Besser leben - Susanne Prosser

Müssen wir Stress aushalten?

Die meisten Menschen tun es – doch wir sind nicht dazu gezwungen, Stress zu ertragen. Diese Strategien sind der Beginn eines leichteren Lebens. 

Wir sind alle im Stress. Fürchterlich beschäftigt, sodass gar keine Zeit mehr für private Dinge bleibt und das Wohlbefinden schon darunter leidet. Ständig müssen Einladungen von Freunden abgesagt werden, immer wieder werden geplante Wochenendausflüge verschoben, weil die Kraft einfach nicht reicht. Schlaflose Nächte, Herzrasen, Unruhe und unbestimmte Ängste sind schon so etwas wie ein Alltagsbegleiter geworden. Stress aushalten? Sind wir gewohnt.

Das ist einerseits gut, so glauben wir ganz irrtümlich, weil dieser Gemütszustand des Stresses mit all seinen Begleiterscheinungen zeigt, dass wir so richtig beschäftigt sind.

Und wer beschäftigt ist, ist gut. Wer beschäftigt ist, ist gefragt.

 
Viel Beschäftigte haben eine gewisse Funktion in dieser Gesellschaft, und sie müssen erstmal nicht über die essenziellen Dinge des Lebens nachdenken. Weil er nämlich gar keine Zeit dazu hat.

Andererseits ist das natürlich alles andere als gut. Es ist sogar richtig mies. Weil dieses Stress Aushalten uns auf Dauer körperlich und psychisch fertig macht und uns immer weiter von uns selbst wegbringt. Der Körper ist einfach nicht dafür geschaffen, ständig unter Stress zu stehen. Stress ist – von Seiten der Natur – ein Ausnahmezustand, auf den Menschen entweder mit Kampf, Angst oder Flucht reagieren. Und wer ständig unter Stress steht – weil er glaubt, dass das so zu sein hat – der greift ständig auf diese Reaktionsmuster zurück: Kampf, Angst, Flucht.

Müssen wir wirklich so leben? Müssen wir Stress aushalten? Und: wollen wir das überhaupt? Darauf gibt es eine klare Antwort: Nein. Wir müssen nicht. Und wir wollen es auch nicht.

 
Wie also lässt sich ein Alltagsmuster, das von Druck und überproportionaler Belastung geprägt ist, ändern? Der erste Schritt ist die Erkenntnis, dass man gerade viel zu viel Stress aushält. Der zweite Schritt ist die Entscheidung, sich zu erlauben, diese Tatsache zu verändern. Der dritte Schritt ist die Suche nach dem „Wie“. Wie lässt sich Stress Schritt für Schritt aus dem Leben verbannen, sodass alles rundherum entspannter und einfacher wird?

Stress aushalten war gestern. Diese Praxistipps helfen in ein entspanntes Leben:

  • Prioritäten setzen
  • Ziele (neu) definieren
  • Eine Struktur ins Leben bringen
  • Erwartungen herunterschrauben
  • Weniger Reize
  • Auf die innere Stimme hören
  • Mehr vom Guten tun
  • Den Körper pflegen

1. Prioritäten setzen

Wichtiges von Unwichtigem zu trennen steht am Beginn des Weges in ein ruhiges Leben.

2. Ziele (neu) definieren

Manchmal laufen wir Zielen nach, die gar nicht mehr aktuell sind. Daher am besten alle Ziele immer wieder einmal ehrlich überdenken und sich fragen: Welche Ziele sollen bleiben? Welche dürfen weg? Und welche werden verändert und neu formuliert?

3. Eine Struktur ins Leben bringen

Belastungen werden weniger als solche empfunden, wenn es einen Ausgleich dafür gibt. Stress aushalten wird dann gar nicht mehr so empfunden, weil die Schwelle der Belastbarkeit durch ausreichend Ausgleich steigt. Struktur im Tagesablauf, aber auch in der Woche und sogar im Jahr helfen dabei, Grenzen zu setzen. Wann ist Arbeitszeit, wann ist Essenszeit, wann Familienzeit und wann Schlafenszeit? Wann ist Wochenende, wann ist Urlaub, wann ist Arbeit?

4. Erwartungen herunterschrauben

Wer weniger erwartet, wird weniger enttäuscht – und muss sich weniger anstrengen und weniger Stress aushalten.

5. Weniger Reize

Emails, Handy, Tablet, TV, … ständig strömen nebenbei unzählige Reize auf uns ein. Hauptübeltäter ist das Smartphone. Wir scrollen schnell mal über das Display an der roten Ampel (Achtung, Lebensgefahr!), an der Busstation und in der Warteschlange an der Kassa im Supermarkt. Was wir dabei nicht bedenken ist, dass unser Gehirn nicht dafür gemacht ist, ständig so viele Reize zu verarbeiten. Die Folge sind Über-Reizbarkeit, innere Anspannung, ein Gefühl der Leere und automatisierter Dauer-Stress. Also: Medien gezielt und begrenzt nutzen. Zwischendurch einfach weglegen oder besser noch: abschalten.

6. Auf die innere Stimme hören

Menschen sind keine Maschinen, sondern Lebewesen. Jeder von uns hat seinen eigenen Rhythmus und seine eigenen Grenzen. Die innere Stimme sagt uns, was richtig ist und was falsch. Wann noch mehr geht und wann es genug ist. Im Alltag überhören wir sie oft. Dabei ist sie unsere wichtigste Orientierung bei dem, was uns gut tut. Die Strategie ist also ganz einfach: Auf die innere Stimme hören und dem folgen, was sie sagt.

7. Mehr vom Guten tun

Wenn wir mehr von dem tun, was wir lieben, wird alles andere automatisch weniger. Der Fluss des Guten wird immer größer, Druck und Sorgen werden kleiner.

8. Den Körper pflegen

Sport, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sind die Grundpfeiler dafür, ausreichend Kraft und Energie zu haben und Ereignisse auch gedanklich angemessen zu bewerten.

 

Fotocredit: iStock.com/CentralITAlliance


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Annette Wallisch-Tomasch

Mag. Dr. Annette Wallisch-Tomasch

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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