Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

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Außergewöhnlich belastende Erlebnisse wie Krieg, Terror, Naturkatastrophen oder sexueller Missbrauch können schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Die Auswirkungen auf die Psyche werden als Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet und können schon nach einer einzigen traumatischen Erfahrung auftreten. Rund drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind davon betroffen. Jede zweite Frau entwickelt nach einer Vergewaltigung eine Posttraumatische Belastungsstörung. Es gibt verschiedene psychotherapeutische Verfahren, die helfen können, in manchen Fällen ist auch die Einnahme von Medikamenten sinnvoll.

Ursachen und Häufigkeit

Ungefähr zwei von hundert Menschen leiden an einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Wer jahrelang von seinem Cousin missbraucht wird, wer einen schweren Autounfall nur knapp überlebt oder Zeuge eines Terroranschlags wird, ist extremem Stress ausgesetzt. Diese Belastung bleibt oft nicht ohne Folgen für die geistige und körperliche Gesundheit. Vor allem sensible, irritierbare Menschen sind davon betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, an den Nachwirkungen eines traumatischen Erlebnisses zu leiden, liegt bei rund zwei Prozent.

Freilich ist diese Wahrscheinlichkeit nicht nur von der eigenen Widerstandsfähigkeit abhängig, sondern auch von dem belastenden Erlebnis selbst. So ist nach einem Gewaltverbrechen jeder Vierte von einer Posttraumatischen Belastungsstörung betroffen, nach einer Vergewaltigung jede zweite Frau und nach einem schweren Verkehrsunfall jeder Zehnte. Bei wem sich eine solche Störung entwickelt, kann nicht vorhergesagt werden.

Folgeerkrankungen

Unbehandelt kann es zu verschiedenen körperlichen Beschwerden kommen.

Besteht die Posttraumatische Belastungsstörung lange Zeit unbehandelt, ist das Risiko, bestimmte körperliche Erkrankungen oder Beschwerden zu entwickeln, erhöht. Beispielsweise treten vermehrt Herzprobleme auf, Magenschmerzen, Beschwerden des Bewegungsapparates sowie Störungen des Immunsystems, die sich in einer erhöhten Infektanfälligkeit äußern oder in immunologischen Erkrankungen wie Rheuma.

Vorbeugung

Traumafokussierte Verhaltenstherapie kann in bestimmten Fällen einer Belastungsstörung vorbeugen.

In verschiedenen Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass kurze psychologische Interventionen – so genannte traumafokussierte Verhaltenstherapie – unmittelbar nach Autounfällen oder sexuellen Übergriffen die Symptome einer späteren Posttraumatischen Belastungsstörung abmildern kann.

Für die vorbeugende Wirkung von psychologischen Interventionen unmittelbar nach Terroranschlägen oder Naturkatastrophen gibt es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass sie im Einzelfall nicht wirken können. Als hilfreich hat sich soziale Unterstützung herausgestellt, das bedeutet, Kontakt zu Menschen zu haben und nicht ganz auf sich allein gestellt zu sein.

Medikamente wie Beruhigungsmittel oder Antidepressiva haben in Studien bisher keinen vorbeugenden Effekt gezeigt.

Beschwerden

Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Schuldgefühle und immer wiederkehrende Gedanken sind typisch.

Unangenehme Vorfälle gehen den meisten Menschen eine Weile im Kopf herum. Doch wer Schlimmes erlebt hat und an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, der kann nicht anders, als in Gedanken immer wieder zu den Geschehnissen zurückzukehren – bei Tag, bei Nacht und auch im Traum. Manchmal zucken die Erinnerungen wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf und lassen den Betroffenen alles noch einmal erleben („Flashback“ nennen die Fachleute das). Umgekehrt können aber auch Gedächtnislücken auftreten, der oder die Betroffene hat keinerlei Erinnerung mehr an das Erlebte.

Zudem leiden traumatisierte Menschen an Schlaf- und Konzentrationsstörungen, sie sind schreckhaft und leicht gereizt und mögen sich selbst nicht. Viele machen sich selbst verantwortlich für das, was passiert ist und werden von Schuldgefühlen geplagt. Bemerkbar macht sich auch, dass Traumatisierte das Interesse an ihrer Umwelt verlieren sowie an den Dingen, die sie vor dem schrecklichen Ereignis gern getan haben; sie ziehen sich zurück, lassen sich vor Freunden verleugnen, schlagen Einladungen aus, oft zerbrechen auch Partnerschaften. Aufmunterungsversuche von nahestehenden Personen helfen ebenso wenig wie die Aufforderung, nicht mehr an das Geschehene zu denken. Zudem wird alles vermieden, was irgendwie an das schlimme Erlebnis erinnern könnte.

Traumatisierte Kinder werden verhaltensauffällig, oft aggressiv, sie spielen das Erlebte mit Puppen oder Stofftieren nach und fertigen Zeichnungen an, in denen sie die Situation festhalten.

Alle diese Symptome können unmittelbar, aber auch erst mit mehrjähriger Verzögerung nach dem traumatisierenden Geschehen auftreten; sie können sich kurzzeitig zeigen oder länger andauern – bleiben sie länger als drei Monate bestehen, spricht man von einer Chronifizierung. Die Belastungsstörung geht oft mit anderen psychiatrischen Erkrankungen einher, beispielsweise mit Angststörungen, Depressionen und Missbrauch von Alkohol, anderen Drogen oder Beruhigungsmitteln; die Selbstmordgefahr ist erhöht.

Diagnose

Für Diagnose und Behandlung ist es wichtig, dass sich die Betroffenen bei Arzt oder Therapeuten gut aufgehoben fühlen

Außergewöhnlich belastende Erlebnisse katastrophalen Ausmaßes gelten Ärzten als Kriterium dafür, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung vorliegen kann. Das kann eine Vergewaltigung sein, ein Überfall, eine Entführung oder Geiselnahme, ein Terroranschlag, Krieg, Kriegsgefangenschaft, Folterung, Naturkatastrophen oder Unfälle. Nicht unbedingt muss der Betroffene das Ereignis selbst durchlebt haben, auch wer Zeuge eines dramatischen Unfalls wird oder den Tod oder die schwere Verletzung eines anderen Menschen verursacht hat, kann eine Belastungsstörung entwickeln.

Mobbing, Scheidung, der Tod eines Haustieres oder die Krebsdiagnose einer nahestehenden Person gelten nicht als solche Erlebnisse. Trotzdem können sie zu ähnlichen Symptomen führen, sodass Experten immer wieder daran zweifeln, ob die strenge Definition einer außergewöhnlichen Belastung haltbar ist.

Da die Symptome auch im Zusammenhang mit anderen Krankheiten auftreten können, wird der Arzt oder die Psychotherapeutin viele Fragen stellen, was für die Betroffenen eine neuerliche Belastung sein kann. Das gilt vor allem dann, wenn die traumatischen Ereignisse länger zurückliegen und durch die Befragung in aller Deutlichkeit ins Gedächtnis zurückgerufen werden. Es ist wichtig, dass sich die Betroffenen gut aufgehoben fühlen und dass es möglich ist, ein Vertrauensverhältnis zum Arzt oder Therapeuten aufzubauen, um über das Erlebte sprechen zu können. Manchmal werden zur Diagnose auch Fragebogen eingesetzt.

Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Behandlung.

Da Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung alles vermeiden wollen, was sie an das Durchlebte erinnert, zögern sie oft lange Zeit, sich einem Arzt, einer Ärztin oder Therapeuten anzuvertrauen. Etliche brechen eine begonnene Therapie auch ab, weil sie mit dem Ereignis nicht konfrontiert werden wollen und die Behandlung ihre Symptome anfangs verschlimmern kann. Wichtig ist deshalb, dass die Betroffenen sich gemeinsam mit dem Behandler für eine Vorgehensweise entscheiden und über das Therapiekonzept aufgeklärt werden.

Zwei Arten von Psychotherapie haben sich in Studien als hilfreich erwiesen: die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie sowie die Methode des EMDR. Dieses Kürzel steht für das englische „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, was so viel heißt wie Augenbewegungs-Desensibilisierung.

Eye Movement Desensitization and Reprocessing – EMDR

EMDR wurde in den 1980er Jahren in den USA entwickelt und die therapeutische Wirksamkeit gilt als gesichert, obwohl der genaue Wirkmechanismus bisher nicht bekannt ist. Die Therapie besteht darin, dass sich der Betroffene in Gedanken auf ein Bild sowie auf die Gefühle konzentriert, die er mit dem traumatischen Ereignis verbindet. Währenddessen soll er mit den Augen den Fingern des Therapeuten folgen, die dieser vor seinem Gesicht von links nach rechts bewegt.

Hintergrund dieser Methode ist, dass neurobiologische Untersuchungen bei Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung gezeigt haben, dass ihre rechte Gehirnhälfte aktiver ist als die linke – das ist typisch für starke Gefühlsregungen. Da die linke Gehirnhälfte weniger aktiv ist, können die Betroffenen ihre Gefühle weniger gut ausdrücken und sind dadurch auch in deren Verarbeitung blockiert. Die wiederholte Augenbewegung von links nach rechts kann diese Blockade lösen. EMDR wird oft in Kombination mit anderen Therapien angewandt, meist sind mehrere Sitzungen notwendig, um eine Verbesserung zu erzielen.

Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie

Zwar wünschen sich viele Menschen, die an Posttraumatischer Belastungsstörung leiden, überhaupt nicht mehr an die schrecklichen Erlebnisse denken zu müssen. Doch das ist nicht möglich. In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, dass der oder die Betroffene sich nach und nach an die negativen Erinnerungen gewöhnt und problematische Bewältigungsversuche – etwa mit Alkohol oder Medikamenten – ablegt. Die Ereignisse sollen in ihrem Zusammenhang gesehen werden können, was ihnen das Bedrohliche nimmt. Ziel ist, dass die Betroffenen möglichst unbelastet an das Geschehene denken können und dass durch das Trauma in ihrem täglichen Leben nicht mehr eingeschränkt sind.

Gleichzeitig bestehende Angststörungen bzw. Depressionen oder Medikamenten- und Alkoholmissbrauch müssen entsprechend behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung

Eine Therapie mit Arzneimitteln kommt erst in zweiter Linie in Frage. In Studien hat sich gezeigt, dass die Wirkung von Antidepressiva im Vergleich zu einer wirkstofffreien Pille („Pacebo“) bei Posttraumatischen Belastungsstörungen geringer ist als der Effekt der Psychotherapie. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass eine Kombination aus psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung besser wirkt als Psychotherapie allein.

Bestimmte Blutdruckmittel (so genannte alpha-Blocker) konnten in Versuchen Kriegsveteranen von ihren Alpträumen befreien bzw. insgesamt die Symptome ihrer Posttraumatischen Belastungsstörung verringern.

Heilungschancen

Obwohl Posttraumatische Belastungsstörungen oft lange Zeit bestehen, ist die Heilungschance durch psychotherapeutische Behandlung gut.



Redakteurin: Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Aktualisierung: 02.12.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Medizinisches Review: Univ. Prof. Dr. med. Ernst Berger (Psychiatrie), Dr. med. Bettina Reiter (Psychiatrie, Psychotherapie)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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