Psychologische Online-Beratung - Annette Wallisch-Tomasch (Instahelp Psychologin)

Impuls und Kontrolle – Gegensätze ziehen sich an!

Teil 2 der Serie “5 Schritte für mehr Achtsamkeit in der Familie”

Im ersten Artikel dieser Serie haben Sie bereits gelesen, wie bedeutsam ein ausgeglichenes Gehirn für unsere seelische Balance ist. Und für die Entwicklung unserer Kinder.

Wie kann unser Gehirn ausgeglichen sein? Klingt seltsam, ist aber ganz einfach. Wenn die verschiedenen Gehirnregionen gut miteinander arbeiten, vernetzt und „integriert“ sind, können wir Erlebnisse besser verarbeiten, Gefühle klarer benennen und besser miteinander kommunizieren. Es lebt sich so einfach besser!

Networking: Aus Gegner werden Partner!

Als erste Möglichkeit, besseres Networking zu erreichen, war von Integration von linker und rechter Gehirnhälfte die Rede. Gefühle (bei sich und dem Kind) wertschätzend wahrnehmen, spiegeln und benennen war hier der Zauberschlüssel zur Deeskalation in so manch stressiger Situation.

Diesmal widmen wir uns der zweiten Variante von Teamwork im Gehirn: Den basalen Hirnregionen (das „untere“ Hirn) und der hochentwickelten Hirnrinde (das „obere Hirn“).

 

Reptil gegen Homo Sapiens?

Die zweite der fünf Integrationsmöglichkeiten, die in dieser Reihe vorgestellt werden, ist also die Zusammenarbeit von „oben und unten“:

Im Untergeschoß finden wir das alte „Reptiliengehirn“ (Stammhirn) für automatische Körperabläufe und spontane Impulse, und das Mittelhirn mit dem wesentlichen Mandelkern (Amygdala) für starke Gefühle wie Wut und Angst.

Im Gegensatz dazu kontrolliert die obere Denkzentrale – die vordere Großhirnrinde – alles Nervengewusel und ermöglicht uns das bewusste Denken, Vorstellen und Planen.

Gut vorstellbar, dass hier öfters die Fetzen fliegen – bei solchen Interessenskonflikten! Wenn die Amygdala schreit: „Lauf weg, ich hab Angst!“, weist uns die Denkzentrale in die Schranken: „Reiß dich am Riemen, es ist nur der Zahnarzt!“. Oder auch nicht – und Sie machen im Wartezimmer kehrt.

Der Präfrontal-Cortex – so heißt unsere logische Superzentrale – ist die Hirnregion, die zuletzt ausgereift ist. Verständlich, dass Empathie, Moralempfinden, Selbstkontrolle und Handlungs-Planung bei Kindern erst spät erlernt werden. Ganz natürlich also, und kein Grund zum Verzweifeln. Wie können wir nun unsere Kinder unterstützen, diesen Bereich zum Reifen anzuregen?

Für Eltern – die Kinder mitdenken lassen!

  • Regen Sie Ihr Kind zum Nachdenken, Planen und (Mit-) Entscheiden an: In Situationen, wo Sie gerne auf die Frage „Warum muss ich jetzt meine Hausaufgaben machen?“ gerne lautstark „Weil du es musst!“ brüllen wollen – stellen Sie Gegenfragen. „Was passiert denn, wenn du sie jetzt nicht machst?“
    Das bedeutet nicht, dass Sie sich in ewigen Diskussionen verstricken lassen sollen. Elterliche Konsequenz ist hier kein Widerspruch. Doch das Abwägen der Konsequenzen eigenen (Fehl-) Verhaltens soll das Kind selbst in kleinen Schritten erlernen dürfen.
  • Bieten Sie Möglichkeiten, mitzudenken: Einfache Dinge hinterfragen und erklären zu lassen macht den Alltag spannend und fördert schlussfolgerndes Denken. „Was meinst du, warum der Arbeiter einen Schutzhelm trägt?“
  • Wenn der Machtkampf auf „Schach-Matt“ steht: Bauen Sie spielerisch Bewegung in das Alltagsprogramm ein, anstatt gemeinsam den Verstand zu verlieren. Turnen, Toben, Tanzen & Bewegungsspiele lösen den emotionalen Knoten auf und ermöglichen neuen Kontakt!

    Ein Klassiker bei Kindern: Mit lustigen An- und Auszieh-Spielen entschärfen Sie Widerstände. Der „Stumpfhosenlauf“ zum Bad und zurück hat schon vielen Generationen Spaß gemacht. Füße in Strumpfhose rein, nicht hochziehen, und los geht’s – wer schafft’s schneller zum WC und zurück? Klappt auch mit Unterhosen!

Tipp für den Alltag:
Setzen Sie den Zeitdruck ein Level herunter. Nur wer Pufferzeit einplant, kann diese neuen Ideen umsetzen! Ihre Familie und Ihre Gesundheit werden Ihnen danken.

 

Für Erwachsene – Check your selfcontrol!

In Konflikten verlieren nicht nur Kinder gerne Ihre Fassung. Selbstkontrolle ist eine der schwierigsten Lektionen im sozialen Lernen. Arbeiten Sie an sich nach folgenden Prinzipien:

  1. Ich möchte dich nicht verletzen (weder mit Taten, noch mit Worten)
  2. Bevor ich den Kopf verliere, nehme mir Zeit, um mich zu sammeln (Pause ankündigen, Raum/Situation verlassen, bewusstes Durchatmen, Bewegung).
  3. So beruhigt, stelle ich den Kontakt wieder her und versöhne mich.
  4. Wenn ich 1 nicht geschafft habe, entschuldige ich mich.
    Und wie bei vielen Dingen im Leben: Hier ist der Weg ist das Ziel. Geben Sie sich die Chance, zu wachsen und zu reifen. Nicht nur Kinder sind auf diesem Weg. Sie sind das beste Vorbild.

Anmerkung:
In dieser Artikel-Serie werden fünf Integrationsmöglichkeiten nach dem innovativen Konzept von Dan Siegel und Tina Payne Bryson vorgestellt:

  1. Gefühle und Sprache (Rechts und Links)
  2. Impuls und Kontrolle (Unten und Oben)
  3. Erinnerungen und Verarbeitung (Suchmaschine Hippocampus)
  4. Wahrnehmung & innere Welt (Autofokus: Bilder, Gedanken, Gefühle)
  5. Wir – Ich und Du (Magie Spiegelneuronen)

 

Alle basieren auf der Annahme, dass wir mit (hirn-) entwicklungsgerechter Kommunikation unsere Kinder und uns selbst beim Wachstum unterstützen können.

Literaturverweis zum Nachlesen:
Siegel, Daniel J. & Bryson, Tina Payne, Achtsame Kommunikation mit Kindern – 12 revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung ihres Kindes, Verlag arbor

Fotocredit: (c) iStock.com/Kerkez


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Laura Stoiber

Mag. Laura Stoiber

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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