Ängste und Phobien - Nicole Inez Fuchs

Agoraphobie – Anzeichen und Ursachen der Störung

Stellen Sie sich vor, Sie haben so große Angst, dass Sie Ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Wenn Sie nämlich an bestimmte Orte gehen, an denen etwa viele Menschen sind, bekommen Sie Angst- und Panikzustände. Außerdem haben Sie Angst vor großen Plätzen. Eigentlich vor allen Situationen, die Sie nicht kontrollieren können. Diese beschriebenen Situationen können Anzeichen einer Agoraphobie oder Platzangst sein. Wissen Sie bereits, was die Ursachen hinter dieser psychischen Erkrankung sind und was Sie dagegen tun können?

Was ist Agoraphobie?

Unter Agoraphobie versteht man eine bestimmte Art der Angststörung. Oftmals wird diese psychische Störung auch von Panikattacken begleitet. Agoraphobie und Panikstörung zählen zu den häufigsten Erkrankungen der Psyche. Deutschlandweit leiden etwa 1,5 Millionen Menschen daran. Dabei trifft es Frauen etwa doppelt so oft wie das männliche Geschlecht. Ausbruch einer Agoraphobie oder Panikstörung ist meist das junge Erwachsenenalter. Da diese Angsterkrankung Betroffene im Alltag oft sehr einschränkt, ist sie dementsprechend belastend. Der Name Platzangst kommt übrigens daher, da die Personen Angst vor öffentlichen Plätzen haben.

Wie zeigt sich Agoraphobie?

Wenn Sie an dieser Form der Angststörung leiden, dann haben Sie nicht nachvollziehbare Angst vor großen Plätzen oder Angst vor großen Räumen. Auch das Reisen kann Ihnen Unbehagen bescheren. Grundlegend dabei ist, dass Sie diese Angst weder kontrollieren noch beeinflussen können. Rationale Argumente gegen die Ängste und Befürchtungen helfen ebenso wenig. Setzen Sie sich der gefürchteten Situation aus, können Panikattacken vorkommen. Die Intensität dieser variiert und es wird immer öfter vermieden, angstauslösende Orte aufzusuchen. Bleibt eine Agoraphobie unbehandelt, kann dies auch dazu führen, dass sich Erkrankte gar nicht mehr aus dem Heim trauen. Grundlegende Befürchtung ist die Angst vor Kontrollverlust.

Agoraphobie und Panikstörung

Zwischen 35 und 56 Prozent der Menschen, die an dieser Angsterkrankung leiden, haben eine Agoraphobie mit Panikstörung. Deshalb sind Angstattacken das Leitsymptom. Diese dauern meist ein paar Minuten. Die betroffenen Personen fühlen sich davon bedroht, denn es treten sowohl psychische als auch körperliche Symptome auf:

  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Beklemmungsgefühl
  • Übelkeit

Da Sie immer wieder Panikattacken haben, wenn Sie in angstauslösende Situationen kommen, haben Sie auch Angst vor der Angst. Das bedeutet konkret: Menschen mit einer Agoraphobie haben Angst davor, in einer öffentlichen Situation wieder panisch zu werden und daraus nicht schnell genug zu entkommen oder Hilfe zu bekommen. Verabredungen oder Termine werden oft akribisch geplant, damit so wenig wie möglich Unvorhergesehenes auftreten kann. Schon alleine das Grübeln im Vorfeld wirkt sich sehr belastend aus. Wissen Sie bereits, wie es um Ihre Angst bestellt ist?

Welche Ursachen hat die Agoraphobie?

Platzangst kann verschiedene Ursachen haben:

  • Neurologische Ursachen bei Agoraphobie
    Bei Angsterkrankungen sind gewisse Botenstoffe, die sogenannten Neurotransmitter, im Gehirn im Ungleichgewicht. Dazu zählen etwa Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Serotonin oder Noradrenalin. Dabei reagieren die Rezeptoren der Nervenzellen weniger sensibel auf die Botenstoffe. Ob sich jedoch tatsächlich eine Störung entwickelt, hängt von den psychosozialen Einflüssen ab.

    Außerdem haben Angstpatienten Veränderungen im limbischen System, im Hippocampus und dem Mandelkern. Dieses Gehirnareale sind verantwortlich für Gefühle und Emotionen sowie für die Gedächtnisbildung.

  • Psychische Ursachen bei Agoraphobie
    Die Psychoanalyse nimmt an, dass Ängste und Panikattacken aufkommen, wenn innere, ungelöste Konflikte bestehen. Dabei sind die Betroffenen jedoch nicht in der Lage, sich mit der Angst auseinanderzusetzen. Es tritt Überforderung ein und die Person flieht vor der eigentlichen Angst – ein Teufelskreis entsteht.
  • Psychosoziale Ursachen bei Platzangst
    Wenn eine Person eher ängstlich ist, erhöht das die Wahrscheinlichkeit einer Angsterkrankung. Sie nehmen körperliche Signale stärker wahr und erleben diese schneller als bedrohlich. Bereits in der Kindheit wurden traumatische Erfahrungen gemacht: Sexueller Missbrauch, Tod von Angehörigen oder auch Krankheit. Einer Agoraphobie und Panikstörung geht in 80 bis 90 Prozent der Fälle ein belastendes Ereignis voraus.

In der Grafik finden Sie Auslöser, die eine Panikattacke begünstigen können:

agoraphobie mit panikattacke

Wie wird Agoraphobie behandelt?

Die gute Nachricht vorweg: Platzangst ist gut behandelbar. Bedingung dafür ist jedoch, dass sie behandelt wird. Bei Angsterkrankungen hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Dabei lernt der Betroffene, seine Denkmuster zu hinterfragen und zu bearbeiten. Im weiteren Verlauf soll sich der Patient der Angst aktiv stellen. Die geschieht vor allem bei der Konfrontationstherapie. Bei einer besonders schweren Form der Agoraphobie können auch Antidepressiva helfen. Vorweg führt jedoch kein Weg am Arzt vorbei, der eine Diagnose stellt.

Bei der Platzangst handelt es sich um eine gut behandelbare Erkrankung. Das Leiden ist enorm groß und professionelle Hilfe ist nur einen Klick oder Anruf entfernt. Wollen Sie ein Leben in Angst oder in Freiheit leben? Wir können Ihnen sagen: Es gibt ein Leben hinter der Angst, Sie müssen nur den Weg dorthin finden. Und Wege geht man bekanntlich am besten gemeinsam.

Quellen:
https://www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/panik-und-agoraphobie.html
https://www.netdoktor.de/krankheiten/phobien/agoraphobie/
https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsst%C3%B6rungen/angstst%C3%B6rungen-und-stressbezogene-erkrankungen/agoraphobie
https://psychiatrie.tirol-kliniken.at/page.cfm?vpath=medizinische-p/patientinnen-information/was-sind-angststoerungen/panikstoerungagoraphobie
https://www.icd-code.de/icd/code/F40.01.html

Fotoquelle: (c) iStock.com/Motortion