Adipositas – Esssucht

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Adipositas – extremes Übergewicht – ist zu einem weltweiten Problem geworden, in Österreich sind rund 15 Prozent der Menschen betroffen. Um das Gewicht zu reduzieren und damit mögliche Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit zu verhindern, helfen eine Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung und eine Verhaltenstherapie.

Als Übergewicht gilt laut Weltgesundheitsorganisation ein BMI (Körpermasseindex) ab 25. Adipositas ist definiert als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts, die zur Folge haben kann, dass es zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kommt. Der BMI (Werte über 30 gelten als adipös) allein ist allerdings nicht aussagekräftig, so hat sich daneben ein weiteres Maß für die Fettverteilung im Körper etabliert, das für die Einschätzung des Gesundheitsrisikos wichtig ist: die Bauchfettmasse durch Messung des Taillenumfangs. Bei Frauen sollte das Maßband dabei nicht mehr als 80 Zentimeter anzeigen, bei Männern nicht mehr als 94.

Eine Verhaltensweise, die durch psychische Probleme verursacht wird, ist die Esssucht. Sie wird zu den psychosomatischen Erkrankungen gezählt und geht mit Heißhungeranfällen einher, in denen Betroffene innerhalb kürzester Zeit große Nahrungsmengen verschlingen. Dies verursacht die Adipositas. Von dieser Essstörung sind etwa 5 Prozent der Adipösen betroffen. Bei der Therapie der Esssucht ist eine psychotherapeutische Behandlung unbedingt notwendig.

Da die Adipositas eine mulifaktorielle Krankheit ist, kommen verschiedene Behandlungsformen zum Einsatz. Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie helfen, das Gewicht zu stabilisieren und eventuell auch zu reduzieren. Sind bereits mehrere Behandlungen dieser Art gescheitert, können auch chirurgische Maßnahmen überlegt werden.

Ursachen und Häufigkeit

Ungünstiger Lebensstil, genetische und wahrscheinlich mikrobiologische Ursachen spielen in der Entstehung von starkem Übergewicht eine Rolle. Immer mehr Menschen sind fettleibig.

Laut Österreichischer Gesundheitsbefragung 2014 sind 39 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen übergewichtig.

Die chronische Krankheit Adipositas, wie starkes Übergewicht genannt wird, hat weltweit epidemische Ausmaße angenommen. In Österreich sind 16 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen adipös, 2004 waren es noch durchschnittlich 11 Prozent. Auch der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. US-Wissenschaftler warnen, dass die jetzige Generation der Kinder im Schnitt um zwei bis fünf Jahre früher sterben wird als die Generation ihrer Eltern, wenn sich beim Gewicht keine Besserung ergibt.

Ungünstiger Lebensstil

Adipositas ist eine chronische Krankheit. Der wichtigste Grund für überhöhtes Körpergewicht ist ein ungünstiger Lebensstil: Falsche Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel legen den Grundstein für die schleichende Gewichtszunahme über Jahre. Allerdings ist die Entwicklung von krankhaftem Übergewicht tatsächlich oft wesentlich komplexer.

Übergewichtige Kinder kommen häufig aus Familien, in denen ein Elternteil ebenfalls übergewichtig ist. Weil gerade in der Kindheit die Fettzellen gebildet werden, bleiben dicke Kinder auch als Erwachsene zu korpulent. Eine Erkrankung an Esssucht kann eine mögliche Ursache für starkes Übergewicht sein. Ihre Zuordnung zu den Psychosomatosen ist umstritten, da nicht immer psychische Gründe als Hauptverursacher des gestörten Essverhaltens auszumachen sind. Im Vergleich zu Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie spielen genetische Faktoren und Organerkrankungen bei der Entstehung der Adipositas eine bedeutendere Rolle. Bei vielen Betroffenen finden sich aber psychische Belastungen, die mit der Krankheitsentstehung, -entwicklung und dem Krankheitsverlauf in Zusammenhang stehen.

Soziokulturelle Faktoren

Der moderne Lebensstil in Industrieländern ist gekennzeichnet durch Bewegungsmangel und falsche Ernährungsgewohnheiten. Technische Errungenschaften ersetzen zunehmend die direkte körperliche Arbeit, sei es im Haushalt, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit. Zwar hat sich die Kalorienaufnahme in den letzten Jahrzehnten stetig verringert, die Zahl der Übergewichtigen nahm im gleichen Zeitraum aber kontinuierlich zu. Der Grund dafür liegt im wesentlich stärkeren Rückgang des täglichen Energieverbrauchs.

Untersuchungen, die in den USA, Großbritannien und Deutschland durchgeführt wurden, zeigen einen Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Adipositas. So ist Adipositas bei Angehörigen der unteren sozialen Schichten bereits in jüngeren Altersgruppen häufiger zu beobachten und steigt auch rascher an als in höheren sozialen Schichten. Männer und Frauen sind von dieser Krankheit gleichermaßen betroffen. Adipositas führt zu zahlreichen schwerwiegenden, auch chronisch verlaufenden Erkrankungen und verringert die Lebenserwartung deutlich.

Familiäre Faktoren

Studien zeigen, dass übergewichtige Kinder häufiger aus Familien kommen, in denen bereits ein Elternteil übergewichtig ist. Diese Ergebnisse weisen einerseits auf die genetische Komponente dieser Erkrankung hin, aber auch auf familiäre Essgewohnheiten. Mütter übergewichtiger Kinder werden des Öfteren als überbehütend, überfürsorglich beschrieben. Kinder werden in diesen Familien häufig mit Essen getröstet, belohnt oder ruhiggestellt. Liegt bereits in der Kindheit ein deutliches Übergewicht vor, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, auch als Erwachsener übergewichtig zu sein.

Individuelle Faktoren

Liebe geht durch den Magen. Viele Betroffene verbinden mit Essen Selbstfürsorge: Essen wird zur Stressbewältigung, Belohnung oder generell zur Überbrückung negativer Empfindungen eingesetzt. Übergewichtige werden von ihrer Umgebung oft als freundliche und kommunikative Menschen geschildert, die eigenen Problemen wenig Beachtung schenken Diese Wahrnehmung kann im Zusammenhang mit der Funktionalisierung des Essens als Mittel zur Unterdrückung bzw. Abwehr von Aggression, Ängsten, Kränkungen oder Depression stehen.

Einige krankhaft Übergewichtige empfinden ihre Körperfülle als Schutz vor Rollenzuweisungen. Primäre Geschlechtsmerkmale und damit auch sexuelle Attraktivität verschwinden unter einer Fettschicht. Das Übergewicht kann die Funktion eines Schutzschildes erfüllen und Betroffenen sozusagen „die Umwelt vom Leibe halten“. Andere wiederum sichern sich durch ihre Körperfülle Aufmerksamkeit und verhindern so, übersehen zu werden. Psychische Störungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen treten bei Adipösen, die ihr Selbstwertgefühl stark von ihrem körperlichen Erscheinungsbild abhängig machen, häufiger auf.

Viele Esssüchtige leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen, und die meisten haben bereits unzählige Diätversuche hinter sich, die nicht nur nicht zum gewünschten Erfolg, sondern häufig sogar zu einer Verstärkung der Heißhungeranfälle führen. Aber auch psychisch stabile Betroffene leiden oft unter der alltäglich spürbaren sozialen Diskriminierung, der sie aufgrund ihrer Erkrankung ausgesetzt sind. So ist Untersuchungen zu entnehmen, dass Angststörungen und Depressionen seit Ende der achtziger Jahre bei Adipösen häufiger festgestellt werden als früher. Der Körperkult in unserer Gesellschaft stellt für viele eine psychische Belastung dar, die vor allem im Zusammenhang mit Esssucht das problematische Essverhalten noch weiter verstärken kann.

Biologische Faktoren

Untersuchungen haben gezeigt, dass genetische Faktoren nicht nur im Zusammenhang mit dem BMI von Bedeutung sind, auch die Gewichtszunahme durch Nahrung und die Körperfettverteilung selbst sind bis zu einem gewissen Grad genetisch bestimmt.

Medizinische Ursachen

Bei ca. einem Prozent der Adipösen sind endokrinologische Erkrankungen wie hypothalamische Störungen, Cushing-Syndrom, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), STH- und Prolaktinmangel oder polyzystische Ovarien für das Übergewicht ursächlich verantwortlich. Auch Medikamente, vor allem Psychopharmaka aus der Medikamentengruppe der Neuroleptika bzw. Lithium- Präparate aus der Gruppe der Antidepressiva, können als Nebenwirkung Gewichtszunahme hervorrufen.

Mikrobiologische Ursachen

Neueren Forschungen zufolge ist auch die Zusammensetzung der Darmflora, das so genannte Mikrobiom, ausschlaggebend für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas. So hat sich gezeigt, dass bei Adipösen eine bestimmte Bakteriengruppe im Darm überhandnimmt, eine andere hingegen verschwindet. Es gibt Hinweise darauf, dass die Art und Zusammensetzung der Ernährung darauf einen Einfluss hat. So scheint besonders fett- und zuckerreiches Essen die vorteilhaften Bakterien regelrecht zu vertilgen.

Andere Ursachen

Eine typische Situation, die häufig mit Gewichtszunahme gekoppelt ist, ist Nikotinentzug. Nicht umsonst ist dieser Effekt für viele Raucher und Raucherinnen ein Hindernis bei dem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören.

Einige Frauen nehmen in der Schwangerschaft mehr an Gewicht zu als in den medizinischen Richtlinien vorgesehen, trotzdem sollte eine Gewichtsreduktion nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit durchgeführt werden.

Erkrankungen, die mit einer länger andauernden oder totalen Immobilität einhergehen, können aufgrund des gesenkten Energieverbrauchs zu Übergewicht führen.

Folgeerkrankungen

Stark Übergewichte leiden häufiger an Bluthochdruck, Diabetes und orthopädischen Problemen als Normalgewichtige.

Gesundheitsrisiken hängen neben dem Ausmaß des Übergewichts auch vom Fettverteilungsmuster ab. Die Verteilung des Körperfettes ist bei Männern und Frauen unterschiedlich und hat auch unterschiedliche physiologische Auswirkungen. So besteht bei einer weibliche Fettverteilung mit den Fettdepots an Hüften und Oberschenkeln ein deutlich geringeres Risiko für die Entstehung einer Folgeerkrankung als bei der männlichen Fettverteilung, bei der Fettdepots vor allem im Bauchraum angelegt werden.

Die Höhe des bestehenden Erkrankungsrisikos lässt sich mit Hilfe des Taillenumfanges oder des Quotienten aus Taillen- und Hüftumfang (Waist-Hip-Ratio (WHR) genannt) abschätzen. Bei Männern ist ein erhöhtes Risiko ab 94 cm Taillenumfang gegeben und ein deutlich erhöhtes Risiko ab 102 cm. Bei den Frauen spricht man von einem erhöhten Risiko ab 80 cm Taillenumfang und von einem deutlich erhöhten Risiko ab 88 cm. Der Quotient aus Taillen- und Hüftumfang sollte bei Frauen unter 0,85 und bei Männern unter 1,0 liegen.

Körperliche Erkrankungen

Übergewicht ist die Grundlage für viele gesundheitliche Störungen. So gehen beinahe jede zweite Bluthochdruck(Hypertonie)-Erkrankung und fast jeder fünfte Fall von überhöhten Cholesterinwerten sowie 85 Prozent von Typ-2-Diabetes und 35 Prozent der Koronaren Herzerkrankungen auf das Konto der Fettsucht. Außerdem begünstigt das krankhafte Übergewicht Arteriosklerose und ihre Folgeerkrankungen, Gallensteinleiden, Abnutzungserscheinungen an den Gelenken, Krebserkrankungen, Gicht und degenerative Erkrankungen, hormonelle Störungen wie erniedrigte Testosteronspiegel bei Männern, Probleme bei der Atmung und Atemstillstände während des Schlafs (Apnoe). Übergewicht erhöht auch das Operations- und Narkoserisiko und führt zu Beschwerden bei der Verdauung wie Verstopfung. Mit steigendem BMI erhöht sich auch das Risiko für assoziierte Erkrankungen.

Die Verteilung des Bauchfetts hängt zwar mit dem BMI zusammen, dennoch gilt eine zu große Taillenweite als davon unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen – auch bei nur mäßigem Übergewicht. Ein Taillenumfang von mehr als 88 Zentimetern bei Frauen und 102 Zentimetern bei Männern bedeutet ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, arteriellen Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Psychische Störungen

Psychische Störungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen treten bei Übergewichtigen, die ihr Selbstwertgefühl von ihrem körperlichen Erscheinungsbild abhängig machen, häufiger auf. Viele Übergewichtige leiden unter ihrer Figur und haben bereits zahlreiche Versuche hinter sich, die überschüssigen Kilos mit Hilfe von Diäten loszuwerden. Die Erfolge sind jedoch meist nur recht kurzlebig und führen selten zum gewünschten Erfolg. Meistens tritt sogar der gegenteilige Effekt ein: Wie bei einem Jojo kommen die mühsam abgespeckten Kilos in kurzer Zeit wieder zurück, sobald die Disziplin nachlässt oder die Diätwochen beendet sind.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist schon im Kindesalter sinnvoll.

Wer sich gesund ernährt und sich ausreichend bewegt, kann sein Normalgewicht halten. Sehr hilfreich für das Halten des Normalgewichts ist auch die seelische Ausgeglichenheit – so kann Stress- oder Frustessen vermieden werden, das bei vielen Menschen zur Gewichtszunahme beiträgt. Vorbeugungsmaßnahmen sollten bereits im Kindesalter ansetzen. Eine wichtige Rolle spielt der familiäre Umgang mit Essen und Nahrungsmitteln, da dieser das Essverhalten der Kinder prägt. Besondere Bedeutung kommt hier den regelmäßigen gemeinsamen Mahlzeiten zu, bei denen frische und gesunde Lebensmittel angeboten werden.

Kinder benötigen Erklärungen, warum Obst gesund ist, aber Naschereien, Süßspeisen und Limonaden nur eingeschränkt verzehrt werden sollten. Allerdings hat sich gezeigt, dass auch allzu viel des in Obst enthaltenen Fruchtzuckers zur Entwicklung von Übergewicht beitragen kann. Deshalb sollten auch Smoothies nur in Maßen genossen werden. Bei einem Vorleben der Eltern ist für Kinder gesunde und ausgewogene Ernährung etwas ganz Normales und bedarf nur geringer Kontrolle. Hilfreich sind regelmäßige Essenszeiten. Vor allem in Familien mit Übergewichtigen, in denen die Möglichkeit einer genetischen Anlage gegeben ist, sollte Kindern möglichst früh gezeigt werden, wie sie durch ihr Ernährungsverhalten das Gewicht beeinflussen können.

Neben Ernährungsgewohnheiten wirkt ein Familienklima, das Kinder bzw. Jugendliche bei ihrer Identitätsfindung und emotionalen Entwicklung fördert und unterstützt, der Entwicklung von Essstörungen entgegen.
  • Die Einteilung der Lebensmittel in gut und böse sowie deren Einsatz zur Belohnung oder Bestrafung versieht Nahrung mit emotionalen Qualitäten, die irreführend sind, darum sollte dies möglichst vermieden werden.
  • Essen ist kein Ersatz für Liebe, Zuwendung oder Trost. Bekommen Kinder Süßigkeiten zugesteckt, um Langeweile, Frustration oder Einsamkeit zu überbrücken, so kann es sein, dass sie auch als Erwachsene problematische Situationen auf diese Art bewältigen.
  • Sprüche wie: „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“ oder „Bevor du nicht aufgegessen hast, darfst du nicht aufstehen“ sind nicht hilfreich. Kinder sollten nicht zum Essen gezwungen werden. Es ist wichtig, dass sie wahrnehmen, wie sich Hunger anfühlt und wie es ist, satt zu sein.
  • Das offene Ansprechen von Konflikten und Gefühlen hilft Kindern, diese als das wahrzunehmen, was sie sind.
  • „Nobody is perfect“ – Fehler gehören zum Leben. Perfektionistische Ansprüche tragen Enttäuschung und Scheitern schon in sich und sind der Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls nicht förderlich.

Wichtig ist auch, ab und zu Gewicht, BMI und Taillenumfang zu kontrollieren, um im Fall einer Gewichtszunahme rechtzeitig und ohne größere Einschnitte gegensteuern zu können, sich aber nicht von Waage und Zentimetermaß versklaven zu lassen.

Die angeführten Verhaltensweisen und Werthaltungen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie dienen nur als Beispiele, was der Entstehung von Essstörungen entgegengesetzt werden könnte bzw. welche Erziehungsmaßnahmen vermieden werden sollten:

Früherkennung

Bei stetiger Gewichtszunahme, die sich nicht regulieren lässt, ist es günstig, ärztliche Hilfe zu suchen.

Präventive Maßnahmen sollten möglichst im Kindes- und Jugendalter einsetzen. Gewichtszunahmen können entwicklungsbedingt auftreten. So erleben viele Teenager in der Pubertät eine Phase, in der sie plötzlich Gewicht zulegen. Gründe dafür sind hormonelle Veränderungen und die Beendigung der Wachstumsphase. Zumeist normalisiert sich das Gewicht nach einiger Zeit von selbst wieder. Zu erkennen, ob eine Gewichtszunahme ein vorübergehendes Phänomen sein wird, oder ob sich hier ein gesundheitliches Problem entwickelt, liegt vor allem im Verantwortungsbereich der Eltern. Zusätzlich sind auch die Schulärzte gefordert, die die Kinder während der Schulzeit in regelmäßigem Abstand messen und wiegen und bei entsprechenden Untersuchungsergebnissen den Kontakt mit den Eltern suchen sollten, um diese über mögliche Behandlungen zu informieren und die Familie während der Behandlungsdauer zu unterstützen.

Für Erwachsene gibt es die Möglichkeit, im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchungen oder eines Besuchs beim Hausarzt die Ursachen einer Gewichtszunahme abzuklären.

Beschwerden

Die Beschwerden sind in vielen Fällen bereits Folgeerkrankungen.

Durch die mechanische Überbelastung kann es zu Gelenkschmerzen, Rückenbeschwerden, verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit, Atemnot und vermehrtem Schwitzen kommen. Bei einigen Erkrankten bilden sich Ekzeme in den Falten zwischen den Fettwülsten. Da Esssucht hormonelle Störungen hervorrufen bzw. Adipositas durch endokrinologische Erkrankungen verursacht werden kann, leiden manche Betroffene an Potenz- und Libidostörungen. Auch psychische Probleme, vor allem Ängste und Depressionen, werden von einigen Adipösen angegeben. Manche leiden unter sozialer Isolation und Vereinsamung. Die soziale Diskriminierung und die negativen Reaktionen der Umwelt, die Übergewichtige häufig zu spüren bekommen, leisten auch einen Beitrag zu den geäußerten psychischen Beschwerden.

Diagnose

Die Diagnose stellt der Arzt bzw. die Ärztin anhand einer klinischen Untersuchung und eines Gesprächs.

Die Diagnoseerstellung erfolgt aufgrund der Angaben, die Betroffene im Gespräch mit dem Arzt machen, sowie den Ergebnissen einer körperlichen Untersuchung und einer Laboruntersuchung. Im Gespräch wird der Arzt Ernährungsgewohnheiten, Essverhalten, Gewichtsverlauf, Begleitumständen der Gewichtszunahme, körperlichen Aktivitäten, zur psychosozialen und beruflichen Situation sowie zu familiären Belastungen erfragen.

Weiters wird er frühere Therapieversuche, Gründe für deren Scheitern und die Gründe für den jetzigen Behandlungswunsch ansprechen. Die Diagnoseerstellung der Esssucht bzw. Adipositas fällt in die Kompetenz verschiedener medizinischer Fächer.

Diagnose der Esssucht

Die Diagnose Esssucht wird dann gestellt, wenn Betroffene an wiederholten Heißhungeranfällen leiden, die seit mindestens sechs Monaten und im Schnitt an mindestens zwei Tagen in der Woche auftreten. Im Unterschied zu Bulimikern führen Esssüchtige kein Erbrechen herbei.

Diagnose der Adipositas

Zentrale Diagnosekriterien für Adipositas und auch Esssucht sind das Ausmaß des Übergewichts und das Muster der Körperfettverteilung. Den Anteil des Körperfettes stellt der Arzt mit Hilfe des BMI. Der BMI-Wert gibt Auskunft, ob eine Erkrankung im Zusammenhang mit Übergewicht besteht bzw. wie weit diese fortgeschritten ist. Er wird errechnet aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch das Quadrat der Größe in Metern (kg/m2). Beispiel: Ein 180 Zentimeter großer Mann hat 70 Kilogramm. Sein BMI errechnet sich so: 70 geteilt durch 1,8 mal 1,8 = 70 : 3,24 = 21,6. Der BMI des Mannes beträgt also 21,6.

WHO Richtwerte der Gewichtsklassifizierung nach dem BMI:
  • Normalgewicht 18,5 – 24,9
  • Übergewicht 25
  • Präadipositas 25,0 – 29,9
  • Adipositas Grad I 30,0 – 34,9
  • Adipositas Grad II 35,0 – 39,9
  • Adipositas Grad III (extreme Adipositas) 40 und mehr

Ebenso wichtig ist aber auch der Taillenumfang, der ein Anzeichen für die Körperfettverteilung ist. Er sollte bei Frauen nicht über 80 Zentimeter betragen, bei Männern nicht mehr als 94.

Selbsthilfe

Die wichtigsten Maßnahmen sind ausgewogene Kost und regelmäßige Bewegung.

Weniger essen

Um Gewicht zu verlieren, sollte die Kost ausgewogen und fettarm sein und langfristig ein Energiedefizit von 500 bis 800 Kalorien haben. Damit ist eine Senkung des Ausgangsgewichts um fünf bis zehn Prozent innerhalb von sechs Monaten möglich.

Mehr bewegen

Um messbar Gewicht zu reduzieren, ist ein zusätzlicher Energieverbrauch von mindestens 2.500 kcal pro Woche erforderlich, das entspricht mindestens fünf Stunden zusätzlicher körperlicher Bewegung pro Woche. Viele Betroffene schließen sich einer Gruppe an, um die regelmäßige Durchführung des Bewegungsprogramms einzuhalten. Bewegung erhöht auch das Selbstvertrauen und vermindert Depressivität sowie Angst. Doch Achtung: Beginnen Sie behutsam Sport zu treiben, um Ihren Körper nicht zu überfordern und Lust und Motivation nicht gleich wieder zu verlieren. Sport heißt auch Spazierengehen. Neben sportlichen Aktivitäten ist vermehrte Alltagsbewegung, wie z. B. Treppensteigen statt Liftfahren, hilfreich.

Schon das Abnehmen von nur zehn Kilogramm hat unabhängig vom Ausgangsgewicht positive gesundheitliche Auswirkungen:
  • Das Risiko, aufgrund von Fettsucht und deren Folgen zu sterben, sinkt um bis zu 20 Prozent.
  • Das Risiko, an den Folgen von Diabetes zu sterben, sinkt um bis zu 30 Prozent.
  • Das Risiko, an einer mit Fettsucht zusammenhängenden Krebserkrankung zu sterben, sinkt um bis zu 40 Prozent.
  • Auch das Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken, verringert sich. Besteht bereits Bluthochdruck, kann durch die Gewichtsabnahme von zehn Kilo der systolische Blutdruck um 7 mmHg und der diastolische Blutdruck um 3 mmHg sinken.
  • Besteht Diabetes mellitus, kann bei Übergewichtigen die Verringerung des Körpergewichts um fünf bis zehn Kilogramm eine Senkung des Langzeit- Blutzuckerwerts (HbA1c) um bis zu drei Prozent bewirken. Der Nüchternblutzucker kann um 30 bis 40 mg/dl pro zehn Kilogramm Gewichtsverringerung sinken.

Wer 3,5 bis 5,5 Kilogramm abnimmt, verringert bei gestörter Glukosetoleranz das Risiko, am Typ-2-Diabetes zu erkranken, um bis zu 58 Prozent.

Auch auf den Fettstoffwechsel hat das Abnehmen von zehn Kilogramm positive Wirkungen:
  • Der Gesamtcholesterinwert sinkt um etwa zehn Prozent.
  • Das LDL-Cholesterin verringert sich um bis zu 15 Prozent.
  • Das („gute“) HDL-Cholesterin steigt um bis zu acht Prozent.
  • Der Triglyceridwert verringert sich um bis zu 30 Prozent.

Behandlung der Esssucht

Für den Behandlungserfolg ist vor allem die gute Beziehung zwischen dem oder der Betroffenen und dem Therapeuten wichtig.

Da es sich bei der Esssucht um eine vorwiegend psychische Erkrankung handelt, ist eine psychotherapeutische Behandlung immer sinnvoll. Die Adipositas und eventuell vorhandene Begleiterkrankungen, die als Folge der Esssucht auftreten, müssen medizinisch abgeklärt und behandelt werden. Als Richtwert für die psychotherapeutische Behandlungsdauer wird von Experten ein Zeitraum von zwei bis vier Jahren genannt. Je nach physischem und psychischem Zustandsbild wird der Arzt eine stationäre Therapie oder andere mögliche Behandlungsformen vorschlagen und die notwendigen ersten Schritte, wie die Kontaktaufnahme mit einem Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle für Essstörungen, in die Wege leiten.

Psychotherapeutische Behandlung

Mehrere psychotherapeutische Schulen haben Konzepte zur Behandlung der Esssucht entwickelt. Für Betroffene und deren Angehörige ist das vielfältige Angebot oft verwirrend, zumeist fehlt auch die Zeit und das Geld, verschiedene Therapieansätze auszuprobieren. Letztendlich ist für eine erfolgreiche Behandlung weniger die gewählte Therapierichtung als eine gute Beziehung zwischen der Betroffenen und dem Therapeuten ausschlaggebend.

Mit Hilfe der Psychotherapie erlernen Esssüchtige einen adäquaten Umgang mit Essen und mit Zeit. Nachdem Essen ihr Leben beherrscht hat, haben sie, sobald die Symptomatik abklingt, viel Zeit zur Verfügung. Dies kann im ersten Moment eine Überforderung darstellen und birgt die Gefahr eines Rückfalls in die alte Symptomatik.

Körperzentrierte Psychotherapie ist wichtig für die Behebung der Körperwahrnehmungsstörung und unterstützt die Betroffenen dabei, wieder ein Gefühl für ihren Körper zu bekommen.

Entspannungstechniken sind hier ebenfalls hilfreich.

Familientherapie hilft bei der Lösung der innerfamiliären Konflikte.

Gestalttherapie, Gesprächspsychotherapie sowie tiefenpsychologische Verfahren, wie die Psychoanalyse können die Betroffenen beim Erkennen, Bearbeiten und Verändern von hinderlichen bzw. krankheitsverursachenden Verhaltensmustern unterstützen, deren Ursprung oft in der frühen Kindheit liegen.

Je nach Therapierichtung stehen entweder die auftretenden Symptome oder die vermuteten zugrunde liegenden Konflikte im Zentrum der Behandlung. In kognitiv-verhaltensmodifikatorischen Therapien wird geklärt, worin das problematische Verhalten besteht und wie man es beeinflussen kann. Die konfliktorientierten Therapien sehen den speziellen Umgang mit Nahrung als Hilfestellung bei der Lebensbewältigung. In diesem Zusammenhang ist es wichtig herauszufinden, welche positiven Effekte die Krankheit für die Betroffenen hat, welche dahinterliegenden Konflikte damit gelöst werden. Anschließend werden zusammen mit dem Therapeuten adäquatere Lösungsstrategien erarbeitetet. Beide Therapiearten bewirken eine „Entzauberung“ der Störung und ermöglichen es den Betroffenen, sich Schritt für Schritt davon zu lösen. Während dieses Veränderungsprozesses hält die Symptomatik einige Zeit weiter an, sie kann sich zu Beginn auch verstärken, klingt dann aber ab.

Entscheidungshilfen für die Wahl des Therapeuten
  • Der oder die Betroffene sollte sich ernst genommen und respektiert fühlen.
  • Der Person und ihrem Anliegen sollte echtes Interesse entgegengebracht werden, also nicht Routine im Vordergrund stehen.
  • Der Therapeut soll gut zuhören können.
  • Nach dem Gespräch sollte sich der Patient oder die Patientin optimistischer fühlen als vorher.

Ambulante oder stationäre Behandlung?

Betroffene können zwischen ambulanten und stationären Behandlungsformen wählen. Die ambulante Durchführung einer Therapie hat den Vorteil, dass der veränderte Umgang mit Essen in den Alltag der Betroffenen eingebettet ist und nicht in der künstlichen Atmosphäre einer Klinik stattfindet. Die Entscheidung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung hängt jedoch von den aktuellen Lebensbedingungen der Betroffenen ab.

Eine stationäre Behandlung empfiehlt sich bei Betroffenen,
  • deren körperliche und psychische Verfassung sehr schlecht ist,
  • die bereits mehrere Jahre an der Erkrankung leiden,
  • die ambulante Behandlungen bereits abgebrochen haben bzw. denen diese nicht geholfen haben,
  • in deren Familie unerträgliche Spannungen bestehen,
  • die den Wunsch nach Unabhängigkeit von der Familie äußern,
  • die – aus welchem Grund auch immer – überzeugt sind, in der stationäre Behandlung besser aufgehoben zu sein als in der ambulanten.

Der Vorteil einer stationären Betreuung, die entweder in psychosomatischen Abteilungen oder Spezialabteilungen für Essstörungen stattfindet, ist, dass ein multiprofessionelles Team zur Verfügung steht und somit der Einsatz mehrerer Therapierichtungen möglich ist. Ein stationäres Behandlungsprogramm beansprucht in der Regel einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Wichtig im Anschluss an eine stationäre Behandlungsform ist die weiter gehende ambulante Behandlung, damit der Übergang von der Klinik in den Alltag gelingt.

Fällt die Entscheidung zugunsten einer Behandlungsdurchführung bei einem Therapeuten aus, so ist es ratsam, jemanden zu wählen, der über eine langjährige Erfahrung in der Behandlung von Essstörungen verfügt. Das Erstgespräch bei einem Therapeuten dient dem gegenseitigen Kennenlernen. Für den Therapeuten ist es wichtig, die Situation und das Anliegen der Betroffenen kennenzulernen und Klient bzw. Klientin muss für sich klären, ob es möglich ist, sich diesem Menschen anzuvertrauen.

Einige Kriterien, die bei der Entscheidung helfen können, betreffen vor allem Gefühle, die während der Gesprächssituation für die Betroffenen spürbar werden.

Medikamente

Eine ausschließlich medikamentöse Behandlung der Esssucht hat sich nicht bewährt. Im Zusammenhang mit den häufiger beobachteten depressiven Symptomen und mit den auftretenden Heißhungeranfällen haben sich Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva, vor allem jene, die einem Serotoninmangel entgegenwirken, bei manchen Betroffenen als hilfreich erwiesen. Weiters können Medikamente im Zusammenhang mit eventuell bestehenden Folgeerkrankungen zum Einsatz kommen.

Heilungschancen

Da es sich bei Esssucht um eine noch nicht sehr lange als solche eingestufte Erkrankung handelt, gibt es kaum Langzeitstudien über Behandlungsverlauf und -erfolg. Prinzipiell muss berücksichtigt werden, dass vorhandene Zahlen sich nur auf die Gruppe der Betroffenen beziehen, die Behandlungszentren aufgesucht und sich für weitere Nachuntersuchungen zur Verfügung gestellt haben.

Die Krankheitsverläufe sind bei Esssucht sehr unterschiedlich. Je kürzer die Krankheitsdauer, je weniger Begleiterkrankungen und misslungene Behandlungsversuche es also gibt, desto besser sind auch die Heilungschancen. Behandlungsziel ist eine Veränderung der Einstellung zum Essen. Sowohl bei konfliktorientierten als auch symptomorientierten Behandlungsansätzen werden durchschnittlich 33 bis 39 Prozent der Erkrankten symptomfrei, bei insgesamt 80 Prozent tritt eine Verbesserung der Symptomatik ein. Problematische Verläufe bestehen bei gleichzeitigem Auftreten von anderen Abhängigkeiten bzw. Süchten, Suizidversuch und Borderline-Persönlichkeitsstörungen.

Behandlung der Adipositas

Eine Umstellung der Ernährung, regelmäßige Bewegung und Verhaltenstherapie helfen gegen extremes Übergewicht. Langsam auf das Zielgewicht hinzuarbeiten ist besser als Gewaltkursen, die keinen langfristigen Erfolg bringen.

Bei starkem Übergewicht ist eine ärztliche Unterstützung der Gewichtsreduktion sinnvoll. Das Ziel der Therapie liegt vor allem in einer langfristigen Gewichtskontrolle. Da die Rückfallhäufigkeit bei dieser Behandlung sehr hoch ist, liegt das Augenmerk weniger auf dem Erreichen des Normal- oder Idealgewichts als in erster Linie auf einer Gewichtsstabilisierung.

Besonders bewährt haben sich interdisziplinäre Behandlungen, die in Gruppen von bis zu 15 Betroffenen durchgeführt werden. Bei leichteren Krankheitsfällen kann die Behandlung auch vom Hausarzt in Zusammenarbeit mit weiteren Experten wie einem Psychotherapeuten, Ernährungsberater, Physiotherapeuten und eventuell notwendigen Fachärzten durchgeführt werden. Bei einer Adipositas des zweiten und dritten Grades ist eine stationäre Behandlung in einer dafür spezialisierten Einrichtung zu überlegen, da hier eventuell auch chirurgische Maßnahmen in Betracht zu ziehen sind. Jede Therapie muss individuell abgestimmt sein und Krankheitsfortschritt, Krankheitsdauer, Anzahl der zusätzlichen Risikofaktoren wie z.B. Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder Zuckerkrankheit und Anzahl der Behandlungsabbrüche berücksichtigen. Wichtige Voraussetzungen für die Durchführung jeder Behandlung sind:
  • die Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft des Patienten
  • Der Patient muss genau informiert sein über die Erkrankung, eventuelle Komplikationen und den Therapieablauf
  • Der Arzt und/oder Therapeut muss realistische, den individuellen Bedingungen angepasste Behandlungsziele festsetzen

Das Basisprogramm, das jeder gewichtsreduzierenden Therapie zugrunde liegt, umfasst Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungstherapie. Die Ernährungs- und Bewegungsrichtlinien entsprechen den wirksamen Selbsthilfemaßnahmen.

Ernährungstherapie

Ernährung bei Übergewicht bedeutet: fettarme Ernährung und ausgewogene Mischkost. Bei Adipositas ist eine Ernährung empfohlen, die ein Energiedefizit von 500 bis 1000 Kalorien vorsieht. Dieses Defizit soll vor allem auf der Reduktion von Fetten basieren. Diese Form des Gewichtsmanagements hat sich als erfolgreich erwiesen. Diäten mit sehr niedriger Kalorienzufuhr führen zwar zu rascherem Gewichtsverlust, scheinen aber für eine langfristige Gewichtskontrolle weniger geeignet. Sie werden zumeist für eine rasche Gewichtsreduktion bei akuten Erkrankungen eingesetzt. Um eine möglichst langfristige Beibehaltung der Nahrungsumstellung zu erzielen, hat sich die Einbeziehung des gesamten Umfeldes des Betroffenen als sehr hilfreich erwiesen. Eine genaue Informationen des Betroffenen über Ernährung ist generell zu begrüßen.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist wichtig für den Langzeiterfolg. Dabei werden Betroffene unterstützt, ihr persönliches Verhalten zur konsequenten Umsetzung der Ernährungs- und Bewegungsumstellung zu verändern.
  • Selbstbeobachtung des Ess- und Trinkverhaltens mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs hilft, sich die Situationen bewusst zu machen, in denen sie vermehrt essen.
  • Techniken der Selbstkontrolle helfen zu vermeiden, Kost mit zu hohem Kaloriengehalt und „nebenbei“ zu essen.
  • Einüben eines flexibel kontrollierten Essverhaltens – es bestehen keine rigiden Verbote (die führen auf Dauer immer zum Scheitern) unterstützt dabei, eigenverantwortlich die Nahrungsaufnahme zu kontrollieren.
  • Erarbeiten von Strategien, wie Essen-auslösende Situationen besser in den Griff gebracht werden können.
  • Auseinandersetzung mit der Nahrung: Was benötige ich wirklich? Wie viel Energie haben die unterschiedlichen Lebensmittelgruppen wirklich?

Bewegungstherapie

Um eine Gewichtsabnahme zu erzielen, ist ein Minimum an täglicher Bewegung im Umfang von 20 Minuten bei mittlerer Intensität ohne Unterbrechung notwendig. Reduktionskost bei gleichzeitigem Bewegungsprogramm hat sich in vielerlei Hinsicht bewährt. Der Gewichtsverlust geht zügiger voran, für die langfristige Gewichtsstabilisierung ist die Beibehaltung dieser körperlichen Aktivitäten nach Beendigung der Diät wesentlich.

Viele Betroffene schließen sich einer Gruppe an, um die regelmäßige Durchführung des Bewegungsprogramms einzuhalten. Es macht ihnen mehr Spaß und gleichzeitig hilft es einigen auch aus ihrer sozialen Isolation. Neben der Gewichtsreduktion fördert die Bewegungstherapie das Selbstvertrauen und vermindert Depressivität und Angst. Neben sportlichen Aktivitäten ist auch die Förderung der Alltagsbewegung, wie z.B. Treppensteigen statt Liftfahren, hilfreich.

Therapieziel

Ziel der Therapie ist es, ungünstige Ess- und Lebensgewohnheiten langsam durch günstige zu ersetzen und zu festigen. Im Laufe des therapeutischen Prozesses wird die anfänglich notwendige, unterstützende Fremdkontrolle des Therapeuten zunehmend durch die Selbstkontrolle des Betroffenen ersetzt. Die erlernten Strategien sollen Betroffene in die Lage versetzen, trotz genetischer Prädisposition und Nahrungsüberangebots das Gewicht möglichst stabil zu halten. Es ist wichtig, dass erst der Therapeut und dann zunehmend auch die Betroffenen selbst realistische Zielsetzungen formulieren und für deren Bewältigung einen realistischen Zeitraum veranschlagen, denn damit stellt sich Erfolg und somit Motivation ein. Zu hohe Ansprüche, rigide Regeln, zu strikte Diäten tragen häufig das Scheitern schon in sich.

Medikamentöse Behandlung

Arzneimittel zur Behandlung der Fettsucht als alleinige Therapie sind wirkungslos. Appetithemmer oder Mittel, die ihre Wirkung im Darm entfalten und die Nahrungsaufnahme verringern (Lipasehemmer), sind nur in Kombination mit einer Verhaltensänderung und körperlicher Bewegung und zudem bei starker Dickleibigkeit zweckmäßig. In Frage kommende Medikamenten sollten nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Zumeist wird der Einsatz dieser Medikamente überlegt, wenn aufgrund einer anderen Erkrankung eine raschere Gewichtsabnahme herbeigeführt werden muss.

Heilungschancen

Die meisten Diäten und auch die derzeit zur Verfügung stehenden Medikamente haben in Langzeituntersuchungen nicht zu der erhofften dauerhaften Gewichtsreduktion geführt. Da die Gewichtsprobleme oft praktisch ein Leben lang bestehen und die gewichtsstabilisierenden Maßnahmen sehr schwierig einzuhalten sind, sind Rückfälle sehr häufig. Am erfolgversprechendsten haben sich eine individuell abgestimmte Ernährung, regelmäßig durchgeführte Bewegungsprogramme und verhaltenstherapeutische Unterstützung sowie die Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe erwiesen.

Chirurgische Maßnahmen

Operative Maßnahmen im Zusammenhang mit einer gewünschten Gewichtsreduktion sind bei Patienten mit folgenden Problemen zu überlegen:
  • starkes Übergewicht (Adipositas zweiten oder dritten Grades)
  • hoher Leidensdruck
  • eine deutlichen Einschränkung der Lebensqualität
  • auftretende Begleiterkrankungen oder
  • mehrere gescheiterte andere Behandlungsversuche

Wie bei jeder Operation ist es empfehlenswert, eine Zweitmeinung über die Sinnhaftigkeit des Eingriffs einzuholen. Das Essverhalten der Betroffenen nach der Durchführung eines Eingriffs ist entscheidend für den gewünschten Erfolg. Daher ist genaue Information einhergehend mit einer Ernährungsschulung und einer anfänglich kontinuierlichen Betreuung unbedingt notwendig.

Magenverkleinerung

Die empfohlenen Verfahren, nach denen eine Magenverkleinerung derzeit durchgeführt wird, verringern die Aufnahmekapazität direkt am Magen. Dabei wird der Magen mittels eines außen angelegten Silikonbandes in zwei Teile geteilt, in einen kleineren Vormagen und einen größeren Nachmagen.

Der Eingriff kann mittels Laparoskopie durchgeführt werden und ist daher weniger invasiv als die früher durchgeführte horizontale oder vertikale Unterteilung des Magens in eine kleine Tasche und einen größeren Restmagen. Neben der laparoskopischen Operation ist ein weiterer Vorteil der Silikonbandtechnik, dass das Band auch nach der Operation noch verstellt und auch wieder entfernt werden kann. Die verwendeten Bänder bestehen aus einer Silikon-Kautschuk-Mischung.

Durch das Einsetzen eines Magenballons kann ebenfalls eine Verminderung des Magenvolumens bewirkt werden. Es hat sich bei diesem Verfahren jedoch herausgestellt, dass nach einigen Monaten ein Gewöhnungseffekt eintritt. Der anfänglich erzielte Gewichtsverlust verschwindet wieder. Technische Probleme wie undichte Ballone, Ballonverlust (in komplizierten Fällen kann der abgehende Ballon eine Blockade im Magen-Darmtrakt verursachen), die einen operativen Eingriff erfordern, und zeitlich begrenzte Wirksamkeit sprechen gegen dieses Verfahren.

Shunt- oder Bypassverfahren haben sich nicht bewährt. Bei dieser Operationstechnik wird ein Teil des Dünndarmes entfernt, um die Nährstoffaufnahme zu senken. Das Problem dabei ist, dass damit nicht nur die Kalorienaufnahme vermindert wird, sondern auch die Aufnahme lebensnotwendiger Vitamine, Spurenelemente und Elektrolyte. Dies kann zu gravierenden Mangelerscheinungen und damit verbundenen Erkrankungen führen. Diese Technik muss mit regelmäßigen Folgeuntersuchungen einhergehen, um auftretende Mangelerscheinungen rechtzeitig erkennen und ausgleichen zu können. Die Begleiterscheinungen dieses Verfahrens sind sehr belastend. Betroffene haben bis zu 15 Stuhlentleerungen am Tag, die zumeist mit Blähungen einhergehen. Die Technik wird kaum mehr angewandt, zumal auch mehr Komplikationen auftreten als beim Einsetzen eines Magenbandes.

Die Wahl der Betäubung Eine Magenverkleinerung wird unter Vollnarkose durchgeführt. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.

Risiken und Komplikationen bei der Silikonbandtechnik

Bei ca. zehn Prozent der Betroffenen treten während der Operation Probleme auf, meistens handelt es sich dabei um Blutungen, die eine laparoskopische Durchführung der Operation nicht zulassen. In diesen Fällen muss die Bauchdecke dann mittels Skalpell geöffnet, die Blutung gestillt und das Anlegen des Silikonbandes vorgenommen werden.

Ebenfalls zehn Prozent der Operierten habe Portprobleme, Dislokationen oder Infektionen um das implantierte Kunststoffmaterial. Portprobleme werden durch eine zu enge oder zu weite Einschnürung des Magens verursacht. Dadurch kommt die Nahrung entweder zu schnell oder zu langsam vom Vormagen in den Nachmagen. Im Falle von Dislokationen verlässt das Silikonband seinen vorgesehenen Platz und muss operativ nachjustiert oder entfernt werden. In ein bis zwei Prozent der Fälle wandert das Band durch die Magenwand und wird ausgeschieden.

Beim Einsetzen eines Magenbandes kommt es bei weniger als 1 unter 1000 Patienten zu Komplikationen mit tödlichem Ausgang.

Nach der Operation

Es ist wichtig, dass eine Ernährungsberatung erfolgt und dass diese den Betroffenen auch noch einige Zeit nach der Operation zur Verfügung steht. Um gesundheitliche Probleme zu verhindern, muss der Operierte bestimmte Ernährungsvorschriften einhalten: mehrmals täglich kleine Nahrungsmengen zu sich nehmen, langsam essen und ausreichend kauen. Wird Heißhungerattacken nachgegeben, kann das gefährliche Komplikationen verursachen. Zu Beginn werden die Patienten regelmäßig von ihrem betreuenden Arzt untersucht, um mögliche Beschwerden im Zusammenhang mit dem relativ raschen Gewichtsverlust rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Heilungschancen

In großen wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten hat sich gezeigt, dass durch die Operation adipöse Patienten (BMI zwischen 30 und 35) in einem Maß abnahmen, dass sie in die Gruppe der Übergewichtigen (BMI zwischen 25 und 30) fielen. Die übergewichtige Gruppe erreichte nach der Operation Normalgewicht (BMI zwischen 20 und 25). Dies führt für gewöhnlich zu einer deutlichen Verbesserung der mit starkem Übergewicht einhergehenden Begleiterkrankungen. Einen hundertprozentigen Behandlungserfolg gibt es nicht. So kann etwa durch hochkalorische flüssige Nahrungsmittel die mittels Operation hergestellte Nahrungsaufnahmeschranke umgangen werden.

Leben mit der Krankheit

Wer abnehmen will, braucht Geduld. Angehörige und Freunde können dabei unterstützen, aber auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.

Hilfe für Betroffene

Der Weg zur Normalisierung des Essverhaltens bzw. die Veränderung von Ernährungsgewohnheiten ist langwierig und schwierig. Liegt eine Erkrankung an Esssucht vor oder spielen psychische Komponenten bei der Krankheitsentstehung eine große Rolle, so ist die Situation noch schwieriger. Es gibt keine Zaubertricks, mit denen Heißhungerattacken plötzlich zum Verschwinden gebracht werden. Leidet der Betroffene an Esssucht, so ist die Bereitschaft, diese ganz aufzugeben, Voraussetzung für einen erfolgreichen Therapieverlauf. Niemand kann versprechen, dass das Leben dadurch einfacher wird, im Gegenteil: anfangs wird es unsicherer, da die Essstörung bestimmte Probleme „gelöst“ hat und nun ein neuer Umgang sowohl mit den Konflikten als auch mit dem Essen gesucht und erlernt werden muss.

Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe

Viele Betroffene erleben die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe als große Erleichterung, da sie mit ihren Problemen nicht mehr alleine sind. Motivation und Ausdauer für die Einhaltung der Ernährungsvorschriften und die regelmäßigen körperlichen Aktivitäten fallen vielen in der Gruppe leichter. Anfangs mag es schwierig sein, über sich selbst zu sprechen, aber die Verbundenheit, die zumeist zwischen den Gruppenmitgliedern entsteht, gibt Sicherheit und hilft dabei, sich über seine eigenen Probleme klarer zu werden. Die Gruppe versorgt mit Informationen, bietet Unterstützung, und jedes Mitglied kann wiederum anderen mit seinem Wissens- und Erfahrungsschatz weiterhelfen. Die Selbsthilfegruppe ersetzt allerdings nicht eine notwendige psychotherapeutische Behandlung.

Adipositas und Schwangerschaft

Bei Frauen mit Adipositas treten während der Geburt häufiger Komplikationen auf als bei normalgewichtigen Frauen. Spontangeburten sind bei stark Übergewichtigen seltener. Die Kinder sind häufig größer und haben auch ein höheres Geburtsgewicht (4 kg und mehr), ein Umstand, der Kaiserschnittgeburten öfter notwendig macht

Trotz der Risiken, die ein stark erhöhtes Körpergewicht in dieser Zeit mit sich bringt, dürfen während der Schwangerschaft und Stillzeit keine gewichtsreduzierenden Maßnahmen durchgeführt werden.

Hilfe für Angehörige und Freunde

Angehörige und Freunde können Betroffene im täglichen Leben unterstützen, indem sie die Ernährungsumstellung und die Bewegungsprogramme mitmachen. Da es bei beiden Behandlungsstrategien generell um die Förderung einer gesunden Lebensweise geht, können alle davon profitieren.

Verhaltenstipps für den Alltag

  • Sich gemeinsam mit dem Erkrankten gegen die Krankheit zu verbünden, fördert den Genesungsprozess.
  • Geduld ist in hohem Ausmaß notwendig, denn die Behandlung der Erkrankung wird einen längeren Zeitraum beanspruchen. Angehörige und Freunde sollten sich nicht scheuen, in dieser schwierigen Situation jede zur Verfügung stehende Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Bei Beratungsstellen für Essstörungen sind Informationen über die Krankheit, psychotherapeutische Angebote, Selbsthilfegruppen für Betroffene sowie Selbsthilfegruppen für Angehörige und Freunde erhältlich.




Redakteurin: Inge Smolek (Journalistin)
Aktualisierung: 13.11.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Medizinisches Review: Univ. Prof. Dr. med. Ernst Berger (Psychiatrie), Dr. med. Bettina Reiter (Psychiatrie, Psychotherapie), Univ. Prof. Dr. med. Leopold Schmetterer (Pharmakologie), Univ. Doz. Univ. Prof. Dr. Karl-Heinz Wagner (Ernährungswissenschaften)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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