Besser leben - Sabine Otremba

Hochsensibilität: 5 Tipps, die das Leben leichter machen

Hochsensible Menschen reagieren auf ganz alltägliche Sinnesreize stärker als andere. Gerne vergleichen sie sich mit einem Schwamm, der alles aufsaugt. Was dazu führt, dass Hochsensible zwar intensiver und detaillierter wahrnehmen, allerdings auch schneller überreizt sind oder sich gestresst fühlen. Und da ihre Reizschwelle bereits dort überschritten wird, wo andere noch Spaß haben, fühlen sie sich oft „verkehrt“ oder „irgendwie anders“. Umso wichtiger, Verständnis für die eigene Hochsensibilität aufzubringen. Und Strategien zu finden, um im Alltag besser damit umgehen zu können.

Strategien für den Alltag

Die Hochsensibilität als Persönlichkeitsmerkmal anerkennen und sich damit anfreunden

US-Psychologin und Autorin Elaine Aron („Sind Sie hochsensibel?“) beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Hochsensibilität. Und sie wird nicht müde zu betonen, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. Das zu erkennen und anzuerkennen ist für viele Hochsensible ein wichtiger und befreiender Schritt. Endlich realisieren sie, dass sie weder „komisch“ noch „irgendwie anders“ sind. Oder „feige“ oder „zu zart besaitet“ – sie sind hochsensibel. Und verhalten sich entsprechend ihrer Hochsensibilität völlig normal. Ganz egal, was nicht-hochsensible Menschen ihnen im Lauf der Zeit eingeredet haben. Gelingt es dann noch, sich mit der Hochsensibilität anzufreunden und sie als ganz normal anzunehmen, wirkt sich das auch positiv aufs Selbstwertgefühl aus.

Sich bewusst machen, was überreizt

Hochsensibilität bedeutet nicht, dass Hochsensible zwangsläufig gleich ticken. Es gibt sowohl introvertierte als auch extrovertierte Hochsensible. Darüber hinaus bringt jeder seine eigenen Prägungen mit. Was den einen stört, macht dem anderen nichts aus. Wichtig ist daher, für sich selbst herauszufinden, was überreizend wirkt. Und immer wieder für Entlastung zu sorgen. Sei es durch das Schaffen kleiner Ruheinseln im Alltag oder durch die Fähigkeit, sich abzugrenzen. Bei Letzterem ist es hilfreich, sich in der Kunst des Neinsagens zu üben. Auch etwas, was Hochsensiblen oft schwerfällt.

Die Hochsensibilität thematisieren

Überreizt? Dann gilt oft: Nichts sehen, nichts hören, einfach erstmal wieder zur Besinnung kommen und die Batterien an einem ruhigen Ort aufladen.

 
Es braucht nicht einmal viel, um bei hochsensiblen Menschen diese Überreizung und den daraus resultierenden Rückzugswunsch auszulösen. Oft handelt es sich sogar um Aktivitäten, die andere unterhaltsam finden. Etwa ein Shoppingbummel, ein Kinobesuch, eine Party oder andere alltägliche Dinge. Die Reaktion Hochsensibler wirkt daher auf nicht-hochsensible Menschen oft befremdlich und nicht nachvollziehbarer. Und so werden diese vermeintlich „zart Besaiteten“ schnell als arrogant oder eigenbrötlerisch wahrgenommen und in die Außenseiterrolle gedrängt. Wer kann, sollte daher mit seinem Umfeld offen über die Hochsensibilität sprechen. Das wird nicht jeder verstehen können oder verstehen wollen. Für hochsensible Menschen ist diese Offenheit allerdings eine Befreiung, da sie ihnen den Druck nimmt, sich permanent verstellen und eine weniger sensible Fassade zur Schau tragen zu müssen.

Warum Hochsensibilität und Achtsamkeit ein gutes Team sind

Achtsamkeit kann in potenziell überreizenden Momenten eine Rettungsinsel sein. Sie hilft dabei, die Situation bewusst wahrzunehmen. Ohne alles zu bewerten oder sich in negativen Gedankenschleifen und Horrorszenarien zu verlieren.

Also: die Aufmerksamkeit lediglich auf das richten, was ist.

 
Und nicht auf das, was vermutlich gleich geschehen wird, weil wir es so erwarten – was auch das eigene Verhalten einschließt. Wer bisher in einem Raum voller Menschen immer nervös geworden ist, wird ja wohl auch dieses Mal nervös werden und flüchten wollen. Oder etwa nicht? Mit ein wenig Übung bietet die Achtsamkeit eine Möglichkeit, genau diesem Teufelskreis zu entgehen.

Trotz Hochsensibilität nicht zum Einsiedler werden

Hochsensible Menschen schätzen zwar ruhige und überschaubare Situationen, nichtsdestotrotz brauchen auch sie Anreize und Herausforderungen wie jeder andere Mensch. Und selbst wenn es noch so verlockend scheint, alle Reizauslöser weitestgehend zu meiden: sinnvoll ist es nicht. Denn so wird das Leben immer enger, die Hürden unüberwindbar hoch und das Sozialleben massiv beeinträchtigt. Hochsensible tun also gut daran, sich bewusst auf erschöpfende Situationen einzulassen, die sie gerne meistern möchten. Und zur Not besteht ja immer noch die Möglichkeit, die Situation für einen Moment zu verlassen – ein rettender Gedanke, der es vielen Hochsensiblen ein bisschen leichter macht, sich vielleicht doch auf eine reizauslösende Situation einzulassen. Und welche reizauslösende Hürde auch immer überwunden wird: sie wird das Selbstwertgefühl steigern.

Hochsensibilität – ein Leben mit feinen Antennen

Es ist nicht immer leicht, mit so feinen Antennen zu leben. Hilfreich ist es allerdings, die Hochsensibilität einfach als normal zu betrachten. Und sie nicht mit dem Etikett „gut“ oder „schlecht“ zu versehen. Die Lebenskunst besteht darin, die Signale des Körpers rechtzeitig zu erkennen und bewusst mit den eigenen Kräften zu haushalten. Seine Grenzen zu kennen, ohne sich zu sehr davon einengen zu lassen. Und Kompromisse zu finden, die das Zusammenleben mit nicht-hochsensiblen Menschen möglich machen, wodurch auch das eigene Leben bereichert wird.

 

So bleibt das Leben für Hochsensible zwar trotzdem eine besondere Herausforderung, allerdings eine, die auch mit besonders intensiven Empfindungen lockt.

Fotocredit: (c) iStock.com/LiudmylaSupynska


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