Tod und Trauer - Nicole Inez Fuchs

Fehlgeburt – Wer denkt auch an den emotionalen Schmerz?

Die Vorfreude auf die Geburt, die Planungen für das Leben mit dem Kind, die Träume von einer gemeinsamen Familie. All das bringt eine Schwangerschaft mit sich. Doch es gibt auch Szenarien, indem das Ungeborene nicht überlebt. Es kommt zu einer Fehlgeburt (Abort): Das Kind stirbt, noch bevor es überlebensfähig ist. Medizinisch gesehen, spricht man bis zu einem Gewicht von 500 Gramm von einer Fehlgeburt. Psychischer Schmerz kann jedoch nicht im Gramm gemessen werden, er ist endlos schwer. Zurück bleiben Trauer, Schmerz und das Gefühl von Isolation. Warum kommt es zu einer Fehlgeburt? Und wie können Sie sich psychisch wieder wohlfühlen?

Eine Fehlgeburt ist ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. Deshalb entsteht auch der Eindruck, dass man alleine mit seinem Schicksal ist und ein Abort etwas Seltenes ist. Dem ist jedoch nicht so: Fehlgeburten passieren sehr oft. Von Experten wird angenommen, dass etwa zwei Drittel der befruchteten Eizellen wieder absterben oder es nicht zu einer richtigen Entwicklung kommt. Da es jedoch schon sehr früh zu einer Fehlgeburt kommt, wird dies häufig erst gar nicht bemerkt. Ein erstes Anzeichen dafür kann eine verstärkte oder später eintretende Regelblutung sein.

Was sind die Anzeichen einer Fehlgeburt?

Vorweg gesagt: In einem fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft verringert sich auch das Risiko einer Fehlgeburt. Ab der 15. Schwangerschaftswoche liegt es (je nach Alter) nur noch bei ein bis drei Prozent.

wie bemerkt man fehlgeburt

Wenn hinter dem Abort ein schwacher Gebärmutterhals steckt, empfinden Sie zu Beginn oft weder Schmerzen oder Wehen. Dieser Art kommt am häufigsten im ersten Trimester (ab der 13. SSW) vor. Eine Fehlgeburt kann jedoch auch ohne diese Anzeichen passieren und per Zufall via Ultraschall entdeckt werden.

Wie wird eine Fehlgeburt bemerkt?

Beim Besuch des Frauenarztes kommt es zu folgender Untersuchung: Nach dem Check des allgemeinen Befindens werden Temperatur, Blutdruck und Puls gemessen. Danach folgt die Kontrolle des Muttermundes. Der Arzt schaut, ob der Gebärmuttermund offen oder geschlossen ist und untersucht außerdem die Gebärmutter. In einer finalen Ultraschalluntersuchung stellt der Frauenarzt sicher, ob das Ungeborene Herzaktivitäten hat.

Was sind die Ursachen für einen Abort?

Die genauen Gründe hinter einem Abort sind noch nicht gänzlich geklärt und variieren von Fall zu Fall. Wichtig ist, dass Sie den Fehler nicht bei sich suchen, sondern sich den Schmerz zugestehen und durch in durchgehen.

Fehlbildungen der Gebärmutter oder Infektionen

Im ersten Fall kommt es durch eine “doppelte Gebärmutter” oder dem Uterus septus zu einer Fehlgeburt. Hierbei kommt es im Inneren der Gebärmutter zu einer Trennung durch eine Wand (Septum). Wenn sich ein Embryo am Septum einnistet, kann dieser nicht genügend mit Blut versorgt werden. Bei Spätaborten sind häufig Infektionen die Ursache. Dazu zählen etwa Bakterien wie Chlamydien, B-Streptikokken, Viren, wie Röteln oder Herpes sowie Prozozoen.

Fehlbildungen der Erbanlagen und hormonelle Störungen

Bei einem frühen Abort sind oft Missbildungen der Erbanlagen des Kindes Schuld, zum Beispiel Trisomnien. Bei rund 50 bis 60 Prozent der Fehlgeburten sind sie die Ursache. Ein weiter Grund für einen Frühabort ist eine hormonelle Störung. Dazu zählt etwa eine Gelbkörperschwäche.

Was erhöht das Risiko einer Fehlgeburt?

Das Risiko einer Fehlgeburt erhöht sich mit dem Alter der Schwangeren: Eine 40-Jährige etwa hat ein doppelt so hohes Fehlgeburtsrisiko wie eine 20-Jährige. Ein weiterer Faktor ist die Schwangerschaftswoche. Je höher die Schwangerschaftswoche, desto geringer ist das Risiko einer Fehlgeburt. Auch die Anzahl der vorherigen Fehlgeburten ist ein Faktor. Hatte jemand bereits drei Fehlgeburten, liegt das Risiko für einen erneuten Abort bei über 50 Prozent. Einen weiteren Einfluss, wenn auch einen geringen, hat die Häufigkeit vergangener Schwangerschaften. Umso häufiger eine Frau bereits schwanger war, desto höher das Risiko für einen Abort. Eine Fehlgeburt verhindern, können Sie per se nicht. Es gibt eben nur die genannten Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Aborts erhöhen.

Hier finden Sie eine Tabelle zum Risiko einer Fehlgeburt nach Schwangerschaftswochen (SSW):

fehlgeburt risiko
Quelle: https://aktiv-mit-kindern.com/

 

Ab wann ist eine erneute Schwangerschaft möglich?

Wissenschafter haben herausgefunden, dass sich die Wahrscheinlichkeit, unmittelbar nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden, nicht verringert. Somit stünde einer erneuten Schwangerschaft nach einem normalen Zyklus inklusive Regelblutung nichts im Wege. Dennoch wird geraten, den Schicksalsschlag erst einmal zu verdauen. Nicht nur die Gebärmutter braucht Zeit, um sich zu erholen, auch Sie und Ihre Psyche haben das verdient.

Was kann man nach einem Abort tun?

Ein ungeborenes Kind zu verlieren ist belastend: Physisch, emotional und mental. Gönnen Sie sich die Pause, die Sie brauchen. Reden Sie mit vertrauten Personen darüber. Seien Sie offen mit Ihrem Partner und gehen sich achtsam miteinander um. Egal, welche Emotionen bei Ihnen auch aufkommen: Alle sind wichtig und richtig. Nehmen Sie diese ernst. Nur wer fühlt, was da ist, kann auch darüber hinwegkommen. Es kann sein, dass Sie sich von Ihrem Umfeld nicht verstanden fühlen. Nicht wenige Frauen teilen Ihr Schicksal – suchen Sie Selbsthilfegruppen auf, betätigen Sie sich kreativ, gehen Sie unter Leute, wenn es Ihnen gut tut.

Viele Frauen versinken in Schuldgefühlen, obwohl es dazu keinen Grund dazu gibt. Sollten Sie bei sich länger andauernde depressive Gefühle wahrnehmen, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe anzunehmen. Der Verlust eines Ungeborenen und damit die Hoffnung, Träume und Visionen, ist für viele ein Trauma. Nehmen Sie sich in Ihrer Situation ernst und betrauern Sie Ihren Verlust.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlgeburt
https://www.netdoktor.at/krankheit/fehlgeburt-5567
https://www.swissmom.ch/schwangerschaft/medizinisches/komplikationen/fehlgeburt/
https://www.derstandard.at/story/2000095699072/fehlgeburten-gehoeren-zum-kinderkriegen-dazu

Fotoquelle: (c) iStock.com/fizkes

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