Zwangsstörungen

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Zwangsstörungen können sich in verschiedener Weise zeigen – als wiederholt ausgeführte Handlungen oder als immer wiederkehrende Gedanken. Rund drei von 100 Menschen sind davon betroffen, Kinder häufiger als Erwachsene, allerdings ist die Störung bei Kindern meist vorübergehend, bei Erwachsenen wird sie oft chronisch. Die willkürlich nicht steuerbaren Zwänge schränken die Lebensqualität stark ein. Mit kognitiver Verhaltenstherapie sind Zwangsstörungen gut zu behandeln, Antidepressiva können die Symptome lindern.

Ursachen und Häufigkeit

Zwangsstörungen gehören zu den Angststörungen und damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.

Zwangsstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, sie werden zu den Angststörungen gezählt. Rund drei Prozent der Bevölkerung leiden daran, Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen.

Bei Kindern treten Zwangshandlungen noch weitaus häufiger auf. Jedes dritte Kind entwickelt Ticks – nur auf jeden zweiten Pflasterstein zu treten, Gesichter zu schneiden –, doch das geht in den meisten Fällen nach einer kurzen Phase von selbst vorbei, echte Zwangsstörungen sind seltener. Bei jedem fünften Erwachsenen mit Zwangsstörungen sind die wiederkehrenden Gedanken oder Handlungen jedoch bereits im Kindesalter erstmals aufgetreten.

Warum manche Menschen Zwangsstörungen entwickeln, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich spielen belastende Lebensereignisse – etwa ein Unfall oder Missbrauch – als Auslöser eine Rolle. Die Betroffenen scheinen auch mit bestimmten Emotionen wie Angst oder Aggression nicht gut umgehen zu können. Um diese unangenehmen Gefühle zu übertünchen, gewöhnen sie sich gewisse Rituale an, die schließlich zu Zwangshandlungen werden.

Bestimmte Eigenschaften, beispielsweise ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, ein Hang zu Perfektionismus und Leistungsstreben, sind bei Betroffenen häufiger als bei anderen Menschen, müssen jedoch nicht ursächlich an der Entstehung der Zwänge beteiligt sein. Zwar kann die Krankheit nicht vererbt werden, es gibt jedoch eine familiäre Häufung.

Folgeerkrankungen

Menschen mit Waschzwang können Probleme mit der Haut bekommen.

Bei Menschen mit Reinigungs- und Waschzwang kann die Haut, vor allem die der Hände, so strapaziert werden, dass sie aufreißt, schmerzt und sich entzündet. Durch das fortgesetzte Waschen und Desinfizieren kann die Haut auch nicht mehr heilen.

Kinder mit Zwangsstörungen stehen unter großem Stress und ihre psychosoziale Entwicklung kann unterbrochen sein.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist nicht möglich.

Beschwerden

Es gibt viel verschiedene Formen von Zwängen.

Zwangsstörungen können in vielerlei Formen auftreten. Gemeinsam ist ihnen, dass die Betroffenen sich gegen die sich wiederholenden Gedanken oder Handlungsimpulse nicht wehren können, sie sind stärker als sie selbst. Diese Zwänge begleiten sie ständig, tagaus, tagein. Sie können in ihrer Heftigkeit variieren, doch völlig zwangfreie Phasen über mehrere Tage oder Wochen kommen so gut wie nie vor. Versuchen die Betroffenen, ihre Zwangshandlungen oder -gedanken willentlich zu unterdrücken, fühlen sie sich angespannt und nervös, und die Angst, die sie durch ihre Zwänge im Zaum zu halten versuchen, übermannt sie.

Die Zwänge entstehen nach und nach, erst wenn sie das alltägliche Leben einschränken, die Partnerschaft oder die berufliche Leistung darunter leidet, wird den Betroffenen bewusst, dass etwas nicht stimmt. Zwangsstörungen gehen nicht selten mit anderen psychischen Krankheiten einher, etwa mit Depressionen.

Reinigungs- und Waschzwänge

Der unkontrollierbare Drang, sich selbst, die Wohnung und Gegenstände des täglichen Gebrauchs zu waschen, zu reinigen, zu desinfizieren, ist der häufigste Zwang. Die Betroffenen fürchten sich vor Keimen aller Art, vor Verunreinigungen und Staub, vor Körpersäften und sind, selbst mit frisch gewaschenen Händen, überzeugt, Krankheitserreger und Schmutz an den Fingern zu haben. Die Vorgangsweise des Waschens, Säuberns und Putzens läuft wie ein Ritual ab und wird mechanisch immer und immer wieder wiederholt. Die Angst, schmutzig zu werden oder sich anzustecken wird mitunter so groß, dass die Betroffenen sich mehr und mehr zurückziehen und den Kontakt mit anderen Menschen meiden.

Kontrollzwänge

Menschen mit Kontrollzwängen fürchten sich davor, etwas falsch zu machen oder dass durch ihre Nachlässigkeit ein Unglück geschehen könnte. Sie müssen sich immer wieder davon überzeugen, den Herd oder das Bügeleisen abgeschaltet zu haben, weil andernfalls die Wohnung in Brand geraten könnte. Sie kontrollieren immer und immer wieder, ob die Handbremse angezogen, der Wasserhahn abgedreht und die Wohnungstür versperrt ist. Doch auch dann sind sie noch nicht beruhigt – ein paar Minuten später meldet sich der Zweifel und sie machen kehrt, um alles noch einmal zu überprüfen.

In ihrer Arbeit gelingt es ihnen kaum, Termine einzuhalten, weil sie sich immer wieder vergewissern müssen, alle Aufgaben erledigt, alle Punkte berücksichtigt und sämtliche Telefonate geführt zu haben. Auch in ihrem Privatleben gehören sie zu den Unpünktlichen, weil sie der Kontrollzwang davon abhält, rechtzeitig das Haus zu verlassen.

Wiederhol- und Zählzwänge

Menschen mit Wiederhol- oder Zählzwang stellen für sich selbst strenge Regeln auf, wie oft sie eine Handlung vollführen oder bis zu welcher Zahl sie bestimmte Gegenstände abzählen müssen. Sie fürchten sich davor, dass etwas Schlimmes passiert, wenn sie dieses Zählritual nicht einhalten.

Sammelzwänge

Längst nicht mehr passende Kleidungsstücke, Zeitungen, Plastiksäcke, kaputte Elektrogeräte – alles häuft sich in den Wohnungen von Menschen mit Sammelzwang. Sie können sich von nichts trennen, weil sie fürchten, etwas Wertvolles wegzuwerfen. Auch Menschen mit Sammelzwang ziehen sich aus der Gesellschaft zurück, sie wollen niemanden mehr in ihr Zuhause lassen; manche verwahrlosen, weil sie auch den Müll nicht wegwerfen können.

Ordnungszwänge

Ein Ordnungszwang veranlasst die Betroffenen dazu, an ihrem Arbeitsplatz, in ihrer Wohnung, um sie herum alles perfekt in Reih und Glied zu bringen. Sie werden unruhig und ungehalten, wenn etwas oder jemand diese ihre Ordnung stört, die sie sofort wiederherstellen müssen.

Zwangsgedanken

Zwar sind sich unkontrolliert wiederholende Gedanken ein Merkmal aller Zwangserkrankungen, es gibt jedoch auch Menschen, die ausschließlich von Zwangsgedanken geplagt werden. Sie müssen immer wieder daran denken, jemanden verletzen zu können, jemanden zu beschimpfen oder sexuell zu bedrängen. Sie fürchten sich davor, dass sich diese Vorstellungen verwirklichen könnten – was allerdings nie geschieht –, und zuweilen wird Endlosschleife der Gedanken so penetrant, dass sich die Betroffenen kaum noch auf anderes konzentrieren können.

Diagnose

Trotz des Leidensdrucks dauert es oft sieben bis zehn Jahre bis zur Diagnose.

Obwohl der Leidensdruck bei den meisten Betroffenen groß ist, dauert es doch sieben bis zehn Jahre, bis sie professionelle Hilfe suchen. Das liegt vor allem daran, dass es ihnen peinlich ist, sich jemandem anzuvertrauen und über ihre Qual zu sprechen. Um die Krankheit zu diagnostizieren, wird der Arzt oder die Therapeutin viele Fragen über Inhalt und Häufigkeit der Zwänge stellen.

Behandlung

Mithilfe verschiedener Maßnahmen lassen sich Zwänge unter Kontrolle bringen.

Eine vollständige Heilung gibt es nicht, aber mit den entsprechenden Maßnahmen lassen sich die Zwänge unter Kontrolle bringen, sodass der Alltag wieder bewältigt werden kann. Bei Jugendlichen haben Studien gezeigt, dass die Symptome ohne Behandlung nach fünf Jahren bei vier von zehn Betroffenen zurückgingen. Es gibt jedoch keine Anzeichen, die vorhersagen, bei wem das der Fall sein wird.

Psychotherapeutische Behandlung

Vergleichsstudien haben erbracht, dass die kognitive Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen gut wirkt, und zwar sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Die Therapie kann vor allem am Anfang belastend sein, weil sich die Betroffenen ihren Zwängen stellen müssen; zudem ist auch Geduld notwendig. Etliche Sitzungen sind notwendig, ehe die Symptome verschwinden.

Über die Wirksamkeit anderer Formen der Psychotherapie wie psychodynamischer oder klientenzentrierter Therapie gibt es keine aussagekräftigen Studien.

Medikamentöse Behandlung

Antidepressiva der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) haben sich in Studien als wirksam zur Behandlung von Zwangsstörungen herausgestellt, jedoch wesentlich weniger als die Psychotherapie. Solide wissenschaftliche Nachweise für die Dauer der Wirksamkeit der medikamentösen Therapie gibt es nur bis zu einem Jahr nach Behandlungsende. Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind häufige Nebenwirkungen. In manchen Fällen – vor allem wenn der oder die Betroffene gleichzeitig unter Depressionen leidet – kann es sinnvoll sein, die psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung zu kombinieren.

Bei Kindern und Jugendlichen können SSRI Selbstmordgedanken und selbstschädigendes Verhalten verursachen. Es ist deshalb wichtig, dass Kinder und Jugendliche während einer medikamentösen Therapie engmaschig betreut werden.

Meditation und Yoga

Menschen mit Zwangsstörungen berichten, dass ihnen Meditation oder Kundalini-Yoga gegen ihre Ängste hilft. Studien, die dazu durchgeführt wurden, sind in ihren Aussagen unzureichend. Es gibt also keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit, was nicht bedeutet, dass Entspannungsübungen im Einzelfall nicht hilfreich sein können.

Leben mit der Krankheit

Die Familie kann bei der Bewältigung der Krankheit unterstützend wirken.

Menschen mit Zwangsstörungen sind in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Oft leidet das ganze Familienleben darunter, weil Kinder und Partner miterleben, unter welchem Druck der oder die Betroffene steht. Ein Rückzug aus dem Gesellschaftsleben ist nicht selten, weil sich die Betroffenen für ihr Verhalten schämen; im Beruf kann es zu Schwierigkeiten kommen, weil Termine nicht eingehalten werden oder Kollegen sich beschweren.

Die Familie kann sehr unterstützend wirken, vor allem, indem sie die Betroffenen darin bestärken, professionelle Hilfe zu suchen. Familie und Partner können auch in die psychotherapeutische Behandlung mit einbezogen werden und so zum Erfolg beitragen.



Redakteurin: Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Aktualisierung: 04.12.2015, Elisabeth Tschachler (Journalistin)
Medizinisches Review: Univ. Prof. Dr. med. Ernst Berger (Psychiatrie), Dr. med. Bettina Reiter (Psychiatrie, Psychotherapie)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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