Burnout

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Burnout ist eine immer häufiger auftretende Störung. Die Heilungschancen sind umso größer, je eher professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird.
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Das Burnout-Syndrom ist keine eigene Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für alle Formen psychischer Erschöpfungszustände. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) klassifiziert Burnout unter „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensführung“. Betroffen sind in erster Linie Menschen, die zu Perfektionismus neigen und hohe Ansprüche an sich selber haben. Burnout tritt nicht plötzlich ein, vielmehr werden nach und nach die gesundheitlichen Probleme und Beschwerden, die mit dem Ausgebranntsein einhergehen, immer gravierender. Das Leiden durchläuft in aller Regel zwölf Stadien, je früher Hilfe in Anspruch genommen wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Ursachen und Häufigkeit

Jeder fünfte Werktätige erlebt Phasen des Ausgebranntseins. Die wichtigste Ursache: Der Beruf ist wichtiger als alles andere.

Als Begriff ist „burn out“ ein wenig irreführend, weil es einen lichterlohen Großbrand wie nach einer Explosion suggeriert. In Wahrheit ist der Weg in die Krankheit ein schleichender Prozess, der eher einem Schwelbrand gleicht. Das typische Muster, kurz zusammengefasst: Der Beruf wird wichtiger als alles andere, nimmt überhand und füllt das ganze Bewusstsein. Am Anfang ist das angenehm, weil man mit sich und dem Geschaffenen zufrieden ist, positiv auffällt, eventuell Lob und Anerkennung einheimst. Die Folgen: Der Terminkalender ist immer wieder überfüllt, plötzlich werden private Termine abgesagt, statt am Wochenende auszuspannen, wird das Meeting für Montag vorbereitet oder die Steuererklärung gemacht. Der Satz „Das mach ich lieber selbst“ steht oft am Anfang einer klassischen Erschöpfungskarriere. Langsam schleichen sich Probleme ein, im Privatleben etwa, und werden konsequent umschifft; die verbleibende Restenergie wird weiter in die Arbeit gesteckt. In dieser Phase, wissen Experten, ist kaum ein Burnout-Kandidat in der Lage, die beginnende Krise zu erkennen. Anders als bei normaler Müdigkeit und Erschöpfung liegt das Gefährliche am Burnout-Syndrom darin, dass die Fähigkeit zur Regeneration immer mehr verlorengeht. Am Ende sind die Akkus völlig leer – und können nicht mehr aufgeladen werden. Rückzug, Selbstmitleid, innere Leere bis hin zu schweren Depressionen sind die Folge. Experten schätzen, dass bis zu 20 Prozent der Erwerbstätigen Burnout-ähnliche Phasen durchlaufen oder durchlaufen haben.

Beschwerden

Die Erschöpfungszustände werden nach und nach immer schlimmer – bis ein Gefühl der inneren Leere überhandnimmt.

Burnout wurde und wird in der Fachliteratur ausgiebig beschrieben. Das Leiden durchläuft in aller Regel zwölf klassische Stadien. Ab Stadium 7 sprechen Psychologen von „krankheitswertigen Symptomen“.

Stadium 1: Der Zwang, sich zu beweisen
  • besondere Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit
  • erhöhte Erwartungen an sich selbst
  • Übersehen eigener Grenzen und Zurückstellen eigener Bedürfnisse

Stadium 2: Verstärkter Einsatz
  • besondere Bereitschaft zur Übernahme von neuen Aufgaben
  • freiwillige Mehrarbeit und unbezahlte Überstunden, auch an freien Tagen, am Wochenende und in der Urlaubszeit
  • Gefühl der Unentbehrlichkeit

Stadium 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: „Ich habe keine Zeit!“
  • chronische Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  • Mehrkonsum von Kaffee, Aufputschmitteln bzw. Zigaretten
  • gelegentliche Schlafstörungen

Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
  • Fehlleistungen, wie z. B. Termine vergessen, versprochene Arbeiten nicht erledigen, Ungenauigkeit
  • deutliche Schlafstörungen, Unausgeschlafenheit, Energiemangel, Schwächegefühl
  • Aufgabe von Hobbys

Stadium 5: Umdeutung von Werten
  • Abstumpfung und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Meidung privater Kontakte, die als belastend empfunden werden
  • Probleme mit dem Partner mit Zeichen des Beziehungs-Burnout

Stadium 6: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme
  • Gefühl mangelnder Anerkennung, Desillusionierung
  • Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen, Arbeitseinstellung, die als innere Kündigung bezeichnet werden kann
  • vermehrte Fehlzeiten, verspäteter Arbeitsbeginn, vorverlegter Arbeitsschluss

Stadium 7: Endgültiger Rückzug
  • Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit, Ohnmachtsgefühle, innere Leere
  • Ersatzbefriedigung durch Essen, Alkohol, Drogen, Glücksspiele, Sexualität
  • Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, Ungenauigkeit, Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit
  • Psychosomatische Reaktionen wie Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen, Bluthochdruck

Stadium 8: Deutliche Verhaltensänderung
  • Eigenbrötelei, Selbstmitleid, Einsamkeit: ärgerliche Reaktionen auf gut gemeinte Zuwendung
  • verringerte Initiative – verringerte Produktivität: Dienst nach Vorschrift
  • Verflachung des emotionalen Lebens: Gleichgültigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Verflachung des sozialen Lebens: wenig persönliche Anteilnahme an anderen, gleichzeitig exzessive Bindung an Einzelne, Meidung beruflich-sozialer Kontakte

Stadium 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
  • Entfremdung, Gefühl des Abgestorbenseins und innere Leere
  • automatenhaftes Funktionieren
  • Psychosomatische Reaktionen treten noch mehr in den Vordergrund

Stadium 10: Innere Leere
  • Wechsel zwischen starken, schmerzhaften Emotionen und dem Gefühl des inneren Abgestorbenseins
  • Angstzustände, Panikattacken und Angst vor Menschen
  • Eigenbröteleien, Einsamkeit, negative Einstellung zum Leben
  • fallweise exzessive sinnliche Befriedigung, z. B. Kaufräusche, Fressattacken, exzessiver Sex ohne wirkliche Befriedigung

Stadium 11: Depression und Erschöpfung
  • negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit
  • Erschöpfung, starker Wunsch nach Dauerschlaf
  • existenzielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken und -absichten

Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung
  • lebensgefährliche geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung
  • angegriffenes Immunsystem, Herz-Kreislauferkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen
  • Selbstmordgefahr

Vorbeugung

„Das mach ich lieber selbst.“ Dieser Satz steht oft am Anfang einer klassischen Erschöpfungskarriere. Hier ist ein Umdenken sinnvoll – auch andere Menschen liefern zufriedenstellende Arbeit. Sorgsam mit seiner Zeit umzugehen und den Sinnspruch „Arbeiten, um zu leben, und nicht leben, um zu arbeiten“ zu beherzigen, kann dazu beitragen, nicht ins Burnout zu schlittern.

Diagnose

Spätestens wenn Schlafstörungen, gekoppelt mit Erschöpfung und Schwächegefühlen auftreten, ist es Zeit, einen Arzt aufzusuchen, obwohl sich gerade Menschen am Rande des Burnout schwertun, Hilfe anzunehmen. Um körperliche Erkrankungen auszuschließen, werden eventuell verschiedene Untersuchungen durchgeführt.

Behandlung

Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die von spezialisierten Ärzten, Psychotherapeuten und/oder Psychologen begleitet werden. Je nach den Beschwerden werden eventuell Medikamente gegen Schlafstörungen oder depressionslindernde Arzneimittel zum Einsatz kommen.

Psychotherapeutische Behandlung

Das Ziel ist, dass der Betroffene selbst einen Weg findet, seine Probleme zu lösen, verschiedene psychotherapeutische Methoden können dabei unterstützen. Bewährt hat sich die kognitive Verhaltenstherapie, die an Denk- und Handlungsmustern arbeitet, die ins Ausgebranntsein geführt haben.

Zeitmanagement

Mit der eigenen Zeit wertschätzend umzugehen und Stressmanagement zu erlernen, ist für Personen, die an Burnout leiden, besonders wichtig. Spezielle Seminare, die von verschiedenen Stellen angeboten werden, helfen dabei, Prioritäten zu setzen, Stressfaktoren zu erkennen und auszuschalten und das Leben gelassener anzugehen.

Entspannungstraining

Wer keinen Ausgleich zu den täglichen Anforderungen findet, riskiert, wieder ins Burnout zu rutschen. Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga oder auch einfache Atemübungen helfen dabei, sich für eine Weile geistig von der hektischen Welt zurückzuziehen.

Selbsthilfe

Zeit für sich selbst zu nehmen und bewusst nicht immer erreichbar zu sein, ist eine wirksame Vorbeugung.

  • Nutzen Sie Freiräume. Ein halbes oder ganzes Jahr Pause lädt nicht nur die Batterien wieder auf, sondern ermöglicht nach langer Zeit auch einen neuen, kritischen Blick auf das eigene Tun. Nicht selten steht nach so einer Ruhephase eine völlige Neuorientierung an.
  • Gehen Sie sorgsam mit Ihrer Freizeit um. Experten orten inzwischen einen Trend zum Freizeitstress. Immer mehr Aktivität, Abenteuerurlaub, aufwändige Reisen à la „Ganz China in 14 Tagen“ lassen oft keine wirkliche Erholung zu.
  • Verlieren Sie Ihr Leben nicht aus den Augen. Um aus einem Burnout wieder herauszukommen, verordnen Experten ihren Klienten Abstand von der Arbeit und ermuntern sie gleichzeitig zur Aktivität an anderen Fronten. Oft fällt es den Betroffenen allerdings bereits schwer, Freude an Kultur, Sport, Hobbys und dem Zusammensein mit Freunden und der Familie zu empfinden. Besser ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.
  • Schalten Sie ab. Und zwar alle digitalen Geräte – Handy, Tablet, Computer, und was sonst noch piepst. „Digital Detox“ nennen Fachleute das, digitale Entgiftung. Es braucht ein wenig Überwindung, nicht mehr dauernd auf dem Laufenden zu sein. Aber danach setzt Entspannung ein.


Wie kluge Chefs dem Burnout vorbeugen

Mit 1. Jänner 2013 trat in Österreich eine Novelle zum Arbeitnehmerschutzgesetz in Kraft. Sie stellt einerseits klar, dass unter Gefahren am Arbeitsplatz neben körperlichen auch psychische Belastungen gemeint sind. Zudem ist eine Arbeitsplatzevaluierung vorgeschrieben. Im Zuge dieser Evaluierung ist zu prüfen, ob arbeitsbedingte physische und psychische Belastungen vorliegen, die zu Fehlbeanspruchungen der Mitarbeiter führen können. Überdies müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, diese Belastungen zu reduzieren.

Überstunden limitieren

Schon davor gab es einige Unternehmen, vor allem in den gefährdeten Branchen der New Economy, die die Anzahl der Überstunden limitieren. Wer das Limit überschreitet, muss beim Personalchef oder einer anderen Vertrauensperson vorstellig werden. Manche Betriebe untersagen ihren Mitarbeitern auch, am Wochenende ins Büro zu kommen oder schalten Mailserver in den Abendstunden und am Wochenende ab.

Für gutes Arbeitsklima sorgen

Menschen unter Stress haben wenig Abstand zu sich selbst und entwickeln negative Gefühle und Charaktereigenschaften. Sie gehen wenig sorgsam mit anderen um, was unter dem Strich ein problematisches Betriebsklima – und damit noch mehr Stress für alle – schafft. Diese Spirale zu durchbrechen lohnt sich. Wo Platz für Kommunikation geschaffen wird, Regenerationszonen eingerichtet werden und in Krisenfällen ein Ansprechpartner zur Verfügung steht, wird den Mitarbeitern signalisiert: „Arbeit ist nicht alles.“
Weitsichtige Unternehmen bieten zumindest dem oberen und mittleren Management Coaching- oder Supervisionsstunden mit externen Experten an. Solche „Sparringpartner“ können helfen, verfahrene Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, und ein wichtiges Korrektiv zum drohenden Burnout sein.

Ausgleichssport fördern

Immer beliebter wird die Förderung sportlicher Aktivitäten. Regelmäßige Trainingsangebote oder auch die gemeinsame Vorbereitung für einen Team-Staffel-Marathon tragen zur körperlichen Fitness bei, schaffen einen effizienten Ausgleich zur Kopfarbeit und fördern außerdem noch den Teamgeist. Überforderung entsteht nicht nur durch zu viel Arbeit, sondern sehr oft auch durch zu wenig Information. Wer das Gefühl hat, das Ganze aus den Augen zu verlieren, nicht weiß, für welche Ziele er arbeitet oder wie schlimm es um die Firma wirklich steht, hat zusätzlichen Stress. Einige Firmen haben aus diesem Grund ein „open house“, eine Art firmeninterne Informationsbörse eingerichtet, wo kompetente Ansprechpartner Rede und Antwort stehen.

Eigene Ressourcen nützen

Beratungsunternehmen aller Art boomen, und wer exzessiv externes Know-how einkauft, vergisst allzu oft, die eigenen Ressourcen zu nützen. Das ist nicht nur teuer, sondern führt bei den eigenen Mitarbeitern auch zu Frustration und Stress. Bewährt hat sich oft ein Mix. So können etwa bei einem Seminar über den Umgang mit schwierigen Kunden externe Berater neue Impulse und die betroffenen Shopleiter ihre Erfahrung einbringen. Zu viel Arbeit ist ein Faktor für Burnout; dass die eigenen Leistungen zu wenig geschätzt werden, der zweite. Lob, Anerkennung, positive Kritik und die Beteiligung am Erfolg sind ganz wichtige Ausgleichsfaktoren für die Belastung und schaffen Antwort auf die Sinnfrage.



Redakteur: Christian Skalnik (Journalist)
Aktualisierung: 12.11.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Medizinisches Review: Priv.-Doz. Dr. rer. Med. Dipl.-Psych. Jochen Jordan (Psychologie), Dr. Ursula Pueringer (Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Public Health)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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