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Cybermobbing und Hassrede im Internet – 10 Strategien zur Gegenrede

Hassrede (Hate Speech) sowie menschenverachtende und diskriminierende Äußerungen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das im Internet stetig zunimmt. Es ist bei betroffenen Personen mit ernstzunehmenden Folgen und Konsequenzen verbunden. Wobei besonders jene Äußerungen schädlich sind, die durch eine (zumindest implizite) Drohung begleitet werden oder wiederholt auftreten.

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing gehört zu einem der relevantesten Probleme in Österreich und Deutschland. Der Begriff Bullying wird als Synonym vielfach gebraucht, der eine bewusste, aggressive Handlung eines Einzelnen oder eine Gruppe bezeichnet, um ein Opfer wiederholt und über einen längeren Zeitraum mittels elektronischer Formen von Kontakt Schaden hinzuzufügen.

Die drei Kriterien für Bullying (1) das Vorliegen einer bewussten aggressiven Handlung, (2) das wiederholte Vorkommen und (3) das Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten, werden für Cyberbullying ergänzt durch (4) die Vermittlung der Handlung durch elektronische Hilfsmittel. Wesentlich dabei ist, dass Cybermobbing und Cyberstalking immer absichtlich, bewusst und über einen längeren Zeitraum hinweg geschieht sowie, dass Personen aufgrund dieser Belastungen Suizidgedanken, Depressionen, posttraumatischen Stress und weitere Symptome entwickeln können.

“Cybermobbing gehört zu einem der relevantesten Probleme in Österreich und Deutschland.”

 

Die Hassrede im Internet

Die direkte Bedrohung durch Hassrede im Internet darf dementsprechend nicht unterschätzt werden. Hassrede, Belästigungen und Cybermobbing haben inzwischen bei diversen Plattformen und Online-Netzwerken eine andere Qualität bekommen. Auch die Staaten ergreifen nicht nur auf strafrechtliche Maßnahmen, sondern auch auf positive im Bereich der Prävention und Sensibilisierung und führen einige Informationskampagnen zur Problematik durch. Dennoch ist ein respektvolles Miteinander auch im Internet unverzichtbar, da die Möglichkeit anonym zu bleiben und nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden, zunehmend zur Enthemmung beitragen.

Beachten Sie diese Tipps zum Umgang mit Cybermobbing

  1. Lernen Sie Ihre eigenen Stärken & Schwächen kennen
    Die Konfrontation mit Cybermobbing kann diverse Gefühle hervorrufen, die meistens nicht zuordenbar sind. Tipps zum Selbstmanagement können Ihnen helfen Ihre Entwicklung unabhängig von diesen Einflüssen zu gestalten: zum Beispiel durch Selbstbeobachtung, selbstständiges Aufstellen ihrer Ziele und Bedürfnisse, Problemlösen, Selbstbewertung und Selbstverstärkung.

  2. Seien Sie achtsam
    Achtsamkeit ist eine besondere Art der Aufmerksamkeit, die es ermöglicht einen eigenen stressfreien Raum zu schaffen. Achtsamkeitsübungen können helfen alltäglichen Stress zu reduzieren und zu einem klaren Bewusstseinszustand zu gelangen. Zum Beispiel ist das achtsame Gehen eine meditative Übung die zwei einfache Aktivitäten, nämlich Gehen und Atmen kombiniert.

  3. Denken Sie an Selbstliebe & Selbstfürsorge
    Selbstsicherheit bedeutet, eigene Bedürfnisse unter Beachtung sozialer Regeln zu befriedigen. Verstehen Sie Ihr Selbstunsicheres Verhalten, finden Sie und entwickeln Sie Ressourcen, die Ihnen zeigen, dass Sie stark sind, werden Sie sich Ihrer Stärken bewusster, sorgen Sie für kleine Erfolgserlebnisse, formulieren Sie Ihre neuen Überzeugungen so, dass Sie innerlich stimmig erscheinen und emotional kraftvoll sind, setzen Sie sich vor diesem Hintergrund erreichbare Ziele und nehmen Sie sich eine Auszeit.

  4. Treten Sie aus der passiven Haltung aus
    Das Ignorieren diskriminierender Kommentare hat den Vorteil, dass den Verfassern keine Aufmerksamkeit zugeteilt wird. Jedoch öffnet dieser Zugang keinen Raum zum Austausch. Aufwendigere Strategien die das ermöglichen sind die Moderation und Kommunikation. Ebenso kann eine Diskussion durch humorvolles ironisieren gut gelenkt werden.

  5. Versuchen Sie, die Situation anzunehmen
    Indem Sie lernen, unangenehme Ereignisse und Gefühle so zu nehmen wie sie sind, bietet die radikale Akzeptanz einen Weg die eigene Energie besser einzuteilen. Dabei ist es wichtig die Situation und Ihre Reaktion so anzunehmen, wie sie ist, ohne dass Sie diese verändern.

    Die Ziele der Stresstoleranz beziehen sich auf die Bewältigung von Hochstressphasen, indem die Hochspannung rechtzeitig erkannt wird, Strategien der Spannungsregulation aufgebaut werden, der Hochstress anerkannt und radikal akzeptiert wird und indem Sie sich schließlich für einen „neuen Weg“ entscheiden.

  6. Überprüfen Sie unterschiedliche Perspektiven
    Die eigenen Leistungen und die Leistungen anderer sollten klar und eindeutig beurteilt werden. Leistungen können nur in Hinblick auf ein Ziel oder auf einen Leistungskatalog sinnvoll gemessen und bewertet werden.

  7. Überlegen Sie sich Kommunikation- & Konfliktmanagementstrategien
    Es kommen diverse Kommunikations- und Konfliktbewältigungsstrategien in Frage, die Sie anwenden können. Unter anderem kann das 6-Phasen Modell die wesentlichsten Annahmen einer kooperativen Konfliktbewältigung aufzeigen: Kontrollieren Sie Ihre Erregung, teilen Sie Ihre eigene Vorstellungen und Gefühle mit, kommunizieren Sie offen, lösen Sie das Problem, treffen Sie eine Vereinbarung, verbannen Sie Ihre Rachegefühle und verarbeiten Sie innerlich Ihre Enttäuschungen.

  8. Nehmen Sie Unterstützung in Anspruch
    Ebenso empfehlenswert ist das Aufsuchen professioneller Hilfe, z.B. von Psychologen. Eine hilfreiche Kommunikation zwischen Betroffenen und Professionisten stellt Online- und Internet-Therapie Beratung und Behandlung als eine alternative Interventionsform dar.

  9. Äußern Sie Ihre Meinung
    Wichtig ist, dass Sie Ihre Meinung formulieren, begründen, mit Argumenten überzeugen, einen Perspektivenwechsel vornehmen und somit Kompromisse finden.

  10. Grenzen Sie sich emotional ab
    Ein distanziertes Gefühlserleben ermöglicht eine rationale und neutrale Perspektive der Geschehnisse, eine ideale Reflexionsvoraussetzung und Steigerung des emotionalen Wohlbefindens.
Sie können dazu beitragen, dass Hassreden reduziert werden und einen geeigneten, individuellen Umgang anhand dieser Tipps finden.

 
Haben Sie weitere eigene Tipps gegen Hassreden im Internet? Oder Anmerkungen zu unseren Tipps? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Weiterführende Informationen zu Cybermobbing und Hassrede finden Sie in unserem Lexikon.

Die Autorin Julia Pritz-Mirtakis, MSc. ist Psychologin, Psychoanalytikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Sigmund Freud Privatuniversität und Koordinatorin der psychologischen Universitätsambulanz der SFU. Während ihrer praktischen Tätigkeit hat Sie einige Berufserfahrungen im Bereich Diskriminierung sowohl im stationären als auch im ambulanten Setting gesammelt.

Fotoquelle: iStock.com/omgimages


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Raphael Duque

Mag. Raphael Duque

Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe

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