 3,5fach geringeres Risiko haben, an psychosomatischen Beschwerden zu erkranken. Ihr Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit waren deutlich ausgeprägter, während in der Gruppe mit niedrigem Selbstwirksamkeitsgefühl eher ängstliche und depressive Gedanken vorherrschten. Sie reagierten auf Krisen häufiger passiv und meinten im Krankheitsfall eher: „Da ist keine Heilung mehr möglich“, und brachen öfter eine Behandlung ab.

Teilnehmer mit positivem Weltbild ernährten sich gesünder, trieben mehr Sport und schliefen besser, jene mit negativer Grundhaltung versuchten, Stress eher mit Alkohol, Medikamenten und Suchtgiften zu bekämpfen.

Die Lebensgeschichte eines Gefühls

Das Gefühl der Selbstwirksamkeit entwickelt sich schon im Säuglingsalter.

Natürlich stellt sich bei allen Studienergebnissen über die selbst empfundene Wirksamkeit und ihre Folgen die Frage nach der Henne-und-Ei-Problematik. Ist es wirklich so, dass Menschen mit positiver Grundhaltung weniger oft krank werden – oder haben Menschen, die gesund bleiben, einfach keinen Grund, negative Gedanken zu entwickeln?

Die Frage lässt sich schon mit Blick auf die Studiengruppe, die Antonovsky erst zu seinen Überlegungen brachte, eindeutig beantworten. Würde erst die Unbill des Lebens zu einer negativen Weltanschauung führen, hätte jede einzelne der Holocaust-Überlebenden ein geringes Selbstwertgefühl haben müssen. Auch zahlreiche andere Untersuchungen von Gruppen, die gemeinsam ein hartes Schicksal wie Krieg, Überschwemmung oder Geiselnahmen traf, zeigten, dass etwa je ein Drittel auf die Belastungen heftig, mittelstark oder vergleichsweise harmlos reagierten.

Das Gefühl der eigenen Wirksamkeit beginnt sich schon in der Wiege zu entwickeln. Schon Säuglinge erleben beim Saugen, Lächeln oder Schreien, dass sie den Lauf der Dinge beeinflussen können. Sie entwickeln eine so genannte „Funktionslust“ und haben Spaß daran, dass das, was sie tun, etwas bewirkt. Ab vier Monaten erkennen sie das Prinzip von Ursache und Wirkung. Wenn das Baby pustet, dann dreht sich das Mobile. Und wenn die Mutter mit dem Fläschchen winkt, gibt es Nahrung.

Ab dem zweiten Lebensjahr entsteht Selbstbewusstsein, die Auswirkungen des eigenen Handelns werden dann als persönliche Erfolge oder Misserfolge begriffen. Kinder erkennen, dass erstrebenswerte Ziele mit Anstrengung auch erreicht werden können. Noch in der Grundschule halten die meisten alle Ziele für erreichbar, sofern sie sich nur genügend dafür anstrengen. Erst später erkennen sie, dass ihre Fähigkeiten nicht ausreichen, alles zu schaffen.

All diese Mechanismen können das Gefühl der Selbstwirksamkeit fördern oder bremsen. Wo Kinder missachtet werden, ihre Bedürfnisse trotz großer Anstrengungen nicht erfüllt bekommen, wird es sich kaum entfalten. Wo Hilfe und Motivation zur Lösung bewältigbarer Aufgaben geboten wird, kann es wachsen.

Die Anatomie eines Gefühls

Selbstwirksamkeit heißt: die Zusammenhänge verstehen, Schwierigkeiten für lösbar halten und sie als Herausforderung sehen.

Kohärenz bedeutet: Zusammenhang, Stimmigkeit. Die Fähigkeit, die Welt als zusammenhängend und sinnvoll zu erleben, setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

Gefühl von Verstehbarkeit

Diese Komponente beschreibt die Erwartung bzw. Fähigkeit von Menschen, auch unbekannte Anforderungen einordnen und in größerem Zusammenhang verstehen zu können. Menschen, die in diesem Bereich hohe Werte erzielen, gehen davon aus, dass zukünftige Belastungen vorhersehbar und, wenn sie doch überraschend auftreten, zumindest erklärbar sein werden. Wer die Welt als chaotisch, willkürlich, zufällig und unerklärlich erlebt, wird kaum das Gefühl haben, sie bewältigen zu können.

Gefühl von Handhabbarkeit

Damit ist die Überzeugung gemeint, dass Schwierigkeiten lösbar sind. Das muss nicht nur den Glauben an die eigenen Kräfte und Kompetenzen betreffen. Auch überzeugter Glaube und ein verlässlicher Freundeskreis können dieses Gefühl verstärken.

Gefühl von Sinnhaftigkeit

Diese Dimension beschreibt Antonovsky als das „Ausmaß, in dem man das Leben als emotional sinnvoll empfindet: Dass wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme und Anforderungen es wert sind, dass man Energie in sie investiert, dass man sich für sie einsetzt und dass sie eher willkommene Herausforderungen sind als Lasten, die man gerne los wäre.“ Diese Sinnsuche ist vermutlich die wichtigste Komponente überhaupt. Ohne die Erfahrung von Sinnhaftigkeit und ohne positive Erwartungen an das Leben werden auch Menschen, die alles verstehen und über erhebliche Lösungskompetenz verfügen, keinen Grund sehen, ihre Fähigkeiten einzusetzen.

Optimismus hält jung

Wer vom Leben Gutes erwartet, bekommt es auch.

Eine positive Lebenseinstellung hilft dabei, glücklich zu werden und gesund zu sein. Denn: Wer vom Leben nicht das Beste erwartet, bekommt es auch nicht.

Man kann ein Glas, das halb gefüllt ist, als bereits halb leer ansehen oder als noch halb voll. Im einen Fall wird Angst aufkommen oder zumindest Sorge, dass die verbleibende Menge nicht mehr lange ausreichen wird, und die Frage, wie und wo Nachschub zu beschaffen sein wird. Wer das Glas halb voll sieht, wird Ruhe bewahren und das Gefühl haben, schon konsumiert, aber immer noch genügend Reserven für die kommende Zeit zu haben.

Der Ängstliche wird mit Sicherheit mehr Energie brauchen und öfter und schneller zum Glas greifen – bis er tatsächlich vor einem leeren Glas sitzt. Wie zahlreiche Studien zeigen, lässt sich dieses viel zitierte Beispiel auch auf den Umgang mit der Lebensenergie übertragen. Für eine Studie in den USA wurden 1.558 Männer im Alter von 65 Jahren ausgewählt. Sie hatten eine ähnliche Lebensgeschichte, repräsentative Berufe und ein gemeinsames Merkmal: Sie waren rüstig und litten nicht an körperlichen Gebrechen. Die Forscher erhoben das Körpergewicht der Männer, die Kraft ihrer Hände, die Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegten, und ihren Energielevel.

Außerdem ließen sie sich erzählen, von welchen Gedanken ihr Leben dominiert wurde. Um die positiven Gefühle zu messen, beurteilten die Probanden, wie häufig bestimmte Aussagen in der letzten Woche auf sie zutrafen, etwa „Ich war glücklich“, „Ich habe das Leben genossen“ oder „Ich habe hoffnungsvoll in die Zukunft geschaut.“

Am Ende der siebenjährigen Studiendauer waren acht Prozent der Männer deutlich verfallen. Vor allem die Gehgeschwindigkeit und die Kraft ihres Händedrucks hatten abgenommen. Die Auswertung brachte ein deutliches Ergebnis: Jene, die optimistisch ins Leben blickten, mehr aktive und positive Gedanken hatten und Altern in ihrer Vorstellung nicht mit geistigem und körperlichen Verfall verbanden, behielten Recht und waren deutlich besser in Form als jene, die Zweifel hegten und ihren Pessimismus pflegten.

Eine Studie holländischer Forscher weist in die gleiche Richtung. Rund 950 Frauen und Männer, die zwischen 65 und 85 Jahre alt waren, wurden unter anderem nach Gesundheit, Selbstachtung, Optimismus und ihren Beziehungen befragt. Neun Jahre später waren 397 Teilnehmer gestorben. Diejenigen, die sich zuvor als sehr optimistisch eingeschätzt hatten, hatten im Vergleich mit den pessimistischen Teilnehmern eine nur halb so hohe Sterbequote. Der schützende Effekt einer zuversichtlichen Lebenseinstellung war bei den Männern besonders stark.

Biologisch können das die Wissenschaftler längst erklären. Die Gefühle beeinflussen den Kreislauf. Während kurzfristiger Stress das Herz schneller schlagen lässt, führen Angst, Hoffnungslosigkeit und Zweifel zu einer Verengung der Gefäße. Das erhöht das Risiko an Arteriosklerose und in der Folge für schwere Herzerkrankungen. Ebenso fatal wirken sich diese negativen Gefühle auf das Immunsystem aus.

Negative Gefühle machen krank

Wer vom Leben Schlechtes erwartet, bekommt es auch. Das gilt auch für den Gesundheitszustand.

Wer vom Leben nicht das Beste erwartet, bekommt es auch nicht. Pessimisten haben Angst, sind ärgerlich und feindselig ihrer Umwelt und den Mitmenschen gegenüber. Das ist für die Gesundheit ein ebenso hohes Risiko wie erhöhte Blutdruckwerte.

In einer Studie der amerikanischen Epidemiologin Janice E. Williams, die von Experten der Duke und Johns Hopkins University begleitet wurde, sollten die Ursachen von Arteriosklerose untersucht werden. Neben den Cholesterin- und Blutdruckwerten erhoben die Experten auch die Charaktereigenschaften. 4.800 der insgesamt 13.000 Teilnehmer zeigten dabei wenig Bereitschaft, sich zu ärgern, 1.000 dagegen einen deutlichen Hang zu cholerischem Verhalten.

Die Forscher eliminierten alle sonst bekannten Risikowerte wie Rauchen, Schulbildung oder Alkoholkonsum. Am Ende zeigte sich, dass der Charakter fast ebenso über das Gesundheitsrisiko mitentscheidet wie ein hoher Blutdruckwert. Diejenigen, die sich besonders leicht und stark aufregten, hatten ein um 54 Prozent erhöhtes Risiko, eine leichtere, und ein um 63 Prozent erhöhtes Risiko, eine schwere Herzkrankheit zu erleiden. Extrem hoch war das Risiko für einen Schlaganfall. In der Ärger-Gruppe lag es gleich dreimal höher als in den anderen.

Bis dahin war das Ergebnis wenig überraschend. Schon 20 Jahre davor hatten Studien gezeigt, dass Ärger das Risiko für Herzinfarkte erhöht. Aber die Auswertung ging noch einen Schritt weiter. Die Forscher untersuchten, ob die Ärgerbereitschaft eine grundlegende Charaktereigenschaft war oder ob die Teilnehmer eben nur auf ärgerliche Umstände entsprechend reagierten. Dabei zeigte sich, dass jene, die nur zornig reagierten „… wenn ich trotz guter Arbeit schlecht bewertet werde“ oder „… wenn ich durch Fehler anderer aufgehalten werde“, kurz: die ihre Emotionen immer in einem ursächlichen Zusammenhang sahen, wenn überhaupt, dann nur ein gering erhöhtes Risiko trugen.

Jene aber, die schlicht meinten: „Ich rege mich schnell auf“ oder „Manchmal flippe ich richtig aus“, bei denen die negativen Emotionen also ein Persönlichkeitsmerkmal waren, hatten ein um 228 Prozent erhöhtes Risiko, an einer tödlichen Herzattacke zu sterben.

Es ist also ein ärgerlicher Charakter, der krank macht – und nicht die ärgerliche Umwelt.

Ärger als der Ärger

Menschen, die dem Leben und ihren Mitmenschen gegenüber feindselig eingestellt sind, tragen ein höheres Gesundheitsrisiko.

Feindseligkeit ist die schlimmste Steigerungsform von Ärger. Das ist die einzige Komponente, die vom früher oft beschriebenen so genannten „Typ-A-Verhaltensmuster“ übriggeblieben ist. Bis vor kurzem meinten Stress- und Verhaltensforscher, dass Menschen, die von starkem Konkurrenzstreben und rivalisierendem Verhalten getrieben sind, ungeduldig, kompromisslos und mit überdurchschnittlichem Einsatz ihre ehrgeizigen Ziele verfolgen, generell ein höheres Gesundheitsrisiko tragen. Neueste Forschungen haben diese These stark relativiert. Ein erhöhtes Risiko haben demnach vor allem jene, die leicht zu verärgern und grundsätzlich feindselig eingestellt sind.

Wer seiner Umwelt so begegnet, wird dort auch kaum Unterstützung finden. So ergeben zahlreiche Studien, dass soziale Isolation und feindselige Gefühle eine besonders fatale Kombination ergeben. Eine große Untersuchung der US-Gesundheitsbehörden zeigte, dass Frauen mit diesem Profil zweieinhalbmal so oft einen Herzinfarkt bekommen und solche Männer doppelt so oft an Angina pectoris leiden.

Feindseligkeit wirkt fataler als Ärger allein. Während Ärger – und Ärger zeigen – einen Konflikt sichtbar macht und so zumindest die Chance bietet, ihn zu beenden, zielt Feindseligkeit auf Zerstörung ab, vordergründig auf die des Hassobjekts. Doch wer sich die Lebensgeschichte von feindseligen Charakteren genauer ansieht, wird erkennen, dass sie sich den größten Schaden selbst zufügen.

In einer Studie der Duke University wurden Studenten zu ihren Lebenseinstellungen befragt und über Jahre begleitet. Jene, die einen besonders feindseligen Charakter hatten, vereinten zur Lebensmitte deutlich mehr und deutlicher ausgeprägte Risikofaktoren: Sie rauchten öfter, tranken mehr, verfügten über weniger Freunde und waren beruflich erfolgloser. Bei jenen, wo sich die negativen Gefühle im Lauf des Lebens weiter verstärkt hatten, war der Lebensstil noch bedenklicher. Sie waren sozial noch stärker isoliert, trieben wenig Sport, hatten häufiger Übergewicht und steckten öfter in familiären Krisen oder waren von Unglücksfällen betroffen.

Selbstbewusstsein stärken

Über Nacht wird aus einem eingefleischten Pessimisten kein strahlender Optimist. Aber jeder kann – mit ein wenig Hilfe – seine verborgenen Kräfte entdecken.

„Niemand kann aus seiner Haut heraus“, heißt es, und viele Menschen reagieren auf die Erkenntnis, dass ihr Verhalten oder auch bestimmte Charaktereigenschaften für andere ebenso eine Zumutung sind wie für die eigene Gesundheit, nur mit einem Schulterzucken: „So bin ich nun mal!“

Sicher kann sich niemand von heute auf morgen verändern, und gerade so früh und nachhaltig angelegte Wesenszüge wie das Selbstwirksamkeitsgefühl lassen sich nicht einfach umpolen. Unverrückbar sind sie aber nicht. Wer sich aufmerksam beobachtet, mit anderen auch die unangenehmen Seiten seiner Persönlichkeit bespricht und konsequent an sich arbeitet, kann selbst in späteren Phasen des Lebens an Persönlichkeit gewinnen und lernen, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.

Verborgene Kräfte entdecken

Niemand hat in seinem Leben nur Niederlagen erlitten – und auch wenn das in einer akuten Sinnkrise nicht leicht ist, werden Sie im Rückblick Situationen und Lebensabschnitte finden, die Sie gut gemeistert haben. Sich daran zu erinnern, bringt Kraft und Selbstvertrauen zurück. Analysieren Sie, wie und mit welchen Strategien Sie Ihre bisherigen Probleme gelöst haben. Das verdeutlicht, dass Sie diese Kompetenz haben, und zeigt Handlungsmöglichkeiten für die akute Situation auf.

Die Chance sehen

Jede Medaille hat zwei Seiten, und auch aus Misserfolgen kann man eine Menge lernen. Oft stellt sich im Rückblick heraus, dass Situationen, die anfangs wie die pure Katastrophe wirkten, in Wahrheit der Anfang einer Wendung zum Guten waren. Seinen Job zu verlieren ist sicher eine schwere Belastung, gleichzeitig aber die Chance, nachzudenken, ob man darin wirklich Erfüllung gefunden hat und ein radikaler Neuanfang in einer anderen Branche oder als Selbstständiger nicht viel mehr Sinn stiften könnte. Ebenso kann eine schwere Krise eine neue Epoche mit gemeinsamer Beziehungsarbeit sein oder zu einer Trennung führen, die neben Schmerzen und Ängsten auch die Perspektive auf eine neue Zukunft bietet. Eine Krankheit kann ein Moratorium sein, ein Signal, innezuhalten, Bilanz zu ziehen und als schädlich erkannte Lebensumstände und -gewohnheiten zu überdenken.

Hilfe organisieren

Gerade in schwierigen Zeiten neigen viele dazu, sich von der Umwelt abzuschotten, die Niederlage vor anderen geheim zu halten und sich ihrem Selbstmitleid hinzugeben. Das ist, als würde jemand den einzigen Rettungsring, der noch bleibt, bewusst versenken. Suchen Sie nach Freunden, die sich aktivieren, und Beziehungen, die sich reaktivieren lassen.

Selbsthilfegruppen bieten nicht nur die Erkenntnis, dass auch andere ähnliche Probleme haben, sondern in vielen Fällen auch bewährte Strategien, um sie in den Griff zu bekommen. Mittlerweile gibt es darüber hinaus zahlreiche Therapie- und Coaching-Angebote, die eine wertvolle Hilfe im Selbsterfahrungsprozess und bei der Arbeit an sich selbst sein können.



Redakteur: Christian Skalnik (Journalist)
Aktualisierung: 12.11.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Medizinisches Review: Priv.-Doz. Dr. rer. Med. Dipl.-Psych. Jochen Jordan (Psychologie), Dr. Ursula Pueringer (Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Public Health)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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