Psychologische Online-Beratung - Annette Wallisch-Tomasch (Instahelp)

Gemeinsam einsam oder Miteinander MEHR erleben?

Letzter und fünfter Teil der Serie “5 Schritte für mehr Achtsamkeit in der Familie”

Familienleben kann das Schönste auf Erden sein – oder auch die Hölle schlechthin. Wenn das WIR in einzelne Steinchen zerbröckelt und jeder nur auf sich sieht, wird es schnell ungemütlich.

Die fünfte der fünf Integrationsmöglichkeiten, die in dieser Reihe vorgestellt werden, ist das Erkennen des Potentials von Gemeinschaft und Beziehung:

Was passiert in unserem Kopf, wenn wir miteinander sind? Da gibt es so lustige Kerlchen, genannt „Spiegelneuronen“. Das sind spezielle Nervenzellen, die uns veranlassen, das zu empfinden, was mein gegenüber gerade JETZT empfindet. Pure Magie? Ja, genau! Aber selbstgemacht.

Haben Sie schon mal im Duett gegähnt? Zur selben Zeit einen Schluck Wasser getrunken? Oder gemeinsam gehustet? Oder vor Mitleid mit einem Freund mitgeheult? Dann scheint bei Ihnen alles gut zu funktionieren.

WIR – Eine spezielle Mischung aus MIR und DIR

Mit diesem faszinierenden Thema beschäftigt sich die Interpersonale Psychologie. In einer Gemeinschaft sind wir durch das Erleben miteinander stark verbunden. Wir sind uns nicht egal. Und das macht es so kompliziert. Aber auch so schön. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid – geteilte Freude doppelte Freude!

Spiegelneuronen müssen allerdings trainiert werden. Sonst gehen sie vorzeitig in Rente. Daher:
Strategie Nr. 1.: Steigern Sie den „Freudefaktor“ in Ihrer Familie: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für mehr Gemeinsamkeit. Lassen Sie Platz für Ausgelassenheit, Unfug und Späße. Nehmen Sie sich einmal nicht so tierisch ernst. Und erfreuen Sie sich an der Freude des anderen.

Extra-Tipp: Streichen Sie nie energiespendende Rituale als „Konsequenz“ für unfolgsame Kinder! Abendliches Vorlesen, schöne Familien-Ausflüge, Gemeinsames Essen, Spielzeit. Alles was Ihnen selbst gut tut, sollten Sie von erzieherischen Maßnahmen unangetastet lassen. So schaffen Sie trotz Belastungsproben immer wieder positive WIR-Erlebnisse!

Das WIR bei Meinungsverschiedenheiten neu entdecken

Verbindung durch Konflikt: Diese Haltung verinnerlichen Eltern, wenn Sie die Chance erkennen, dass durch positiv bewältigte Konflikte grundlegende Beziehungsfähigkeit vermittelt wird. Jede bewältigte Auseinandersetzung, jedes Wieder-Zusammenfinden festigt das Miteinander.

Haben Ihre Kinder Streit? Sicher, und das jeden Tag. Mit Geschwistern und Freunden. Und beklagen sich dann bei Ihnen darüber. Manchmal geschehen sogar gröbere Kränkungen. Was tun?

Strategie Nr.2: Ein wichtiger Schritt ist Kindern zu lehren, durch die Augen des anderen sehen:

Mit Gegenfragen („Ich verstehe, dass du dich ärgerst. Warum denkst du, hat sie das gemacht?“) regen wir Empathie, Einfühlungsvermögen an und ermöglichen Versöhnung. Vermitteln Sie auch, auf nonverbale Signale zu achten: Die Körpersprache. Was ist ungesagt? Was wird übersehen? Wie fühlt sich mein Gegenüber wirklich?

Strategie Nr.3: Versöhnungsritual – Die Wiedergutmachung. Ehrliche Entschuldigung setzt das Verstehen von Recht und Unrecht voraus. Und das Einfühlen in das Leid anderer. Manchmal ist das auch der erste Schritt, und es geht darum, einen Fehler wieder gutzumachen. Auch hier regen Fragen zum Einfühlen an „Wie würdest du dich fühlen, wenn dir das geschehen wäre?“. Und schließlich: Der Ausdruck von Zuneigung (und Reue, bei Fehlverhalten) in Wort und Tat ist wohl das Wichtigste, was wir Eltern durch unser Vorleben mitgeben können. „Ich hab‘ dich lieb. Es tut mir leid. Morgen machen wir es besser.“

Und wir Eltern? Wir haben die Chance, das WIR in unserer eigenen Geschichte zu erkennen. In unserer eigenen Elternschaft geben wir unbewusste Erinnerungen, unser gesamtes emotionales Leben an unsere Kinder weiter. Daher ist es wichtig, diese Erinnerungen bewusst zu machen (siehe auch Teil 3 dieser Serie). Wie habe ich meine Eltern in meiner Kindheit erlebt? Kann ich ihr Verhalten nachvollziehen? Welchen Sinn finde ich darin? Gibt es Chance auf Versöhnung?

Auf jeden Fall gibt es die Entscheidung, sich neue Ziele zu setzen und es anders zu machen:
Neue, heilsame Wege gehen!

LIVE – LOVE – LAUGH

Anmerkung:
In dieser Artikel-Serie werden fünf Integrationsmöglichkeiten nach dem innovativen Konzept von Dan Siegel und Tina Payne Bryson vorgestellt:

  1. Gefühle und Sprache (Rechts und Links)
  2. Impuls und Kontrolle (Unten und Oben)
  3. Erinnerungen und Verarbeitung (Suchmaschine Hippocampus)
  4. Wahrnehmung & innere Welt (Autofokus: Bilder, Gedanken, Gefühle)
  5. Wir – Ich und Du (Magie Spiegelneuronen)

Alle basieren auf der Annahme, dass wir mit (hirn-) entwicklungsgerechter Kommunikation unsere Kinder und uns selbst beim Wachstum unterstützen können.

 

Literaturverweis zum Nachlesen:
[1] Literaturverweis zum Nachlesen: Siegel, Daniel J. & Bryson, Tina Payne, Achtsame Kommunikation mit Kindern – 12 revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung ihres Kindes, Verlag arbor.


Online-Beratung durch Psychologen


Christine Stöger-Knes

Mag. MSc Christine Stöger-Knes

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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