Postpartale Depression

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Bis zu 25 Prozent der frischgebackenen Mütter empfinden kein Glücksgefühl über ihre Neugeborenen. Zuwendung durch den Partner, psychotherapeutische Behandlung und in manchen Fällen Medikamente können helfen.
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Dass das oft zitierte Glück des Mutterseins nicht unmittelbar nach der Geburt eintritt, ist ein bekanntes Phänomen. Doch die so genannten „Heultage“, die auf die Geburt folgen, sind weit weniger dramatisch, als eine postpartale Depression sein kann, die mit den Symptomen von Depressionen in anderen Lebenssituationen einhergeht – Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Schwermut und Schlafstörungen.

Ursachen und Häufigkeit

Eine Hormonumstellung, Schuldgefühle und Ängste können Ursachen sein. Bis zu 25 Prozent der Mütter erleben nach der Geburt ihres Kindes Depressionen.

Die postpartale Depression – auch fälschlich Wochenbettdepression genannt, obwohl sie oft nicht nur die sechs Wochen nach der Geburt eines Kindes dauert und in vielen Fällen schon in der Schwangerschaft beginnt – betrifft rund 15 bis 25 Prozent der Mütter.

Noch häufiger ist das Phänomen des so genannten Babyblues: ein Stimmungstief, das bezeichnenderweise auch als „Heultage“ bekannt ist. Es tritt meist kurz nach der Geburt auf, manchmal auch erst nach dem Ende des Klinikaufenthalts, und kann mehrere Tage dauern. Die Hälfte bis zu 80 Prozent aller Frauen im Wochenbett sind zu irgendeinem Zeitpunkt davon betroffen.

Die genauen Gründe für das Auftreten der postpartalen Depression sind noch ungeklärt; das Krankheitsbild wird aber auch erst seit den 1980er Jahren ernst genommen und systematisch beobachtet. Wahrscheinlich wirkt eine Kombination von Ursachen, die gleichzeitig auch manche der Beschwerden charakterisieren:
  • Die drastische Hormonumstellung nach der Geburt wirkt ähnlich wie eine Entzugserscheinung und ist jedenfalls Ursache für den Babyblues.
  • Die plötzliche Entspannung nach Wochen hoher Anspannung und Erwartungen vor der Geburt hinterlässt ein Gefühl der Leere, des „Und was jetzt?“
  • Gar nicht so selten haben Frauen in der ersten Zeit nach der Geburt auch ein Gefühl der Fremdheit ihrem Baby gegenüber, mit dem Schuldgefühle einhergehen, keine „gute“, wirklich liebende Mutter zu sein.
  • Manche Frauen befürchten, der neuen Anforderung nicht entsprechen zu können, oder Gefühle der Überforderung sind bereits aufgetreten (das Baby schreit dauernd, das Stillen bereitet Probleme …).
  • Nicht selten entstehen Gefühle der Isolation: Während der Partner zur Arbeit geht, verbringt die Frau möglicherweise den Tag ohne Ansprache mit dem Säugling zu Hause, der sie rund um die Uhr fordert.
  • Dazu kommen die körperlichen Aspekte nach der Geburt: Am Scheidendamm oder beim Stillen können Schmerzen auftreten, der Körper kann ohne den großen Bauch vor dem Spiegel als „unförmig“ und schwabbelig und die Brüste als viel zu groß empfunden werden, der Schlafmangel führt zu Abgeschlagenheit und ähnliches mehr.

Als Risikofaktoren, nach der Geburt zu entwickeln eine Depression, haben sich in Studien zudem vorangegangene Fehlgeburten, belastende Lebensereignisse während der Schwangerschaft, sexueller Missbrauch sowie häusliche Gewalt und bereits erlebte Depressionsepisoden herausgestellt. Umgekehrt hat sich gezeigt, dass bei Frauen, die ihr Kind voll stillen und es nach der Geburt immer in ihrer Nähe haben, z. B. nach einer Hausgeburt oder durch Rooming-In im Krankenhaus, seltener und weniger starke Wochenbettdepressionen auftreten.

Beschwerden

Ein Gefühl der Überforderung und die Angst, das Kind nicht lieben zu können sowie Antriebslosigkeit sind typische Symptome.

Von Depressionen betroffene Frauen fühlen sich durch das Kind und die neue Situation in einer Weise überfordert, dass sie daran schier verzweifeln und das Gefühl, das Kind nicht nur nicht zu lieben, sondern als fremd – bisweilen bedrohlich – zu empfinden, nimmt überhand. Wie bei Depressionen in anderen Lebenszeiten fällt das Denken, sich konzentrieren, sich erinnern oder Entscheidungen treffen schwer. Die Frauen sind besonders nervös, unruhig, können nicht still sitzen; oder sie bewegen sich wenig und verlangsamt, im Umgang mit dem Kind sind sie besonders unsicher, etwas falsch zu machen.

Manche Frauen befällt eine bleierne Müdigkeit und Antriebslosigkeit, der durch das Neugeborene gestörte Schlaf tut noch ein Übriges.

Diagnose

Wenn die Lebensqualität durch das Seelentief beeinträchtigt wird, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

In den vorgeschriebenen Nachsorgeuntersuchungen nach der Geburt ist eine Kontrolle des seelischen Zustandes der Mutter nicht vorgesehen, und es bedarf viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen von Gynäkologen und Hebammen, eine postpartale Depression zu erkennen. Das liegt auch daran, dass Frauen, die unter Wochenbettdepressionen leiden, häufig geradezu perfekt im Umgang mit dem Baby sein wollen, in persönlichen Gesprächen also oft einen Übereifer an den Tag legen, der die üblichen Symptome einer Depression überdeckt. Nur jede dritte Frau mit Depressionen nach der Geburt sucht aus diesem Grund einen Arzt auf, was darauf zurückzuführen ist, dass sich die Frauen ihres Zustandes schämen und schuldig fühlen.

Sobald die Lebensqualität durch depressive Symptome beeinträchtigt wird, ist professionelle Hilfe angeraten. Dringend nötig wird sie, wenn Selbstmordgedanken auftauchen oder bereits ein selbstgefährdendes Verhalten bemerkt wurde oder wenn sich Gedanken, dem Kind Gewalt anzutun, breitmachen.

Der Arzt oder die Ärztin wird verschiedene Untersuchungen durchführen, um körperliche Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung

Psychotherapeutische Behandlung, beispielsweise kognitive Verhaltenstherapie, hilft, die negativen durch positive Gedanken zu ersetzen.

Das Stimmungstief unmittelbar nach der Geburt kann am besten durch die Zuwendung von Partner, anderen Familienmitgliedern und/oder Freunden überwunden werden. Wichtig ist, die Gefühle zuzulassen und als etwas völlig Normales anzunehmen: Von großer Euphorie, Lachen und unfassbarem Glück bis hin zu plötzlichem Weinen und Niedergeschlagenheit ist alles möglich. Spätestens nach ein paar Wochen pendeln sich diese Gefühle wieder ein – dann ist auch der Umgang mit dem Baby nicht mehr etwas Neues, Ungewohntes, das möglicherweise Unsicherheit erzeugt hat: Sein Schreien wird nun verstanden, Stillen oder Füttern und der Tagesablauf haben einen Rhythmus bekommen. Auch hat die Mutter deutlich abgenommen und fühlt sich wahrscheinlich wieder wohler in ihrer Haut.

Vergeht der Babyblues doch nicht und machen sich Anzeichen einer Depression bemerkbar, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Therapie.

Medikamentöse Behandlung

Da antidepressiv wirkende Medikamente in die Muttermilch übergehen, muss der Nutzen gegen mögliche Nachteile abgewogen werden. Bei leichteren oder mittelschweren Symptomen wird der psychotherapeutischen Behandlung jedenfalls der Vorzug gegeben, bei schweren Symptomen wird für gewöhnlich eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Therapie empfohlen. Zu beachten ist, dass die Medikamente erst nach einiger Zeit zu wirken beginnen, nicht jedes Präparat jeder Frau hilft und die verschriebenen Arzneimittel nicht selbstständig abgesetzt werden dürfen.

Bei Selbstmordgedanken oder einer möglichen Gefährdung des Kindes ist eine stationäre Behandlung sinnvoll.

Psychotherapeutische Behandlung

Es stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, wichtig, dass sich die Frau beim Therapeuten oder der Therapeutin gut aufgehoben und verstanden fühlt. Im Zuge einer kognitiven Verhaltenstherapie wird beispielsweise geübt, negative durch positive Gedanken zu ersetzen, die mit positiven Situationen verknüpft sind.

Nach bzw. neben der Behandlung der Depression ist es auch wichtig, an der Mutter-Kind-Beziehung zu arbeiten, da depressive Mütter sich ihrem Kind gegenüber passiv verhalten und die Säuglinge darauf mit Rückzug, Vermeidung des Blickkontakts und häufigem Weinen reagieren. Die gestörte Beziehung kann zu einer verzögerten geistigen und emotionalen Entwicklung oder zu späteren Bindungsproblemen des Kindes führen. Verschiedene darauf spezialisierte Einrichtungen bieten Hilfe in Form von Mutter-Kind-Kurzzeittherapien an.

Gleichgesinnte finden

Um sich mit dem Neugeborenen oder später einem Kleinkind nicht allein gelassen zu fühlen, kann sich die Mutter einer Stillgruppe anschließen oder ein Mütterzentrum besuchen. Gibt es keine solchen Gruppen in der näheren Umgebung, ist eine mögliche Lösung, sich mit anderen Frauen in einer ähnlichen Situation zusammenzutun – die Frau ist mit ihren Problemen sicher nicht allein. Vielleicht kann der Kontakt zu Frauen aus dem Geburtsvorbereitungskurs genutzt werden, oder ein Anschlag am schwarzen Brett der Hebamme oder des Arztes hilft weiter.

Umgang mit depressiven Müttern

Oft bemerken Familienangehörige oder enge Freunde die Symptome einer Depression frühzeitig, etwa weil die Frauen häufig weinen, am Morgen schwer aus dem Bett kommen oder in Hoffnungslosigkeit versinken.

Der Umgang mit dieser Situation, diesem „neuen“, „anderen“ Menschen, kann schwierig und mühevoll sein, vor allem, weil sich die Familiensituation durch das neu hinzugekommene Kind ohnehin schon verändert hat. Wichtig ist, sich klar zu machen, dass sich die Betroffenen nicht einfach „zusammennehmen“ können, um die Situation zu verbessern, sondern dass sie an einer ernst zu nehmenden Krankheit leiden, die behandelt gehört.

Gerade hier kann die unmittelbare Umgebung positiv auf die Erkrankte einwirken: indem sie hinsieht, die Symptome ernst nimmt, die Frauen zu Aktivität animiert – etwa Bewegung zu machen –, und indem sie bei Bedarf auf eine Therapie drängt. Manchmal ist hier Fingerspitzengefühl erforderlich: Zu großer Druck und Ungeduld können die Kranke noch mehr in den Rückzug drängen; zu viel Rücksichtnahme macht ihnen vielleicht die Dringlichkeit einer Behandlung nicht deutlich.

Wer sich als Angehöriger mit der Situation überfordert fühlt, sollte sich nicht scheuen, Rat und Unterstützung bei spezialisierten Einrichtungen, Ärzten, Psychologen oder Selbsthilfegruppen zu suchen.



Redakteurin: Verena Ahne (Journalistin)
Aktualisierung: 05.11.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Medizinisches Review: Priv.-Doz. Dr. rer.med. Dipl.-Psych. Jochen Jordan (Psychologie), Univ.-Prof. Dr. Martin Langer (Gynäkologie), Univ.-Prof. Dr. Gabriele Fischer (Psychiatrie)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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