Besser leben - Susanne Prosser

Neubeginn in der Lebenskrise

Wir alle müssen irgendwann mit einer Lebenskrise zurechtkommen. Unsere Bewältigungsstrategien entscheiden, ob wir daran zerbrechen oder ob es uns gelingt, unser Leben neu auszurichten und gestärkt herauszugehen.

Lebenskrisen gehören zum Leben dazu wie die guten Zeiten auch. Auch, wenn wir uns noch so bemühen und unser Leben so ausrichten, dass es möglichst nach unseren Wünschen verläuft, ist es unvermeidbar, dass sie eintreten. Ob eine chronische oder schwere Krankheit, den Verlust des Arbeitsplatzes, ein Todesfall, ein Unfall, eine Trennung oder Scheidung oder eine finanzielle Notlage – Lebenskrisen treffen uns auch deshalb so schlimm, weil sie meistens unvorhergesehen kommen und wir nicht vorbereitet sind.

Lebenskrisen können unsere Augen öffnen

Wenn das Ereignis eintritt, zieht es uns sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Und dann ist er da: Der überwältigende Schwall an Gefühlen, aus denen Hilflosigkeit, Angst, Trauer, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nur einige von vielen sind.

Es klingt paradox, doch gerade in den noch so dunklen Zeiten haben wir die größte Chance, entscheidende Dinge in unserem Leben zu verändern, die wir bislang warten ließen oder noch nicht sehen konnten. Lebenskrisen können die Augen öffnen.

 
So kann es sein, dass wir erkennen, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse zu lange vernachlässigt haben oder umgekehrt – uns zu wenig um andere gekümmert haben. Wir können erkennen, dass wir zu viel oder zu wenig gearbeitet haben, falsche Prioritäten gesetzt haben, falschen Menschen unser Vertrauen geschenkt haben, falschen Dingen hinterhergelaufen sind oder – nach einem Todesfall – einen Menschen in unserem Leben gehabt haben, der ein ganz besonderes Geschenk für uns war.

Die vier Phasen einer Krise

Krisen sind immer mit besonderen Anstrengungen verbunden. Meistens zehren sie vor allem an unseren psychischen Kräften. Psychologen wissen, dass Lebenskrisen üblicherweise in vier Phasen verlaufen: Am Anfang steht die Phase des Verleugnens und Nicht-Wahrhaben-Wollens gefolgt von der Phase des Gefühlsausbruches. In Phase drei beginnt die Neuorientierung – man sammelt sich und beginnt, Lösungen zu suchen und umzusetzen. Phase vier ist gezeichnet von einem neu gefundenen Gleichgewicht: Ein neuer Abschnitt, ja womöglich ein völlig neues Leben beginnt, die Probleme sind überwunden, es ist wieder Ruhe eingekehrt.

Wir erkennen vielleicht auch das Gute, das uns im Schlechten widerfahren ist.

 
Lebenskrisen geben uns die einmalige Gelegenheit, zu erfahren, wie viel Kraft wir wirklich haben.  Aus dieser Erkenntnis und dieser Erfahrung heraus können wir noch stärker werden. So ist es kein Zufall, dass viele heute erfolgreiche Top-Unternehmer zuvor zumindest einmal gravierend gescheitert sind.

Wer einmal am Boden gelegen und gespürt hat, wie hart und schmerzvoll es dort ist, kann all seine Kräfte bündeln, um sich wieder aufzurichten und in voller Größe neu da zu stehen.

 

Bewältigungsstrategien für schwere Zeiten

Ob wir aus der Lebenskrise gestärkt hervorgehen können, hängt stark davon ab, welche Strategien wir anwenden, um sie zu bewältigen. In schwierigen Zeiten mögen die einen Depressionen bekommen und zu Suchtmitteln wie Alkohol, Zigaretten oder Drogen greifen, während die anderen davon getrieben sind, ihre Situation zu verbessern und aktiv nach Lösungen und Hilfe suchen. Helfer sind in Lebenskrisen nämlich eine ganz entscheidende Ressource. Helfen können vertraute Menschen, Mentoren, Ärzte, Psychologen oder Therapeuten. Auch Personen, die schon etwas Ähnliches erlebt haben, können eine große Stütze sein. Auch nimmt es sehr viel Druck, wenn man während der Lebenskrise nur von einem Tag zum anderen lebt anstatt sich vor Augen zu halten, was man alles vor sich hat. Dann scheint der Weg nämlich oft nicht zu schaffen zu sein, und man wirft sofort das Handtuch. Gerade in Situationen, in denen man sich komplett entmutigt fühlt, ist es eine Kraftressource, sich auf all das zu besinnen, was man schon einmal hinter sich gebracht hat: Denn was man einmal schafft, das schafft man ein zweites Mal. Und dann immer wieder!

Fotocredit: iStock/CentralITAlliance


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Regina Farias

Dr. Regina Farias

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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