Besser leben - Sabine Otremba

Warum eine Diät nichts bringt

Genau genommen wird uns ganzjährig suggeriert, dass die schlanke und sportliche Figur erstrebenswert ist – und zwar nur diese. Besonders zum Jahresanfang müssen jedoch alle hart im Nehmen sein, die kein Idealgewicht haben. Vor allem, wenn sie sich intensiv in der Social-Media-Welt tummeln. Kaum eine Diät, die nicht durch alle Kanäle gejagt wird. Wobei es zwar nicht mehr zwangsläufig Diät heißt, am Ende aller Mühen aber doch immer die vermeintliche Traumfigur wartet.

Eine neue Diät gib mir heute…

Da gibt es dubiose Entgiftungs- und Entschlackungsprogramme, während derer auf fast alles verzichtet wird und an deren Sinn sich die Geister scheiden. Oder verschiedene Ernährungsmethoden, bei denen wahlweise Fleisch, Fett, Milchprodukte, Kohlenhydrate, Zucker oder Gluten auf dem Index stehen. Stets mit dem Ziel, der Gesundheit etwas Gutes zu tun und Gewicht zu reduzieren. Dumm nur: Es ist selten das Problem, mit einer Diät Gewicht zu reduzieren. Nahezu unmöglich ist es allerdings, das neue Gewicht dauerhaft zu halten. Zumindest ab einer bestimmten Größenordnung. Und das hat entgegen der allgemeinen Vorstellung rein gar nichts mit mangelnder Willenskraft zu tun. Sondern mit einem Körper, der gewissermaßen seinen eigenen Kopf hat.

Nach der Diät sabotiert der Körper den Abnahmeerfolg

Nach einer Diät setzt der Körper nämlich buchstäblich alles in Bewegung, um die verlorenen Kilos wieder zurückzuholen. Das gelingt ihm, indem er den Hormonhaushalt, den Stoffwechsel und die Verdauung „manipuliert“. Wie erfolgreich der Körper dabei ist, zeigt eine US-Studie [1]. Probanden der Studie waren 14 ehemalige Kandidaten der Show „The Biggest Loser“, in der es darum geht, so viel Gewicht wie möglich zu verlieren. Während der Teilnahme verloren alle Kandidaten Gewicht. Um anschließend wieder zuzunehmen.

Doch nicht nur das. Noch sechs Jahre nach dieser Diät scheint sich ihr Körper gegen eine weitere Gewichtsabnahme zu sträuben. Und so benötigen alle Probanden erheblich weniger Kalorien, als es aufgrund ihrer Größe und ihrer Lebensumstände eigentlich normal wäre. Der Körper scheint, stark vereinfacht ausgedrückt, das Notprogramm angeworfen zu haben, das eigentlich für das Aushalten langer Hungerphasen gedacht ist. Nur waren die Probanden mittlerweile eben bereits wieder übergewichtig.

Diät: Der Trugschluss vom dauerhaften Gewichtsverlust

Tatsächlich scheint der Mensch nicht fürs Abnehmen zu taugen. Im Gegenteil. Martin Kemps, Leiter des Adipositas-Zentrums Berlin, sagt: „Der Mensch ist nicht dafür gemacht, Diäterfolge zu halten, sondern den Hungertod zu vermeiden.“ Wie fatal eine Diät wirken kann, zeigt das Beispiel von Danny Cahill – ehemals Kandidat der Show „The Biggest Loser“ und ebenfalls Studienteilnehmer. Cahill startete mit 195 Kilo und nahm so viel ab, wie kein anderer der Kandidaten. Nämlich 87 Kilogramm in sieben Monaten. Dann jedoch schlug ihm die „metabolische Anpassung“ ein Schnippchen. Und so wog Cahill sechs Jahre nach der Show wieder 134 Kilo und benötigte zudem weniger Kalorien als zuvor.

Das Problem: Bei ihm und allen Probanden der „The Biggest Loser“-Studie sank der Grundumsatz. Das ist die Energiemenge, die der Körper im Ruhezustand zur Aufrechterhaltung aller Funktionen benötigt. Cahill benötigte nach der Diät 800 Kalorien weniger als es normal gewesen wäre. Da wundert es nicht, dass ständige Diäten mittlerweile als Risiko gelten, später in eine Adipositas (Fettleibigkeit) zu rutschen.

Was eine Diät kann. Und was nicht.

Vielleicht ist es hilfreich, eine Diät als das zu betrachten, was sie ursprünglich war. Auf Wikipedia etwa wird sie wie folgt definiert:

Die Bezeichnung Diät kommt von griechisch δίαιτα (díaita) und wurde ursprünglich im Sinne von „Lebensführung“/„Lebensweise“ verwendet.“

 

Und mit einer gesunden Lebensweise lässt sich tatsächlich Gewicht verlieren. Aber, so die Experten, nur um die fünf bis zehn Prozent. Dieser Gewichtsverlust kann allerdings auch dauerhaft gehalten werden. Wer jedoch wirklich massiv übergewichtig ist, tut gut daran, sich die Hilfe von Experten zu holen, anstatt in Eigenregie jede Diät auszuprobieren, die gerade gepriesen wird. Denn während die Diätindustrie dabei der Gewinner ist, sind die Diätwilligen am Ende die dicken Verlierer.

Quelle:
[1] National Institutes of Health: “Biggest Loser” study finds modest diet and exercise can sustain weight loss

Fotoquelle: (c) iStock.com/scyther5


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