Besser leben - Susanne Prosser

Warum Menschen ja sagen, wenn sie es nicht meinen

Sie wollen es nicht tun und tun es trotzdem. Menschen, die ja sagen, wenn sie nein meinen, haben eine ganz bestimmte Angst.

Menschen, die immer wieder ja sagen, wenn sie nein meinen, wollen um jeden Preis der Welt den Frieden bewahren und nicht negativ auffallen.

Am liebsten wollen Sie gar nicht auffallen. Denn wenn man auffällt – in welcher Form auch immer – kann das immer Konflikte unterschiedlichster Art heraufbeschwören.

 
Wenn sie auffallen wollen, dann auf jeden Fall positiv – und zwar positiv für alle Beteiligten. Also, es geht nicht, dass die einen das Verhalten gut finden und die anderen nicht. Darum sagen sie einfach so oft es geht „ja“.

Notorische Ja-Sager

„Kannst du schnell noch …“, „Würdest du bitte eben mal …“ oder „Ich brauche dich heute noch für …“ – wie auch immer die Frage lautet, es ist für notorische Ja-Sager eben alles eine Aufforderung, ja zu sagen. Sie passen sich an jede Situation an, die spontan in Erscheinung treten mag, und leisten den anderen damit stets hervorragende Dienste. Man könnte fast vergessen, dass diese Menschen noch ein eigenes Leben haben – klappt es doch immer perfekt, dass sie ohne zu Mucken zur Verfügung stehen.

Ihre eigenen Bedürfnisse allerdings stehen tatsächlich an der allerletzten Stelle. Und damit leider die ihrer liebsten Menschen auch. Im Job muss jemand da bleiben und wieder mal Überstunden machen? Da muss man nicht lange überlegen, wen man fragen muss. Jemand muss seinen Urlaubsplan ändern, weil ein dringender Auftrag eingegangen ist? Der Name ist Programm.

Warum aber tun sie das? Weil sie Angst vor der Reaktion der anderen haben. Und auf diese folgt ganz unmittelbar die Angst vor Zurückweisung, die – wie so vieles – bereits in der Kindheit entsteht.

 
Ein Verhaltensmuster, bei dem man immer wieder ja zu anderen sagt, ist leider oft auch der erste Schritt in ein Burnout.

Beziehungen sind chronisch belastet

Wer glaubt, immer und überall ja sagen zu müssen, hat neben dem organisatorischen Stress auch noch ein weiteres Problem: Er lebt dauernd in Anspannung. Weil es nie vorhersehbar ist, wann, wo und wofür sie wieder gebraucht werden und sie wieder ja sagen müssen. Und weil sie dadurch immer wieder in Erklärungsnotstand ihren Lieben gegenüber kommen.

Wirft man also einen genauen Blick auf die Beziehungen, so haben diese etwas sehr Ungesundes an sich. Denn wenn man sich nicht erlaubt, in einer Beziehung auch über seinen eigenen Bedürfnisse zu sprechen, sondern sich immer nur an den anderen orientiert, bringt das diese Beziehungen ganz schön im Schieflage.

Wer sich jetzt angesprochen fühlt: Setzen Sie klare Grenzen den Menschen gegenüber, die Forderungen an Sie stellen, die sie jetzt nicht erfüllen können oder wollen.

Eine gesunde Beziehung zeichnet sich nicht durch ständiges Ja-Sagen aus sondern dadurch, dass ein Dialog möglich ist.

 
Wer also wieder gefragt wird, ob er heute wieder länger bleiben kann oder diesen oder jenen Dienst erledigen kann, kann sagen, dass es nicht geht. Es ist das Natürlichste von der Welt, dass man eine Bitte ausschlägt – aus welchen Gründen auch immer. Sie können, aber müssen nicht erklären, warum. Manchmal fällt ein Gespräch leichter, wenn man Aussagen mit Begründungen untermauert, zum Beispiel “Heute geht es leider nicht, ich muss meine Kinder vom Kindergarten abholen” oder “Ich habe mich für 18.00 Uhr mit meinem Mann/meiner Frau zum essen vereinbart” etc. Im Grunde geht das “Warum” aber niemanden etwas an – Sie sollten Begründungen also nicht in Rechtfertigungen ausarten lassen, wie in dem Artikel 10 Dinge, die wir gar nicht müssen unter Punkt 1 beschrieben. Es ist auch essentiell, dass Sie solche Begründungen nur einmal sagen und diese nicht immer wiederholen. Der andere hat sie bereits gehört.

 

Machen Sie sich auf Widerstand gefasst

Und um auf die oben erwähnte Angst vor der Reaktion der anderen – und damit auf die Angst vor Zurückweisung – zurückzukommen: Ja, die Reaktion der anderen wird wahrscheinlich nicht sehr angenehm sein. Weil es bis jetzt ja immer wunderbar funktioniert hat – weil Sie bis jetzt immer wunderbar funktioniert haben, und zwar für die anderen. Wenn Sie sich dessen im Vorfeld bewusst sind, können Sie besser damit umgehen, wenn Ihr Gegenüber womöglich rebelliert und Ihnen Vorwürfe oder gar Schuldgefühle machen will. Sie wissen, dass das passieren kann, und darum können Sie eine Resistenz dafür entwickeln.

Mit der Zeit werden Sie aber merken, dass – je bestimmter und selbstsicherer Sie auftreten – andere Menschen Ihre Absagen auch akzeptieren und respektieren werden. Und dass sich die Qualität Ihrer Beziehungen dadurch verbessern wird, weil Sie anderen Menschen auf Augenhöhe begegnen.

Wichtig: Sehen Sie jedes noch so kleine “Nein” – wie auch immer Sie es formulieren – als Ihren persönlichen Erfolg, der Sie dazu anspornt, auch das nächste Mal wieder “Ja” zu sagen – nämlich ja zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen.

Fazit:

Wer es immer allen Recht machen will, sorgt zwar dafür, dass es den anderen allen prächtig geht, sich selbst aber miserabel. Fangen Sie heute damit an, zu Ihren eigenen Bedürfnissen zu stehen und für diese einzustehen. Wenn Sie sich bewusst darüber sind, dass ein “nein” andere vor den Kopf stoßen und diese auch verwundern oder gar verärgern kann, wissen Sie, was auf Sie zukommt – und Sie können besser damit umgehen.

Fotocredit: iStock/g-stockstudio


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