Psychologische Online-Beratung - Annette Wallisch-Tomasch (Instahelp)

Autofokus: Meine Wahrnehmung – mein Leben!

Teil 4 der Serie “5 Schritte für mehr Achtsamkeit in der Familie”

„Heute fühle ich mich mies. Wieder mal. Das kann heute nur schief gehen. So ein Angsthase, wie ich bin.“

Sowas passiert, wenn wir von unseren spontanen Gefühlen oder Körperempfindungen auf unsere Eigenschaften schließen. Und damit in die Falle der Wahrnehmungs-Fixierung tappen. Ich fühle es – also bin ich es. Wirklich?

Die Macht der fokussierten Aufmerksamkeit

Jeder, der schon Kontakt mit östlicher Meditationstechnik oder Körperarbeit hatte, kennt die Macht unserer bewusst gerichteten Aufmerksamkeit: Wo ich meinen Fokus hinrichte, da nehme ich wahr.

Wenn ich diesen Fokus bewusst steuern kann, lerne ich zu unterscheiden, was von Innen oder Außen kommt, was mir schadet oder was mir gut tut. Wer möchte das nicht können?

Die vierte der fünf Integrationsmöglichkeiten, die in dieser Reihe vorgestellt werden, ist also das Steuern meiner Wahrnehmung:

Neurologisch gesehen führt fokussierte Aufmerksamkeit (wie auch beim Lernen) zu einer Neuformung des Gehirns: Neuroplastizität sei Dank! Der Hippocampus als räumliche Suchmaschine hilft uns dabei, den Scheinwerfer auf wesentliche Dinge zu richten (siehe auch Artikel Das Geheimnis des Erinnerns, Teil3/5). Der Präfrontalcortex hat die technische Oberleitung und entscheidet schließlich, worauf wir unseren Fokus lenken.

Montainbike oder City-Cruiser? Mein Rad, mein Leben!

Der Autor des zitierten Buches Dan Siegel nutzt ein schönes Bild, um sich Wahrnehmung unseres „Selbst“ vorstellen zu können: Ein Rad. In der Mitte (die Nabe) steht das bewusste ICH. Unser selbstzufriedenes Bewusstsein. Die Speichen des Rades stehen für die einzelnen Eindrücke, die wir aufnehmen können.

Die vielen Teile des Selbst:

  • Erinnerungen
  • Gedanken
  • Gefühle
  • Träume
  • Körperempfindungen
  • Wahrnehmungen

Dan Siegel nennt das „Das Rad des Gewahrseins“. Es ist eine Methode der Visualisierung, damit wir verstehen, dass wir einfach viel mehr als nur ein Gefühl sind. Oder ein Gedanke. Alle einzelnen Teile können wir uns bildhaft als Punkte auf dem äußeren Rad vorstellen. Die Teilchen, aus dem unser Reifen gemacht ist.

Manchmal bleiben kleine Steinchen im Profil hängen – die drücken und nerven! Dann komme ich vielleicht zur gesunden Erkenntnis, dass ich kein Problem BIN, sondern eines HABE. Wie eben mal einen „Platten“ bei der Radtour. Und alles was man hat, kann man auch wieder loswerden.

Hier die konkreten Strategien von Daniel Siegel und Tina Bryson:
[1]

Kinder-Spiel, auch für Oldies

  • Die „Wolken der Emotionen“ vorbeiziehen lassen: Machen Sie ihrem Kind klar, dass Gefühle kommen und gehen. Wie Wolken. Sie sind Zustände, keine bleibenden Eigenschaften.
  • Der Blick nach Innen: Gewöhnen Sie sich im Alltag an das spielerische Wahrnehmen und in Worte fassen von Körperempfindungen, Bilder & Vorstellungen, Gefühle und Gedanken. Ein abwechselndes Frage-und Antwort-Spiel mit Kindern ab Vorschulalter macht Spass!
  • Das innere Sehen („mindsight“) üben: Mit einfachen Übungen zu Entspannung gelangen; Lenkung von Vorstellungskraft und Aufmerksamkeit trainieren.
    • Bewusstes Atmen: Bequem am Rücken, legt sich Ihr Kind ein kleines Spielzeug auf den Bauch. Und jetzt Atmen und auf die Bewegung achten, Tempo verändern lassen.
    • Wahrnehmen von Geräuschen: Laut und leise, fern und nah. Angenehm oder nervend.

Zen oder nicht Zen – das ist hier die Frage

Die erste Strategie, die uns hilft, aus der emotionalen Fixierung rauzukommen, entspricht der Haltung in der Zen-Meditation: Lass es kommen und gehen! Mit dieser Strategie können (auch) Erwachsene neue Freiheit zurück gewinnen.

Nutzen Sie die Methode des „Rad des Gewahrseins“ in Krisen und Belastungsphasen (die Übung ist übrigens kostenlos auf der Homepages des Autors zugänglich, auf Englisch allerdings)! Entlarven Sie belastende Gefühle als Teile des Großen Ganzen.

Bilden Sie die Vielfalt Ihres Lebens ab, zeichnen Sie Ihr Rad auf:
Woraus besteht Ihr Leben, Ihr Selbst? Was macht Sie aus? Was beschäftigt Sie derzeit? Und sonst: Leidenschaften, Interessen, Werte und Ziele, Aufgaben & Projekte! Schöne Momente?

Je mehr Sie notieren, desto eher werden Sie merken, dass Sie einfach viel mehr sind als diese eine Sorge – dieser Konflikt. Ihr Selbst, Ihr Potential!

Anmerkung:
In dieser Artikel-Serie werden fünf Integrationsmöglichkeiten nach dem innovativen Konzept von Dan Siegel und Tina Payne Bryson vorgestellt:

  1. Gefühle und Sprache (Rechts und Links)
  2. Impuls und Kontrolle (Unten und Oben)
  3. Erinnerungen und Verarbeitung (Suchmaschine Hippocampus)
  4. Wahrnehmung & innere Welt (Autofokus: Bilder, Gedanken, Gefühle)
  5. Wir – Ich und Du (Magie Spiegelneuronen)

Alle basieren auf der Annahme, dass wir mit (hirn-) entwicklungsgerechter Kommunikation unsere Kinder und uns selbst beim Wachstum unterstützen können.

 

Literaturverweis zum Nachlesen:
[1] Literaturverweis zum Nachlesen: Siegel, Daniel J. & Bryson, Tina Payne, Achtsame Kommunikation mit Kindern – 12 revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung ihres Kindes, Verlag arbor.


Online-Beratung durch Psychologen


Regina Farias

Dr. Regina Farias

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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