Zwänge - Nicole Inez Fuchs

Zwangsstörung – Anzeichen und Ursachen der Erkrankung

Das Leben von Heinz wird durch seine Zwangsstörung bestimmt. Täglich unterliegt er mehreren Zwängen. Dabei muss er Handlungen immer wieder durchführen und Gedanken denken. So kontrolliert er etwa jeden Tag mehrmals, ob er wirklich die Türe abgeschlossen hat. Dies geschieht nicht willentlich, sein Kontrollzwang bestimmt sein Leben. Doch er ist nicht der Einzige, etwa zwei bis drei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter einer Zwangsneurose. Frauen und Männer gleichermaßen. Was steckt hinter der psychischen Krankheit und wie macht sie sich bemerkbar?

Wie zeigt sich eine Zwangsstörung?

Es ist normal und menschlich, wenn Sie ab und zu Ängste oder Befürchtungen haben. Auch entspricht es der Norm, wenn Sie gelegentlich kontrollieren, ob Sie beispielsweise das Licht ausgeschaltet haben. Werden Handlungen oder Gedanken jedoch zwanghaft und drängen sich auf, ist das nicht mehr gesund und wird als Zwangsstörung bezeichnet. Daran können Sie sich auch orientieren: Bis wann ist es Angst und ab wann ist es eine Angststörung? Die Betroffenen können sowohl unter Zwangsgedanken als auch Zwangshandlungen leiden. Oft auch unter beidem.

zwangsstörung

Diese Zwangshandlungen führen dazu, dass der Erkrankte im Alltag eingeschränkt ist. Die Person kommt dadurch häufig zu spät zu Verabredungen, in die Arbeit oder zu wichtigen Terminen. Leidet jemand an einer Zwangsneurose, dann schämt sich dieser Mensch oft dafür. Deshalb wird dann erst recht spät Hilfe gesucht, was sowohl die Zwänge als auch die Einschränkung im Alltag verschlimmert. Nicht selten kommt es zum Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Was wiederum in eine Depression münden kann.

Doch es können auch Zwangsgedanken auftreten. Beim Erkrankten entstehen dann Bilder im Kopf, die er nicht kontrollieren kann. Ein Gedanke könnte sein: “Was, wenn ich diese Person vom Gehweg stoße?” Diese Gedanken werden begleitet mit Angst: Angst davor, es wirklich umzusetzen und Angst davor, dass das Leid nie mehr aufhört. Denn sie sind sich dessen bewusst, dass diese Gedanken widersinnig sind. Zwangsverhalten steht oft stellvertretend für etwas, das nicht gefühlt oder vermieden werden soll.

Wie entsteht eine Zwangsneurose?

Für die Entstehung der Zwangsneurose von Heinz könnte es mehrere Ursachen geben. In der Wissenschaft wird ein Zusammenspiel aus sozialen und biologischen Faktoren vermutet:

  • Soziale Komponenten: Probleme im Umgang mit Stress oder Gefühlen
  • Familiäre Komponenten: z.B. einschneidende Erlebnisse, wie etwa Tod naher Angehöriger oder sexueller Missbrauch
  • Biologische Komponenten: Instabiler Serotoninspiegel oder Veränderungen im Gehirn
  • Psychologische Komponenten: Perfektionsstreben, Sensibilität, geringe Belastbarkeit
  • Umweltkomponenten: Zwangsstörung von z.B. den Eltern gelernt

Wie verläuft eine Zwangsstörung?

In den meisten Fällen zeigt sich eine Zwangsneurose als sehr hartnäckig. Ohne Behandlung werden die Ursachen, der Zwangshandlungen nicht behandelt. Jemand handelt nicht ohne Grund zwanghaft, wird diese Tatsache ignoriert, kommt es auch nicht zu einer Besserung. Oft zeigt sich ein fluktuierender Verlauf: Die Symptome treten einmal stärker, einmal weniger stark auf. Es gibt auch den episodischen Verlauf, bei dem die Anzeichen vorübergehend auch komplett verschwinden.

Was kann man gegen eine Zwangsstörung tun?

Bei der Zwangsstörung handelt es sich um eine hartnäckige psychische Erkrankung, die einer intensiven Therapie bedarf.  Auch wenn es nicht immer zu einem gänzlichen Verschwinden der Zwänge kommt, ist eine deutliche Besserung sichtbar. Als besonders hilfreich hat sich in diesem Zusammenhang die Kognitive Verhaltenstherapie.

Durch diese Form der Behandlung zeigen zwischen 50 und 70 Prozent der Patienten deutliche Verbesserungen. Etwa die Hälfte der Betroffenen wird ihre Zwangsstörung gänzlich los. Es werden nicht nur die Zwangssymptome reduziert, auch alle Begleitsymptome verschwinden. Das steigert die Lebensqualität nachhaltig.

Für jemanden, dessen Leben von Zwangshandlungen- und Gedanken bestimmt wird, ist der Alltag eine Qual. Doch das muss nicht so sein. Es gibt Hilfe für Sie! Es ist kein Grund, sich zu schämen: Weder dafür, dass Sie Zwangsstörungen haben, noch das Sie sich helfen lassen. Im Gegenteil: Es ist mutig und bewundernswert, dass Sie die Realität annehmen und verändern wollen.

Quelle:
https://psychische-hilfe.wien.gv.at/site/fakten/angststoerung/arten-von-angststoerung/zwangsstoerung/
https://www.netdoktor.at/krankheit/zwangsstoerung-7939
https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsst%C3%B6rung
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/neurose/zwang-was-ist-das

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