Depression - Nicole Inez Fuchs

Bipolare Störung – Leben zwischen Depression und Manie

“Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt” – Menschen die eine bipolare Störung haben, leiden an extremen Stimmungsschwankungen. Sie finden sich entweder in einem Hochgefühl, der Manie oder der Depression wieder. Diese psychische Erkrankung heißt auch deshalb bipolar. Die Gefühlslage schwankt vor allem in der Stimmung, dem Antrieb und dem Aktivitätslevel. Die depressiven und manischen Phasen wechseln einander ab, ohne dass der Erkrankte dies Kontrollieren kann. Was steckt hinter dieser psychischen Krankheit? Wie fühlt sich ein Mensch, der manisch-depressiv ist und was kann man tun?

Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung manisch-depressiv. Eine bipolare Störung kann beide Geschlechter gleichermaßen betreffen. Obwohl die psychische Erkrankung oft erst später diagnostiziert wird, tritt die erste Episode der Krankheit häufig um das 18. Lebensjahr auf. Sie nimmt einen episodischen und chronischen Verlauf und die Stimmungsschwankungen treten unabhängig von der Lebenssituation auf. Eine manische Depression entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schleichend.

Wie zeigt sich eine bipolare Störung?

Wir alle sind gelegentlichen Stimmungsschwankungen unterlegen. Bessere Tage wechseln sich mit schlechteren ab und dementsprechend sind wir auch nicht immer gleich gut aufgelegt. Bei einem manisch-depressiven Menschen hingegen wechselt die Stimmung von einem Extrem zum anderen. Sie sind getrieben zwischen Manie und Depression. Befindet sich die Person in der Manie, hat sie ein übersteigertes Hochgefühl, ist überaktiv, gereizt oder euphorisch. Nach dieser Phase kommt die Depression. Dabei fühlt sich der Erkrankte getrübt, antriebslos und traurig. Zwischen diesen beiden extremen Stimmungen gibt es auch einen unauffälligen Normalzustand. Ein unipolare Depression hingegen zeigt sich ohne jegliche manische Phasen.

Wie verläuft eine bipolare Störung?

Ein manisch-depressiver Mensch durchlebt verschiedene Episoden:

Depressive Phase (Dauer ≥ 2 Wochen)

Befindet sich der Erkrankte in der depressiven Phase, äußert sich das gleich wie bei einer “gewöhnlichen” oder unipolaren Depression.

  • gedrückte Stimmung
  • Verlust an Freude und Interesse
  • Schuldgefühle
  • sozialer Rückzug
  • Schlafstörungen

Manische Phase (Dauer ≥ 1 Woche)

In der manischen Episode befinden sich Betroffene grundlos in einer extrem guten Stimmung. Weitere Anzeichen sind:

  • schwanken zwischen Heiterkeit und Gereiztheit
  • Überaktivität, Rastlosigkeit und Bewegungsdrang
  • Größenwahn
  • Redeschwall
  • vermindertes Schlafbedürfnis
  • maßlose Selbstüberschätzung

Hypomanie (Dauer ≥ 4 Tage)

Diese Episode zeigt sich bei der bipolaren Störung ähnlich wie die Manie. Die Symptome sind jedoch schwächer und dauern kürzer an. Die Betroffenen und ihr Alltag leiden somit nicht darunter. In dieser Phase fühlen sie sich vital, kreativ und leistungsfähig.

Mischzustand

Dabei wechselt die Stimmung zwischen Manie und Depression. Dies geschieht innerhalb von Stunden, wobei die beiden Gemütslagen auch zeitgleich vorkommen können. In einem Mischzustand ist die Selbstmordgefahr besonders hoch.

Hier finden Sie noch eine Gegenüberstellung zwischen Manie und Depression:

bipolare störung manisch depressiv

Wie entsteht eine bipolare Störung?

Bei der Entstehung einer manische depressiven Erkrankung können mehrere Faktoren ursächlich sein.

Biologische Einflüsse

Die Funktion des Hirnstoffwechsels ist bei der bipolaren Depression gestört. Zwischen den Botenstoffen Dopamin, GABA, Noradrenalin und Serotonin herrscht ein Ungleichgewicht. Außerdem wurden bei Untersuchungen Veränderungen im limbischen System festgestellt. In diesem Gehirnbereich werden Emotionen empfunden und verarbeitet.

Genetische Faktoren und bipolare Störung

Eine manische Depression ist nicht per se vererbbar. Dennoch treten bei Verwandten ersten Grades bipolare Störungen sieben Mal öfter auf. Ein direkter Nachkomme erleidet mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit dieselbe Störung. Sind beide Elternteile erkrankt, erhöht sich das Risiko sogar auf etwa 40 bis 50 Prozent.

Psychosoziale Einflüsse

Es gibt einige soziale Faktoren, welche die Entstehung einer manisch depressiven Erkrankung begünstigen:

  • Trauerfälle
  • schwere körperliche Krankheiten
  • sexueller Missbrauch
  • psychosozialer Stress (privat/beruflich)

Deshalb ist eine gesunde Lebensführung sehr wichtig, um Präventivmaßnahmen zu ergreifen.

Wie wird eine bipolare Störung diagnostiziert?

Eine bipolare Depression wird häufig erst zwischen fünf und zehn Jahren nach Beginn diagnostiziert. Wichtig sind nicht die aktuellen Beschwerden, sondern die Krankheitsgeschichte. Dabei kommen häufig strukturierte Fragebögen zum Einsatz. Wenn es zum ersten Mal zu einer depressiven Episode kommt, kann noch nicht gesagt werden, ob es sich um eine uni- oder bipolare affektive Störung handelt. Rund 25 Prozent durchlaufen in den folgenden neun Jahren auch eine manische oder hypomanische Phase. Da die Symptome einer Manie auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, müssen körperliche Ursachen ausgeschlossen werden.

Wie wird eine bipolare Störung behandelt?

Wenn jemand manisch-depressiv ist, begleitet ihn dies ein Leben lang. Deshalb ist auch anzuraten, sich helfen zu lassen. In manischen Episoden ist es besonders schwierig, dass Betroffene Krankheitseinsicht zeigen. Der Weg zur Therapie ist oft ein langer. Häufig wird eine Kombination aus medikamentöser Therapie und Psychotherapie eingesetzt. Außerdem Wach- und Elektrokrampftherapie. Hierbei ist auch wichtig zu erwähnen, dass bereits die Frühwarnzeichen einer manischen oder depressiven Episode gedeutet werden können. Dies kann dazu genutzt werden, um Vorbeugemaßnahmen zu treffen.

Auch wenn eine bipolare Depression ein lebenslanger Begleiter ist: Es gibt Möglichkeiten, sich diesen Wegbegleiter so angenehm wie möglich zu erziehen. Psychotherapie, Austausch mit anderen Betroffenen und auch eine medikamentöse Behandlung helfen dabei. Gestalten Sie Ihr Leben lebenswert und gestehen Sie sich zu, dass Sie nicht alles allein schaffen müssen.

Quelle: 
https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/bipolare-erkrankungen/was-ist-eine-bipolare-erkrankung/
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/depression/bipolare-stoerung-symptome
https://www.netdoktor.at/krankheit/bipolare-stoerung-7526
https://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_St%C3%B6rung
https://www.icd-code.de/icd/code/F31.-.html

 

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