Navigation überspringen
Instahelp

Schönheit – warum wir schöner sind, als wir glauben

6 min Lesezeit

Was ist schön? Was ist hässlich? Lässt sich über Geschmack streiten oder gilt nur das als schön, was uns die Medien als schön verkaufen? Es scheint fast so und das ist tragisch, denn noch nie wurden wir permanent auf allen Kanälen mit so viel Schönheit konfrontiert. Ob Zeitschrift, Fernsehen oder Social Media – Schönheit lauert überall. Nicht mal das Wartehäuschen an der Bushaltestelle taugt zum Verschnaufen, denn auch dort wartet garantiert die nächste, großformatig plakatierte Schönheit auf uns. Das bleibt nicht ohne Folgen, denn angesichts all dieser Schönheiten denken viele: „Ich finde mich hässlich!“.

Warum wir schöner sind als wir glauben

Schönheit ist machbar

Christiane Zschirnt hat für ihr Buch „Wir sind schön“ Gespräche mit verschiedenen Frauen geführt und alle gaben zu, sich durch den Zwang zur Schönheit unter Druck gesetzt zu fühlen und sich bei dem Gedanken „ich fühle mich hässlich“ zu erwischen. Für viele Frauen war das sogar gleichbedeutend mit einer Einschränkung der Lebensqualität. Kein Wunder, wenn die ersten Sonnentage im Frühling nicht mehr für Spaß und Leichtigkeit stehen, sondern eine Mahnung sind, den Körper schnell mit Sport und Diät in Form zu bringen. Ein hässlicher Körper im Sommer? Für Viele ein No-Go. Und vor dem Griff zum leichten Kleid doch gefälligst erst ein wenig Selbstbräuner für den perfekten Bräunungsgrad aufzulegen. Christiane Zschirnt schreibt:

Wenig verunsichert die gestandene Powerfrau so sehr wie die Befürchtung, nicht gut auszusehen. Nichts kränkt das Alphamädchen so sehr, wie in den Verdacht zu geraten, nicht sexy zu sein. Kaum etwas setzt der „starken Frau“ so stark zu wie ein sichtlich geblähter Bauch.

Christiane Zschirnt, „Wir sind schön: Plädoyer für eine gelassene Weiblichkeit“

Doch was ist ein Blähbauch verglichen mit Falten, nachlassendem Bindegewebe oder Körperteilen, die nicht der Schönheitsnorm entsprechen? Nur gut, dass es Cremes, kostspielige Beautybehandlungen oder zur Not auch das Skalpell gibt, um der Schönheit auf die Sprunge zu helfen. Und das ist wohl nötig, weil der schöne Schein immer wichtiger wird.

Schönheit als Leistung

Laut Trendforscherin Europa Bendig steht die Forderung, schlank und gestylt zu sein, in der Schönheitshierarchie ganz oben. Der Grund dafür ist einfach:

Heute ist ein dicker Bauch Ausdruck falschen Konsumverhaltens falscher Lebensweise, falscher Entscheidungen, mangelnder Kontrollfähigkeit und damit mangelnder Managementfähigkeiten.

 
So schreibt Waltraud Posch in „Projekt Körper“. Wer einer bestimmten Gesellschaftsschicht angehören möchte, kommt also nicht umhin, sich den dort geltenden Schönheitsmaßstäben anzupassen. Ernüchternd: Die Akzeptanz gegenüber unvollkommenen Körpern schwindet, so Waltraud Posch.

Unerreichbare Schönheit

Je schöner, desto besser. Dumm nur, dass das, was wir mittlerweile für schön halten, weil wir es für schön halten sollen, nicht mehr viel mit der Realität zu tun hat.

  • Irreführende Idealbilder: Die Messlatte für Schönheit liegt dank Bildbearbeitung und ästhetischer Chirurgie nicht nur unerreichbar hoch, der zum Ideal stilisierte Körper ist für Normalsterbliche auch unerreichbar. Beim begehrten, mittels Bildbearbeitung optimierten „Tits on Sticks“-Look sitzt der weibliche und vollbusige Oberkörper auf einem extrem schmalhüftigen Unterkörper, der in etwa dem Entwicklungsstand eines zwölfjährigen Jungen (exklusive äußerer Geschlechtsmerkmale) entspricht.

  • Bambi-Effekt: Das ideale Gesicht strahlt Reife und Kindlichkeit zugleich aus. Wenig überraschend schnitten in Tests die Gesichter als besonders attraktiv ab, denen ein „Kindchenanteil“ von 10 – 50 Prozent beigefügt wurde. Ein Gesicht, das so in der Realität nicht zu finden ist.

  • Perfekte Haut: Selbst die besten Make-up-Artists werden am lebenden Objekt nie eine so ebenmäßige Haut vortäuschen können, wie es ein Computerprogramm schafft. Kunststück, denn beim Morphing werden künstlich erzeugte Gesichter mehrmals übereinander gelegt. Heraus kommen Gesichter, die wir als schön empfinden. Und die zu schön sind, um wahr zu sein.

Normale Schönheit hat das Nachsehen

Unter dem Dauerbeschuss perfekt retuschierter und in Szene gesetzter Schönheiten wirkt die normale Frau plötzlich unattraktiv. Also wird sie alles daran setzen, einem unerreichbaren Ideal nahezukommen. Vergeblich.

Die Chance eines jungen Mädchens, so auszusehen wie ein mit Photoshop bearbeitetes Topmodel, liegt bei etwa 0,1 Prozent.

Wie wahrscheinlich ist es da wohl, dass eine erwachsene Frau so aussieht? Nichtsdestotrotz vergleichen sich unzählige Frauen wider besseren Wissens mit irreführenden Idealbildern. Um stets den Kürzeren zu ziehen.

Schönheit – zwischen Schein und Sein

Obwohl wir wissen, dass die computeroptimierte oder von chirurgischer Hand verfeinerte Schönheit nicht echt ist, wird sie unsere Wahrnehmung verändern. Weil wir nicht verhindern können, dass wir beispielsweise eine Toleranz gegenüber gebotoxten und gelifteten Gesichtern entwickeln werden. Sagt zumindest Arzt und Autor Ulrich Renz. Schwere Zeiten für normale Schönheiten? Nicht unbedingt.

Trendforscherin Bendig prophezeit, dass Ausstrahlung, Persönlichkeit und Charakter in Zukunft wichtiger werden als ein Äußeres, das einem bestimmten ästhetischen Ideal entspricht. [3] Das lässt doch hoffen. Vielleicht setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass eine perfekte Fassade nicht genug ist und dass wahre Schönheit nicht nur von innen kommt, sondern auch voller Leben ist. Und das Leben hinterlässt nun mal Spuren. Sorgen wir dafür, dass es Lachfältchen sind und keine Frustfalten, weil wir uns zu oft mit unerreichbaren Idealen verglichen haben.

Psychologische Beratung zum Thema Schönheit

In der psychologischen Beratung kannst du mit deinem:r Psycholog:in über das Thema Schönheit sprechen. Die Psychologin bzw. der Psychologe kann dir dabei helfen, deinen Selbstwert zu steigern und an deinem Selbstbild zu arbeiten. Denn: Jeder Mensch ist auf seine eigene Art und Weise schön. Finde hier die Psychologin oder den Psychologen, die oder der zu dir passt und dir dabei hilft, deine Schönheit zu entdecken.

Quellen

  1. Christiane Zschirnt, „Wir sind schön: Plädoyer für eine gelassene Weiblichkeit“
  2. Ildikó von Kürthy, „Neuland“
  3. Rebekka Reinhard, „Schön!“

iStock/RuslanGuzov

Verwandte Artikel

Selbstwert

Ich bin dann mal offline: Über Ablenkungen und Digital Detox

Brauchte ein Brief von Berlin nach San Francisco einst 80 Tage, sind es heute 40 Stunden. Doch wer schreibt noch Briefe? Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts hat sich diesbezüglich einiges getan. Und mittlerweile ermöglichen E-Mails, Messenger-Dienste oder soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook und Instagram Kommunikation auf Echtzeit-Niveau, auch zwischen Berlin und San Francisco. Was ja per se nicht schlecht ist. Gäbe es da nicht die Erwartungshaltung, dass wir eben auch in Echtzeit kommunizieren müssen. Auf allen Kanälen. Und genau das verursacht Stress, denn die damit verbundenen Ablenkungen machen uns zu schaffen.

Selbstwert

18 gute Gründe, warum Sie toll sind, wie Sie sind

Egal, ob etwas gut gelungen ist oder nicht – warum ist bloß der innere Kritiker immer der Erste, der sich meldet? Schluss damit: Ab jetzt hat er nichts mehr zu sagen. Weil Sie selber wissen, dass Sie toll sind, wie Sie sind. Aus diesen 18 Gründen für mehr Selbstbewusstsein!

Selbstwert

Warum haben wir Angst vor Kritik?

Im Alltag erleben wir Situationen in denen wir kritisiert werden: sei es im Berufsleben, wenn die Arbeitsleistung nicht entspricht oder im Privatleben, wenn der Partner keine Zeit für Unternehmungen hat. Hinter der Angst vor Kritik verbirgt sich das Gefühl der Zurückweisung und Ablehnung.

Alle Artikel