Besser Leben - 2. February 2017, Sabine Otremba

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Ein glückliches und erfülltes Leben leben, so dass es am Ende möglichst wenig zu bereuen gibt? Ist scheinbar gar nicht so einfach. Wie sonst schaffte es ein Buch mit dem Titel „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ auf die Bestsellerlisten? Und warum habe ich mir eben dieses Buch gekauft, nachdem ich zuvor ewig drumherum geschlichen war? Muss ich mich wirklich mit dem Tod beschäftigen, um das Leben bewusster leben zu können?

Theoretisch weiß ich doch, dass viele meiner kleinen Ärgernisse die Energie nicht wert sind, die ich aufwende, um mich „so richtig“ zu ärgern. Ja, es ist ärgerlich, dass mir der Bus vor der Nase wegfährt oder ich meinen Regenschirm vergessen habe und nun klatschnass werde. Aber kurz darauf ist es auch schon wieder vergessen. Und am Ende meines Lebens werde ich es sicher auch nicht bereuen, dass mir im Schlussverkauf diese tolle Designerhandtasche vor der Nase weggeschnappt wurde. Oder dass ich nicht den fünfzehnten schwarzen Pullover gekauft habe, der mein Leben vermeintlich erst perfekt gemacht hätte. Zumindest hoffe ich, dass ich derartiges nicht bereuen werde.

Wir bereuen tatsächlich nicht die kleinen Ärgernisse…

Aber zurück zum Buch von Bronnie Ware. Die australische Palliativkrankenschwester hat viele Menschen in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Und dabei festgestellt, dass viele ihrer Schützlinge am Lebensende etwas zu bereuen hatten. Doch so unterschiedlich die Lebensgeschichten dieser Menschen auch waren, so sehr ähnelten sich die Punkte, die Anlass zur Reue gaben. Und natürlich handelt es sich dabei wenig überraschend nicht um Dinge, die im Moment zwar durchaus ein Ärgernis sind, letztendlich aber eben doch nur Peanuts. Was sind nun also laut Bonnie Ware die 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen? [1]

Ich wünschte, ich hätte…

  • … den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten.
  • … nicht so viel gearbeitet.
  • … den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
  • … den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.
  • … mir mehr Freude gegönnt.

Aber wir bereuen fehlenden Mut…

Schon beim ersten Punk gerate ich ins Grübeln, weil mich die Geschichte von Grace bewegt. Grace war über fünfzig Jahre lang mit einem tyrannischen Ehemann verheiratet, dessen Wünschen sie sich fügte. Sie opferte sich für die Familie und den Haushalt auf, zog die Kinder groß und träumte währenddessen davon, unabhängig zu leben. Vielleicht auch zu reisen. Als Grace über 80 ist, wird ihr Mann ins Pflegeheim eingewiesen. Und Grace – bisher trotz des hohen Alters immer fit und gesund – beschließt, jetzt endlich zu leben. Kurz darauf diagnostizieren die Ärzte bei ihr eine unheilbare und rasch voranschreitende Krankheit. Grace ist verbittert und wütend auf sich selbst, weil sie nie den Mut hatte, ihr Leben zu leben, als sie es noch leben konnte. Immerhin gibt sie Bronnie folgendes mit auf den Weg: „Lassen Sie niemals zu, dass irgendjemand sie von dem abhält, was Sie wollen.“

Glücklicherweise haben nicht alle etwas zu bereuen…

Nicht bei allen von Bonnie Ware betreuten Patienten überwog ein „Ich wünschte, ich hätte…“. Es gab durchaus auch Menschen, die friedlich starben und nichts zu bedauern hatten. Ihnen war es vorher gelungen, die Lebensumstände so zu ändern, dass sie am Ende nichts zu bereuen hatten. Ein schönes Beispiel hierfür ist die (nicht im Buch auftauchende) Mutter des bekannten Achtsamkeits-Trainers John Kabat-Zinn. Sie machte im Alter von 80 Jahren das, wofür ihr früher nach eigenen Angaben der Mut fehlte. Sie verließ ihren Ehemann, zog in eine andere Stadt und hatte mit 95 Jahren ihre erste Kunstaustellung. Nun, mit 100 Jahren, lebt sie zufriedener als je zuvor, auch wenn das Alter seinen Tribut zollt und sie heute nicht mehr zeichnet.

Vielleicht liegt das Erfolgsgeheimnis von Büchern wie dem von Bronnie Ware darin, dass sie Fragen aufwerfen. Unbequeme Fragen. Weil es nie zu spät ist, um zu überlegen, worauf es einem selbst wirklich ankommt.

Das Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ wurde mittlerweile in knapp 30 Sprachen übersetzt. Und im August 2014 legte Bonnie Ware nach. Nämlich: „Leben ohne Reue: 52 Impulse, die uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist“.

[1]Bronnie Ware: “5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden”, ISBN: 978-3-442-34129-0, Verlagsgruppe Random House.

Fotocredit: (c)iStock.com/shironosov

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